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Deppenleerzeichen

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Hauptseite » Sprache » Deppenleerzeichen


Das Deppenleerzeichen ist der hässliche kleine Bruder des Deppenapostrophs.

Gemeint ist damit die sich immer weiter verbreitende Angewohnheit, zusammengesetzte deutsche Wörter nicht mehr länger wirklich zusammen­zu­schreiben oder - wie es die Duden-Regeln[ext] erlauben und in einigen Fällen sogar empfehlen oder vorschreiben - mit Bindestrichen zu koppeln, sondern einfach ein Leerzeichen dazwischen stehen zu lassen: Stachelbeer Schorle, 6 Korn Flocken, Steinofen Pizza sind ein paar Beispiele, die mir im Alltag aufgefallen sind. Die Webseite "Deppenleerzeichen" hat seit 2004 weitere grauslige Beispiele gesammelt: Würfel Zucker, Knaben oder Mädchen Unterhemd, Allgemein Bildung.

Die deutsche Sprache besteht aus Legosteinen

Es liegt nahe, für diesen Sprachtrend den Einfluss des Englischen verantwortlich zu machen, denn in der englischen Sprache gibt es wenige echte Zusammen­setzungen. Komposita werden dort aus­einander­geschrieben: Connys Currywurst­paradies wäre dort Conny's Curry Sausage Paradise. Der russisch­stämmige Autor Wladimir Kaminer hat die Zusammen­setzungen im Deutschen mal mit Lego­steinen verglichen, aus denen man Wörter zusammen­setzen könne - im Prinzip endlos bis zum Donau­dampf­schiff­fahrts­kapitän oder gar zu der Grundstücks­verkehrs­genehmigungs­zuständigkeits­über­tragungs­verordnung, die von der Duden-Redaktion[ext] einst als längstes Wort der deutschen Sprache ausgemacht wurde. Im Englischen dagegen werden die Legosteine einfach nur neben­einander­gelegt: Lego Bricks.

Mitverantwortlich ist ganz gewiss auch die letzte Rechtschreibreform, die dazu geführt hat, dass Wörter jetzt getrennt geschrieben werden, die früher zusammen­gehörten: Rad fahren, sitzen bleiben. Da die entsprechenden Regeln recht unlogisch sind, schreibt mancher wohl lieber einmal zu viel auseinander als zu wenig.

Sind die Theater schuld am Deppenleerzeichen?

Die Avantgarde des Deppenleerzeichen-Trends sind die Werber. Besonders früh haben sich die Reklame­spezialisten der Theater hervorgetan: Spätestens seit den Achtziger­jahren ist es deutschen Bühnen laut einem ungeschriebenen Gesetz verboten, einen Bindestrich in ihrem Namen zu haben. Das Schiller-Theater, das noch in Programm­heften von 1983 einen Bindestrich hatte, war 1993, als es geschlossen wurde, zum Schiller Theater geworden.

Frühe Beispiele zeigen, dass der englische Einfluss und die Rechtschreibreform wohl nicht allein verantwortlich sind: Das Ost-Berliner Maxim-Gorki-Theater, das 1952 offiziell mit zwei Bindestrichen im Namen gegründet wurde, nannte sich schon auf Plakaten der frühen Sechziger­jahre Maxim Gorki Theater - beispielsweise für Horst Schönemanns Inszenierung "Frau Jenny Treibel" (nach Fontane) 1964. Im gleichen Jahr ging dem Hamburger Thalia Theater der Bindestrich verloren: Nach Auskunft der Pressestelle, die für uns freundlicherweise alte Programmhefte durchgesehen hat, verschwand er beim Übergang der Intendanz von Willy Maertens auf Kurt Raeck.

Es hat dann Jahrzehnte gedauert, bis die bindestrich­lose Schreibweise Thalia Theater wirklich angenommen wurde. Recherchen im Archiv des Springer-Verlags ergaben, dass die Zeitungen noch bis 1968 ausschließlich Thalia-Theater schrieben. Dann begann der Rückzug des Bindestrichs. Ab Mitte der Siebziger­jahre sind neunzig Prozent aller Nennungen ohne Bindestrich, aber auch Anfang der Neunziger­jahre lassen sich noch vereinzelt Bindestriche finden - auch in Hamburger Zeitungen.

Bei langen Theaternamen wird das Motiv für die Deppen­leer­zeichen deutlich: Man will auf Plakaten ebenso wie auf Produkt­etiketten unschöne Trennungen vermeiden. Maxim Gorki Theater lässt sich bei Bedarf auch unter­einander­schreiben, genauso wie 6 Korn Flocken. Die Gestaltungs­möglich­keiten der Gebrauchs­graphiker sind größer. Mit Bindestrich würde sichtbarer werden, dass man die Wörter im Grunde genommen zerhackt hat. Das Deppen­leerzeichen müsste eigentlich Designer­leerzeichen heißen.[1]

Einzelnachweise

  1. Matthias Heine: Deutsche Sprache: Wie das Deppenleerzeichen den Bindestrich bedroht, Die Welt am 11. Februar 2016 (Woher kommt der Hass auf den Bindestrich? An seine Stelle tritt im Deutschen immer häufiger das Deppenleerzeichen. Die Duden-Regeln sind vielen egal oder unbekannt. Beobachtungen zu einer Sprachpest.)

Netzverweise