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Donna Haraway

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Donna Haraway
Geboren 6. September 1944

Donna Jeanne Haraway (* 1944) ist eine emeritierte amerikanische Professorin am Department für History of Consciousness und am Department für Feminist Studies an der University of California, Santa Cruz. Die Natur­wissen­schafts­historikerin und Frauen­forscherin wurde seit den frühen 1990er Jahren als Feministin und dem Postmodernismus[wp] nahe beschrieben ("feminist, rather loosely a postmodernist").[1]


Zitat:

«Donna Haraway verknüpft feministische Objektivitäts­ansprüche mit dem (postmodernen) Beharren auf Differenzen und Vielfalt lokalen Wissens. Sie plädiert für eine "verkörperte Objektivität" und behauptet, dass "feministische Objektivität" ganz einfach "situiertes Wissen" bedeutet.[2] Mit verkörpert/embodied ist gemeint, dass das, was wir sagen, in einem Kontext steht und positioniert ist; dass wir mit unserem Wissen immer irgendwo und nicht überall oder nirgendwo sein können. Das bedeutet für Objektivitäts­ansprüche, dass sie als Über­setzungs­arbeit zu konzeptualisieren sind: Zwischen heterogenen und lokalen, in Feldern von Macht- und Herrschafts­verhältnissen eingebetteten Praktiken und Stand­punkten. Diese Über­setzungs­arbeit versteht Haraway nicht bloßes Addieren und pluralistisches Zusammen­stellen von partialen Perspektiven, sondern als herrschafts­kritisches politisch-epistemologisches Unternehmen.»[3]

Zitat:

«Situiertes Wissen: Konzept und Begriff des 'Situierten Wissens' wurden von der Biologin und Feministin Donna Haraway geprägt. Situiertes Wissen "sucht der doppelten Anforderung gerecht zu werden, sowohl die grundlegende historische Kontingenz aller Wissens­ansprüche und Wissens­subjekte - einschließlich der eigenen - zu berücksichtigen als auch auf 'einer besseren Darstellung der Welt' zu beharren. Es vertritt, wie sie in kritischer Abgrenzung sowohl gegen einen naiven sozial­konstruktivistischen Ansatz als auch gegen einen unkritischen Empirismus argumentiert, die Doktrin einer 'verkörperten Objektivität'. Diese Doktrin berücksichtigt - ebenso wie der französische Ansatz der Epistemologie -, dass die Geschichte des rationalen Wissens und seine Produktion nicht unabhängig von der Materialität der Geschichte, den Verflechtungen mit der Technik und der Geschichte der technischen Medien, den Institutionen und Prozeduren der Macht verstanden werden kann. Verkörperte Objektivität, die Haraway synonym gebraucht mit 'feministischer Objektivität', handle, wie sie argumentiert, von zeitlich und örtlich begrenzten Feldern des Wissens und breche mit der Vorstellung eines unmarkierten Blickes. Der Vorstellung eines solchen von zeitlichen und räumlichen Bedingungen unabhängigen Blickes hält sie das Konzept einer partialen Perspektive entgegen und plädiert für eine kritische Positionierung des Wissens." (Deuber-Mankowsky/Holzhey 2013: 9f.)»[4]

Situated Knowledge (zu deutsch "Situiertes Wissen") ist ein zentraler Begriff in Donna Haraways Konzept der feministischen Objektivität. Haraway geht in ihrem viel zitierten Essay "Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective" (1988) von einer grund­sätzlichen Bedingtheit allen wissenschaftlichen Wissens aus. Deshalb werden im Konzept des Situated Knowledge die soziale Verortung und die kontext­bedingten Vorteile der forschenden Personen mit in den Forschungs­prozess einbezogen. Weiter wird die Einbettung in ein wissen­schaft­liches Feld sowie mögliche blinde Flecken analysiert.

"So, not so perversely, objectivity turns out to be about particular and specific embodiment and definitely not about the false vision promising transcendence of all limits and responsibility. The moral is simple: only partial perspective promises objective vision" (Haraway 1988: 583).

Situated Knowledge ist in diesem Sinne lokal und immer begrenzt und kann niemals für alle Menschen sprechen. Wichtig ist vor allem die Verknüpfung von verschiedenen Perspektiven. Zentral ist dabei, das Objekt des Wissens als Akteur und Agent zu betrachten und nicht als Projektions­fläche (Haraway 1988: 592). Wichtig im Umgang mit Wissens­positionen ist vor allem die wiederholte kritische Nachprüfung, Dekonstruktion und Interpretation des herrschenden Wissens (Haraway 1988: 584). Kernpunkt von Situated Knowledge ist eine grundsätzliche kontextuelle Betrachtungs­weise jeglicher Forschungs­fragen.

Haraways Situated Knowledge hat sich nicht nur in der feministischen Erkenntnis­theorie als viel diskutiertes Wissens­konzept behauptet, es wird auch immer häufiger als konzeptioneller Ausgangs­punkt für trans­disziplinäre Projekte und Künstlerische Forschung[ext] verwendet. Das Konzept des Situated Knowledge eignet sich dafür, einen klar definierten Themenbereich aus verschiedenen disziplinären Perspektiven und/oder Wissens­positionen zu bearbeiten und ermöglicht somit eine trans­disziplinäre Arbeitsweise (Egloff 2011; Griffiths 2011).
- [5]

Einzelnachweise

  1. Robert M. Young: Science, Ideology and Donna Haraway. In: Science as Culture. 15, Nr. 3, 1992, S. 179
  2. Vgl. D. Haraway 1995:80
  3. Mona Singer: Frau ohne Eigenschaften - Eigenschaften ohne Frau? Situiertes Wissen, feministischer Standpunkt und Fragen der Identität, in: Tatjana Schönwälder-Kuntze, Sabine Heel, Claudia Wendel, Katrin Wille (Hrsg.): Störfall Gender: Grenzdiskussionen in und zwischen den Wissenschaften, Springer Fachmedien 2003, S. 100
  4. Sascha Willenbacher: Der geschulte Blick - Bericht aus der Begleitforschung zum Projekt 'Jump & Run', in: Camilla Schlie, Sascha Willenbacher (Hg.): Eure Zwecke sind nicht unsere Zwecke - Zur Kooperationspraxis zwischen Theater und Schule im Berliner Modellprojekt 'Jump & Run', Transcript Verlag 2016, S. 312
  5. Situated Knowledge, Transdisziplinarität - Eine Bestandsaufnahme des Forschungsdiskurses

Netzverweise