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Industrie 4.0

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Industrie 4.0 ist ein Marketing-Begriff, der auch in der Wissenschafts­kommunikation verwendet wird, und steht für ein "Zukunfts­projekt" der deutschen Bundesregierung. Die so genannte vierte industrielle Revolution zeichnet sich durch Individualisierung bzw. Hybridisierung der Produkte und die Integration von Kunden und Geschäfts­partnern in die Geschäfts­prozesse aus.

Ausführliche Erklärung:

  1. Allgemein: "Industrie 4.0" ist ein Marketing-Begriff, der auch in der Wissenschafts­kommunikation verwendet wird, und steht für ein "Zukunftsprojekt" (so die Hightech-Strategie-Website) der deutschen Bundesregierung. Die so genannte vierte industrielle Revolution, auf welche die Nummer verweist, zeichnet sich durch Individualisierung (selbst in der Serien­fertigung) bzw. Hybridisierung der Produkte (Kopplung von Produktion und Dienstleistung) und die Integration von Kunden und Geschäfts­partnern in Geschäfts- und Wert­schöpfungs­prozesse aus. Wesentliche Bestandteile sind ein­gebettete Systeme sowie (teil-)autonome Maschinen, die sich ohne menschliche Steuerung in und durch Umgebungen bewegen und selbstständig Entscheidungen treffen, und Entwicklungen wie 3D-Drucker. Die Vernetzung der Technologien und mit Chips versehenen Gegenstände resultiert in hoch­komplexen Strukturen und cyber-physischen Systemen (CPS) bzw. im Internet der Dinge[ext].
  2. Anwendungsfelder: Neben der Fabrikation gehören Mobilität, Gesundheit sowie Klima und Energie zu den strategisch wichtigsten Anwendungs­feldern der Industrie 4.0. Damit spielt eine hochmoderne, roboter­basierte Fahrzeug­produktion (Smart Factory und Smart Production) ebenso eine Rolle wie die Weiter­entwicklung und Vernetzung von Fahrer­assistenz­systemen[ext] und selbstständig fahrenden Autos[ext], die Daten sammeln und an Werkstätten und Hersteller schicken. Operations-, Pflege-, Therapie- und allgemein Service­roboter ergänzen menschliche Fachkräfte. Sie sind besonders präzise, respektive ausdauernd und können rund um die Uhr relevante Informationen auswerten. Die elektronische Patientenakte erspart Redundanzen in der Behandlung und kann für automatisierte Benachrichtigungen eingesetzt werden, und auch medizinische Smartwatches[ext], intelligente Pillen und die individualisierte Medizin eröffnen neue Perspektiven. Smart Grid revolutioniert das Energie­management[ext] und verbindet kleine und große Energie­versorger und unterschiedlichste -systeme.
  3. Kritik und Ausblick: Als Marketingbegriff entzieht sich "Industrie 4.0" - wie "Web 2.0" und "Web 3.0" - ein Stück weit einer wissenschaftlichen Präzisierung. Die Frage ist, was man zur Industrie zählt, was als Industrialisierung bezeichnet werden und ob Industrialisierung (die mit Kommerzialisierung verbunden sein mag) ein wertendes Konzept bedeuten kann. Vorteilhaft sind u.a. Anpassungs- und Wandlungs­fähigkeit, Ressourcen­effizienz, Verbesserung von Ergonomie und Erhöhung von (bestimmten Formen der) Sicherheit. Nachteilig ist, dass die komplexen Strukturen der Industrie 4.0 hochgradig anfällig sind. Autonome Systeme[ext] können sich falsch entscheiden, entweder weil sie unpassende Regeln befolgen oder Situationen und Vorgänge unkorrekt interpretieren. Sie können Menschen verletzen und Unfälle verursachen, was die soziale Robotik allerdings gezielt zu bekämpfen versucht. Automatisierte Entscheidungen in moralischer Hinsicht, mithin die damit zusammen­hängenden Probleme, sind Thema der Maschinen­ethik[ext]. Die Informations­ethik[ext] beschäftigt sich damit, dass die Systeme manipuliert und gehackt, dass sie falsche Daten benutzen und falsche Informationen liefern und in feindlicher Weise übernommen werden können. In selbstständig fahrenden Autos und in vernetzten Häusern (Smart Living) werden wir zu gläsernen Bürgern, angesichts medizinischer Roboter und elektronischer Akten zu gläsernen Patienten. Die Arbeitsethik[ext] kommt hinzu, wenn es um die Ersetzung von Arbeits- und Fach­kräften durch (teil-)autonome Maschinen geht.

Querverweise

Netzverweise

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Industrie 4.0 von Prof. Dr. Oliver Bendel für Wirtschaftslexikon Gabler.