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Judith Butler

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Judith Butler
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Geboren 24. Februar 1956

Judith Butler (* 1956) ist eine US-amerikanische Philosophin und Philologin. Sie ist Professorin für Rhetorik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California, Berkeley.

Seit Ende der 1980er Jahre finden Butlers Arbeiten zur feministischen Theorie internationale Aufmerksamkeit. Mit ihrer Schrift Das Unbehagen der Geschlechter[wp] stieß sie 1990 die Diskussionen um die Queer-Theorie an. Einer von Butlers signifikanten Beiträgen ist das performative Modell von Geschlecht. Demnach werden die Kategorien männlich und weiblich als Wiederholung von Sprechakten verstanden, und nicht als natürliche oder unausweichliche Absolutheiten. Über Geschlechter­themen hinaus hat sie sich mit Fragen von Macht und Subjekt­theorien beschäftigt, seit 2002 zudem mit der Ethik der Gewaltlosigkeit.

Nach der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsident der Vereinigten Staaten fragte Butler:

Zitat:

«Schirmt uns unsere weltentrückte Art des linksliberalen Denkens von der Wahrheit ab?»[1]

René Pfister[wp] kommentiert dazu:

Zitat:

«Es ist wohl eher eine rhetorische Frage. Gerade der akademische Feminismus in den USA hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in immer gewagtere Theoriehöhen geschraubt und war schon dabei, das Geschlecht als Kategorie abzuschaffen. Nun stellen seine Vertreterinnen entsetzt fest, dass er außerhalb der Seminarräume völlig einflusslos ist.»[2]

Genderismus

Butler verweigert in ihrem politischen Denken die Unterscheidung von sex (biologisches Geschlecht) und gender (soziales Geschlecht). Durch Dekonstruktion gelte es, Spielraum für ein Erproben von alternativen Geschlechtsidentitäten, queer identities, zu schaffen. Queer ist hierbei nicht als ständig wechselbare Identität gedacht. Ziel sei vielmehr, die Kontingenz[wp] von anatomischen Körper­merkmalen und performativer Geschlechts­identität aufzuzeigen und zur Geschlechter-Verwirrung anzustiften. Damit können Strategien der Vervielfältigung mobilisiert werden, die die Festlegung von Geschlechts­identitäten angreift und überschreitet.[3]

Zitat:

«Judith Butler ist für den Genderismus ungefähr das, was L. Ron Hubbard für Scientology ist.» - Hadmut Danisch[4]

In der 2004 erschienen Schrift Undoing Gender (deutsch Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen) schildert Butler in dem Essay Jemandem gerecht werden das Schicksal von David Reimer, der nach einer missglückten Beschneidung als Maid aufgezogen und hormonell und operativ behandelt wurde. Mit Eintritt der Pubertät aber widersetzte er sich, lebte fortan als Junge und unterzog sich schließlich einer konträren Behandlung. Nach Butler ging es bei dem Fall Reimer um einen Normalisierungsdiskurs, der auch mit dem Mittel der Gewalt vorgeht, um verschiedene Vorstellungen eines angemessenen Geschlechts durchzusetzen.

Poststrukturalismus

Zitat:

«Die sozialwissenschaftlich-philosophischen Arbeiten Judith Butlers werden dem Post­strukturalismus zugeordnet, benannt mit einer jener unglücklichen Wortbildungen (Post-), an denen sich ablesen lässt, dass unsere Zeit keine neuen Begriffe mehr zu prägen in der Lage ist. Die These ihres bekanntesten Buchs "Das Unbehagen der Geschlechter" soll hier kurz referiert werden, was angesichts des kruden Inhalts schwer genug fällt. Der englische Originaltitel "Gender Trouble. Feminism and the subversion of identity" (erschienen 1990) zeigt besser, worum es geht. Gender bezeichnet in der feministischen Theorie so etwas wie das "soziale Geschlecht", mithin eine Geschlechtskategorie, die nicht natürlich gegeben ist, im Unterschied zum biologischen Geschlecht. Bei den traditionellen, um nicht zu sagen alten Feministinnen hieß es zu "Gender" lediglich, es sei eine Geschlechtsidentität, die mit dem biologischen Geschlecht nicht ursächlich in Verbindung stehe: Das kann noch insoweit nachvollzogen werden, als bestimmte sozial definierte Rollenbilder so hinterfragt werden können. Butler geht in ihrem Buch aber noch weiter und legt dar, dass auch das biologische Geschlecht diskursiv erzeugt sei (an anderer Stelle schreibt sie wörtlich: "sex", also das anatomisch-biologische Geschlecht, sei "always already gender", also kulturell und sozial hervorgebracht). Die Einteilung der Menschen in die Kategorien "männlich" und "weiblich" wäre demnach ein diskursives Konstrukt, das eine angebliche, natürlich-biologische Tatsache zum Vorwand nimmt, Macht und Herrschaft auszuüben. Die neuen Feministinnen arbeiten also an der Abschaffung der traditionellen Geschlechter­kategorien, da schon das Denken in diesen Kategorien Grundlage für sexistische Unterdrückung sei. Höhepunkt der absurden Denkfolge ist die Behauptung, dass weder "das Konstrukt Männer ausschließlich dem männlichen Körper zukommt, noch dass die Kategorie Frauen nur weibliche Körper meint". Mit anderen Worten: Kulturell gesehen können Männer auch Frauen sein, Frauen Männer und beide alles dazwischen auch.
Erwähnt werden sollte vielleicht auch "Haß spricht. Zur Kritik des Performativen" (deutsch 1998), ein Buch, in dem Butler unter Rückgriff auf die Sprechakt&shy:theorie von J. L. Austin die "excitable" und "hate speech" diskutiert. Sie ging von einer juristisch-politischen Debatte in den USA rund um schwul-lesbisches Coming Out amerikanischer Militärs und porno­graphische Repräsentation aus und erörterte daran das problematische Verhältnis von Sprechen und Handeln. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Angehörigen einer Gesellschaft, die solche Probleme mit der Identität hat, sich in der eigenen Haut, sei sie nun männlich oder weiblich oder was auch immer, nicht mehr wohl fühlen. Insofern ist der deutsche Titel ("Unbehagen") gut gewählt und Butler auch wieder symptomatisch und repräsentativ. Leider muss konstatiert werden, dass auch hier die Aufklärung zu einem unerwünschten Ergebnis geführt hat, nämlich einer vermehrten Kontrolle des Sprechens und der Meinungsäußerung.
Es wäre ungerecht, die Arbeiten Butlers auf die Gender­theorie einzuschränken. An der Wirkmächtigkeit ihrer Veröffentlichungen, die das Kuratorium herausstellt, besteht jedoch kein Zweifel: Ganze Kohorten von Gender­forscherinnen bevölkern die Universitäten und multiplizieren ihre Theorie, das Fernsehen und das westliche Kino sind beide unübersehbar der Gender­theorie verpflichtet - dies nur zwei Beispiele. Dass sie nicht für jede politische Entscheidung verantwortlich ist, die sich zurecht oder zu Unrecht auf ihre Theorien beruft, dürfte selbstverständlich sein. Judith Butler hat zudem 2002 in Frankfurt die Adorno-Vorlesungen gehalten, die im folgenden Jahr unter dem Titel "Kritik der ethischen Gewalt" bei Suhrkamp gedruckt erschienen: Der Bezug zu Adorno und Frankfurt ist bei ihr also schon auf diese oberflächliche Weise geschaffen; in ihrem Werk hat sie sich tatsächlich mit Adorno aus­einander­gesetzt. Allerdings meinte Magnus Klaue in "Konkret" anlässlich einer Besprechung bei Erscheinen des genannten Buches: "Judith Butler möchte Adorno für sich entdecken und findet doch nur Michel Foucault." Ihre Auffassung von "Macht" scheint dieses Verdikt zu bestätigen. Originell ist Butler am ehesten bei der Gender­theorie, und für sie ("Identität und Körper") dürfte sie im frauen­bewegten Deutschland am ehesten geehrt werden.» - Adorján F. Kovács[5]

Kritik

Inzest und schwule Familie

Ihr Auftritt in der Berliner Bibliothek im Jahr 1997 wurde von der TAZ stark kritisiert. Erschreckend war dabei ihr Denkansatz, die gefühlsbezogene Liebe völlig als entmaterialisiert zu betrachten. Damit suggerierte sie den Zuhörern, Inzest als eine nachvollziehbare, moralisch gar vertretbare Form zu akzeptieren. Eine Inzesthandlung destabilisiere notwendigerweise in der modernen Gesellschaft die Familie, sei diese doch bloß eine vom Vatikan der Menschheit auferlegte Struktur. Die Norm sei längst die schwule Familie. Ihre Liebe gelte den "todgeweihten AIDS-Kranken"-Homosexuellen. Für Butler sei AIDS nichts weiter als eine "sozial verhängte Strafe".[6]

Theoriemilieu versus reale Gesellschaftsprobleme

Judith Butler, "wie viele aus diesem Theoriemilieu homosexuell und kinderlos"[7], liefert weder ein persönliches Vorbild für den Fortbestand und das Gedeihen der menschlichen Art, noch gibt sie nützliche Antworten auf die anstehenden sozialen und ethischen Probleme. Ihre Theorie ist für die Problematik der Demographie, des sinkenden Bildungsniveaus, der Kindererziehung, der Verbesserung des sozialen Zusammenhalts schlicht unbrauchbar.

Nahezu von Anfang an und mit bemerkenswerter Konstanz rangiert die bürgerliche Familie an der Spitze zu bekämpfender "Zwangsstrukturen". Kinder wiederum spielen im Gender-Diskurs einer Judith Butler ungefähr eine Rolle wie die Verhütung im katholischen. Wer die Begriffe Frau und Mutter zu eng zusammenbringt, ist des Teufels, wie hierzulande etwa die TV-Moderatorin Eva Herman erfahren durfte.[7]

Werke

Zitate

  • "Die Zwangsheterosexualität setzt sich selbst als das Original, das Wahre, das Authentische (...) Mit anderen Worten: obligatorische heterosexuelle Identitäten, jene ontologisch gefestigten Phantasmen "Mann" und "Frau", sind theatralisch produzierte Effekte, die als Grundlagen, als Originale, als normatives Maß des Realen posieren (...) Obwohl die Zwangsheterosexualität oft suggeriert, es gebe zunächst ein Geschlecht, das sich in einer Geschlechtsidentität und dann in einer Sexualität ausdrückt, kann es sein, daß wir diesen Denkvorgang an diesem Punkt vollständig umkehren und modifizieren müssen."[9]
  • "Diese Juden (in den Vereinigten Staaten) glauben irrtümlicherweise, dass der Staat Israel das Judentum unserer Zeit repräsentiert und dass man, wenn man sich als Jude begreift, Israel und seine Vorgehensweise zu unterstützen hat."[10]
  • "Das geht vielen so, die Israel kritisieren - man brandmarkt sie als Antisemiten oder gar als Helfershelfer der Nazis; eine Form der Anschuldigung, die dazu dienen soll, die beständigsten und giftigsten Formen von Stigmatisierung und Dämonisierung zu zementieren. Man nimmt den Kritiker ins Visier, indem man seine Worte aus dem Zusammenhang reißt und ihre Bedeutung auf den Kopf stellt. Man erklärt seine Auffassungen ohne Rücksicht auf deren Inhalt für nichtig. (...) Es handelt sich um eine Taktik, die darauf abzielt, Menschen zum Schweigen zu bringen: Was immer man sagt, es ist von vornherein abzulehnen oder so zu verdrehen, dass die Triftigkeit des Sprechakts geleugnet wird. Mit dieser Art von Vorwurf weigert man sich, die kritische Sichtweise zu erörtern, ihre Gültigkeit zu diskutieren, ihre Belege zu prüfen und zu einer vernünftig begründeten Schlussfolgerung zu kommen. Der Vorwurf ist nicht nur ein Angriff auf Menschen mit Ansichten, die manche verwerflich finden, sondern auch ein Angriff auf den vernünftigen Austausch an sich. Wenn eine Gruppe Juden eine andere Gruppe Juden als 'antisemitisch' bezeichnet, dann versucht sie, das Recht, im Namen der Juden zu sprechen, zu monopolisieren. Der Vorwurf des Antisemitismus ist also in Wirklichkeit oftmals ein Deckmantel für einen inner­jüdischen Streit."[10]
  • "'Butler geht in ihrem Buch aber noch weiter und legt dar, dass auch das biologische Geschlecht diskursiv erzeugt sei' - das muß man doch nur aus dem Kauderwelsch übersetzen, und dann heißts einfach 'irgendwas wird weiblich genannt, sobald Sprache dafür verfügbar ist'."[11]
  • "Bemerkenswerterweise gibt Butler an einer Stelle sogar offen zu, dass sie selbst ihre Gender-Theorie nur in der Kategorie 'perhaps' sieht - vielleicht ist das so. Vielleicht auch nicht. Sie erklärt zwischendrin, was ihre persönliche Lebenssituation so war, welche Probleme sie hatte, und dass daraus ihre Vorstellung von Gender entstanden ist. Und bestätigt damit genau das, wie ich mir das Zustandekommen von Gender nach bisheriger Literatursichtung vorgestellt habe: Da zimmert sich jemand willkürlich ein Weltbild zusammen, weil er sich damit persönlich besser fühlt. Mit Realität, Überprüfung oder Wissenschaft hat es nichts zu tun." - Hadmut Danisch[12]

Einzelnachweise

  1. US-Wahl: Amerikas Intellektuelle stehen unter Schock, Süddeutsche Zeitung am 10. November 2016
  2. René Pfister[wp]: Der Kater der Frauenbewegung, Spiegel Online am 14. November 2016
  3. Hannelore Bublitz: Judith Butler zur Einführung. 3. Auflage, Hamburg 2010, S. 108
  4. Hadmut Danisch: 16 verschiedene Geschlechter, Ansichten eines Informatikers am 6. September 2012
  5. Adorján F. Kovács: Preisverleihung: Mit Tricks geht's besser, Cuncti - Streitbar am 11. September 2012
  6. Mariam Niroumand: "Wie im Phantomschmerz", TAZ am 12. Juni 1997
  7. 7,0 7,1 Michael Klononsky: Ein Nagel im Sarg des westlichen Menschen. Was Gender und Gender-Mainstreaming mit Dekadenz zu tun haben., Focus, Heft 52/2010, S. 64-66
  8. Der englische Untertitel "Feminism and the subversion of identity" bedeutet im Deutschen: "Feminismus und die Zersetzung der Identität"
  9. Judith Butler aus dem Jahre 1999 (EMMA 6/1999)
  10. 10,0 10,1 Judith Butler: "Ich bin tief verletzt", Zeit Online am 29. August 2012
  11. slowtiger am 13. September 2012 um 16:39 Uhr
  12. Hadmut Danisch: Judith Butler und Gender auf ARTE, Ansichten eines Informatikers am 13. September 2012

Netzverweise

Querverweise