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Antifa Rostock - Und gleich wird die rechte Hetze beginnen.jpg

Die Antifa meldet einen Einzelfall:

"#Frankfurt Mann stößt #Kind auf die #Gleise und wird von #Schnellzug (#ICE) überrollt. Und gleich wird die rechte Hetze beginnen. Lasst die Flüchtlinge aus dem Spiel.
Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!"
- Auf Twitter am 29. Juli 2019

Die Helferindustrie reagiert:

Carsten Baumann, Leiter der ökumenisch geführten Bahnhofsmission, äußerte die Befürchtung, dass die Tat "in Sozialen Netzwerken[wp] genutzt wird, um die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben". Feldmann sagte, er hoffe, "dass der Hass nicht verfängt, den einige bereits gestern Abend im Netz geäußert haben".
- Nord-Bayern am 30. Juli 2019[ext]

Der Qualitätsjournalismus meint:

"Kind von Eritreer vor Zug gestoßen - Danke, Merkel" - Was ist bloß los in den Hirnen all jener, die im Internet solche Sätze verbreiten, fragt sich unser Kommentator Matthias Koch. Seine Antwort: Dem Wahn des Einzelnen folgt der Wahn der Menge.
- Leipziger Volkszeitung am 2. August 2019[ext]

Die Pfarrerin predigt:

"Was muss jemand erlebt und erlitten haben, wenn er anderen so etwas Furchtbares antut?" [...] "Wir dürfen nicht zulassen, dass jetzt Gedanken von Hass um sich greifen."
- Hessenschau[ext]
Politik in Deutschland: Willkommenskultur für Migranten, Abtreibungs­kultur für Ungeborene, Zerstörungs­kultur für Familien
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Karl Grammer

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Karl Grammer
Karl Grammer.jpg
Geboren 1950
Beruf Wissenschaftler

Karl Grammer (* 1950) ist ein deutscher Zoologe, Verhaltensforscher[wp] und Evolutions­biologe[wp].

Werdegang

Grammer studierte von 1972 bis 1979 Zoologie, Anthropologie und Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München[wp] und verfasste ab 1977 seine Diplomarbeit an der damals von Irenäus Eibl-Eibesfeldt[wp] geleiteten Forschungsstelle Human­ethologie der Max-Planck-Gesellschaft[wp] über das Thema Helfen und Unterstützen in Kinder­gruppen. Seine von 1979 bis 1982 entstandene Doktorarbeit war dem Thema Wettbewerb und Kooperation: Das Eingreifen in Konflikte unter Kinder­garten­kindern gewidmet. Danach leitete er bis 1987 ein "Kinder­garten­projekt" der MPG-Forschungs­stelle für Human­ethologie. Von 1985 bis 1988 erforschte er zudem in einem Projekt die "Strategien der Selbst­darstellung bei balzenden Männern".

Seit 1991 leitet Grammer das Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie in Wien und ist außerordentlicher Professor an der Universität Wien im Department für Anthropologie.

Forschungsschwerpunkte

  • Menschliches Flirtverhalten
  • Die Rolle von fluktuierender Asymmetrie bei Attraktivitäts­wahrnehmung und Partnerwahl
  • Pheromone und physische Attraktivität
  • Bewegung als Signal für Partnerqualität

Werke

  • Signale der Liebe. Die biologischen Gesetze der Partnerschaft., Hoffmann&Campe 1993, ISBN 3-455-08451-6
  • Biologische Grundlagen des Sozialverhaltens. Verhaltensforschung in Kindergruppen (= Dimensionen der modernen Biologie. Bd. 5). Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1988, ISBN 3-534-02535-0

Interviews

Der Wiener Verhaltensforscher Karl Grammer verrät, welche Tricks die Biologie anwendet, damit sich die passenden Gene fortpflanzen.
Focus
Der Mann ist der Jäger und die Frau die Gejagte - ist das heute noch das gängige Muster der Partnerwahl?
Grammer
Der Mann ist nicht der Jäger.
Focus
Nicht?
Grammer
Nein, er glaubt das nur, weil die Frau ihm das weismacht.
Focus
Sie meinen, Frauen treffen die Wahl?
Grammer
Ohne Zweifel. Frauen sind immer die Jäger, und Männer merken nicht einmal, dass sie bereits erlegt sind. Wenn der Mann um die Frau wirbt, dann nur, weil sie ihn ausgewählt hat und zulässt, dass er das Spiel eröffnet.
Focus
Warum so umständlich?
Grammer
Männer wollen keine Frauen, die Männer aufreißen - jedenfalls nicht für eine langfristige Beziehung. Um sicherzugehen, dass die Kinder wirklich von ihnen gezeugt wurden, fordern Männer unbedingte Treue, und die können sie nicht von einer Frau erwarten, die ihre Sexualpartner selbst aussucht. Aus diesem Grund haben Männer begonnen, Frauen zu kontrollieren.
Focus
Das lassen sich Frauen gefallen?
Grammer
Frauen haben sich im Laufe der Evolution[wp] zu talentierten Lügnerinnen und Täuscherinnen entwickelt. Diese Begabungen benötigen sie, um ihre reproduktiven Interessen durchzusetzen und dabei der männlichen Kontrolle zu entgehen. Das wiederum führt zu einem Problem: Je cleverer Frauen wurden, desto mehr Dominanz und Aggressivität entwickelten Männer, um ihre Macht zu verstärken. In besonders strengen Gesellschaften dürfen Frauen das Haus allein nicht verlassen oder müssen Schleier tragen.
Focus
Welche Strafen drohen den Sündern?
Grammer
Innerhalb der Beziehungen bestrafen sich die Partner mit Liebes- oder Sexentzug, im krassesten Fall natürlich mit Trennung.
In manchen Kulturen werden untreue Frauen getötet. Bei solch drastischen Strafen ordnet sich die Biologie den gesellschaftlichen Anforderungen unter. In unserer Gesellschaft dagegen gilt Ehebruch nicht mehr unbedingt als große Verfehlung und wird deshalb auch kaum geahndet.
Focus
Heißt das, je geringer die gesellschaftliche Kontrolle ist, desto mehr triumphiert die Biologie?
Grammer
Ja, durchaus.
Focus
Warum suchen sich Frauen überhaupt Machos aus, wenn die ihnen das Leben so schwer machen?
Grammer
Frauen fahren zweigleisig. Sie gehen mit Alpha-Typen ins Bett, weil diese das optimale Erbmaterial garantieren. Aber diese Männer bringen auch Gewalt und Machtspiele ins Haus. Also heiraten Frauen dann doch lieber die fürsorglichen, weichen Typen, die Verlässlichkeit und Langfristigkeit bei der Aufzucht der Kinder gewährleisten. Dieser Doppelstandard lässt sich sogar am Verhalten der Frau innerhalb ihres Zyklus ablesen. An ihren fruchtbaren Tagen begehrt sie Machos, an den unfruchtbaren steht sie auf Softies.
Focus
Ziemlich ernüchternd für Männer, oder?
Grammer
Nun ja, Männer verfolgen andere Strategien: Entweder sind sie treu und investieren, dann aber in wenige, oder sie sind untreu und investieren entsprechend weniger.
Focus
Wer entscheidet über die Bestimmung?
Grammer
Die Verteilung der Hormone im Körper, die man übrigens an der Länge des Ring- beziehungsweise Zeigefingers erkennen kann. Männer mit viel Testosteron, also so genannte echte Kerle, haben einen längeren Ringfinger. Ihre Nachteile: Sie gehen fremd. Und Testosteron schlägt sich negativ auf die Intelligenz aus.
Focus
Heißt das, Machos sind dumm?
Grammer
Nun ja, es ist bekannt, dass viel Testosteron wenig kognitive Leistung zulässt. Östrogene dagegen machen schlau.
Focus
Ob Mann und Frau Gefallen aneinander finden, entscheidet sich in wenigen Augenblicken. Woher wissen zwei, die sich nicht kennen, wen sie vor sich haben?
Grammer
Diese Entscheidung dauert nur einige Hundert Millisekunden - dann ist eigentlich alles klar. Die Körper haben schneller alles miteinander ausgehandelt, als es das Gehirn erfährt.
Wir besitzen die Fähigkeit, Fremde einschätzen zu können. Unsere Informationen ziehen wir zum Beispiel aus dem Geruch, aus dem Aussehen und aus den Signalen des Körpers. Wir dringen sozusagen sofort zum Kern der Wahrheit vor. Wie das funktioniert, können Wissenschaftler leider noch nicht beschreiben.
Focus
Welche Wahrheit suchen wir denn?
Grammer
Wir suchen den Partner, der uns ähnelt - und zwar den Besten.
Focus
Gegensätze ziehen sich also doch nicht an?
Grammer
Anziehen vielleicht schon, aber auf Dauer bedeuten Gegensätze eher Stress. Gleiche Partner funktionieren einfach reibungsloser, sie müssen nicht dauernd Kompromisse aushandeln. Außerdem interessiert sich die Natur nicht für das Glück des Einzelnen, sondern ausschließlich für das Überleben der Passendsten. Vermehren sich zwei ähnliche Typen, dann hat der Nachwuchs voraussichtlich ähnliche Gene, und den Eltern fällt es leichter zu investieren.
Focus
Wenn wir angeblich Mister oder Miss Perfect erkennen können, weshalb produzieren wir dann so viele Irrtümer?
Grammer
Das Gehirn zieht nicht alle verfügbaren Informationen heran. Es vergleicht keine Erfahrungen, es arbeitet nicht vernetzt.
Focus
Unser Gehirn betrügt uns?
Grammer
Ich würde sagen: Es peilt kräftig über den Daumen.
- Katrin Sachse: Modernes Leben: Frauen sind Lügnerinnen, Focus am 14. August 2006
Der Verhaltensforscher Karl Grammer weiß ganz genau, wie Mann und Frau ticken: Auch in einer festen Beziehung halten beide weiterhin Ausschau nach dem idealen Partner.
SZ
Herr Professor Grammer, Ihr Schwerpunkt als Verhaltensforscher liegt auf Beziehungen. Sagen Sie, sind Männer treuloser als Frauen?
Grammer
Männer erwarten von einer Partnerin, in die sie investieren, mehr oder minder die Treue - suchen aber selber weiter.
SZ
 Aha.
Grammer
 Ja.
SZ
Also noch schlimmer als gedacht. Sagten Sie gerade "investieren"?
Grammer
Ja, denn die Biologie trifft ihre Entscheidungen auf Grund der Kosten-Nutzen-Rechnung[wp]. Der hohe Treue­anspruch des Mannes an die Frau kommt daher, dass der Mann im Gegensatz zu der Frau nie sicher ist, dass seine Kinder sein eigener Nachwuchs sind. Aus diesem Grund hat das körperlich stärkere Geschlecht angefangen, die Frauen zu kontrollieren. Die Verschleierung in bestimmten Gesellschaften, das ist keine kulturelle Entwicklung, sondern Biologie. Umgekehrt können Sie sehen: Je weniger das Investment des Mannes in den Nachwuchs eine Rolle spielt, desto freier sind die Frauen.
SZ
Wo ist das der Fall?
Grammer
Bei uns. Der Staat beteiligt sich an den Kosten, er zahlt im besten Fall Kindergarten und Ausbildung, er zahlt eventuell Sozialhilfe für Mutter und Kind]]. Der Versorger ist nicht mehr so nötig. Auf einmal findet man viele Alleinerziehende.
SZ
Aber ein Kind kostet viel, und nur in der Not hilft der Staat mit Sozialhilfe.
Grammer
Aber er tut es eben. Gleichzeitig muss man bei einer Beziehung viele Kompromisse eingehen. Eine Frau wägt heute ab: Komme ich allein durch mit dem Kind? Oder muss ich mich mit einem Mann zusammentun, obwohl ich allein besser dran wäre?
SZ
Männer neigen zur Untreue, während Frauen zum Desinteresse tendieren?
Grammer
Nein. Ich habe bisher nur über die Untreue der Männer geredet. Auch Frauen suchen noch weiter, wenn sie bereits in einer Beziehung sind. Die Gründe sind nur andere als bei Männern. Sie suchen immer nach dem besseren Mann. Frauen suchen ihre Männer nach dem Status aus.
SZ
Was ist Status?
Grammer
Geld, Ruhm, Ansehen. Vor allem Geld.
SZ
Wie altmodisch.
Grammer
Am Kiosk sehen Sie, wie archaisch die Partnerwahl funktioniert: In Frauenmagazinen geht es nur um Schönheit, in Männermagazinen um schnelle Autos und Geld. So primitiv ist das.
SZ
Könnte es nicht auch mal so etwas wie Coolness sein? Guter Musikgeschmack - zum Beispiel?
Grammer
Nein, nein, es sei denn, der Geschmack lässt einen Rückschluss auf eine bestimmte gesellschaftliche Position zu.
SZ
Also sucht die Frau immer nach einem Mann mit mehr Geld, und sobald sie so einen sieht, geht sie mit ihm ins Bett.
Grammer
Theoretisch: ja. Die Mission der Frau ist es, Männer mit immer höherem Status zu wählen, bis zu dem Punkt, an dem die Männer nicht mehr tolerabel sind.
SZ
Was für Männer sind das?
Grammer
Machos. Aber die Frau braucht ja eine Beziehung, in die sie investieren kann, für ihren Nachwuchs. Und da haben die Frauen eine wirklich lustige Methode entwickelt: Die Männer, die sie heiraten, sind eher die feminisierteren Typen. Die Männer, mit denen sie ins Bett geht dagegen - das sind vor allem die Machos.
SZ
Der feminisierte Typ ist der Versorger?
Grammer
Ja. Er versucht, seinen Mangel an Attraktivität durch höheres Investment auszugleichen.
SZ
Bedeutet das, die Alpha-Männer dieser Welt sind vielfache Väter - und ihre Kinder werden von Weicheiern versorgt?
Grammer
So wäre es - wenn die Frauen damit durchkämen.
SZ
In Deutschland soll jedes achte Kind nicht das leibliche des Vaters sein, der es aufzieht.
Grammer
Das halte ich für übertrieben. Da gibt es sehr viele unterschiedliche Zahlen, und es ist auch extrem schichtabhängig. Sicher ist hingegen: Es ist absolut keine Seltenheit, dass ein Mann Nachwuchs aufzieht, der nicht sein eigener ist.
SZ
Also sind Frauen so untreu wie Männer.
Grammer
Wie wissen nur, dass sie auch untreu sind. Doch Frauen haben die besseren Tricks entwickelt; aus gesellschaftlichem Druck heraus, denn ihre Untreue ist noch nicht so anerkannt wie die der Männer. Frauen verbergen beispielsweise heute ihre Empfängnis­bereitschaft.
SZ
War sie denn mal sichtbarer?
Grammer
Bei Schimpansen können Sie eine 30 Zentimeter lange Schwellung sehen, die orangerot leuchtet. Bei anderen Säugern ist die Empfängnis­bereitschaft riechbar. Die Menschen haben sie versteckt.
SZ
Dabei heißt es doch immer, Männer würden die Fruchtbarkeit der Frau spüren: Die Haare glänzen, die Haut ist rosig, ihre Gesten sind einladender ...
Grammer
Die Signale sind deutlich dezenter als bei anderen Säugern, aber Sie haben Recht, Männer können die Empfängnis­bereitschaft der Frauen instinktiv erkennen. Wir haben Frauen Tagebuch führen lassen zum Verhalten ihres Partners. Da stellte sich heraus, dass er zum Zeitpunkt der Ovulation häufiger unangemeldet vorbei kam, Blumen mitbrachte, schlecht über andere Frauen redete. Das nennt man Überwachungs­verhalten. Ich gehe nicht davon aus, dass die Männer eine echte Ahnung haben, in welchem Empfängnis­stadium sich die Frau befindet. Und doch passen sie auf, dass sie nicht fremd geht. Sie haben, wie gesagt, auch allen Grund dazu. Frauen sind tatsächlich sehr willig zur Zeit ihres Eisprungs. Sie paaren sich häufiger als sonst, und zwar oft sogar gleich doppelt.
SZ
 Doppelt?!?
Grammer
Das heißt, dass sie innerhalb kürzester Zeit, also vielleicht innerhalb von 24 Stunden, mit zwei Männern schlafen. Davon ist natürlich nur einer der Partner. Wenn überhaupt.
SZ
Sehr interessant. Aber wozu soll das gut sein, evolutions­biologisch?
Grammer
Es sichert das optimale Erbmaterial: Der Bessere wird gewinnen. Sie betreiben Spermien­konkurrenz.
SZ
Manche Männer sind doch notorische Fremdgeher, wie John F. Kennedy[wp] oder Warren Beatty[wp]. Und andere nicht.
Grammer
Sie wollen darauf hinaus, dass es auch Unterschiede gibt in den Ausmaßen von Treue und Untreue. Da geht es dann aber nicht mehr um das, was im Menschen angelegt ist, sondern um sozio-sexuelle Strategien, die von anderen Faktoren abhängen. Es gibt zwei: Entweder bin ich treu und investiere, aber nicht in viele, oder ich bin untreu und kann nicht so viel investieren, weil es so viele sind.
SZ
Herr Grammer, wenn man Ihnen zuhört, bekommt man das beklemmende Gefühl, dass man seiner Bestimmung gar nicht entkommen kann.
Grammer
Ja, und Sie können Ihre Bestimmung sogar an der Länge ihrer Finger erkennen. Die zeigt nämlich an, wie die Hormone im Körper verteilt sind. Wenn Kinder eine weibliche Fingerlänge haben - also der Zeigefinger länger als der Ringfinger ist - sind sie weniger promisk. Anders als die mit männlicher Fingerlänge, bei denen der Ringfinger länger ist als der Zeigefinger. Die haben in der Regel viele Partner. Und Probleme mit Mathematik.
SZ
Dabei sind Jungs doch meistens besser in Mathe als Mädchen.
Grammer
Zuviel Testosteron führt aber dazu, dass man nicht gescheit denken kann. Wenn Sie dann die Partnerwahlstrategien untersuchen, die so genannten Lifetime-Strategien, können Sie Folgendes sehen: Eine Mutter, die viel Testosteron produziert, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Kind bekommen, in dessen Lifetime-Strategie viele verschiedene Sexualpartner vorkommen. Wenn sie viel Östrogen produziert, wird ein monogamer Mensch daraus. Steuern kann man das nicht, es sind sehr viele Dinge, die diesen Hormonhaushalt beeinflussen, Ernährung, Klima, Lebensumstände, alles eigentlich, bis hin zu kulturellen Faktoren.
SZ
Kann man denn nicht ein wenig an seiner sozio-sexuellen Strategie ändern? Michael Douglas[wp] ist angeblich treu, seit er Catherine Zeta-Jones getroffen hat.; Grammer
Das fällt wohl in den Bereich serielle Monogamie. Die Monogamie, so wie wir sie kennen, ist sowieso eine recht späte Erscheinung. Normal war: ein Mann mit vielen Frauen. Heute haben die Männer in der modernen Gesellschaft eine junge Frau, mit der sie jung Kinder bekommen, dann heiraten sie nochmal, wenn sie 40, 45 sind, und zwar wieder eine junge Frau, mit der sie Kinder bekommen.
SZ
Die moderne Form der Vielweiberei.
Grammer
Eben. Daher kommt es auch, dass Männer Untreue als sexuelle Untreue wahrnehmen und Frauen als emotionale. Er hat bei sexueller Untreue mehr zu befürchten, sie hat durch emotionale Untreue mehr zu verlieren. Wenn er eine andere liebt, zieht er das Investment ab und gibt es woanders hinein.
SZ
Das scheint Sie ja sehr zu freuen.
Grammer
Ich liebe diese evolutions­biologischen Theorien; sie sind so einfach. Man braucht keine Konstrukte. Alles geht immer nur auf eines zurück: die Sicherung des Erbguts. Zwei Menschen tun sich zusammen, um ein neues Individuum auf den Weg zu bringen. Es wäre doch viel einfacher, jeder wäre für seinen Nachwuchs allein verantwortlich, viel ökonomischer. Doch sie verzichten auf die Hälfte der Population in der Produktion. Und sogar dafür gibt es eine elegante, evolutions­biologische Erklärung.
SZ
 Nämlich?
Grammer
Die Existenz von Parasiten. Nur mit der Hilfe von permanenter Durchmischung und Generationen von neuen Immunsystemen kann man den Parasiten trotzen. Weil sich die Parasiten immer anpassen. Man kann ihnen nur davonlaufen, durch ständige Veränderung der Lebensumstände. Durch variable Nachkommen also, denn so hat der Parasit das Immunsystem ja jeweils noch nie gesehen.
SZ
Das heißt, wir haben nur Sex, weil es Grippeviren oder Bakterien gibt?
Grammer
Genau. Im Idealfall haben wir Sex mit jemandem, der ein ganz anderes Immunsystem hat als wir selbst.
SZ
Wie erspürt man das?
Grammer
Menschen reagieren positiv auf andere Menschen, weil sie finden, dass sie gut riechen. Man kann tatsächlich feststellen, dass man auf den Geruch einer Person anspringt, deren Immunsystem dem eigenen entgegengesetzt ist; das nennt man "ehrliche Signale".
SZ
Gibt es denn noch mehr?
Grammer
Das Immunsystem wird markiert durch Dinge wie reine Haut oder Körperbau. Ein breites Kinn bei einem Mann zeigt beispielsweise an, dass er viel Testosteron hat, und wenn dieser Mann mit seinem breiten Kinn die Pubertät überlebt, zeigt das an, dass er sich das Testosteron leisten konnte. Das Kinn ist also ein Signal für ein gutes Immunsystem.
SZ
Wie greift Ihre Theorie, wenn sich zwei Menschen zusammentun, die nicht das Bedürfnis haben, sich fortzupflanzen?
Grammer
Das geht ja erst seit 50 Jahren, seit es Verhütungs­möglich­keiten gibt und diese auch zugelassen sind. Aber das ändert nichts, die Kopplung ist sowieso indirekt: Das Ganze läuft über Sex. Da gibt es Gehirnmodule, die die Entscheidungen treffen. Das stellt man sich heute vor wie ein Schweizer Taschenmesser. Die Menschen haben in den sechs Millionen Jahren, die es sie gibt, die Einzelteile eines Schweizer Taschenmessers erworben, um die Probleme zu lösen. Es ändert sich also nichts für Leute, die sich gegen Reproduktion entschieden haben.
SZ
Das heißt, auch jemand, der sich nicht fortpflanzen will, reagiert auf die fruchtbare Ausstrahlung einer Frau oder auf das breite Kinn eines Mannes. Und ist getrieben von der ganzen Problematik, ohne Nachwuchs zu wollen. Klingt abstrus.
Grammer
Vielleicht, aber man kann gar nicht desinteressiert sein am genetischen Material, das liegt nicht im Bereich des Willens. Sie nehmen Attraktivität wahr, ob Sie wollen oder nicht. Und die Kriterien bleiben immer gleich.
SZ
Welche sind es denn?
Grammer
Da gibt es drei Grundlagen: Alles, was mit Hormon­markierungen zu tun hat, volle Haare, Gesichtszüge, Körperbau, Geschlechts­merkmale. Dann das Alter, weil das mit dem Reproduktions­status zu tun hat. Und Symmetrie, weil sie anzeigt, inwieweit das Genom in der Lage ist, sich mit Entwicklungs­störungen auseinander zu setzen. Attraktivität setzt sich überall durch: Ein attraktives Baby wird mit mehr Aufmerksamkeit bedacht als ein unattraktives. Ein attraktives Kind kommt besser durch die Schule, ein attraktiver Mensch verdient später mehr, wird vor Gericht besser behandelt. Wir sind süchtig nach Attraktivität.
SZ
Und was geschieht im Alter? Wie reagieren ältere Menschen aufeinander?
Grammer
Die Evolution hat nur bis zur Menopause oder bis kurz danach gearbeitet. Langlebigkeit war nicht vorgesehen. Aber ich denke, die Mechanismen bleiben dieselben, auch wenn keine Reproduktion mehr stattfinden kann. Sehen Sie sich 50jährige Männer an: Da spielt Attraktivität immer noch eine große Rolle. Und Fruchtbarkeit. Darum suchen sie sich doch alle junge Frauen.
SZ
Verzeihung, aber: Immer mehr Frauen suchen sich doch heute junge Männer.
Grammer
Das ist eine so neue Entwicklung, dass sie für uns nicht relevant ist. Aber das liegt auch daran, dass sie länger leben und mehrere Beziehungen haben können. Das Leben ist ja sowieso zu lang geworden, um in einer Beziehung zu bleiben. So ewig war das Zusammenleben von zwei Menschen nie vorgesehen.
SZ
Wie lange war es denn vorgesehen?
Grammer
Es ist bewiesen, dass die Beziehung von zwei Menschen so lange hält wie es dauert, eine Brut aufzuziehen; also drei bis sechs Jahre. Anhand der Scheidungsraten lässt sich feststellen, dass viele Ehen dann tatsächlich beendet sind
SZ
Aber da ist die menschliche Brut doch längst noch nicht so weit. Dann wäre es also sozusagen normal, wenn ein Vater seine Kinder mit sechs Jahren verlässt.
Grammer
Normal gibt es nicht. Es geht auch hier wieder darum, ob sich eine andere Beziehung bietet, in der man die Kosten-Nutzen-Rechnung als günstiger erachtet oder nicht. Die Welt ist halt so materiell.
SZ
Wenn ein Mann sein Kind verlässt, um mit einer neuen Frau ein anderes zu produzieren - was könnte der Nutzen sein?
Grammer
Der kann emotional sein: mehr Liebe, besserer Sex. Die Leute denken ja nicht an Reproduktion. Sie denken an Sex! Und der zieht dann die Reproduktion nach sich.
SZ
Also kann der bessere Nutzen schlicht besserer Sex sein.
Grammer
Klar. Sexuelles Missvergnügen in Beziehungen ist der größte Trennungsfaktor.
- Gabriela Herpell: Interview über Untreue: Eine Frage von Kosten und Nutzen, Süddeutsche Zeitung am 11. Mai 2010
Innere Werte? Die Schönheit der Seele? Vergessen. Was zählt, ist das Aussehen: Der Wiener Evolutionsbiologe Karl Grammer hat die Gesetze der Partnerwahl erforscht und kennt das Geheimnis der Attraktivität.
Herr Grammer, es ist wissenschaftlich erwiesen: Schöne Babys bekommen mehr Liebe, attraktive Kriminelle geringere Haftstrafen und die hübscheste Blondine den besten Lohn. Sind wir Menschen wirklich so korrupt?
Ja, sicher. Wie wir andere wahrnehmen und behandeln, hängt hauptsächlich von der Attraktivität des Gegenübers ab.
Und jene, die von der Bedeutung der inneren Werte fabulieren, sind schamlose Lügner?
Absolut. Heute weiss man: Bei der Beurteilung von Schönheit geht es nicht um innere Werte, und wenn, dann gehört das Gutsein gewiss nicht dazu. Aus evolutions­biologischer Sicht kommt es nur auf das Aussehen an, weil hübsche und wohlgestaltete Individuen über die besten genetischen Voraussetzungen verfügen, um sich fortzupflanzen. Aus neuen Untersuchungen geht hervor, dass Schönheit und körperliche Fitness korrelieren. Die Wechsel­beziehung ist nicht sehr stark, aber sie ist da.
Kann nur wahre Schönheit die Welt retten, wie Platon behauptete?
Sicher nicht. Was in uns verankert ist, ist nicht der Inhalt der Schönheit, sondern es ist eine Konstruktions­anleitung, weshalb und wie wir Schönheit wahrnehmen. Stünde diese Beurteilung nicht in Zusammenhang mit Sex und Fortpflanzung, würden wir vielleicht auch eine Mülltonne für unfassbar attraktiv halten.
In den sechziger und siebziger Jahren war es verpönt, Menschen aufgrund ihres Äusseren zu beurteilen. Wieso ist diese Zurückhaltung inzwischen komplett verschwunden?
Die Attraktivitäts­forschung kam dreissig Jahre lang zum Erliegen, weil sie ab den sechziger Jahren als ethisch verwerflich beurteilt und zum Tabu erklärt wurde. Erst als sich die Evolutions­biologen dem Thema Anfang der neunziger Jahre annahmen, wurde es rehabilitiert, und die Forschung kam wieder in Gang.
Zu Beginn der Attraktivitäts­forschung ging man davon aus, dass Schönheit zeitlich und interkulturell unterschiedlich wahrgenommen werde und sie sowieso grösstenteils subjektiv sei.
Diese Erkenntnisse gelten heute als falsch. In der Zwischenzeit weiss man, dass sich die Schönheit - Lippenhöhe, Wangenknochen, Nasenlänge, Unter­gesichts­grösse und Symmetrie - millimeter­genau in Winkeln, Abständen und Grössen­verhältnissen messen lässt. Das Gleiche gilt für Hüfte, Brust, Taille und Beinlänge. Der Betrachter urteilt universell durchaus konform. Das Gebiet der mathematischen Vermessung gilt heute aber als praktisch komplett erforscht. Neu weiss man, dass die Attraktivität ein komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Merkmalen darstellt: Bewegungs­abläufe, Mimik, Körperduft, auch Hauttextur und Haarqualität spielen eine Rolle. Das Hirn nimmt die verschiedenen Merkmale in Millisekunden auf, verarbeitet diese Informationen zu einem Gesamtbild und beurteilt es sofort. Eine beeindruckende Leistung, die neurobiologisch noch nicht entschlüsselt werden konnte.
Kann das perfekte Wesen auch sprechen?
Ja, sicher, und es verfügt über eine angenehme Stimme. Es hat ausserdem eine reine Haut, glänzende Haare, duftet wunderbar und wippt mit den Hüften. Es ist natürlich weiblich, und es ist jung, was mit dem Reproduktions­status zu tun hat.
Neurobiologische Untersuchungen behaupten: Wenn ein Mann eine halbwegs attraktive Frau erblickt, werden die gleichen Hirnregionen aktiviert, wie wenn er unbändigen Hunger verspürt.
Wird eine Frau gesichtet, läuft beim Mann - ähnlich wie bei einer Waschmaschine - das immergleiche Programm ab. Unsere Feldstudien in Japan und Deutschland ergaben, dass Männer generell alle Frauen interessant finden, und ihre Chancen stufen sie durchwegs als besser ein, als sie in Wirklichkeit sind. Anschliessend versuchen sie, die schönsten Frauen zu beeindrucken. Egal, ob das gelingt oder nicht: Männer glauben, sie seien die Jäger, in Wirklichkeit bestimmt jede Frau zu hundert Prozent selbst, ob und von wem sie sich erlegen lassen will.
Man könnte meinen, der Mensch habe sich seit der Steinzeit nicht weiterentwickelt.
Natürlich müssen wir uns bewusst sein, dass Menschen historische Dokumente sind. Wir haben eine Geschichte durchgemacht, die ein paar Millionen Jahre alt ist, und in dieser Zeit haben wir im Umgang mit der sozialen und der übrigen Umwelt gewisse Präferenzen erworben, die auch heute noch da sind. Aber die Evolution hört nie auf. Wir wählen auch heute unterschiedliche Partner und reproduzieren uns unterschiedlich. So sammelt sich im Genom die Information an, die die Konstruktions­anleitung "Mensch" enthält.
Deshalb sind die Hässlichen nicht ausgestorben?
Ohne Hässlichkeit würde der ganze Handel um Angebot und Nachfrage - also um die Schönheit der Frauen und den Status der Männer - zusammenbrechen. Schönheit ist aber auch Zufall. Heute weiss man auch, dass das Gehirn sehr viel stärker auf Unschönheit reagiert als auf Schönheit und dass dabei jene Regionen aktiv werden, die sonst für Ekel stehen. Das Hirn macht bei der Wahrnehmung der Schönheit also eine Negativ­definition.
Trotzdem gibt es Menschen, die Schönheitsfehler besonders sexy finden. Sind sie pervers?
Kleine Fehler haben und trotzdem schön sein, das ist möglich: Man spricht dann allerdings von einem Handicap. Kleine Markierungen und Abweichungen machen die Einzigartigkeit des Menschen aus und können positive Auswirkungen haben, weil man sich an diese Menschen besser erinnert, was die Attraktivität und die Chancen im Wettbewerb steigert. An der optischen Seltenheit hängt sich das ganze System schliesslich auf. Trotzdem gilt generell: Durchschnitt ist gleich schön.
Wieso stehen Frauen unter einem grösseren Schönheitszwang als Männer?
Die Männer wählen die Frauen letztendlich aufgrund der Attraktivität aus. Das ist einfach im System drin, das bringt auch die Emanzipation nicht weg.
Gleichzeitig behaupten Sie: "Unsere scheinbar von Männern dominierte Gesellschaft ist in Wirklichkeit ein Produkt der weiblichen Fortpflanzungs­strategie."
Das biologische Wettrüsten beginnt bereits im Kindergarten, wie unsere Untersuchungen ergaben. Jene Knaben, die einen Streit gewannen, wurden durch eine erhöhte Ausschüttung des körper­eigenen Hormons Testosteron belohnt. Der Kick führte dazu, dass die Jungen am nächsten Tag wieder einen Konflikt suchten, bei dem sie als Sieger vom Platz gingen. Besiegen, sich hervortun: Beides trägt bei den Männern später zum Status bei, und der ist für die Wahl der Frauen nun mal ausschlaggebend.
Ihre Untersuchungen zeigen, dass Frauen bei der Partnerwahl mehr Wert auf Ruhm, Geld und Ansehen legen als auf die Attraktivität, die Intelligenz oder sonstige positive Persönlichkeits­merkmale. Hat die Emanzipation daran etwas verändert?
Überhaupt nicht. Wenn ein Markt existiert, kommen Marktgesetze zum Tragen.
Seit ein paar Monaten existiert eine Internet­plattform, die ausschliesslich schöne Menschen miteinander verkuppelt. Der Betreiber rechtfertigt den Service, indem er sagt, die Attraktiven wollten keine Zeit mit hässlichen Entlein vertrödeln. In England brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung los. Ist diese Reaktion hypokritisch?
Auf jeden Fall ist sie unangebracht. Die Schönheit folgt auch einem hierarchischen Prinzip. Beide Seiten verkaufen sich nur sehr selten unter ihrem Wert, und die hässlichen Entlein reagieren zu Recht misstrauisch, wenn ihnen ein Beau schöne Augen macht.
Wieso?
Die weniger Attraktiven fragen sich, was habe ich zu bieten? Nichts. Also muss hinter dem Interesse eine böse Absicht stecken.
Vielleicht verfügen diese Frauen über Status?
Das ist für Männer nicht sonderlich attraktiv.
Aber immer mehr ältere Frauen haben heute einen jungen Lover?
Das ist eine so neue Entwicklung, dass sie für uns nicht relevant ist.
Welches Frauengesicht wird heute als besonders hübsch empfunden?
Ein Merkmal ist ein kleines, kindlich wirkendes Untergesicht, das auf einen hohen Östrogenwert in der Pubertät und damit auf Fruchtbarkeit schliessen lässt. Aus den gleichen Gründen werden volle Lippen und kleine Nasen als schön beurteilt. Als am attraktivsten werden jene Frauen wahrgenommen, die entweder über einen Anteil an Kindlichkeit verfügen oder über Schönheits­merkmale der reifen Frau, wie etwa hohe Wangenknochen.
Und wie sieht das attraktive männliche Gesicht aus?
Bei den Männern führt ein geringer Testosteronwert in der Pubertät zu einem wenig markanten Untergesicht, das wird als unattraktiv wahrgenommen. Frauen nehmen Männer innerhalb ihres Zyklus allerdings unterschiedlich wahr. Zum Zeitpunkt des Eisprungs finden sie supermännliche Typen toll, den Rest des Monats bevorzugen sie eher die androgynen Softies. Diese versuchen ihren Mangel an Attraktivität durch ein höheres Investment auszugleichen.
Welche Auswirkungen hat Attraktivität auf den Charakter und die Verhaltensweise?
Auf jeden Fall sind die Schönen extrovertierter und selbstsicherer als andere, sie haben das bessere Selbstbild. Nebst den Vorteilen, die schöne Leute in fast jeder Lebenssituation geniessen, gibt es auch etwas ältere Theorien, die besagen, dass sie weniger häufig Problemen ausgesetzt sind. Daraus lassen sich Persönlichkeits­strukturen ableiten. Jemand, der immer akzeptiert war, verfügt über andere charakterliche Dispositionen als jemand, der nie akzeptiert wurde.
Je schöner ein Mensch, desto sympathischer, liebenswürdiger und kompetenter wird er von den Betrachtern beurteilt. Entspricht diese Einschätzung den Tatsachen?
Nein, aber das ist egal. Die Schönen erreichen ihre Ziele auch so. Es wird ihnen vieles einfach gemacht, und darum müssen sie keine Alternativ­strategien entwickeln, um etwas zu erreichen. Auf einen bewussten Umgang mit dem sozialen Umfeld können sie ebenfalls verzichten, wie man heute weiss.
Kann Schönheit auch ein Handicap sein? Schöne Frauen sind mit Neid und Eifersucht konfrontiert, aussergewöhnliche Leistungen werden häufig auf das tolle Aussehen zurückgeführt.
Mag sein. Meiner Meinung nach sind das Luxusprobleme, und bezeichnenderweise existiert kein wissenschaftliches Material dazu.
Wer ist attraktiver, Paris Hilton[wp] oder Cindy Crawford[wp]?
Beide sind schön. Für wen auch immer. Die von den Medien gemachten Idole sind nicht unbedingt diejenigen, die im wissen­schaftlichen Sinn als schön gelten, trotzdem beeinflussen sie das Ideal natürlich. Wenn man von den schönsten Filmschau­spielerinnen ausgeht, muss man natürlich sagen, dass sie in den zwanziger Jahren anders aussahen, aber vor allem auch anders gestylt waren als in den neunziger Jahren.
Wie kamen Sie dazu, die Attraktivität von Farrah Fawcett[wp] und Daisy Duck[wp] zu untersuchen?
Es zeigte sich, dass jene Männer, die sich ein paar Folgen von "Drei Engel für Charlie" ansehen mussten, nachher höhere Ansprüche an die Attraktivität einer Frau hatten als jene, die den Comic vorgeführt bekamen.
Das erstaunt jetzt wenig.
So konnten wir nachweisen, dass der Einfluss auf unsere Attraktivitäts­wahrnehmung via Kino, Fernsehen und anderer Medien da ist.
Andere Untersuchungen zeigen, dass gemischt­ethnische Frauen heute besonders begehrt sind und sie den klassischen Beautys wie Claudia Schiffer[wp] oder Julia Roberts[wp] den Rang ablaufen. Wie erklären Sie diesen Wandel?
Je unterschiedlicher oder eben exotischer ein Partner ist, desto grösser die genetische Variabilität und die Chance, gesunden und auch schönen Nachwuchs zu zeugen.
Ist damit die These widerlegt, wonach es eine archaische Abwehrreaktion gegen Zuwanderer gibt, aus Angst vor einem Mix an kulturellen Minoritäten?
Das ist die Frage. Es ist eine Tatsache, dass wir Fremdenfurcht entwickeln, aber das Gehirn kann offenbar auch ganz andere Wege einschlagen, wenn man es lässt, und das ist gut so. Die Evolutions­theorie sagt nicht, dass wir eine reine Rasse züchten sollen, sondern genau das Gegenteil davon.
Dank des Musiksenders MTV und des Internets sind wir jetzt auf dem richtigen Weg?
Sie tragen zumindest dazu bei.
Diktieren diese dank ihrer globalen Verbreitung den oft beklagten Schönheits- und Jugendkult?
Die entsprechenden Mode­erscheinungen werden dadurch schnelllebiger, aber neu ist der Schönheitskult nicht: Kopf­verformungen oder Naturvölker, die sich den Hals mit auf­einander­gelegten Silber­ringen verlängern, kennen wir seit langem. In Europa tranken die Damen im 19. Jahrhundert Essig, damit sich der Magen zusammen­krampfte und man das Korsett an der Taille besonders eng schnüren konnte.
Aber Anorexie und Bulimie existierten bisher zu keinem Zeitpunkt in keiner Kultur?
Das heute geltende allgemeine Schlankheitsbild ist eine Zeit­erscheinung der Wohlstands­gesellschaft. Man kann immer ein Merkmal nehmen und dieses bis in das Extrem ausreizen. In anderen Kulturen gelten, abhängig von der ökonomischen Situation, andere Ideale.
Kann man die Magersucht als Fort­pflanzungs­verweigerung bezeichnen?
Ein ausgemergelter Körper strahlt natürlich keine sexuelle Energie aus, und der weibliche Zyklus gerät bei starkem Untergewicht durcheinander. Meiner Meinung nach sind das aber Folge­erscheinungen und nicht die Ursprünge dieser Krankheit.
Ihr Institut wird regelmässig von Schönheits­chirurgen kontaktiert, die anfragen, ob Sie Vorlagen des idealen Gesichts konstruieren könnten, auch desjenigen von Teenagern
Aus welchen Gründen tun Sie das nicht?
Wir arbeiten wissenschaftlich und lehnen es ab, in dieser Art und Weise Einfluss auszuüben. Ausser wenn solche Eingriffe medizinisch angebracht sind.
Hat sich der Schönheitszwang verstärkt, seit wissenschaftlich erwiesen ist, dass die Attraktivität Vorteile bringt?
Das wird niemand bestreiten. Es gibt ein Problem in der modernen Massen­gesellschaft, die diesem Verhalten zuträglich ist. Wir treffen heute auf sehr viel mehr Menschen als noch vor zwanzig, dreissig Jahren, als wir uns in Vereinen und im Beruf mit den immergleichen Personen umgaben. Die erste Einschätzung erfolgt zwangsläufig über das äussere Erscheinungsbild, ergo spielt das Äussere heute eine sehr viel grössere Rolle. So kommt der Schönheitswahn zustande: nicht weil die Medien ein paar Models zu Ikonen machen.
Schönheitsoperationen, Botoxspritzen, Fettabsaugen - wir leben im Zeitalter der Produzierbarkeit von Schönheit. Verändert das die Funktion von Attraktivität?
Wenn diese Dienstleistungen allen offenstünden, dann könnte man tatsächlich annehmen, dass die Schönheit ihr Signal für die Fortpflanzung verliert. Dies ist allerdings nicht abzusehen, viel eher ist es so, dass die Schönheit verstärkt ein Statussymbol darstellen wird, wenn sich eine Minderheit für ein paar hunderttausend Franken zurecht­operieren kann.
Müssen Frauen schön sein, haben Männer Leistung zu erbringen. Der amerikanische Psychologe Geoffrey Miller[wp] behauptet gar, männliche Kulturleistungen - wie Dichten, Schreiben, Musizieren - seien nichts anderes als Abfallprodukte des Balzverhaltens.
Man muss sich nur umsehen: Rockmusiker, Fussballspieler, Künstler sind hoch im Kurs, besonders bei jenen Frauen, die es selbst zu Geld und gesellschaftlichem Status gebracht haben. Wenn eine Frau Karriere macht, will sie zumindest einen Mann, der ihr ein wenig Unterhaltung bietet. Grundsätzlich gilt aber: Erfolgreiche Frauen wollen in der Regel keine Männer, die weniger verdienen als sie selbst.
Sind Frauen, die anders funktionieren, abnormal?
Vermutlich, ein bisschen.
Ausser Maggie Thatcher?
Denis war im Haus, bevor sie Minister­präsidentin wurde, und bestach durch seine Kochkünste und originelle Outfits.
Ist es auch eine Kulturleistung, wenn Männer Rennautos steuern?
Männlicher Wettbewerb dreht sich immer um Frauen und Status. Auch bei diesem Beispiel winkt am Ziel eine Blondine, die dem Helden erst noch eine sprudelnde Flasche Champagner überreicht.
Droht mit den Spermienbanken das Ende der männlichen Kreativität?
Wenn alle Frauen auf Samenspenden zurückgreifen würden, dann sähe ich tatsächlich schwarz. Dann wäre der Mann ein Auslaufmodell.
Wird die Reproduktionsmedizin die Funktion der Attraktivität grundlegend verändern?
Das ist noch nicht erforscht. Man weiss heute, dass die Sexualität entstanden ist, um im Kampf gegen Parasiten zu bestehen; Sexualität schafft Variabilität. Die Reproduktions­medizin schliesst diese hohe Variabilität aus.
Was ist mit der Embryonenselektion?
Dazu gebe ich keine Prognose ab. Man wird sehen, ob sie die gleichen Aufgaben übernehmen kann wie die Natur.
Die Durchschnittsehe dauert heute sechs Jahre. Kennt Attraktivität so etwas wie eine natürliche Lebensdauer?
Menschen sind immer auf der Suche nach besserem Sex. Nach sechs Jahren ist die Aufzucht der Kinder theoretisch so weit gediehen, dass es keine Rolle spielt, wenn ein Elternteil wegfällt.
Sind Frauen untreuer als Männer?
Beide fahren einen Doppelstandard. Sicher ist, dass sich die Frauen im Verlauf der Evolution zu besonders raffinierten Täuscherinnen und Lügnerinnen entwickelt haben, wobei ihr Verhalten zyklusabhängig ist, wie entsprechende Studien zeigen. Zum Zeitpunkt der Ovulation gehen sie mit Alphamännern ins Bett, weil diese aber auch Gewalt und Machtspiele ins Haus bringen, heiraten sie einen weniger attraktiven, aber fürsorglichen Mann, der - zumindest theoretisch - Langfristigkeit bei der Aufzucht der Kinder verspricht.
Heisst das, die Alphamänner dieser Welt sind mehrfache Väter und ihre Kinder werden von Softies aufgezogen?
So wäre es - wenn die Frauen damit durchkämen.
In Europa soll jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind sein.
Das halte ich für übertrieben. Dazu gibt es sehr viele unterschiedliche Zahlen, und es ist auch extrem schichtabhängig. Zur Beruhigung für Ihre männlichen Leser kann ich sagen: Eine grosse Studie zeigt, dass ein Schweizer Akademiker weltweit das geringste Risiko hat, ein fremdes Kind untergejubelt zu bekommen.
Männer sind auch keine Unschuldslämmer?
Nein, und sie können ihre Bestimmung sogar an der Länge ihrer Finger erkennen. Männer, deren Zeigefinger länger ist als der Ringfinger, verfügen über einen hohen Testosteronwert und leben promiskuitiver als die anderen.
Wenn Beziehungen auf einer Kosten-Nutzen-Rechnung[wp] und auf Lug und Trug basieren, was ist denn dann die Liebe?
Nichts anderes als ein Zusammenspiel zwischen Hormonen und Neuro­trans­mittern. Die Liebe ist natürlich auch ein Mittel zum Zweck - die Liebe ist eine Möglichkeit, um die Partnerschaft zu stabilisieren. Letztendlich braucht es sie, weil wir diesen Kick benötigen, um die folgenschwere Entscheidung zu fällen, Kinder aufzuziehen. So etwas kann man natürlich nicht endlos aufrechterhalten.
Das klingt schon ziemlich ernüchternd: Wir sind schlussendlich unfähig, herauszufinden, wer der perfekte Partner oder die perfekte Partnerin für uns ist?
Das ist die Frage. Evolutions­biologisch gesehen, ist eine monogame Beziehung, die ewig hält, sowieso nicht sinnvoll.
- Franziska K. Müller: Karl Grammer: Es beginnt bereits im Kindergarten, Die Weltwoche, Ausgabe 41/2006

Zitate

  • Die vielen gut ausgebildeten Frauen heiraten nur selten nach "unten", obwohl einem zahlenmäßigen Übergewicht von Akademikerinnen eine große Gruppe beruflich weniger gut ausgebildeter Männer gegenübersteht. "Das deutet auf eine biologische Verankerung hin. Interessant ist, dass die Leute lieber darauf verzichten, jemanden zu finden, als sich mit dem für sie schlechteren zufriedenzugeben." [1] (Siehe auch: Restefrau)
  • "In 120 untersuchten Kulturen gab es keine Ausnahme, wo der Status des Mannes bei der Partnerwahl durch die Frau keine Rolle spielte." - 0:25 Min.[2]
  • "In 120 Jahren hat sich [an den Partnerwahlkriterien] nichts geändert." - 0:55 Min.[2]
  • "Dass Männer Konkurrenz machen, hängt auch damit zusammen, dass Frauen ihre Männer nach ihrem Status auswählen. Denn ohne Konkurrenz bekommen sie keinen Status." - 1:12 Min.[2]
  • "Die Intelligenz der Frau spielt eine untergeordnete Rolle." - 1:12 Min.[2]
  • "Für den Mann können Sie das vernachlässigen. [...] Der weibliche Status spielt für den Mann eine geringere Rolle. Was für ihn eine wesentlich höhere Rolle spielt, ist die Attraktivität der Frau." - 2:35/3:00 Min.[2]
  • "Es bildet sich ein Markt, auf dem Attraktivität für Status verkauft wird." (nicht wörtlich) - 3:08 Min.[2]
  • "Es ist schlecht aus wissenschaftlicher Sicht, ein neues Mannbild zu entwickelen, weil das eine ideologische Komponente hat. Und Wissenschaft und Ideologie sind zwei Sachen, die sich nicht gut miteinander vertragen." - 8:05 Min.[2]
  • "Frauen haben das größere Reproduktionsrisiko." - 1:15 Min.[3]
  • "Gleich zu gleich gesellt sich gern. Weil, gleich zu gleich macht es relativ einfach. [...] Sie müssen sich das als Markt vorstellen. Das, was Sie anbieten, kriegen Sie. Für das, was Sie anbieten, bekommen Sie das Gleiche zurück. Zwei, die sich ähnlicher sind, die haben weniger Konflikte. Und weniger Konflikte macht eine glücklichere Beziehung. [...] Das sortiert sich automatisch aus, da können Sie nichts machen. Gegensätze können sich zwar anziehen, aber die kommen nicht zusammen." - 1:30/2:05 Min.[3]
  • "Deshalb spielt die männliche Intelligenz für die Frauen eine Rolle, aber nicht umgekehrt. Scheherazade-Effekt: Frauen sind dafür verantwortlich dafür, dass Intelligenz in die Welt gekommen sind." - 14:20 Min.[3]
  • "[...] wieviele Kuckuckskinder gibt es? Die Schätzung für Deutschland beträgt 10 Prozent." - 16:15 Min.[3]
  • "Frage einer Hörerin: Warum haben soviele Männer Angst vor gut aussehenden und erfolgreichen Frauen? - Antwort: Die Männer, die Angst vor ihnen haben, haben keinen Status." - 18:50 Min.[3]
  • "Frage: Warum heiratet der Chefarzt die attraktive Krankenschwester? - Antwort: Der ihr Status spielt keine Rolle für den Chefarzt." - 19:45 Min.[3]
  • "Männern unter 34 Jahren bevorzugen normalerweise gleichaltrige Frauen. Danach macht es einen riesen Umschwung und dann ist auf einmal die Differenz 10-15 Jahre." - 20:00 Min.[3]
  • Helen Fisher[wp] zitierend: "Bei Männern gibt es zwei Reproduktions­zyklen: Erst mit einer gleichaltrigen Frau und dann mit einer jüngeren Frau." - 20:20 Min.[3]
Erfolgreiche Strategien
  • Männer verfolgen eine "Poolstrategie - Die Puppen tanzen lassen - Vergleich und aus dem Pool auswählen" - 24:40 Min.[3]
  • Frauen verfolgen die "Sequentielle Schwellwertmethode - Mann wählen und festhalten, bis ein besserer kommt " - 24:50 Min.[3]
  • "Abbruchbedingung: Wenn Partnermarktwert ausgeglichen ist [...] Lernprozess" - 25:50 Min.[3]

Einzelnachweise

  1. Partnerwahl: Gegensätze stoßen sich ab, Focus am 4. Mai 2008
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Youtube-link-icon.svg Die Krise der Männer - Renata Schmidtkunz[wp], Club 2[wp] (ORF) (14. Jänner 2009) (Länge: 10:18 Min.) (Frauen legen mehr Wert auf den sozialen Status ihrer Partner - Conclusio von Karl Grammer) (Renata Schmidtkunz[wp]: Bei allen Paaren, die Kinder haben, sind zu 25 % nur die Männer erwerbstätig und zu 3,5 % nur die Frauen erwerbstätig.)
  3. 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 Youtube-link-icon.svg Die archaische Suche nach dem richtigen Partner - Wolfgang Heim[wp], Leute[wp] (SWR1) (24. April 2013, 10.00 Uhr) (Länge: 27:20 Min.)

Querverweise

  • Attraktivitätsforschung[wp]

Netzverweise


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Karl Grammer (5. Juli 2010) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Wikipedia-Artikel steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar, die vor Übernahme in WikiMANNia am Text mitgearbeitet haben.