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umstritten

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Die Verwendung des Beiworts umstritten ist eine elegante Form der Herabsetzung oder Distanzierung. Eine Person darf mit dem Zusatz "umstritten" versehen werden, wenn man sie nicht mehr ignorieren kann, ihre Argumente aber eigentlich nicht hören will.[1]

Zitat:

«[Es] heißt [über jemanden], er sei "umstrittener Autor".

Warum er umstritten ist, und wer darum mit welchen Argumenten streitet, das ist da nicht ersichtlich. Es ist damit im rechtlichen Sinne eigentlich nicht meinungs­bildend und nicht journalistisch, weil der Leser da nicht die Möglichkeit hat, sich eine eigene Meinung zu bilden und zu überlegen, was das heißt. Er wird einfach als "umstritten" kategorisiert und damit moralisch abgewertet, oder, wie man in Soziologen­schwätz sagen würde "delegitimiert", ohne dass er sich dagegen irgendwie wehren oder der Leser das gedanklich überprüfen könnte.» - Hadmut Danisch[2]

Zitat:

«[Jemand] wollte [...] von mir verlangen, dass ich [...] nur zitieren dürfe, wenn ich auch [...] mitzitiere, dass der [XY] "umstritten" sei. Nicht, warum er umstritten sei, auch nicht, wer gegen ihn streitet, sondern einfach die völlig isolierte Aussage, er sei umstritten. Mit dem Duktus, er sei nicht ernst zu nehmen.» - Hadmut Danisch[2]

Zitat:

«Neben "rechts", "Nazi", "Populist" ist das Wort "umstritten" ein wichtiges Element der Mainstream-Propaganda.

Die Verwendung dieses Wortes kennzeichnet den Undemokraten, denn der Streit ist das Wesen der Demokratie. Selbst als fundiert geltende wissenschaftliche Erkenntnisse sind letztlich umstritten, jedenfalls ab dem Zeitpunkt, wo neue Ergebnisse der Forschung Zweifel wecken.

Um so mehr ist alles Politische stets umstritten, denn Politik hat das Ziel des Ausgleichs wider­sprüchlicher Meinungen und Meinungen sind extrem subjektiv, wurzeln Sie doch in der gefühlten Interessenlage, genetischen Anlagen, Lern­prozessen im jeweiligen Lebenslauf, Welt­anschauungen, Vor­urteilen. Im politischen Bereich ist nichts unbestritten.

Auch wenn der politische Prozess zu entscheidungs­berechtigten Mehrheiten führt, so sind die Beschlüsse dieser Mehrheiten nicht ex cathetra, es werden keine endgültigen Wahrheiten geschaffen oder verkündet, an die man künftig un­hinterfragt glauben müsse.

Umstritten ist die Verfassung, die Gesetze, die Rechts­verordnungen, die Verwaltungs­akte, d. h. auch wenn sie mit der Gewalt der Staatsmacht für jeden Bürger gültig sind, der Bürger sich gegen seine Überzeugung der Gewalt beugt, so wird er sich hoffentlich die Freiheit der eigenen Meinung bewahren, und so bleiben die Maßnahmen aber auch die Entscheidungs­träger stets umstritten.

Also ist der Begriff "umstritten" ein Leerwort, nur gedacht zu diffamieren, der Ketzer­begriff seeligen Angedenkens.

Auch der Begriff "rechts" ist so ein Leerwort. Denn eigentlich gemeint ist "nichtlinks".»[3]

Einzelnachweise

  1. Josef Joffe, Dirk Maxeiner, Michael Miersch, Henryk M. Broder: Schöner Denken. Wie man politisch unkorrekt ist., Piper Verlag 2008, ISBN 3-492-2536-4; max, S. 153
  2. 2,0 2,1 Hadmut Danisch: Moralismus statt Analyse, Aktivismus statt Journalismus, Ansichten eines Informatikers am 2. April 2017
  3. WGvdL-Forum: Umstritten, DschinDschin am 5. Januar 2019 - 12:14 Uhr

Netzverweise