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Bourgeoisie
Das französische Wort Bourgeoisie (Aussprache [bʊʁʒo̯a'ziː], ins Deutsche übersetzt: Bürgertum) ist ein vorwiegend abschätzig genutzter Begriff mit dem die gehobene soziale Klasse der Gesellschaft, die der Klasse des Proletariats[wp] gegenübersteht, bezeichnet wird. Der französische Begriff ist bedeutungsgleich mit dem deutschen Begriff Besitzbürgertum.
Der Begriff besitzt eine zentrale Bedeutung innerhalb der auf Karl Marx[wp] zurückgehenden marxistischen Theorie, in der er als Synonym für Kapitalist und damit für Ausbeuter gebraucht wird.[1] Auf Grundlage dieser Theorie entwickelte der Begriff einen abfälligen Wertungscharakter: Ein typischer Bourgeois ist demnach ein sehr reicher Angehöriger der Oberschicht, der eine konservative oder reaktionäre Gesinnung aufweist.
Im Unterschied zum weiten Begriff des Bürgers, dem auch der Citoyen im Sinne des Staatsbürgers zugerechnet wird, umfasst der Begriff des Bourgeois das Großbürgertum der weltlichen Oberschicht. Während es einzelne Bourgeois bereits in früheren Gesellschaftsepochen gab, wurde die Bourgeoisie erst im Europa des feudalistischen[wp] und absolutistischen[wp] Zeitalters politisch als eigene Kraft bedeutsam.[2]
Bourgeois [bʊʁʒo̯a'z] und Bourgeoisie, durch St.-Simon und seine Anhänger zu gehässigen Bezeichnungen der dem besitzlosen Volk (peuple) entgegengesetzten kapitalistischen Klasse gestempelt, bürgerten sich seit dem vierten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bald auch in Deutschland als sozialistische Kraftausdrücke ein. Grün S. 40 (1845) teilt aus den Schriften eines belgischen Sozialistenführers hierüber mit: "Jottrand spricht sich in mehreren Artikeln über den Gegensatz zwischen Volk und Bourgeoisie ganz in dem Sinne aus, den Louis Blanc auch in Deutschland bereits populär gemacht hat und der eigentlich ein Verdienst des St. Simonismus ist. Anstatt der alten Feudalität des Adels, hat sich eine Geldfeudalität gebildet, die dem Volk gerade so feindlich entgegensteht wie jene dem dritten Stand, welcher die Revoluzion machte."
Meyer, der S. 56 neben der politisch-sozialen Verwendung dieser Schlagworte auch die ästhetisch-ironisierende betont, bezeichnet als eigentlichen Klassiker der Bourgeois-Verspottung Henri Monnier mit seinem kleinen Büchlein "Physiologie du Bourgeois" (Paris v. J.). Ich nenne von Belegen über diese Ausdrücke noch Heine 6, 225 ff. (1840): "Die Bourgeoisie, nicht das Volk hat die Revolution von 1789 begonnen und 1830 vollendet." Dann berichtet Auerbach 20, 245 (1846) von der grimmigen "Aufreizung gegen die Bourgeoisie (wie man das freie Bürgertum zu nennen beliebt)."
Ein Jahr später schreibt der Russe Bakunin[wp] an Herwegh (Briefe von und an Herwegh S. 12 f.): "'Feuerbach ist ein Bourgeois' und das Wort Bourgeois zu einem bis zum Überdruß wiederholten Stichworte geworden - alle selbst aber von Kopf zu den Füßen durch und durch kleinstädtische Bourgeois." Hier erhält also der Ausdruck zugleich die Nuance des beschränkten und boshaften Spießbürgertums.
Nicht genugtun kann sich Marx[wp] an polemischen Ausfällen gegen "Bourgeois-Ideologen", "Bourgeois-Sozialismus" usw. in seinem Kommunistischen Manifest[wp] (1848). Vgl. auch Mollat S. 488, wo als Ausspruch von Friedr. Bassermann (16. Febr. 1849) zu lesen ist: "Es erinnert mich dies an den widerlichen Gegensatz, welchen die Sozialisten unserer Tage gleicherweise zwischen Volk und Bourgeoisie aufstellen." Dagegen spielt Lassalle[wp] das Schlagwort von der Bourgeoisie als einen seiner wirkungsvollsten Trümpfe aus. Siehe 1, 176 ff. usw.
Noch heute gehören die Ausdrücke Bourgeois und Bourgeoisie zum festen Bestand der sozialdemokratischen Kraftworte.[3]
Zitate
| Zitat: | «Der Roosevelt[wp], der hat in Amerika den Staatskapitalismus ausgerufen und eingeführt, und hat die Reichen geschröpft - und bei uns hat das bürgerliche Großkapital und die Hochfinanz einen Schlägertrupp engagiert, damit die systemische Bedrohung in den Griff gekriegt wird.» - Georg Schramm[4] |
| Zitat: | «Fragt sich, warum CDU-CSU-FDP der Linkspartei die DDR-Diktatur ständig und überall im moralapostolischen Tonfall vorwerfen dürfen und sicher keiner im Gegenzug zur Nazizeit äußert.» - xellossaxon[5] |
| Zitat: | «Dummheit und Inkompetenz sind Merkmal des Proletariats. Deshalb müssen auf allen Posten Dumme und Unfähige sitzen, um sicherzustellen, dass sie keine Bourgeoisen sind.
Was ist überhaupt die Bourgeoisie? Kommt von lateinisch burgus, Burg, Wehrturm, befestigte Stadt. Daraus wurde französisch bourg für Stadt oder Markt (vgl. Strasbourg, Wissembourg usw.). Marx geht also auf die Bürger (Bürger kommt von Burg, Einwohner einer befestigten Anlage) los, will das Bürgertum vernichten. Im Prinzip macht Marx nichts anderes, als Strauchdiebe, Gesindel und Kriminelle anzuleiten, die Städte zu stürmen und die Burgmauern einzureißen. Sagt er ja auch "Hinwirken auf die allmähliche Beseitigung des Unterschieds von Stadt und Land." Letztlich ist Marxismus also der Neid[wp] darauf, dass manche arbeiten, lernen und sich in einer gesitteten Umgebung einrichten, um die sie eine Burgmauer gezogen haben, um nicht ständig überfallen zu werden. Das erinnert mich an Delos, eine antike Stadt auf der Insel Delos[wp] besucht. Dort erklärte man bei einer Führung, dass viele der Häuser überhaupt keine Fenster, nur eine Eingangstür haben, obwohl sie durchaus in der Lage waren, Fenster zu bauen, denn es gibt auch Fenster, sogar vergitterte. Man wollte einfach die Gefahr verringern, dass Leute von hinten einbrechen und einen überfallen, ausrauben, bestehlen können, weil die Kriminalität so hoch war. Deshalb versuchte man, dass die Häuser nur nach innen, zur Straße hin geöffnet waren, wo es Öffentlichkeit und Wächter gab. Im Prinzip der Vorläufer der Burg. Ein reicher Einwohner - man würde dazu neigen, ihn Bürger zu nennen, was er funktional ja auch war, aber es gab eben noch keine Burg - hatte vor seinem Haus eigene Wächter, heute würde man sie Personenschutz, Wachdienst nennen, an denen man vorbei musste, um zum Haus zu gelangen, und die dann auch besagtes vergittertes Fenster hatten, um von innen aus die Straße beobachten zu können. Troja[wp] war ja eine Burg, und entsprechend schwer einzunehmen. Marx war also letztlich nur ein Krimineller, der versuchte, Burgen, Städte, Bürger abzuschaffen, die sich aus dem Schutz gegen Räuber und Diebe gebildet hatten. Marx ist damit funktional nichts anderes als einer, der Diebe und Räuber anleitet und organisiert. Ruhe ist erst, wenn es nichts mehr zu stehlen gibt. Die Pseudorationalisierung des Diebstahls.» - Hadmut Danisch: Was danach kommt ..., Ansichten eines Informatikers am 30. August 2026</ref> |
Einzelnachweise
- ↑ Z. B. Friedrich Engels: Zur Wohnungsfrage, Karl Marx - Friedrich Engels - Werke (MEW), Bd. 18, Dietz 1962, S. 216 (online)
- ↑ Wikipedia: Bourgeoisie
- ↑ Otto Ladendorf: Historisches Schlagwörterbuch (1906)
- ↑
Über das bürgerliche Lager - 1933 - Georg Schramm in Neues aus der Anstalt[wp] (ZDF) (Länge: 4:34 Min.)
- ↑ Kommentar von "xellossaxon" auf Youtube
Querverweise
Netzverweise
- Wikipedia führt einen Artikel über Bourgeoisie
- Christian Schmidt: Das Ideal der bürgerlichen Dame, Alles Evolution am 18. August 2013
| Dieser Artikel basiert zusätzlich auf dem Artikel Historisches Schlagwörterbuch - Stichwort: Bourgeois, Bourgeoisie von Otto Ladendorf, 1906. |