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Natürliche Ordnung
Der Begriff Natürliche Ordnung (französisch: ordre naturel) bezeichnet eine in der Lehre vom Naturrecht begründete philosophische Kategorie, die für den Physiokratismus[wp] von grundlegender methodologischer Bedeutung war. In seinem Werk Le droit naturel ("Das Naturrecht") arbeitete François Quesnay[wp] die Lehre von der natürliche Ordnung und ihr Pendant, die Lehre von der positiven Ordnung (ordre positive), im Einzelnen aus. Die angeblich göttlichen Gesetze der natürlichen Ordnung sollen, da sie die für die Gesellschaft bestmöglichen Gesetze seien, die Grundlage für alle von den Menschen verfassten Gesetze bilden, deren Gesamtheit die positive Ordnung darstellt. Die natürliche Ordnung beruht auf der Existenz von Privateigentum[wp].[1]
Natürliche Ordnung und Ökonomie
| Adam Smith[wp] schreibt in der Einleitung des vierten Buches von Wealth of Nations: "Political oeconomy, considered as a branch of the science of a statesman or legislator, [...] proposes to enrich both the people and the sovereign." Natürlich verfolgt das gesamte Werk dieses Ziel, und zwar von dem neuartigen Standpunkt eines Systems natürlicher Freiheit aus. Die Neuartigkeit seiner Auffassungen wird noch durch das verstärkt, was Smith zu den zu seiner Zeit vorhandenen und miteinander rivalisierenden Theorien der politischen Ökonomie zu sagen hat. Er unterscheidet zwei Grundrichtungen: Im Mittelpunkt der einen steht der Handel, in dem der anderen die Landwirtschaft. Die erstgenannte Richtung - "the commercial, or mercantile System" - baue auf dem Irrtum auf, daß das Mittel des Handels, nämlich das Geld, für sich genommen als die Quelle und Verkörperung des Wohlstandes angesehen wird, den der Handel schafft. [...] |
| – Keith Tribe[2] |
Natürliche Ordnung und Konrad-Adenauer-Stiftung
| Rechtsextremisten verabscheuen Wandel, Modernität und gesellschaftliche Dynamik. Sie setzen dagegen die Vorstellung, dass gesellschaftliche Ordnungen nur dann richtig und funktionsfähig seien, wenn sie auf angeblichen "natürlichen Grundlagen" aufbauen.
Rechtsextreme und demokratische Auffassungen von politischen und sozialen Ordnungsformen unterscheiden sich grundsätzlich. Für Demokraten sind gesellschaftliche Ordnungen durch Menschen gestaltete und von ihnen zu verantwortende Verhältnisse. Sie lassen sich ändern, sie entwickeln sich und sie bleiben niemals über einen längeren Zeitraum völlig gleich. Rechtsextremisten sehen solchen Wandel, sehen Modernisierung und Dynamik als etwas Verwerfliches. Es störe die einer Nation vorgegebene "natürliche" Ordnung. Worin das "Natürliche" an solchen Ordnungen besteht, darüber gehen die Meinungen auch unter Rechtsextremisten auseinander. Rassistisch-völkische Neonazis behaupten, dass eine "richtige" Ordnung durch biologische Gesetze und genetische Anlagen eines Volkes bestimmt werde. "Gemäßigtere" Rechtsextremisten glauben, dass sich die einer Nation oder einem Volk zukommende "natürliche" Ordnung aus ihrer Kultur und Geschichte ergebe. Beiden Varianten ist gemeinsam, dass es der Bevölkerung nicht gegeben sein soll, sich für eine von ihr bevorzugte Form des Zusammenlebens zu entscheiden, sondern dass sie sich entweder biologisch-genetischen Gesetzen oder kulturell-historischen Traditionen zu fügen hätte. Eine Freiheit zur bewussten Gestaltung von gesellschaftlichen Ordnungen, so eine rechtsextreme Autorin, existiere nicht: "Es geht politisch heute nicht darum, die Entfaltungsmöglichkeiten des Einzelnen gegenüber der natürlichen und kulturellen Substanz noch zu erweitern. (...) 'Freiheit' heißt nun zunehmend die freiwillige und überzeugte Bejahung gewachsener Kulturen und der Entschluss, sie zu schützen."[3] Gesellschaftliche Ordnungen, die auf einer Weiterentwicklung, auf einer gegenseitigen Beeinflussung und Befruchtung, ja der Vermischung von Kulturen beruhen, sind demnach falsch und zu vermeiden. Es versteht sich von selbst, dass die von Rechtsextremisten behaupteten "natürlichen" Ordnungen allenfalls ein idealisiertes Märchengebilde darstellen, tatsächlich aber nie existiert haben. Die Idee einer feststehenden deutschen Kultur scheitert schon an den landsmannschaftlichen und regionalen Unterschieden, die gerade ein mitteleuropäisches Zentralland wie Deutschland auszeichnen. Bei der angeblich biologisch und genetisch definierten "natürlichen" politischen Ordnung stellt sich dann die Frage, ob die germanischen Stammesgesellschaften, die Ständeordnung[wp] des Mittelalters oder die absolutistische Monarchie die richtige "natürliche" Ordnung bilden. Gesellschaftlichen Wandel zum Stehen zu bringen, ist ein steter Wunsch von Rechtsextremisten. Seine Verwirklichung würde entsetzlich langweilige, provinzielle und isolierte Zustände schaffen. Übrigens: Wo Rechtsextremisten gerne von "nationaler Revolution" reden, meinen sie eine Volte rückwärts. Revolution steht bei ihnen für den Wunsch, einen als ideal gedachten und von der Moderne zerstörten archaischen Zustand wiederherzustellen. |
| – Rudolf van Hüllen[wp][4] |
Einzelnachweise
- ↑ Jura-Magazin: Natürliche Ordnung
- ↑ Keith Tribe: Natürliche Ordnung und Ökonomie, jstor.org
- ↑ Angelika Willig, in: Deutsche Stimme am 8. Januar 2008
- ↑ Natürliche Ordnung, Konrad-Adenauer-Stiftung am 24. März 2022