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Ehelosigkeit

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Die Ehelosigkeit ist ein Zustand durch freiwilligen oder erzwungenen Verzicht auf eine Eheschließung, beziehungsweise die Lebensweise, unverheiratet und nicht durch eine Ehe gebunden zu sein. Ehelosigkeit ist subsumiert im Begriffen wie Junggeselle[wp], Nonne[wp], Mönch[wp] und Fräulein[wp]. Sie trifft zu für viele Witwen/Witwer und Alleinerziehende. Sie ist grundsätzlich nicht gleichzusetzen mit sexueller Enthaltsamkeit[wp]/Abstinenz[wp].[1][2]

Eine der Ausnahmen findet sich in der christlichen Ehelosigkeit[wp] beziehungsweise dem Zölibat[wp]. Aus dem Rigorismus urchristlicher Sittlichkeit heraus werden hier Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit gleichgesetzt und schon seit der apostolischen Zeit die Ehelosigkeit als ein höherer Stand angesehen. Mit dieser Doppelwertung werden die Auflagen der Ehelosigkeit für Priester und der Keuschheit für Nonnen und Mönche begründet.[3] Daraus folgende Belastungen hat unter anderem Fritz Leist[wp] dokumentiert.[4][5]

Der Soziologe Karl Lenz[wp] schrieb 2004:

Zitat: «Ein tief greifender kultureller Wandel[wp] hat sich in der Sexualität ereignet. Das kulturelle Ideal[wp], dass Sexualität nur in der Ehe gestattet ist, ist nahezu völlig verschwunden [...]. Sexualität ist nicht mehr länger nur auf die Ehe begrenzt, sondern hat sich in Zweierbeziehungen weit nach vorn verlagert. [...] Das in dem bürgerlichen inkorporierte Sexualmodell der Ehe war primär als soziale Kontrolle über die weibliche Sexualität wirksam.»Entgrenzte Lebensbewältigung: Jugend, Geschlecht und Jugendhilfe[6] - Karl Lenz

Der Grund für häufige unfreiwillige Ehelosigkeit in einer Bevölkerung kann ökonomisch sein, wenn Einkommen oder Besitz eine Bedingung für die Heirat ist, oder demographisch. In wachsenden Bevölkerungen müssen viele Frauen ledig bleiben, weil es einen Heiratsengpass für Frauen gibt. Eine Studie von Andrea Schiaffino ergab, dass in den 1940er Jahren in Bologna 27 % der Frauen mit 50 Jahren noch ledig waren.[7] Heute gibt es in den Ländern, in denen die Geburtenzahl stark abnimmt, einen Heiratsengpass für Männer. Dies ist auch ein Grund für die Zunahme der Ehen zwischen europäischen Männern und Frauen aus Lateinamerika, Afrika und Südasien.[8]

Einzelnachweise

  1. Die Zeit - Das Lexikon mit dem Besten aus der Zeit, Band 4, S. 46, Hamburg 2005, ISBN 3-411-17564-8
  2. Ehelos und unverheiratet
  3. Das Bertelsmann Lexikon, 1953, Band 1, Ehe in Spalte 997
  4. Der sexuelle Notstand und die Kirchen, Herder, 1972, ISBN 3-451-01923-X; 2. Auflage Mohn, Gütersloh 1972, ISBN 3-579-04545-8
  5. Zum Thema Zölibat - Bekenntnisse von Betroffenen, Kindler Verlag, 1973, Neuauflage 1982, ISBN 978-3-463-00553-9
  6. Karl Lenz, Werner Schefold, Wolfgang Schröer: Entgrenzte Lebensbewältigung: Jugend, Geschlecht und Jugendhilfe, Juventa, 2004, S. 83
  7. Helmut Knolle: Patriarchat und Bevölkerungsgeschichte, Papyrossa Köln, 2018, ISBN 978-3-89438-683-2, Seite 66
  8. Heiraten nach gegenseitiger Staatsangehörigkeit vor der Heirat, 1987-2019 – Tabelle, Bundesamt für Statistik, 25. Juni 2020

Querverweise


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ehelosigkeit (24. Juli 2021) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Wikipedia-Artikel steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar, die vor Übernahme in WikiMANNia am Text mitgearbeitet haben.