WikiMANNia hat in 135 Tagen seinen 18. Geburtstag.
|
Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur
Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin (russisch: Русский дом в Берлине, ehemals: Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur) ist ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum in der Friedrichstraße 176-179 im Berliner Ortsteil Mitte. Es wurde am 5. Juli 1984 eröffnet und wird von der dem Außenministerium der Russischen Föderation[wp] zugeordneten Regierungsagentur Rossotrudnitschestwo[wp] betrieben. Das Gebäude enthält Räumlichkeiten für Ausstellungen, Konferenzen, Konzerte, ein Kino und eine Buchhandlung.
Die Bundesregierung hat völkerrechtswidrig die Schließung des Russischen Hauses verfügt.[1][anm 1]
Hintergrund
| Mit der Schließung des Russischen Hauses erklärt die Bundesregierung der russischen Kultur den Krieg. Russland hingegen hat nie entsprechend gehandelt - nicht mal während der Naziinvasion, und auch heute nicht. Dafür ist die deutsche Kultur ein viel zu wichtiges Element der russischen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hält die im Berliner Russischen Haus gebackenen Piroschki mit Kohl offenbar für eine Spionageoperation und ein Mittel zur Anwerbung von Agenten. Was Merz und seine Untergebenen – Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bundesaußenminister Johann Wadephul – da vollbrachten, sprengt selbst den Rahmen eines noch vernünftigen Sarkasmus. Deutschland kündigte einseitig die mit unserem Land geschlossenen Abkommen. Mit der Schließung des Russischen Hauses, das seit 1984 in Berlin bestand, verstieß Deutschland aus eigener Initiative – und ohne jede Scheu – gegen das Völkerrecht.[anm 1] Anfang August spielte die französische Generaldirektion für innere Sicherheit (DGSI) deutschen Medien Informationen zu, wonach man im Russischen Haus zwischen Tee mit Marmelade und einem Stück Kulebjaka über die "russische Diaspora" – sprich: das "Vivarium russischer Agenten" in Deutschland – überwache. Gespräche über Fjodor Dostojewski[wp] und Leo Tolstoi[wp] sowie die Lektüre Heinrich Heines[wp] auf Russisch gelten ja bekanntlich als bewährtes Mittel, um "Kreml-Narrative" zu verbreiten. Auf die Veröffentlichungen folgte die Reaktion "superunabhängiger" Politiker: "Es ist längst an der Zeit, dieses Spionagenest dichtzumachen." Dann – und wieder "völlig unerwartet" – fand man am Flughafen ein Plastikding in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs. Wobei sich nebenbei die Frage stellt: Was hatte dieses Flugzeug eigentlich in Leipzig zu suchen? Wurde dort etwa Sauerkraut für die kalte Jahreszeit eingekauft? Und dann traten die Bundesminister auf – als hätten sie alle eine blütenweiße Weste – und sagten das, was in Russland heute bekannt ist und worauf Moskau umgehend und symmetrisch reagierte, indem es die Goethe-Institute[wp] in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk schloss. Dem Russischen Haus vorzuwerfen, es habe als "Deckmantel für Spionageoperationen" gedient, käme dem Vorwurf gleich, Michail Wassiljewitsch Lomonossow[wp] und Boris Leonidowitsch Pasternak[wp] hätten während ihrer Zeit in Deutschland Wühltätigkeit betrieben. Sowohl der große Wissenschaftler als auch der große Dichter studierten an der Universität Marburg. Würde man ihnen Vorwürfe machen, könnte man im gleichen Atemzug auch die gesamte russische Wissenschafts-, Literatur- und Philosophiewelt beschuldigen. Unsere historischen sowie familiären und staatlichen Verbindungen zu Deutschland waren stets nicht nur herzlich, sondern eng und geradezu verwandtschaftlich. Wenn man in Russland Kaiserin Katharina II.[wp] die Große nannte, verlor man in Russland nie ihre deutsche Herkunft aus den Augen. Wenn wir der heiligen Märtyrerin Jelisaweta Fjodorowna gedenken, erinnern wir uns stets daran, dass die Großfürstin als Prinzessin Elisabeth von Hessen-Darmstadt[wp] geboren wurde. Merz/Wadephul/Dobrindt ließen ihre Wut am Russischen Haus aus (das klingt zwar undiplomatisch, trifft es aber genau), ohne überhaupt zu begreifen, wie fest unsere Verbindungen zu ihrem eigenen Land tatsächlich sind. Gerade die Beständigkeit dieser Verbindungen verleiht ihnen zugleich eine unvorstellbar tragische Dimension. Wir erinnern uns daran, welche Gräueltaten die Nazis begangen haben. Keiner unserer Gefallenen, der durch ihre verbrecherische Hand starb, ist vergessen. Nichts – keine einzige ihrer Taten – ist in Vergessenheit geraten. Die Reportagen unserer Kriegsberichterstatter von den Fronten schildern ungeschönt, was die Deutschen dort anrichteten. Dazu gehören auch die Berichte Ilja Grigorjewitsch Ehrenburgs darüber, wie die Nazis mit den Einwohnern von Mariupol verfuhren. Unter ihnen war der dreijährige Wladja. Immer wieder fragte er seine Mutter: "Mama, gehen wir baden?" Die deutschen Nationalsozialisten befahlen Wladja und seiner Mutter, sich völlig auszuziehen, und erhängten beide. Zusammen. Oder nehmen wir das Zeugnis Konstantin Georgijewitsch Paustowskis – ebenfalls aus Mariupol. Darin schildert er, wie die Deutschen zwei weitere kleine Stadtbewohner langsam töteten, indem sie ihnen gewaltsam Wodka einflößten. Doch selbst in jener tragischen Zeit kam niemandem – weder in der Staatsführung noch im Militär noch in unserer Gesellschaft – in den Sinn, den Deutschunterricht an Schulen, die Lektüre deutscher Autoren oder die Aufführung von Werken deutscher Komponisten als Verrat am eigenen Land und als Förderung "feindlicher Narrative und feindlichen Einflusses" zu betrachten. Und zwar durch die Lektüre Heines. Dies war die staatliche Politik unseres Landes, das sich – das sei noch einmal betont – im Kriegszustand mit Deutschland befand. Josef Stalin bezeichnete in seiner berühmten Rede, die er vor 85 Jahren, noch im Juli 1941, hielt, das deutsche Volk als treuen Verbündeten des sowjetischen Volkes im Kampf gegen den Hitlerismus. Und heute (ebenfalls auf staatlicher Ebene) erklärt ebendieses Deutschland, das von uns vom Joch des Nationalsozialismus und von der schrecklichsten menschenverachtenden Diktatur befreit wurde, das mit unserer Hilfe die dringend benötigten Ressourcen für seine Industrie erhielt und ebenfalls mit unserer Unterstützung und Billigung wiedervereinigt wurde, dass alles Russische und alles, was mit Russland zu tun hat – von der Sprache bis zur Literatur, vom Gebäck bis zu Gesprächen über die Musik Pjotr Tschaikowskis[wp] –, seine Feinde seien. Im September 2001 sprach Präsident Wladimir Putin vor dem Deutschen Bundestag. Zum Abschluss seiner Rede sagte er: "Trotz mancher (...) Ungeschicktheit schlägt unter allem das starke und lebendige Herz Russlands, welches für eine vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft geöffnet ist." Denjenigen, die uns heute entgegenstehen – diesen kleinen Herostraten der Geopolitik –, gelang es im vergangenen Vierteljahrhundert weder, unser starkes und lebendiges Herz zum Stillstand zu bringen, noch unser Vertrauen in die Möglichkeit einer echten Zusammenarbeit und Partnerschaft zu erschüttern, und erst recht nicht, unseren Glauben an die Berechtigung des Widerstands gegen den heutigen Nazismus, wenn auch ukrainischer Prägung, zu brechen. Merze/Wadephule/Dobrindte – ob groß- oder kleingeschrieben – werden verschwinden. Aber deutsche Musik, deutsche Literatur, deutsche Philosophie – all das ist Teil unseres Lebens. Solange es die russische Kultur gibt, wird sie auch die deutsche Kultur beinhalten. Und auch aus dem Gedächtnis der Generationen ehrlicher Deutscher wird die Erinnerung an unsere Rolle bei der Rettung ihres Landes nicht verschwinden. Und wenn wir unseren gemeinsamen Feind besiegt haben – und dieser Feind ist erneut der Nazismus –, werden wir Heine und Schiller lesen. Gemeinsam. Sowohl auf Deutsch als auch auf Russisch. So wird es sein.
|
| – RT DE[2] |
Reaktionen
| Letzte Woche gab es eine Zäsur in den deutsch-russischen Beziehungen, als die Bundesregierung Russland wegen des Drohnenvorfalls offiziell einen Angriff vorgeworfen hat. In Deutschland dürfte nicht jedem klar sein, wie das in Russland gewirkt hat.
Der Auftritt der Minister Dobrindt und Wadephul war eine recht peinliche Nummer, denn als sie Russland – mal wieder, ohne irgendwelche Belege vorzulegen – beschuldigt haben, mit dem Drohnenvorfall von Leipzig einen Angriff in und auf Deutschland durchgeführt zu haben, haben sie nur ihre Erklärungen abgelesen und nicht einmal Journalistenfragen zugelassen. Laut Dobrindt gab es für Russlands Beteiligung keine Beweise, denn er sprach lediglich davon[3], nicht näher genannte „Erkenntnisse“ würden „klar auf eine russische Involvierung deuten“. Das ist ziemlich wenig, um darauf mit Maßnahmen zu reagieren, die in Moskau als der Wille zum Krieg aufgenommen werden, wie es beispielsweise der russische Außenminister Lawrow formulierte.[4] Gänzlich lächerlich gemacht hat sich bei der Aktion übrigens Kanzler Merz, der offenbar nicht den Mut hatte, diese Anschuldigungen selbst offiziell auszusprechen, sondern sich stattdessen hinter seinen Ministern versteckt hat. In Russland gilt Kultur als besonders hohes Gut, weshalb die Schließung des Russischen Hauses in Berlin die Gemüter in Russland besonders erregt hat. Das zeigt auch der Beitrag aus Deutschland, den das russische Fernsehen am Sonntag in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick ausgestrahlt hat und den ich übersetzt habe.
| ||
| – Anti-Spiegel[5] |
Anmerkungen
- ↑ 1,0 1,1 ChatGPT wendet ein, dass es keine förmliche Schließungsverfügung der Bundesregierung für das Russische Haus gegeben habe; stattdessen wäre das zugrunde liegende Abkommen gekündigt, sodass die vertragliche Basis für das Kulturzentrum Mitte 2027 auslaufe. Daher laufe der Betrieb nach der geltenden Vertragslage zunächst weiter.
Auf meine Nachfrage, wie der Betrieb aufrechterhalten werden könne, wenn die Mitarbeiter ausgewiesen werden, antwortet ChatGPT:
- Das ist genau der Punkt, an dem die politische Ankündigung und die praktische Umsetzung auseinanderfallen.
- Wenn alle aus Russland entsandten Mitarbeiter tatsächlich ausreisen müssen, kann das Russische Haus seinen bisherigen Betrieb kaum unverändert fortführen. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass der Betrieb rechtlich in derselben Minute endet.
- Es gibt mehrere denkbare Konstellationen:
- Das Haus könnte bis zum Wirksamwerden der Vertragskündigung nur noch einen stark eingeschränkten Betrieb aufrechterhalten, etwa mit bereits in Deutschland befindlichem Personal, lokal angestellten Beschäftigten oder durch das Auslaufen laufender Angebote.
- Einzelne Veranstaltungen könnten entfallen oder Sprachkurse nicht mehr fortgeführt werden.
- Das Gebäude selbst bleibt zunächst bestehen; die Kündigung des Abkommens beendet nicht sofort die Existenz der Einrichtung.
- Die Medienberichte sprechen deshalb bewusst davon, dass die Bundesregierung den Betrieb "schon vor Juli 2027 einschränken" wolle und alle aus Russland entsandten Mitarbeiter zur Ausreise auffordere. Sie sagen aber nicht, dass danach noch ein normaler Betrieb möglich sei. Im Gegenteil: Die Ausweisung des entsandten Personals ist gerade eines der Instrumente, mit denen der Betrieb faktisch weitgehend lahmgelegt werden soll.
- Kritiker können darin den Versuch sehen, formal die Rechtslage einzuhalten, faktisch aber das gleiche Ergebnis früher herbeizuführen. Befürworter würden entgegnen, dass unterschiedliche Rechtsinstrumente nebeneinander zulässig sind und sich nicht widersprechen.
- Der entscheidende Streitpunkt ist nicht, ob Kulturinstitutionen Einfluss ausüben – das tun sie definitionsgemäß. Der Streitpunkt ist vielmehr, wo die Grenze zwischen legitimer kultureller Diplomatie und staatlicher Einflussnahme oder geheimdienstlicher Nutzung verläuft.
- Genau an dieser Stelle gehen die Einschätzungen weit auseinander:
- Die Bundesregierung vertritt die Auffassung, das Russische Haus werde nicht mehr primär für Kulturarbeit genutzt, sondern erfülle darüber hinaus andere staatliche Funktionen.
- Russland weist solche Vorwürfe zurück und sieht die Maßnahme als politisch motivierten Angriff auf den kulturellen Austausch. Als Reaktion kündigte Moskau die Schließung der Goethe-Institute an.
- Sie sprechen noch einen anderen, grundsätzlicheren Gedanken an: Wenn jede Seite die Kulturinstitutionen der anderen Seite als Instrument der Einflussnahme betrachtet, entsteht ein Mechanismus der Gegenseitigkeit. Deutschland schließt russische Einrichtungen, Russland schließt deutsche Einrichtungen, und am Ende verschwinden gerade diejenigen Orte, an denen Menschen außerhalb der offiziellen Politik noch miteinander in Kontakt kommen.
- Das ist keine bloße Spekulation. Die Präsidentin des Goethe-Instituts sprach nach der russischen Ankündigung selbst vom „Ende einer Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen“ und betonte, dass Sprache, Bibliotheken und persönliche Begegnungen Brücken zwischen den Gesellschaften gewesen seien.
- Es bleibt dann eine schwierige Abwägung: Einerseits haben Staaten ein legitimes Interesse, sich gegen tatsächliche Einflussoperationen oder nachrichtendienstliche Aktivitäten zu schützen. Andererseits können Maßnahmen gegen Kulturinstitutionen dazu führen, dass gerade die Kontakte zwischen den Gesellschaften abbrechen, die langfristig Vertrauen schaffen könnten.
- Ob der Nutzen der Sicherheitsmaßnahmen den Verlust dieser Kontakte überwiegt, ist letztlich eine politische Entscheidung und wird in demokratischen Gesellschaften unterschiedlich bewertet. Ich kann dafür keine objektiv richtige Antwort geben. Ich würde aber zustimmen, dass die Gefahr besteht, dass in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen der Raum für kulturellen Austausch schrumpft – und dass dies langfristig Folgen für das gegenseitige Verständnis zwischen den Gesellschaften haben kann.
- ↑ In einer Ansprache vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht äußerte Adolf Hitler am 22. August 1939:
- „Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen. Die Glaubwürdigkeit ist dabei gleichgültig, im Sieg liegt das Recht.“
Einzelnachweise
- ↑ Wie geht es mit dem Russischen Haus in Berlin weiter?, Die Zeit am 3. September 2026
- ↑ Jelena Karajewa: "Heine ist auch Teil unserer Kultur!" - Russland reagiert auf die Schließung des Russischen Hauses, RT DE am 5. September 2026
- Anreißer: Mit der Schließung des Russischen Hauses erklärt die Bundesregierung der russischen Kultur den Krieg. Russland hingegen hat nie entsprechend gehandelt - nicht mal während der Naziinvasion, und auch heute nicht. Dafür ist die deutsche Kultur ein viel zu wichtiges Element der russischen.
- ↑ Thomas Röper: Ist schon Krieg?: Bundesregierung wirft Russland offiziell hybride Kriegsakte gegen Deutschland vor, Anti-Spiegel am 2. September 2026
- Anreißer: Die Bundesregierung hat Russland nun offiziell vorgeworfen, hinter dem Drohnenvorfall von Leipzig zu stehen, und Maßnahmen gegen Russland angekündigt. Damit dürften die (fast) letzten Brücken zwischen Deutschland und Russland abgebrochen sein.
- ↑ Thomas Röper: Lawrow: „Sie wollen wieder Krieg“, Anti-Spiegel am 6. September 2026
- Anreißer: Die Anschuldigungen Deutschlands wegen der Drohne in Leipzig seien der Beginn eines echten Krieges, so hat der russische Außenminister die Erklärungen der Bundesregierung nun kommentiert. Das waren die mit Abstand deutlichsten Worte, die es aus Moskau bisher in Richtung Berlin gegeben hat.
- ↑ Thomas Röper: Krieg wegen einer "chinesischen Billigdrohne"?: Wie das russische Fernsehen über die politische Woche in Deutschland berichtet, Anti-Spiegel am 7. September 2026
- Anreißer: Letzte Woche gab es eine Zäsur in den deutsch-russischen Beziehungen, als die Bundesregierung Russland wegen des Drohnenvorfalls offiziell einen Angriff vorgeworfen hat. In Deutschland dürfte nicht jedem klar sein, wie das in Russland gewirkt hat.
Netzverweise
- Webpräsenz: russisches-haus.de
- Alexandra Gretschichin: Bundesregierung macht Russisches Haus dicht: "Die Schließung diskriminiert uns", Berliner Zeitung am 3. September 2026
- Anreißer: Nach dem Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen geht die Bundesregierung gegen Russland vor. Die Berliner Zeitung hat sich in der russischen Community umgehört.