Information icon.svg WikiMANNia hat in 135 Tagen seinen 18. Geburtstag.
"Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du." - Mahatma Gandhi
Jugendschutz Die Bericht­erstattung WikiMANNias über Vorgänge des Zeitgeschehens dient der staats­bürgerlichen Aufklärung. Unterstützen Sie eine einzig­artige Webpräsenz, die in Deutschland vom Frauen­ministerium als "jugend­gefährdend" indiziert wurde. Donate Button.gif

Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur

Aus WikiMANNia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptseite » Staat » Russland » Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur
Hauptseite » Kultur » Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur
Hauptseite » Wissenschaft » Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur

Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin (russisch: Русский дом в Берлине, ehemals: Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur) ist ein Veranstaltungs- und Kultur­zentrum in der Friedrichstraße 176-179 im Berliner Ortsteil Mitte. Es wurde am 5. Juli 1984 eröffnet und wird von der dem Außenministerium der Russischen Föderation[wp] zugeordneten Regierungsagentur Rossotrudnitschestwo[wp] betrieben. Das Gebäude enthält Räumlichkeiten für Ausstellungen, Konferenzen, Konzerte, ein Kino und eine Buchhandlung.

Die Bundesregierung hat völkerrechtswidrig die Schließung des Russischen Hauses verfügt.[1][anm 1]

Hintergrund

Mit der Schließung des Russischen Hauses erklärt die Bundesregierung der russischen Kultur den Krieg. Russland hingegen hat nie entsprechend gehandelt - nicht mal während der Naziinvasion, und auch heute nicht. Dafür ist die deutsche Kultur ein viel zu wichtiges Element der russischen.

Bundeskanzler Friedrich Merz hält die im Berliner Russischen Haus gebackenen Piroschki mit Kohl offenbar für eine Spionage­operation und ein Mittel zur Anwerbung von Agenten. Was Merz und seine Untergebenen – Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bundesaußenminister Johann Wadephul – da vollbrachten, sprengt selbst den Rahmen eines noch vernünftigen Sarkasmus.

Deutschland kündigte einseitig die mit unserem Land geschlossenen Abkommen. Mit der Schließung des Russischen Hauses, das seit 1984 in Berlin bestand, verstieß Deutschland aus eigener Initiative – und ohne jede Scheu – gegen das Völkerrecht.[anm 1]

Anfang August spielte die französische Generaldirektion für innere Sicherheit (DGSI) deutschen Medien Informationen zu, wonach man im Russischen Haus zwischen Tee mit Marmelade und einem Stück Kulebjaka über die "russische Diaspora" – sprich: das "Vivarium russischer Agenten" in Deutschland – überwache. Gespräche über Fjodor Dostojewski[wp] und Leo Tolstoi[wp] sowie die Lektüre Heinrich Heines[wp] auf Russisch gelten ja bekanntlich als bewährtes Mittel, um "Kreml-Narrative" zu verbreiten.

Auf die Veröffentlichungen folgte die Reaktion "super­unabhängiger" Politiker: "Es ist längst an der Zeit, dieses Spionagenest dichtzumachen." Dann – und wieder "völlig unerwartet" – fand man am Flughafen ein Plastikding in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs. Wobei sich nebenbei die Frage stellt: Was hatte dieses Flugzeug eigentlich in Leipzig zu suchen? Wurde dort etwa Sauerkraut für die kalte Jahreszeit eingekauft?

Und dann traten die Bundesminister auf – als hätten sie alle eine blütenweiße Weste – und sagten das, was in Russland heute bekannt ist und worauf Moskau umgehend und symmetrisch reagierte, indem es die Goethe-Institute[wp] in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk schloss.

Dem Russischen Haus vorzuwerfen, es habe als "Deckmantel für Spionage­operationen" gedient, käme dem Vorwurf gleich, Michail Wassiljewitsch Lomonossow[wp] und Boris Leonidowitsch Pasternak[wp] hätten während ihrer Zeit in Deutschland Wühltätigkeit betrieben.

Sowohl der große Wissenschaftler als auch der große Dichter studierten an der Universität Marburg. Würde man ihnen Vorwürfe machen, könnte man im gleichen Atemzug auch die gesamte russische Wissenschafts-, Literatur- und Philosophie­welt beschuldigen.

Unsere historischen sowie familiären und staatlichen Verbindungen zu Deutschland waren stets nicht nur herzlich, sondern eng und geradezu verwandtschaftlich. Wenn man in Russland Kaiserin Katharina II.[wp] die Große nannte, verlor man in Russland nie ihre deutsche Herkunft aus den Augen. Wenn wir der heiligen Märtyrerin Jelisaweta Fjodorowna gedenken, erinnern wir uns stets daran, dass die Großfürstin als Prinzessin Elisabeth von Hessen-Darmstadt[wp] geboren wurde.

Merz/Wadephul/Dobrindt ließen ihre Wut am Russischen Haus aus (das klingt zwar undiplomatisch, trifft es aber genau), ohne überhaupt zu begreifen, wie fest unsere Verbindungen zu ihrem eigenen Land tatsächlich sind. Gerade die Beständigkeit dieser Verbindungen verleiht ihnen zugleich eine unvorstellbar tragische Dimension.

Wir erinnern uns daran, welche Gräueltaten die Nazis begangen haben. Keiner unserer Gefallenen, der durch ihre verbrecherische Hand starb, ist vergessen. Nichts – keine einzige ihrer Taten – ist in Vergessenheit geraten. Die Reportagen unserer Kriegsbericht­erstatter von den Fronten schildern ungeschönt, was die Deutschen dort anrichteten. Dazu gehören auch die Berichte Ilja Grigorjewitsch Ehrenburgs darüber, wie die Nazis mit den Einwohnern von Mariupol verfuhren. Unter ihnen war der dreijährige Wladja. Immer wieder fragte er seine Mutter: "Mama, gehen wir baden?" Die deutschen Nationalsozialisten befahlen Wladja und seiner Mutter, sich völlig auszuziehen, und erhängten beide. Zusammen. Oder nehmen wir das Zeugnis Konstantin Georgijewitsch Paustowskis – ebenfalls aus Mariupol. Darin schildert er, wie die Deutschen zwei weitere kleine Stadtbewohner langsam töteten, indem sie ihnen gewaltsam Wodka einflößten.

Doch selbst in jener tragischen Zeit kam niemandem – weder in der Staatsführung noch im Militär noch in unserer Gesellschaft – in den Sinn, den Deutschunterricht an Schulen, die Lektüre deutscher Autoren oder die Aufführung von Werken deutscher Komponisten als Verrat am eigenen Land und als Förderung "feindlicher Narrative und feindlichen Einflusses" zu betrachten. Und zwar durch die Lektüre Heines.

Dies war die staatliche Politik unseres Landes, das sich – das sei noch einmal betont – im Kriegszustand mit Deutschland befand. Josef Stalin bezeichnete in seiner berühmten Rede, die er vor 85 Jahren, noch im Juli 1941, hielt, das deutsche Volk als treuen Verbündeten des sowjetischen Volkes im Kampf gegen den Hitlerismus.

Und heute (ebenfalls auf staatlicher Ebene) erklärt ebendieses Deutschland, das von uns vom Joch des Nationalsozialismus und von der schrecklichsten menschen­verachtenden Diktatur befreit wurde, das mit unserer Hilfe die dringend benötigten Ressourcen für seine Industrie erhielt und ebenfalls mit unserer Unterstützung und Billigung wiedervereinigt wurde, dass alles Russische und alles, was mit Russland zu tun hat – von der Sprache bis zur Literatur, vom Gebäck bis zu Gesprächen über die Musik Pjotr Tschaikowskis[wp] –, seine Feinde seien.

Im September 2001 sprach Präsident Wladimir Putin vor dem Deutschen Bundestag. Zum Abschluss seiner Rede sagte er: "Trotz mancher (...) Ungeschicktheit schlägt unter allem das starke und lebendige Herz Russlands, welches für eine vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft geöffnet ist."

Denjenigen, die uns heute entgegenstehen – diesen kleinen Herostraten der Geopolitik –, gelang es im vergangenen Vierteljahrhundert weder, unser starkes und lebendiges Herz zum Stillstand zu bringen, noch unser Vertrauen in die Möglichkeit einer echten Zusammenarbeit und Partnerschaft zu erschüttern, und erst recht nicht, unseren Glauben an die Berechtigung des Widerstands gegen den heutigen Nazismus, wenn auch ukrainischer Prägung, zu brechen.

Merze/Wadephule/Dobrindte – ob groß- oder kleingeschrieben – werden verschwinden. Aber deutsche Musik, deutsche Literatur, deutsche Philosophie – all das ist Teil unseres Lebens. Solange es die russische Kultur gibt, wird sie auch die deutsche Kultur beinhalten. Und auch aus dem Gedächtnis der Generationen ehrlicher Deutscher wird die Erinnerung an unsere Rolle bei der Rettung ihres Landes nicht verschwinden.

Und wenn wir unseren gemeinsamen Feind besiegt haben – und dieser Feind ist erneut der Nazismus –, werden wir Heine und Schiller lesen. Gemeinsam. Sowohl auf Deutsch als auch auf Russisch. So wird es sein.



Übersetzt aus dem Russischen[ext]. Der Artikel ist am 5. September 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

– RT DE[2]

Reaktionen

Letzte Woche gab es eine Zäsur in den deutsch-russischen Beziehungen, als die Bundesregierung Russland wegen des Drohnenvorfalls offiziell einen Angriff vorgeworfen hat. In Deutschland dürfte nicht jedem klar sein, wie das in Russland gewirkt hat.

Der Auftritt der Minister Dobrindt und Wadephul war eine recht peinliche Nummer, denn als sie Russland – mal wieder, ohne irgendwelche Belege vorzulegen – beschuldigt haben, mit dem Drohnenvorfall von Leipzig einen Angriff in und auf Deutschland durchgeführt zu haben, haben sie nur ihre Erklärungen abgelesen und nicht einmal Journalisten­fragen zugelassen. Laut Dobrindt gab es für Russlands Beteiligung keine Beweise, denn er sprach lediglich davon[3], nicht näher genannte „Erkenntnisse“ würden „klar auf eine russische Involvierung deuten“.

Das ist ziemlich wenig, um darauf mit Maßnahmen zu reagieren, die in Moskau als der Wille zum Krieg aufgenommen werden, wie es beispielsweise der russische Außenminister Lawrow formulierte.[4]

Gänzlich lächerlich gemacht hat sich bei der Aktion übrigens Kanzler Merz, der offenbar nicht den Mut hatte, diese Anschuldigungen selbst offiziell auszusprechen, sondern sich stattdessen hinter seinen Ministern versteckt hat.

In Russland gilt Kultur als besonders hohes Gut, weshalb die Schließung des Russischen Hauses in Berlin die Gemüter in Russland besonders erregt hat. Das zeigt auch der Beitrag aus Deutschland, den das russische Fernsehen am Sonntag in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick ausgestrahlt hat und den ich übersetzt habe.

Zitat: «In den Kulissen der Theaterbühne des Russischen Hauses steht ein Flügel. Die Leiterin Swetlana Nekrassowa zeigt ihn uns, es ist das Instrument aus der Wohnung des 2025 in München verstorbenen großen Komponisten Rodion Schtschedrin[wp] und seiner Frau, der berühmten Ballerina Maja Plissezkaja[wp]. Die Nachlassverwalter des Paares beschlossen, ihn dem Russischen Haus zu stiften, doch diese Entscheidung muss ein deutsches Gericht noch vor Jahresende bestätigen. Zur Zukunft des Flügels sagt Frau Nekrassowa, sie hoffe, dass der Flügel letztlich im Russischen Haus bleibt, oder vielleicht in einem Russischen Haus in einem anderen Land, oder sogar nach Russland kommt.

Unsicherheit ist normal, wenn etwas Unerwartetes geschieht. Nun muss der Betrieb in aller Eile abgewickelt werden. Inventar und Archive müssen ausgeräumt, Verträge gekündigt, Personal entlassen und die Koffer gepackt werden. Ich frage sie, wie viel Zeit man Ihnen gegeben hat, um das Land zu verlassen.

Swetlana Nekrassowa antwortet: „Sieben Tage. Sieben Tage, beginnend mit dem 1. September. Darum müssen wir jetzt neben der Arbeit, die zur Abwicklung des Betriebs nötig ist, auch noch schnell packen und uns auf die Abreise vorbereiten.“

Das ist das Café des Russischen Hauses, wo die Betreiberin Sabina Gimaewa traditionelle russische Hausmannskost wie Pilaw, Hühnchen, Kartoffelpüree, Borschtsch, Soljanka und natürlich Pelmeni anbietet. Noch ist das Café für alle Passanten geöffnet. Sabina und ihr Mann haben viel Arbeit in die Gestaltung der typischen Atmosphäre gesteckt. Wer im Russischen Haus den „russischsten“ Ort sucht, der findet ihn hier. Sabina weiß noch nicht genau, wann sie gehen muss oder wer die Botschaftsschule nach ihrem Weggang versorgen wird, denn bisher hat ihr Café die Schule während des Schuljahres jeden Morgen mit frischem Essen versorgt.

Jetzt sind alle Russenhasser in ganz Europa zufrieden. Die von der deutschen Regierung am Flughafen Leipzig inszenierte Provokation mit Drohnen hat Merz den formellen Vorwand geliefert, um die russische Wissenschaft und Kultur zu canceln. Allerdings hat der Kanzler selbst die Erwartungen nicht erfüllt, denn er wollte sich nicht die Hände schmutzig machen – sie sind ja auch schon schmutzig genug –, weshalb er die Aufgabe an seine Innen- und Außenminister delegierte. Dies geschah am 1. September, dem Tag des Schulbeginns in russischen Schulen und dem Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs[wp].

Innenminister Dobrindt erklärte auf der Pressekonferenz: „Die Art der Verbrechen und nachrichten­dienstliche Erkenntnisse deuten auf eine Verantwortung Russlands für den versuchten Terroranschlag am Flughafen Leipzig hin.“

Außenminister Wadephul verkündete danach die Maßnahmen: „In Abstimmung mit dem Bundeskanzler habe ich folgende Maßnahmen angeordnet: Das russische Generalkonsulat in Bonn wird am 18. September geschlossen. Die Vereinbarung über den Betrieb des Russischen Hauses wird gekündigt.“

Was sind die Fakten? Es gibt eine chinesische Billigdrohne, die nicht explodiert, und ein Flugzeug, das unbeschädigt geblieben ist. Angeblich gibt es ein paar Verdächtige, die man aber niemandem zeigt. Das sind alle Beweise.

Der russische Botschafter Netschajew sagte dazu: „Es gibt weitere Wellen der Empörung in Deutschland, beispiellose Sanktionen gegen Russland, eine tiefere Verstrickung Deutschlands in den Konflikt, und die weitere Bewaffnung der Ukraine, was ja offensichtlich das wichtigste Ziel derer ist, die diese Provokation geplant und durchgeführt haben.“

Die Aktion wurde mit heißer Nadel gestrickt. Beim Reichstagsbrand[wp] oder beim Überfall auf den Sender Gleiwitz[wp][anm 2] hatte man sich mehr Mühe gegeben. Und verweigern ausgerechnet deutsche Politiker, die sich doch angeblich so sehr um die Demokratie in Russland sorgen, russischen Bürgern die Möglichkeit, an den Wahlen zur Staatsduma teilzunehmen, die ab dem 18. September, dem Tag der Schließung des Generalkonsulats in Bonn, beginnen. Das Generalkonsulat sollte dabei als Wahllokal dienen.

Dazu sagte Oleg Krasnizki, der russische Generalkonsul in Bonn: „Wir wurden angewiesen, das deutsche Hoheitsgebiet spätestens am 18. September zu verlassen. Wir reisen mit dem Gefühl ab, unsere Pflicht erfüllt zu haben. Wir haben uns bemüht, hier unter strikter Einhaltung der Bestimmungen des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen[wp] zu arbeiten. Wir haben uns bemüht, unseren Landsleuten und den russischen Bürgern in Deutschland eine Stütze zu sein.“

Im eigenen Land hingegen versucht die deutsche Regierung, wenn nötig, den Anschein von Demokratie und Meinungsfreiheit zu wahren. Am Freitagabend fanden rund um das Russische Haus gleich drei Demonstrationen statt. Die einzige Kundgebung zur Unterstützung des Russischen Hauses wurde vom BSW organisiert, einer kleinen linken Partei, deren Ansichten zum Ukraine-Konflikt weitgehend mit denen der AfD übereinstimmen. Die beiden anderen Kundgebungen, die eher spärlich besucht waren, richteten sich dagegen.

Dabei gibt es ein interessantes Detail: Die Anhänger Wagenknechts beantragten als Erste eine Genehmigung für eine Kundgebung, woraufhin umgehend drei Gegen­demonstrationen organisiert wurden. Generell konnten in Deutschland nur wenige Menschen, die bei klarem Verstand sind, den gegen Russland erhobenen Anschuldigungen glauben. Man muss wohl eher sagen, dass manche das Handeln der Regierung Merz bewusst unterstützen, während andere das nicht tun.

Zu letzteren gehört Frau Katrin Schuljain. Die künstlerische Leiterin des Berliner Theaters „Ost“ hatte geplant, im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur zur neuen Spielzeit einen Kindertanzkurs zu starten und dort rechtzeitig zum Jahreswechsel ein „Väterchen-Frost“-Ballett auf die Bühne zu bringen. Sie erzählte mir: „Ich liebe diese Bühne. Ich war zum ersten Mal 1985 hier, damals besuchte ich noch die Ballettschule und sah einen Auftritt des Moissejew[wp]-Ensembles. Schon damals fand ich die Bühne großartig. Sie hat ein wunderschönes, breites Portal und eignet sich perfekt für Ballett, da sie genau die richtige Tiefe hat. Es ist also ein wunderbarer Ort für den Tanz. Ja, ich liebe diese Bühne wirklich.“

Moissejew im Jahr 1985, das bedeutet, dass Frau Schuljain das Russische Haus bereits im Jahr nach dessen Eröffnung zum ersten Mal besucht hat.

Das Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur wurde am 5. Juli 1984 eröffnet. Es war mit 20.000 Quadratmeter Nutzfläche das größte sowjetische Informations­zentrum im Ausland. Aber so groß das Russische Haus in Berlin auch war, es konnte natürlich nicht die gesamte sowjetische und russische Wissenschaft und Kultur beherbergen. Vor allem nicht die Kultur: das Bolschoi[wp], das Mariinski[wp], das Alexandrow-Ensemble[wp], Gergijew[wp], Spiwakow[wp], Richter[wp].

Katrin Schuljain erinnert sich: „Für sehr viele Menschen, besonders im Osten, die im Geiste der russischen Kultur aufgewachsen sind, womit wir wieder bei die Frage der Identitäts­bildung sind, verschwindet nicht nur ein Stück Heimat, sondern… Also, wo die Kultur endet, besteht die große Gefahr, in die Barbarei abzurutschen.“

Die Provokation von Leipzig oder die Häufung von Berichten über gescheiterte Brandanschläge, nicht explodierte Sprengsätze oder auch selbstgebaute Raketen mit Kupferdrähten, die Stromleitungen kurzschließen sollten, wirkt billig, aber sie kaschiert den tiefen politischen Sinn.

Während sie die letzten Brücken zu Russland abbrechen, beklagen sie heuchlerisch, dass Russland gespiegelte Gegenmaßnahmen ergreift, denn angeblich bedauerte Wadephul die Nachricht von der Schließung des Goethe-Instituts[wp].

Die deutsche Führungsschicht versucht, die Erinnerung an die DDR, jenes andere Land der Deutschen, auszulöschen, was neben vielen aktuellen Gründen die Proteststimmung anheizt und die Menschen zunehmend dazu treibt, nach einer politischen „Alternative“ zu suchen. Und das versetzt die Eliten in Panik.

Sachsen-Anhalt ist das Deutschland des Mittelalters. Wir kennen die Stadt Wernigerode aus dem Film von Mark Sacharow[wp] über Baron Münchhausen[wp]. Erinnern Sie sich an die Figuren, die Leonid Bronewoi[wp] und Semjon Farada[wp] auf dieser Treppe spielten? Wäre jener Münchhausen unser Zeitgenosse und lebte nicht in Niedersachsen, sondern in Sachsen-Anhalt, so bestünde eine Wahrscheinlichkeit von 43 Prozent, dass er AfD-Wähler wäre.

Bei der Wahl 2021 siegte in Sachsen-Anhalt die CDU und errang 37 Prozent der Stimmen. Die AfD landete mit über 20 Prozent auf dem zweiten Platz. Doch zu Weihnachten 2024 raste ein Migrant aus Saudi-Arabien auf dem Magdeburger Alten Markt mit hoher Geschwindigkeit in eine Menschenmenge. Fünf Frauen und ein Kind kamen ums Leben, mehr als dreihundert Menschen wurden verletzt, viele trugen dauerhafte Schäden davon. Das geschah, während sich Deutschland auf die vorgezogene Bundestagswahlen vorbereitete. Auch wenn Merz schließlich Bundeskanzler wurde, bekam die AfD in Sachsen-Anhalt fast 39 Prozent der Stimmen, doppelt so viel wie die CDU. Und das natürlich nicht nur wegen des Anschlags.

Denis Möhring, Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Harz, sagte uns: „Jahrzehntelang haben wir von den zuverlässigen und billigen Gaslieferungen aus Russland profitiert. Wir Ostdeutschen wissen etwas mehr über Russland als die Menschen im Westen. Ich selbst habe als Schüler bis zum Alter von 14 Jahren Russisch gelernt. Ja, ich habe bei Russland einen anderen Blick auf die Dinge.“

Christina Baum, AfD-Bundestags­abgeordnete, sagte: „Die Menschen, die uns wählen, glauben diese Drohnengeschichte nicht, die ist einfach unglaubwürdig. Das Ziel ist es, die deutsche Öffentlichkeit gegen Russland aufzubringen, um uns leichter in einen Krieg hineinziehen zu können.“

Unter den für die AfD besten Bedingungen, also wenn die kleinen Parteien die Sperrklausel für den Landtag verfehlt hätten, hätte die Partei erstmals die Chance gehabt, in einem Bundesland an die Macht zu kommen und den von anderen politischen Kräften um die AfD errichtete „Brandmauer“ zu durchbrechen. Daher versuchten der amtierende Ministerpräsident und sein Parteichef Merz während eines Großteils des Wahlkampfs zu erklären, warum man nicht für die AfD stimmen sollte. Zu erklären, warum man für die CDU stimmen sollte, war ihnen hingegen zu schwierig.

Bei Merz klang das so: „Wer will, dass Deutschland ein offenes und liberales Land und Sachsen-Anhalt ein attraktiver Standort bleibt, darf am Sonntag nicht die AfD wählen. Er muss die CDU wählen.“

Wenn Merz damit meinte, die CDU würde Sachsen-Anhalt attraktiver machen, muss man sich daran erinnern, dass seine Partei hier seit 24&nsp;Jahren ununterbrochen regiert. Und der Stimmung der Einwohner nach zu urteilen, läuft es nicht besonders gut. Und hier kommt die Presse zur Hilfe. Reporter der Bild-Zeitung entdeckten im Besitz des AfD-Abgeordneten Tilschneider eine Tasse mit dem Logo der russischen Armee und er konnte nicht erklären, woher er sie hatte, was offenbar schlimmer ist als die Drohne und die selbstgebaute Bombe. Die Leute des Kanzlers klammern sich an diesen Beweis, einen weiteren Kreml-Agenten auf frischer Tat ertappt zu haben, wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm.

Sven Schulze, der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, kommentierte die Tasse und schloss mit den Worten: „Ich will die russische Armee nicht wieder in Sachsen-Anhalt sehen.“

Das ist mittlerweile eine Hysterie, doch die Gründe liegen nicht nur in den Wahlprognosen für Sachsen-Anhalt. Unabhängig vom Zustand der „Brandmauer“ bleibt eine Niederlage für die Regierungs­parteien eine Niederlage und eine Regierungskrise ist unausweichlich. Die Frage ist nur, ob sie sich auf den Austausch von Personal in der Regierungs­koalition, einschließlich des Bundeskanzlers, beschränkt, oder ob die Koalition vollständig zerbricht und damit den Weg für Neuwahlen öffnet. Dabei hätte die AfD mit 29 Prozent in den Umfragen, verglichen mit 21 Prozent für die CDU und lediglich 12 Prozent für die SPD, wieder die beste Ausgangsposition.

Tino Chrupalla kommentierte: „Der Bundeskanzler, der drei Wochen im Urlaub war, sollte einfach dort bleiben. Wenn Deutschland eine Zukunft haben soll, braucht es einen Kanzler, der unmissverständlich erklärt, dass die Energiewende und die Migrationspolitik gescheitert sind, jemanden, der in den Beziehungen zu Moskau einen diplomatischen Kurs einschlägt. So einen Kanzler braucht Deutschland.“

So einen Kanzler wird Deutschland so bald kaum bekommen. Aber es könnte ein neues Haus für die russische Kultur geschaffen werden, oder man könnte es zumindest versuchen. Wenn nicht in Berlin, warum dann nicht in Magdeburg? In dieser Frage könnte die AfD hier Verbündete finden, selbst wenn die Partei heute nicht an die Macht kommt.»

– Anti-Spiegel[5]

Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 ChatGPT wendet ein, dass es keine förmliche Schließungsverfügung der Bundesregierung für das Russische Haus gegeben habe; stattdessen wäre das zugrunde liegende Abkommen gekündigt, sodass die vertragliche Basis für das Kulturzentrum Mitte 2027 auslaufe. Daher laufe der Betrieb nach der geltenden Vertragslage zunächst weiter. Auf meine Nachfrage, wie der Betrieb aufrechterhalten werden könne, wenn die Mitarbeiter ausgewiesen werden, antwortet ChatGPT:
    Das ist genau der Punkt, an dem die politische Ankündigung und die praktische Umsetzung auseinanderfallen.
    Wenn alle aus Russland entsandten Mitarbeiter tatsächlich ausreisen müssen, kann das Russische Haus seinen bisherigen Betrieb kaum unverändert fortführen. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass der Betrieb rechtlich in derselben Minute endet.
    Es gibt mehrere denkbare Konstellationen:
    • Das Haus könnte bis zum Wirksamwerden der Vertragskündigung nur noch einen stark eingeschränkten Betrieb aufrechterhalten, etwa mit bereits in Deutschland befindlichem Personal, lokal angestellten Beschäftigten oder durch das Auslaufen laufender Angebote.
    • Einzelne Veranstaltungen könnten entfallen oder Sprachkurse nicht mehr fortgeführt werden.
    • Das Gebäude selbst bleibt zunächst bestehen; die Kündigung des Abkommens beendet nicht sofort die Existenz der Einrichtung.
    Die Medienberichte sprechen deshalb bewusst davon, dass die Bundesregierung den Betrieb "schon vor Juli 2027 einschränken" wolle und alle aus Russland entsandten Mitarbeiter zur Ausreise auffordere. Sie sagen aber nicht, dass danach noch ein normaler Betrieb möglich sei. Im Gegenteil: Die Ausweisung des entsandten Personals ist gerade eines der Instrumente, mit denen der Betrieb faktisch weitgehend lahmgelegt werden soll.
    ChatGPT ergänzt:
    Kritiker können darin den Versuch sehen, formal die Rechtslage einzuhalten, faktisch aber das gleiche Ergebnis früher herbeizuführen. Befürworter würden entgegnen, dass unterschiedliche Rechtsinstrumente nebeneinander zulässig sind und sich nicht widersprechen.
    ChatGPT weiter:
    Der entscheidende Streitpunkt ist nicht, ob Kulturinstitutionen Einfluss ausüben – das tun sie definitionsgemäß. Der Streitpunkt ist vielmehr, wo die Grenze zwischen legitimer kultureller Diplomatie und staatlicher Einflussnahme oder geheimdienstlicher Nutzung verläuft.
    Genau an dieser Stelle gehen die Einschätzungen weit auseinander:
    • Die Bundesregierung vertritt die Auffassung, das Russische Haus werde nicht mehr primär für Kulturarbeit genutzt, sondern erfülle darüber hinaus andere staatliche Funktionen.
    • Russland weist solche Vorwürfe zurück und sieht die Maßnahme als politisch motivierten Angriff auf den kulturellen Austausch. Als Reaktion kündigte Moskau die Schließung der Goethe-Institute an.
    Sie sprechen noch einen anderen, grundsätzlicheren Gedanken an: Wenn jede Seite die Kulturinstitutionen der anderen Seite als Instrument der Einflussnahme betrachtet, entsteht ein Mechanismus der Gegenseitigkeit. Deutschland schließt russische Einrichtungen, Russland schließt deutsche Einrichtungen, und am Ende verschwinden gerade diejenigen Orte, an denen Menschen außerhalb der offiziellen Politik noch miteinander in Kontakt kommen.
    Das ist keine bloße Spekulation. Die Präsidentin des Goethe-Instituts sprach nach der russischen Ankündigung selbst vom „Ende einer Ära der deutsch-russischen Kultur­beziehungen“ und betonte, dass Sprache, Bibliotheken und persönliche Begegnungen Brücken zwischen den Gesellschaften gewesen seien.
    Es bleibt dann eine schwierige Abwägung: Einerseits haben Staaten ein legitimes Interesse, sich gegen tatsächliche Einfluss­operationen oder nachrichten­dienstliche Aktivitäten zu schützen. Andererseits können Maßnahmen gegen Kultur­institutionen dazu führen, dass gerade die Kontakte zwischen den Gesellschaften abbrechen, die langfristig Vertrauen schaffen könnten.
    Ob der Nutzen der Sicherheits­maßnahmen den Verlust dieser Kontakte überwiegt, ist letztlich eine politische Entscheidung und wird in demokratischen Gesellschaften unterschiedlich bewertet. Ich kann dafür keine objektiv richtige Antwort geben. Ich würde aber zustimmen, dass die Gefahr besteht, dass in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen der Raum für kulturellen Austausch schrumpft – und dass dies langfristig Folgen für das gegenseitige Verständnis zwischen den Gesellschaften haben kann.
  2. In einer Ansprache vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht äußerte Adolf Hitler am 22. August 1939:
    „Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen. Die Glaubwürdigkeit ist dabei gleichgültig, im Sieg liegt das Recht.“

Einzelnachweise

  1. Wie geht es mit dem Russischen Haus in Berlin weiter?, Die Zeit am 3. September 2026
  2. Jelena Karajewa: "Heine ist auch Teil unserer Kultur!" - Russland reagiert auf die Schließung des Russischen Hauses, RT DE am 5. September 2026
    Anreißer: Mit der Schließung des Russischen Hauses erklärt die Bundesregierung der russischen Kultur den Krieg. Russland hingegen hat nie entsprechend gehandelt - nicht mal während der Naziinvasion, und auch heute nicht. Dafür ist die deutsche Kultur ein viel zu wichtiges Element der russischen.
  3. Thomas Röper: Ist schon Krieg?: Bundesregierung wirft Russland offiziell hybride Kriegsakte gegen Deutschland vor, Anti-Spiegel am 2. September 2026
    Anreißer: Die Bundesregierung hat Russland nun offiziell vorgeworfen, hinter dem Drohnenvorfall von Leipzig zu stehen, und Maßnahmen gegen Russland angekündigt. Damit dürften die (fast) letzten Brücken zwischen Deutschland und Russland abgebrochen sein.
  4. Thomas Röper: Lawrow: „Sie wollen wieder Krieg“, Anti-Spiegel am 6. September 2026
    Anreißer: Die Anschuldigungen Deutschlands wegen der Drohne in Leipzig seien der Beginn eines echten Krieges, so hat der russische Außenminister die Erklärungen der Bundesregierung nun kommentiert. Das waren die mit Abstand deutlichsten Worte, die es aus Moskau bisher in Richtung Berlin gegeben hat.
  5. Thomas Röper: Krieg wegen einer "chinesischen Billigdrohne"?: Wie das russische Fernsehen über die politische Woche in Deutschland berichtet, Anti-Spiegel am 7. September 2026
    Anreißer: Letzte Woche gab es eine Zäsur in den deutsch-russischen Beziehungen, als die Bundesregierung Russland wegen des Drohnenvorfalls offiziell einen Angriff vorgeworfen hat. In Deutschland dürfte nicht jedem klar sein, wie das in Russland gewirkt hat.

Netzverweise

Anreißer: Nach dem Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen geht die Bundesregierung gegen Russland vor. Die Berliner Zeitung hat sich in der russischen Community umgehört.