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Katschka-Kos-Plan

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Der Katschka-Kos-Plan bezeichnet einen im Dezember 2025 vorgestellten Zehn-Punkte-Plan zur schrittweisen Integration der Ukraine in die Europäische Union. Benannt ist er nach dem damaligen ukrainischen Vizeminister für Wirtschaft und Handels­beauftragten[wp] Taras Katschka[wp] sowie der EU-Kommissarin für Erweiterung[wp] Marta Kos[wp]. Der Plan beschreibt zehn politische und institutionelle Maßnahmen zur Einbindung der Ukraine in den EU-Binnenmarkt und ausgewählte Politikbereiche der Union bereits vor einem formellen EU-Beitritt.

Hintergrund

In den letzten Monaten habe ich viel über den aktuellen Machtkampf in der Ukraine geschrieben, wobei man korrekterweise "Machtkampf um die Ukraine" sagen müsste. Deutsche Medien haben lediglich über einen Aspekt der Ereignisse berichtet, nämlich über die Entlassung des ukrainischen Verteidigungs­ministers Fjodorow[wp][1], die dem Westen überhaupt nicht gefallen hat. Von den Korruptionsskandalen im Selenskijs engstem Umfeld, die das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) inzwischen - inklusive abgehörter Gespräche als Beweise und spektakulärer Verhaftungen - fast schon im Wochentakt veröffentlicht, erfährt das deutsche Publikum hingegen nichts.

Da all diese Zusammenhänge für einen deutschen Leser oft nur schwer verständlich sind, weil man die handelnden Personen, Organisationen und Behörden in der Ukraine nicht kennt, und weil deren Namen für deutsche Ohren ungewohnt klingen, will ich in diesem Artikel erklären, worum es bei all dem eigentlich geht.

Das liebe Geld

Vor einer Woche habe ich die Chronologie des Streits veröffentlicht, der zwischen der EU und Selenskij tobt.[2] In dem Artikel habe ich die Chronologie mit den Ereignissen vom Sommer 2025 begonnen, was kein Zufall ist.

Im Februar 2024 hat die EU die "Ukraine Facility"[3] ins Leben gerufen. Das ist ein Fonds, in den die EU-Kommission Geld einzahlen will und an dem sich private Investoren beteiligen sollen. Insgesamt soll der Fonds 50 Milliarden zusammenbringen, die - so heißt es offiziell - von 2024 bis 2027 zum Wiederaufbau und zur Modernisierung der Ukraine benutzt werden sollen. In Wahrheit geht es darum nicht, es geht einzig und allein darum, die Ukraine weiter zu bewaffnen und im Krieg gegen Russland zu verheizen, wie wir gleich sehen werden.

Als eines der Ziele der "Ukraine Facility" nennt die EU, "die Ukraine zu unterstützen, die Reformen umzusetzen, die sie auf dem Weg in die EU braucht". Das ist ein entscheidender Punkt, wie wir gleich sehen werden, denn die Reformen haben kein geringeres Ziel, als der EU die totale Kontrolle über die Ukraine zu geben.

Genau dagegen gibt es in Kiew Widerstand und als der Anfang 2025 immer spürbarer wurde, hat das (vom Westen kontrollierte) Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) begonnen, in Selenskijs engstem Umfeld wegen Korruption zu ermitteln und so den Druck auf ihn erhöht. Daraufhin hat Selenskij im Sommer 2025 versucht, das NABU unter seine Kontrolle zu bringen, was er schnell wieder rückgängig machen musste, weil die EU drohte, ansonsten alle Unterstützung Kiews einzustellen. Zum NABU kommen wir später noch im Detail, jetzt ist es zum Verständnis wichtig zu wissen, dass das NABU keine unabhängige Behörde ist, wie im Westen immer behauptet wird, sondern unmittelbar nach dem Maidan von den USA gegründet wurde und komplett unter der Kontrolle des Westens steht.

Ende 2025 wollte die EU-Kommission die in Belgien eingefrorenen russischen Vermögenswerte konfiszieren und zur Unterstützung der Ukraine verwenden. Bekanntlich scheiterte das am Widerstand Belgiens und die EU ging zu Plan B über, der darin besteht, dass die EU für Kiew einen 90-Milliardenkredit aufnimmt. Der Kredit ist für die Ukraine nicht rückzahlbar, stattdessen soll Russland nach dem Plan der EU den Kredit nach seiner Niederlage in dem Krieg aus Reparationen zurückzahlen.

Zunächst hat Ungarn unter Orbán den formellen Beschluss über den Kredit noch blockiert, aber seit seiner Wahlniederlage im April 2026 steht der Auszahlung der Gelder, die Kiew so dringend braucht, eigentlich nichts mehr im Wege. Trotzdem überweist die EU die Gelder nicht, und gerade erst hat das ukrainische Finanzministerium erklärt, im September nicht mehr in der Lage zu sein, alle anstehenden Zahlungen leisten zu können.

Man sieht also, dass es beiden Seiten sehr ernst zu sein scheint. Kommen wir nun zu der Frage, worum es genau geht, um zu verstehen, warum beide Seiten so hoch pokern.

Der Katschka-Kos-Plan

Im Dezember 2025, als der Versuch, die in der EU eingefrorenen russischen Gelder zu konfiszieren, gescheitert ist und die EU daher den 90-Milliardenkredit beschlossen hat, haben sich Taras Katschka[wp], der damalige ukrainische Minister für EU-Fragen, und EU-Erweiterungs­kommissarin Marta Kos[wp] auf einen 10-Punkte-Plan geeinigt, der in der Ukraine danach als "Katschka-Kos-Plan" bekannt wurde. Der Plan legt die Reformen fest, die die Ukraine auf ihrem Weg in die EU – und vor allem zum Erhalt der EU-Gelder – umsetzen muss. Wörtlich heißt es in der Erklärung zu dem Plan:

Zitat: «Diese Schritte zeigen die Entschlossenheit der Ukraine, ihre Institutionen zu stärken, bei den Reformen im Rahmen des Fundamentals Cluster wesentliche Fortschritte zu erzielen und auf ihrem europäischen Weg weiter voranzuschreiten. Die EU-Kommission bekräftigt ihr festes Engagement, die Ukraine bei diesen Bemühungen zu unterstützen, und stellt die erforderliche politische, finanzielle und technische Hilfe bereit, um die Reformagenda aufrechtzuerhalten und voranzutreiben.»[4]

Schauen wir uns die 10 Punkte und vor allem die von der EU geforderten Reformen einmal an.

Stärkung von NABU und SAP

Neben dem Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) gibt es auch noch die Spezialisierte Anti­korruptions­staats­anwaltschaft (SAP), die - genauso wie das NABU - nach dem Maidan von der US-Regierung gegründet wurde und unter der Kontrolle des Westens steht.

Punkt 1 des Katschka-Kos-Plans lautet:

Zitat: «Umfassende Änderungen der Strafprozessordnung und anderer Rechtsvorschriften zur Gewährleistung einer zügigen und qualitativ hochwertigen Rechtspflege annehmen, einschließlich durch:
  • Aufhebung der automatischen Einstellung von Strafverfahren wegen Ablaufs der Fristen für das Ermittlungs­verfahren und Überprüfung der geltenden Fristen;
  • Beseitigung verfahrensrechtlicher Hindernisse in Strafverfahren, insbesondere bei Korruptionsfällen auf hoher Ebene;
  • Verlängerung der Verjährungs­fristen sowie Stärkung der Gründe für deren Unterbrechung und Aussetzung bei Korruptions- und korruptions­bezogenen Straftaten im Einklang mit europäischen Standards;
  • Stärkung der Unabhängigkeit von NABU und SAP sowie Schutz ihrer Zuständigkeit vor Umgehung und ungebührlicher Einflussnahme durch klare Abgrenzung der Ermittlungszuständigkeiten zwischen den Ermittlungs­behörden und robuste Regeln zur Vermeidung und Beilegung von Zuständigkeits­konflikten in Strafverfahren;
  • Ausweitung der Zuständigkeit von NABU und SAP auf alle Positionen mit hohem Risiko auf der Grundlage der vorliegenden unabhängigen Bewertung.

»

Hier wird erst einmal nur angedeutet, worum es im Katschka-Kos-Plan geht. Es geht darum, dass die EU Korruptions­vorwürfe noch besser als Druckmittel gegen ukrainische Politiker nutzen kann. Dass dazu die "Unabhängigkeit" der vom Westen kontrollierten, ukrainischen Anti­korruptions­behörden NABU und SAP gestärkt werden soll, bedeutet im Klartext, dass die Kontrolle des Westens über sie noch umfangreicher werden soll. Das bestätigt auch die Forderung nach "Ausweitung der Zuständigkeit von NABU und SAP auf alle Positionen mit hohem Risiko".

In die gleiche Richtung geht auf Punkt 2:

Zitat: «Sicherstellung, dass das NABU wirksamen Zugang zu unparteiischen, zeitnahen und qualitativ hochwertigen forensischen Untersuchungen hat.»

Das war nur das Vorspiel, ab Punkt 3 wird es wirklich interessant.

Übernahme der Kontrolle über die Strafverfolgungsbehörden

In der Ukraine schlägt der Präsident den Generalstaatsanwalt vor und die Rada bestätigt den Vorschlag. In der Praxis der heutigen Ukraine bedeutet das, dass Selenskij als Generalstaatsanwalt einen seiner Vertrauten einsetzt und dass die Rada mit der Mehrheit von Selenskijs Partei diesen dann ernennt. Auf diese Weise kontrolliert Selenskij die ukrainische Staatsanwaltschaft, die bei Bedarf Anklagen gegen Selenskijs politische Gegner erhebt und natürlich nicht gegen seine Freunde ermittelt.

Im Rahmen des Katschka-Kos-Plans will die EU die Kontrolle über die Staatsanwaltschaft übernehmen. Punkt 3 des Plans lautet daher:

Zitat: «Durchführung einer umfassenden Überprüfung des Auswahl- und Entlassungs­verfahrens für den General­staatsanwalt mit dem Ziel, dieses unter Einbeziehung der Venedig-Kommission an bewährte europäische Verfahrensweisen anzupassen.»

Da der Generalstaatsanwalt derzeit von Selenskij ausgewählt und wenn nötig wieder entlassen wird, ist klar, was die EU mit einer "Überprüfung des Auswahl- und Entlassungs­verfahrens für den Generalstaatsanwalt" meint.

In Punkt 4 heißt es in schönen Worten:

Zitat: «Verabschiedung eines Gesetzes im Einklang mit europäischen Standards und nach Konsultation der Venedig-Kommission, um ein transparentes und auf Leistung basierendes Auswahlverfahren sowie transparente Ernennungen und Versetzungen von Staatsanwälten in Führungs­positionen und sonstige Staatsanwalts­positionen (bei der Generalstaats­anwaltschaft sowie bei Regional- und Bezirksstaats­anwaltschaften) zu gewährleisten; dies schließt klare Kriterien sowie ein transparentes, wettbewerbs­orientiertes und leistungs­orientiertes Auswahlverfahren ein, das eine Bewertung der fachlichen Kompetenz und der Integrität umfasst.»

In der Ukraine gab es 2019 schon einmal eine Aktion zur angeblichen Verbesserung der Qualifikation der Staatsanwälte. Damals sollte die Staatsanwaltschaft auf Betreiben der US-Demokraten von allen gesäubert werden, die wegen der Machenschaften der Bidens in der Ukraine ermittelt haben. Dazu wurde ein "transparenter Rezertifizierungs­prozess" ins Leben gerufen und bei den "transparenten Überprüfungen" wurden alle Staatsanwälte als inkompetent eingestuft und entlassen, die nicht auf Linie der US-Demokraten waren oder gar gegen die Bidens ermittelt haben. Darüber habe ich in meinem Buch "Das Ukraine-Kartell"[5] ausführlich berichtet.

Damals wurden die Staatsanwälte im Amt belassen, die Selenskij gegenüber treu waren, der wiederum die Nähe der US-Demokraten suchte. Nun scheint die EU der Meinung zu sein, dass die Staatsanwälte Selenskij gegenüber inzwischen zu treu sind, weshalb sie nun ein neues "transparentes und auf Leistung basierendes Auswahlverfahren" für Staatsanwälte möchte, dieses Mal aber unter Brüssels Kontrolle.

Dass das NABU nun einen großen Korruptionsfall innerhalb der Staatsanwaltschaft[6] unter Beteiligung des gerade erst von Selenskij ernannten General­staats­anwaltes öffentlich gemacht hat, ist vor diesem Hintergrund kein Zufall: Die EU wollte Selenskij zeigen, dass sie mit Hilfe des NABU jeden von ihm ernannten Generalstaatsanwalt innerhalb kürzester Zeit aus dem Amt entfernen kann.

Indem das NABU nun fast wöchentlich neue Korruptionsskandale in Selenskijs Umfeld aufdeckt und die Verdächtigen verhaftet, stört es zusehends Selenskijs Machtvertikale, wie ukrainische Medien offen schreiben.[7]

Auch Punkt 5 geht in die gleiche Richtung, denn darin geht es um das Staatliche Ermittlungsbüro, eine weitere Strafverfolgungsbehörde, die die EU unter ihre Kontrolle bekommen will. Punkt 5 lautet:

Zitat: «Reform des Staatlichen Ermittlungsbüros (SBI): Durchführung einer unabhängigen, umfassenden Überprüfung des institutionellen Rahmens, der Integritäts­mechanismen und der Aufsichtsfunktionen des SBI, um Notwendigkeit und Durchführbarkeit weiterer Reformen im Einklang mit bewährten europäischen Verfahrensweisen zu bewerten; dies soll zur Ausarbeitung, Verabschiedung und Umsetzung eines Gesetzes führen, das die erforderlichen Empfehlungen berücksichtigt.»

Übernahme der Kontrolle über die Gerichte

Auch die ukrainischen Gerichte, angefangen beim Verfassungsgericht, will die EU unter ihre Kontrolle bringen. Punkt 6 des Katschka-Kos-Plans lautet:

Zitat: «Unverzügliche Ernennung international überprüfter Richter am Verfassungsgericht sowie von Mitgliedern des Hohen Rates der Justiz.»

Wieder sehen wir die wohlklingende Formulierung von "international” überprüften Richtern am Verfassungsgericht, was nichts anderes bedeutet, als dass die EU entscheiden will, wer in der Ukraine Richter am Verfassungsgericht wird.

In der Ukraine werden Richter von einer Kommission ernannt, was toll klingt, aber natürlich bedeutet, dass derjenige, der die Kommission und ihre Zusammensetzung kontrolliert, de facto alle Richter in der Ukraine kontrolliert und damit natürlich Einfluss auf deren Urteile hat. Wenig überraschend will die EU daher die Kontrolle über diese Kommission bekommen, indem sie dort - Überraschung! - "internationale Experten" platzieren will, wie wir in Punkt 7 des Katschka-Kos-Plans erfahren:

Zitat: «Ausweitung der Einbeziehung internationaler Experten in die Auswahlkommission für die Hohe Qualifikations­kommission der Richter (HQCJ) in enger Zusammenarbeit mit der EU-Kommission hinsichtlich der Modalitäten.»

Außerdem will die EU, dass in der Ukraine weitere Gesetze verabschiedet werden, bei denen es wieder um die Einsetzung "internationaler unabhängiger Experten" geht, wie wir in Punkt 8 des des Katschka-Kos-Plans erfahren:

Zitat: «Verabschiedung des Gesetzentwurfs zu Integritäts­erklärungen von Richtern, der den Inhalt der Erklärungen präzisiert, den abgedeckten Zeitraum erweitert und das Überprüfungs­verfahren verbessert; für den Obersten Gerichtshof umfasst dies die vorübergehende Einbeziehung international benannter unabhängiger Experten. Verabschiedung von Rechts­vorschriften zur Verbesserung der Durchsetzung gerichtlicher Entscheidungen über finanzielle und nicht-finanzielle Verpflichtungen sowie zur Digitalisierung.»

Angeblicher Kampf gegen Korruption

In den Punkten 9 und 10 geht es noch einmal um Korruption. In Punkt 9 geht es um die "Verabschiedung der Anti­korruptions­strategie und des staatlichen Anti­korruptions­programms bis zum zweiten Quartal 2026”, was die Ukraine meines Wissens nicht umgesetzt hat, was einer der Gründe für die gesteigerte Aktivität des NABU genau ab dem zweiten Quartal 2026 sein dürfte. In Punkt 10 um die "Entwicklung und Stärkung interner Kontrollsysteme zur Bekämpfung von Korruption auf hoher Ebene".

Diese beiden Punkte kann ich nicht kommentieren, da ich mir die Anti­korruptions­strategie und das staatliche Anti­korruptions­programm sowie die "internen Kontrollsysteme zur Bekämpfung von Korruption auf hoher Ebene" nicht im Detail angeschaut habe.

Das hat System

In meinem Buch "Das Ukraine-Kartell" habe ich ausführlich gezeigt, wie die US-Demokraten nach dem Maidan die Kontrolle über die Ukraine übernommen haben. Dazu haben sie dafür gesorgt, dass in den Aufsichtsräten von ukrainischen Staatskonzernen "internationale Experten" die Mehrheit stellen mussten. Damit haben die USA die Kontrolle über die wichtigsten Teile der ukrainischen Wirtschaft übernommen, also vor allem über die Bereiche Gasversorgung und Rüstung, die in der Ukraine von staatlichen Konzernen dominiert werden.

Durch die Gründung von NABU und SAP, wo natürlich auch "internationale Experte]n" alles überwachen, wurde damals die Möglichkeit geschaffen, jeden Gegner der pro-westlichen Politik mit Korruptions­vorwürfen politisch und wirtschaftlich auszuschalten. Davon wurde schon unter Poroschenko reichlich Gebrauch gemacht, als nach dem Maidan große Teile der ukrainischen Wirtschaft neu verteilt wurden, weil schon eine Korruptionsanklage des NABU ausreichte, um den Betroffenen zu enteignen und seinen Besitz durch fingierte Auktionen billig zu übernehmen. So haben nach dem Maidan Soros und andere in der Ukraine sehr viel Geld verdient.[8]

Der Westen hat dieses System zur Übernahme der Kontrolle über andere Länder in den letzten Jahrzehnten perfektioniert. Offiziell reden im Westen alle davon, sie würden für die Unabhängigkeit der Ukraine kämpfen, tatsächlich ist das exakte Gegenteil der Fall und sie wollen die Ukraine vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Das gleiche Prinzip wendet der Westen derzeit auch beispielsweise in Moldawien und Armenien an, während dieser Versuch beispielsweise in Georgien bisher misslungen ist.

Wenn Sie in Artikeln westlicher Medien und Erklärungen westlicher Politiker also mal wieder die Formulierung hören, dieses oder jene Land müsse "Reformen" umsetzen, um Teil des Westens zu werden, dann geht es immer um die Übernahme der Kontrolle über das entsprechende Land. Und in Sachen Ukraine hören wir derzeit von allen EU-Politikern, Kiew solle dringend die "Reformen" umsetzen, die für die weitere Annäherung an die EU nötig sind.

Das NABU

Nun will ich, wie mehrmals angekündigt, für alle, die das nicht wissen, noch einmal erklären, was das NABU und die SAP sind. Ich beschreibe das hier anhand des NABU, beim SAP lief es genauso

Zum Verständnis müssen wir ins Jahr 2014 zurückgehen, denn damals wurde auf Druck des damaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden, der in der Obama-Administration nach dem Maidan für die Ukraine zuständig war, das NABU gegründet. Ich kann hier nicht alle Details darüber erzählen, das würde den Rahmen sprengen. Aber da das NABU in meinem Buch "Das Ukraine-Kartell" eine wichtige Rolle gespielt hat, habe ich die entsprechenden Passagen als Leseproben veröffentlicht.[9]

Da Sie die Details bei Interesse in den Leseproben nachlesen können, will ich hier nur in aller Kürze erklären, was das NABU ist. Es wurde nach dem Maidan von der US-Regierung unter dem Vorwand der Bekämpfung der Korruption gegründet und unterstand vom ersten Tag an den USA. In der US-Botschaft in Kiew war extra ein FBI-Vertreter stationiert, der das NABU de facto geleitet hat.

Mit dem NABU konnte die US-Regierung die Ukraine kontrollieren, weil das NABU gegen jeden, der die Pläne der USA stört, ein Korruptionsverfahren starten kann. Und natürlich schaut das NABU bei krummen Geschäften der Leute, die den USA treu ergeben sind, großzügig weg. Das NABU ist daher das bisher vielleicht wichtigste Instrument, das der Westen zur Kontrolle der Ukraine hat. Wenn die EU Kiew zwingen kann, die geforderten "Reformen" umzusetzen, werden NABU und SAP zu zwei Instrumenten von sehr vielen.

Im Westen wird das NABU als "unabhängig" bezeichnet, was natürlich nicht stimmt, dafür aber schön klingt. Das NABU ist nur unabhängig von der ukrainischen Regierung, aber vollkommen abhängig von den USA und inzwischen wohl auch teilweise von der EU. Das ukrainische Gesetz über Aufsichtsräte

Der Vollständigkeit halber will ich den Trick mit den "internationalen Experten" in den Aufsichtsräten von ukrainischen Staatskonzernen auch noch einmal erklären.

Nach dem Maidan war es die Aufgabe von US-Vizepräsident Biden, in der Ukraine ein Netzwerk aus Gesetzen und Organisationen zu schaffen, das es den USA ermöglicht, die ukrainische Politik komplett zu lenken. Ein Bestandteil dieser Bemühungen war die Gründung des NABU.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil war das Gesetz über Aufsichtsräte, das der in den USA ausgebildete Litauer Aivaras Abromavičius[wp] als damaliger ukrainischer Wirtschaftsminister durchbrachte. Er wurde im Dezember 2014 ukrainischer Wirtschaftsminister, und um Minister werden zu können, hat Präsident Poroschenko ihm extra die ukrainische Staatsbürgerschaf verliehen.

Abromavičius blieb nur bis Anfang 2016 Wirtschaftsminister, aber in seiner Zeit setzte er die wichtigsten Gesetze um, die von ihm erwartet wurden. Er gehörte in der Ukraine zu den Ministern, die man dort "Spezialeinheit Reform" nannte. Unter seiner Führung entstand vor allem das Gesetz über Aufsichtsräte von Staatskonzernen, das offiziell ein Teil des von US-Vizepräsident Biden ausgerufenen Kampfes gegen die Korruption in der Ukraine sein sollte. Der Kampf gegen die Korruption war offiziell eines der wichtigsten Ziele von Vizepräsident Biden und unter diesem Vorwand schuf er ab 2014 das Netzwerk aus Organisationen und Gesetzen, mit denen die USA die Ukraine seitdem kontrollieren.

Das Gesetz über Aufsichtsräte von ukrainischen Staatskonzernen sieht vor, dass vor allem Ausländer in die Aufsichtsräte von ukrainischen Staatskonzernen berufen werden und dass die Vollmachten der Aufsichtsräte ausgeweitet wurden. Das war ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Machtübernahme der USA in der Ukraine, denn die Staatskonzerne spielen in dem Land eine wichtige Rolle. Wer sie kontrolliert, hat die Macht über praktisch alle Wirtschaftszweige des Landes, denn vor allem die Bereiche Energie und Rüstung sind in der Ukraine weitgehend in der Hand von Staatskonzernen. Und über die aus Westlern zusammengesetzten Aufsichtsräte werden diese Schlüsselbereiche der ukrainischen Wirtschaft seit knapp zehn Jahren kontrolliert.

In der Folge wurden in ukrainischen Staatsbetrieben Aufsichtsräte installiert, deren Liste sich wie ein Who-Is-Who der Transatlantiker und "Sorosianer" (wie die Anhänger von George Soros in der Ukraine genannt werden) liest. Die neu ernannten Aufsichtsräte werden fürstlich bezahlt, ihre Gehälter und Boni gingen von Beginn an in die hundert­tausende Dollar. Und das in einem Land, in dem der Durchschnittlohn der normalen Menschen damals bei etwa 200 Dollar lag. Da es sich um Staatskonzerne handelt, haben letztlich die Menschen in der Ukraine die fürstlichen Gehälter der angeblichen Anti-Korruptions­wächter aus den USA und Europa in den Aufsichtsräten bezahlt.

Diese Aufsichtsräte gaben den Staatsbetrieben die Richtung vor. Dass sie von den ukrainischen Staatsbetrieben dafür hohe Gehälter bekamen, war praktisch für die USA, die EU, Soros, und andere westliche NGOs, die zuvor den Maidan finanziert und orchestriert hatten, denn sie mussten ihre Leute nun nicht einmal mehr selbst bezahlen, das tat der ukrainische Staat über seine Staatsbetriebe. So bezahlte der ukrainische Staat die Machtübernahme durch die USA in seinen eigenen Staatsbetrieben auch noch selbst.

Die Rolle der "internationalen Experten"

Erinnern Sie sich noch an den Minditsch-Skandal, der im November 2025 Schlagzeilen gemacht hat? Damals haben engste Freunde von Selenskij, darunter sein alter Freund und Geschäftspartner Timur Minditsch[wp], den ukrainischen staatlichen Energiekonzern Energoatom[wp] um mindestens 100 Millionen betrogen, die die EU als Hilfsgelder zur Reparatur der ukrainischen Energie­infra­struktur überwiesen hatte, indem sie einfach Rechnungen für Arbeiten einreichten, die nie ausgeführt wurden.

Das hat offiziell niemand bemerkt. Auch die vom Westen im Aufsichtsrat von Energoatom zur Korruptions­bekämpfung eingesetzten "internationalen Experten" oder der aus Deutschland stammende Finanzchef von Energoatom wollen nichts von diesem plumpen Betrug bemerkt haben.[10]

Dass direkt unter ihren Augen die Korruption blühte, zu deren Bekämpfung sie für viel Geld in die Ukraine geschickt worden sind, und Hilfsgelder der EU einfach so geklaut wurden, hatte für die "internationalen Experten" keinerlei Folgen, sie haben ihre Posten immer noch und niemand in Medien oder Politik hat ihnen irgendwelche Fragen gestellt.

Das zeigt, worum es dem Westen in der Ukraine tatsächlich geht: Es geht um die totale Ausplünderung des Landes, denn niemand glaubt ernsthaft, dass die EU es zulässt, dass ihre Gelder einfach so geklaut werden, ohne das Leute in Europa ein sehr großes Stück vom Kuchen abbekommen, und es geht darum, die Ukraine bis zu ihrem bitteren Ende im Kampf gegen Russland zu verheizen.

Und je schlimmer die Lage für die Menschen in der Ukraine wird, desto fester muss die Kontrolle über das Land werden, damit es sich weiter für die Interessen des Westens vernichten lässt. Und um diese Kontrolle sicherzustellen, muss die EU nun den Katschka-Kos-Plan umsetzen.

– Anti-Spiegel[11]

Einzelnachweise

  1. Thomas Röper: Neuer Korruptionsskandal in Kiew: Der Streit um Personalie Fjodorow eskaliert und der Westen greift Selensky direkt an, Anti-Spiegel am 19. August 2026
    Anreißer: In der Ukraine wurde ein neuer Korruptionsskandal in Selenskijs engstem Umfeld bekannt, und zwar just an dem Tag, an dem die Rada einen neuen Verteidigungsminister wählen sollte, nachdem Selenskij Michail Fjodorow, den Favoriten des Westens, gefeuert hatte.
  2. Thomas Röper: Ein Land versinkt im Chaos: Die Chronologie der Eskalation der innenpolitischen Krise in der Ukraine, Anti-Spiegel am 6. September 2026
    Anreißer: Letzte Woche haben in Kiew die Mitarbeiter zweier Geheimdienste aufeinander geschossen, eine Drohne ist im Büro des Chefs eines Geheimdienstes explodiert und es wurde ein weiterer Korruptionsskandal in Selenskijs Umfeld öffentlich. Was ist in der Ukraine los?
  3. Europäische Kommision: The Ukraine Facility: Supporting Ukraine's recovery, reconstruction, and path towards EU accession
  4. Joint Statement between Commissioner Marta Kos and Deputy Prime Minister of Ukraine Taras Kachka, Europäische Kommision am 11. Dezember 2025
  5. https://www.kopp-verlag.de/a/das-ukraine-kartell-10
  6. Thomas Röper: Schon wieder ein neuer Korruptionsskandal in Selensky Umfeld, Anti-Spiegel am 5. September 2026
    Anreißer: Am Freitag wurde in der Ukraine ein neuer Korruptionsskandal bekannt, dessen Spuren direkt zu Selenskijs engstem Umfeld führen. Offenbar erhöht der Westen den Druck auf Selenskij.
  7. "Страна": расследования НАБУ выбивают ключевых людей из окружения Зеленского, ТАСС/TASS am 8. September 2026
    Anreißer: Издание отмечает, что это делает положение Владимира Зеленским более шатким
    Deutsch: "Strana": NABU-Ermittlungen bringen Schlüsselfiguren aus Selenskijs engstem Kreis ans Licht.
    Dies verschärft die prekäre Lage Wladimir Selenskijs.
  8. Thomas Röper: BidenLeaks Teil 4: Wie Joe Biden und George Soros nach dem Maidan in der Ukraine Milliarden verdient haben, Anti-Spiegel am 19. Juli 2020
    Anreißer: Am Donnerstag wurde ein Interview, dass ich mit Alexander Onischenko[wp] geführt habe, veröffentlicht. Da Herr Onischenko in dem Interview viele Namen und Details nennt, auf die wir aus Zeitgründen nicht näher eingehen konnten, werde ich nun jeden Tag die Details und Hintergründe zu den Themenblöcken liefern.
  9. Thomas Röper: Was ist das NABU, um das in der Ukraine gestritten wird?, Anti-Spiegel am 23./24. Juli 2025 – Teil 1Teil 2Teil 3
    Anreißer: Plötzlich beherrscht Selenskijs Vorgehen gegen das NABU die Schlagzeilen und in der Ukraine droht ein neuer, vom Westen unterstützter Maidan, dieses Mal gegen Selenskij. Was ist das NABU, um das der Streit entbrannt ist?
  10. Thomas Röper: Aufsichtsräte in Staatskonzernen: Wie tief sind führende Vertreter des Westens in den ukrainischen Korruptionsskandal verwickelt?, Anti-Spiegel am 25. November 2025
    Anreißer: Seit zwei Wochen ist der ukrainische Korruptionsskandal bekannt, aber eine entscheidende Frage stellt niemand: Wie tief sind Schlüssel­personen aus dem Westen in den Skandal verwickelt? Immerhin sitzen in den ukrainischen Staatskonzernen westliche Aufseher, angeblich um die Korruption zu bekämpfen.
  11. Thomas Röper: Der verschwiegene Plan der EU: Der "Katschka-Kos-Plan", oder wie die EU die totale Kontrolle über die Ukraine übernehmen will, Anti-Spiegel am 14. September 2026
    Anreißer: Die EU will die totale Kontrolle über die Ukraine übernehmen, aber Selenskij wehrt sich. In diesem Artikel erfahren Sie, was in der Ukraine derzeit passiert und warum diese Geschichte ein Paradebeispiel ist, das anschaulich erklärt, wie der Westen heutzutage Macht ausübt.

Netzverweise

  • Mit welchen Mitteln die EU die Macht in der Ukraine übernehmen will, Anti-Spiegel-Podcast (Folge 69) auf Spotify am 13. September 2026
    Die EU will die totale Kontrolle über die Ukraine übernehmen, aber Selenskij wehrt sich. Das ist eines der Themen in dieser Ausgabe des Anti-Spiegel-Podcast, außerdem erklären wir, worum es bei russischen Parlamentswahlen nächste Woche geht.
    Da deutsche Medien verschweigen, wie die EU derzeit versucht, die Macht in der Ukraine zu übernehmen und wie Selenskij sich dagegen wehrt, erklären wir das in dieser Folge des Anti-Spiegel-Podcast ausführlich. Außerdem stehen nächstes Wochenende nicht nur in Deutschland wichtige Wahlen an, sondern auch in Russland wird das Parlament, die Duma[wp], gewählt. Daher erklären wir, wie sich die Parteien in Russland unterscheiden und mit welchen Ideen sie um Wähler werben.