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Feminismus basiert auf der Verschwörungstheorie, Männer auf der gesamten Welt hätten sich kollektiv gegen die Weiber verschworen, um sie zu unterdrücken, zu schlagen, zu vergewaltigen und auszubeuten. Feministinnen bekämpfen Ehe und Familie, weil die bürgerliche Familie das Feindbild ist. Frauen werden kollektiv als Opfer inszeniert und Männer als Täter denunziert. So manifestiert sich ein Ressentiment gegen alles Männliche bis hin zum offenen Männerhass. Dies bewirkt eine tiefgreifende Spaltung der Gesellschaft, die es zu überwinden gilt.

Standpunkt-Theorie

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Eine Standpunkt-Theorie behauptet eine Abhängigkeit der Erkenntnis­gewinnung[wp] von der Position innerhalb gesellschaftlicher Herrschafts­verhältnisse. Sie sagt aus, dass es bessere und schlechtere Standpunkte[wp] gebe, von denen aus die Welt betrachtet und interpretiert werden könne. Tendenziell sei der Blickwinkel einer dominierten Gruppe für eine objektive[wp] Wahrnehmung besser geeignet als die Perspektive[wp] vom Standpunkt einer herrschenden Gruppe.

Der Begriff Standpunkttheorie wurde erst in der Postmoderne in der akademischen Diskussion geprägt. Besonders häufig kam der Terminus als Feministische Standpunkt­theorie vor, wurde aber auch auf andere Ansätze erweitert. Vertreter verschiedener feministischer und marxistischer Theorien verwenden selbst den Begriff, während alle anderen Zuordnungen im Nachhinein vorgenommen werden; in den Systemen selbst kommt der Ausdruck nicht vor.

Die Standpunkt-Theorie ist oftmals Bestandteil von "Identitätspolitiken".

Thesen der Standpunkt-Theorie

  • Ein Standpunkt beeinflusst, welche Haltung die Menschen der sozial konstruierten[wp] Welt gegenüber einnehmen.
  • Alle Standpunkte schaffen Voreingenommenheiten oder Vorurteile.
  • Die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe[wp] bestimmt weitgehend den Standpunkt, den das Individuum[wp] einnimmt.
  • Die Ungleichheiten[wp] zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen begünstigen unterschiedliche Standpunkte.
  • Alle Standpunkte sind voreingenommen[wp], aber einige Standpunkte können objektiver sein als andere.
  • Der Standpunkt einer untergeordneten[wp] Gruppe ist vollständiger, weil diese mehr Grund hat, eine dominante Gruppe zu verstehen, und weil sie weniger Interesse hat, den Status quo[wp] aufrechtzuerhalten.

Hegels Standpunkttheorie

Standpunkttheoretische Konzepte setzen in der Regel bei Hegels[wp] Herrschaft und Knechtschaft[wp]-Kapitel in der Phänomenologie des Geistes von 1807 an. Nach Hegel hat der Knecht einen erkenntnis­theoretischen[wp] Vorteil gegenüber dem Herrn.

Mit der These des Bewusstseins ist die Antithese eines anderen Bewusstseins verknüpft. Beide stehen sich in einem paradigmatischen[wp] Kampf auf Leben und Tod gegenüber. Eines der beiden wird merken, dass es das Leben hoch schätzt, und daher den Kampf abbrechen. Es ist von nun an der Knecht[wp] und muss dem Herrn dienen. Der Knecht wird nun sowohl den Herrn als anderes Bewusstsein anerkennen[wp] als auch sich selbst im Produkt seiner Arbeit[wp] für den Herrn erkennen:

Zitat:

«Im Herrn ist ihm das Fürsichsein ein andres oder nur für es; in der Furcht ist das Fürsichsein an ihm selbst; in dem Bilden wird das Fürsichsein als sein eigenes für es, und es kommt zum Bewusstsein, dass es selbst an und für sich[wp] ist.»

Das Bewusstsein des Knechts wird somit in einem dialektischem Prozess[wp] in der Synthese[wp] zum Selbstbewusstsein[wp]. Zum wahren Selbstbewusstsein wird es allerdings erst, wenn es seine Todesfurcht überwindet.

Marxistische und an Marx anknüpfende Standpunkttheorien

Karl Marx[wp] hat Hegels Philosophie auf den Produktionsprozess im Kapitalismus bezogen, in der sich Herr und Knecht - Kapitalisten[wp] und Proletarier[wp] - in einer organisierten gesellschaftlichen Beziehung als Klassen[wp] gegenüberstehen. Aus der Perspektive des Proletariers ist der Ablauf des Produktions­prozesses prinzipiell verfügbar, da seine Anstrengung die Beziehung zwischen Selbst und Gegenstand erst hervorbringe. Vom Standpunkt der herrschenden Klasse hingegen seien die tatsächlichen Praktiken und die hierfür erforderlichen materiellen Bedingungen nicht sichtbar. Aus dem Standpunkt des Proletariats resultiere sein Klassenbewusstsein[wp] und der damit verbundene Klassenkampf[wp], wenn es von der Klasse an sich zur Klasse für sich werde.

Einen radikalen Klassenstandpunkt nahm die Proletkult[wp]-Bewegung (1917-1925) ein. Ihr Haupt­theoretiker Alexander Bogdanow[wp] forderte in seinem Buch Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse[1] die Schaffung eigener proletarischer Universitäten sowie die Entwicklung einer eigenen proletarischen Wissenschaft vom Arbeiter­stand­punkt aus.

Georg Lukács[wp] bezeichnete in Geschichte und Klassenbewußtsein[wp] den historischen Prozess als das, worin sich die Wahrheit der Praxis einer Klasse ausbilde.

Auch Ernst Bloch[wp] vertritt eine Standpunkt-Theorie, indem er von einer wechselseitigen Subjekt-Objekt-Beziehung[wp] ausgeht: Man kann nicht erkennend außerhalb des Erkennens stehen, einen Standpunkt des Objekts gewinnen, der nicht selbst wieder nur ein bloßer Standpunkt der erkennenden Subjekt-Objekt-Beziehung wäre.

Im englischen Sprachgebrauch gibt es für den Ansatz, der vom Standpunkt der Arbeiter[wp] ausgeht, den Begriff Workerism[wp]. Im italienischen Operaismus[wp] wurde dieser Standpunkt ebenfalls vertreten.

Howard Zinn[wp] hat die Geschichte des amerikanischen Volkes[wp] neu geschrieben, radikal aus der Perspektive einer Geschichte von unten[wp], dem Standpunkt der Machtlosen.

Nach Pierre Bourdieu[wp] beruhen die Machtverhältnisse einer Gesellschaft, die sich unter anderem im Raum der Lebensstile[wp] zeigen, auf der Verfügung von Klassen über Kapitalsorten[wp]. Bourdieus Standpunkt­theorie ist eine der Kritik an der von ihm so genannten Scholastik[wp], der scheinbar vor­aus­setzungs­losen und folgenlosen Erkenntnis­produktion, die aber in Wirklichkeit auf inkorporiertem, d. h. verinnerlichtem Bildungs­kapital[wp] des familiären Umfeldes beruhe. Die scholastische Situation sei ein Ort und ein Zeitpunkt sozialer Schwere­losigkeit. Es sei wichtig, dass die Subjekte[wp] der Objektivierung[wp] sich selber objektivieren und damit den einem Akteur[wp] bzw. einer Klasse[wp] möglichen Bewusstseins- und Handlungs­spiel­raum[wp] ausnutzen.

Feministische Standpunkttheorie

Die feministischen Standpunkttheorien kritisieren androzentrische Weltanschauungen[wp], in deren Zentrum Männer stehen, beziehungsweise Männlichkeiten als Maßstab[wp] und Norm[wp] verstanden werden. Darüber hinaus vertreten sie die Position, dass aufgrund der patriarchalen Herrschafts­verhältnisse Frauen einen objektiveren Zugang zu bestimmten Bereichen der Welt hätten. Bekanntere feministische Theoretikerinnen der Standpunkttheorie sind Nancy Hartsock[wp], Sandra Harding[wp] und Dorothy Smith[wp].

Sandra Harding unterscheidet die schwache Objektivität, welche lediglich vom Wissenschaftler und von der Wissenschaftlerin eine Objektivität verlangt, von der strengen Objektivität, welche sich dadurch auszeichne, dass Forscher den Standpunkt ihrer eigenen sozialen Gruppen­zu­gehörigkeit in die wissenschaftliche Arbeit bewusst miteinbezögen. Die Forschung sollte bei den dominierten Gruppen beginnen. Harding fordert von Angehörigen dominanter Gruppen ein verräterisches Bewusstsein, womit die eigene Arroganz und Ignoranz gegenüber dominierten Gruppen beendet werden solle. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass die Menschen gleichzeitig verschiedenen Gemeinschaften angehörten und somit oftmals gleichzeitig dominierten und dominanten Gruppen zugehörig seien.

Donna Haraway teilt mit der feministischen Standpunkt-Theorie die Kritik an der scheinbaren Objektivität der (patriarchalen) Wissenschaft, die nicht die soziale Situiertheit von Wissen mitbedenke. Sie spricht in diesem Zusammenhang vom Gottes-Trick, da der Wissenschaftler so täte, als nähme er eine Position außerhalb des Forschungs­objektes ein, als sei sein Standpunkt erhaben und gottähnlich.

Innerhalb der neueren Frauen- und Geschlechter­forschung wurde die klassische feministische Standpunkt-Theorie inzwischen zugunsten eines inter­sektionalen Ansatzes aufgegeben. Die neuere feministische Standpunkt-Theorie erweitert die Analyse aus der Perspektive bzw. dem Standpunkt von Frauen um die Perspektiven anderer marginalisierter Gruppen. Dieser Entwicklung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass bei der Analyse von Ungleichheit und Macht­verhältnissen neben Geschlecht auch andere soziale Struktur­kategorien wie Klasse, sexuelle Orientierung und Ethnizität wichtig sind. Demnach gibt es nicht nur einen feministischen Standpunkt (den von Frauen allgemein), sondern mehrere Standpunkte, etwa die Perspektive schwarzer, lesbischer oder armer Frauen. Beispielsweise hat Patricia Hill Collins[wp] einen Standpunkt schwarzer Frauen in Abgrenzung zum Ansatz der klassischen feministischen Standpunkt-Theorie entwickelt, um nicht nur sexistische, sondern auch rassistische, kolonialistische[wp] und eurozentrische[wp] Machtverhältnisse zu beleuchten.[2]

Literatur

  • Alexander Bogdanow: Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse. Frankfurt a. M. 1971
  • Pierre Bourdieu: Meditationen. Zur Kritik der scholastischen Vernunft. Frankfurt a. M. 2001
  • Donna J. Haraway: Monströse Versprechen: Coyote-Geschichten zu Feminismus und Technowissenschaft. Hamburg 1995
  • Sandra Harding: Feministische Wissenschaftstheorie. Zum Verhältnis von Wissenschaft und sozialem Geschlecht. Hamburg 1989
  • Sandra Harding: Das Geschlecht des Wissens. Frauen denken die Wissenschaft neu. Frankfurt a. M. 1994
  • Sandra Harding: The Feminist Standpoint Theory Reader. Intellectual and Political Controversies. Routledge, 2003, ISBN 0-415-94500-3.
  • G. W. F. Hegel: Phänomenologie des Geistes.[wp] Frankfurt a. M. 1986
  • Elisabeth List / Herlinde Studer (Hrsg.): Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik. Frankfurt a. M. 1989
  • Georg Lukács: Geschichte und Klassenbewußtsein. Studien über marxistische Dialektik. (1923), Neuwied und Berlin 1970
  • Dorothy E. Smith: Eine Soziologie für Frauen. Hamburg 1999

Einzelnachweise

  1. Bogdanow, Alexander: Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse, Frankfurt a. M. 1971
  2. Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010 (3. Auflage), ISBN 3-531-17170-4, S. 297.

Querverweise

Netzverweise


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Standpunkt-Theorie (15. August 2017) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Wikipedia-Artikel steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar, die vor Übernahme in WikiMANNia am Text mitgearbeitet haben.