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radikalisiert

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Hauptseite » Sprache » Wörterbuch » Radikalisiert

Das Beiwort radikalisiert ist vom Tätigkeitswort radikalisieren[wikt] abgeleitet.

Bedeutungen
[1] von einer gemäßigten Denkweise in eine radikalere wechseln
Gegenwörter
[1] mäßigen
Beispiele
[1] Die Parolen der xxx drohen die Jugend zu radikalisieren.
[1] Die Menschen radikalisieren sich vor allem wegen der fehlenden Zukunfts­perspektiven.
[1] Die xxx hat sich deutlich radikalisiert und ist weit im rechten Spektrum gelandet.
Wortbildungen
[1] Radikalisierung[wp]


Mehrmals quasseln die dazwischen und reden von "hat sich radikalisiert" und "Extremismus". Es wird wiederholt, um beim Zuschauer diesen Eindruck zu verankern.

Mein Eindruck ist aber ein anderer.

Auf mich wirkt der wie einer, der irgendwie an der Situation verzweifelt ist, dass das Land überrollt wird, wir immer mehr Steuern zahlen, um andere zu ernähren, man nichts mehr dazu sagen darf, und der sich dann noch von Lübcke verhöhnt fühlte. Und sorry, wenn ich das so sage, aber zumindest aus dem Ausschnitt und ohne den Kontext zu kennen, halte ich diesen Ausspruch Lübckes für Verhöhnung, für eine massive Provokation. Das war dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Für mich sieht das nicht nach Radikalisierung[wp] aus, sondern nach "Kein Ausweg mehr".

Natürlich bin ich mir bewusst, dass das gespielt und vorgegaukelt sein kann, dessen Masche.

Es würde aber nichts daran ändern, dass das Verhörvideo in meinem Augen (oder besser gesagt: Ohren) die Wertungen der Journalisten nicht trägt.

Ich habe neulich irgendwo gelesen, ich finde es jetzt auf Anhieb in den Bergen von Hinweisen gerade nicht, dass die Presse mittlerweise daran zerbricht, die Zustände zu beklagen und anzuprangern, die sie selbst erst geschaffen hat, nämlich die Verhärtung der Fronten und das Unterbleiben von Diskussionen über die politische Richtung.

Und genau das scheint mir hier der Fall zu sein. Leute, die mit den Veränderungen im Land nicht einverstanden sind und die sich ausgeplündert und überrannt fühlten, hat man völlig vom "Diskurs" abgeschnitten, zum Schweigen gebracht, als Nazis in die Ecke der Meinungs­irrelevanz gestellt. Ich glaube nicht, dass das passiert wäre, denn man den Leuten eine Möglichkeit gelassen hätte, ihren Standpunkt zu äußern und zu vertreten.

Ich glaube nicht, dass der sich radikalisiert hat.

Ich glaube, dass der radikalisiert wurde, und zwar durch die Medien, die einfach alles weggedrückt, ignoriert, zum Schweigen gebracht haben, was noch unterhalb der Gewalt­schwelle war.

Was an den Kommentaren dieser "Journalisten" nämlich völlig fehlt: Was wäre eigentlich das erwartete Wohlverhalten gewesen?

Vereinfacht gesagt: Man muss keine Leute umbringen, weil man stattdessen und völlig legal ... Ja, was eigentlich?


Was ist das Verhalten, was Journalisten von Leuten in dessen Situation eigentlich erwarten? Arbeiten gehen, Steuern zahlen, Maul halten, dulden und abgeben?

Zumindest für mich und mein Wertungssystem ist es bei einem Schuldvorwurf oder einer Beurteilung einer Schuld­haftigkeit immer wichtig, mir zu überlegen, was wäre denn das mögliche oder der Tat nächstliegende Wohlverhalten gewesen, das man als nicht strafbar oder schuldhaft angesehen hätte. Im Sinne von: Was hätte der Täter in der Situation nach Ansicht der Anklage denn tun sollen?


Für mich ist das immer wichtig, die Differenz zwischen vorgeworfenem Verhalten und nächst­möglichem Wohl­verhalten zu betrachten. Mir die Frage zu stellen: An welcher Stelle ist der Angeklagte falsch abgebogen?

Und das ist das, was mir in diesem Fall hier als Voraussetzung zur Wertung und Be-/Ver­urteilung fehlt: Was ist das nächst­mögliche Wohlverhalten, dessen Einhaltung man erwartet?

Erwartet man tatsächlich, dass die Leute einfach still­schweigend zuhause sitzen? Nie ein Wort der Kritik erheben oder sagen dürfen, was sie stört? Stille arbeiten, Steuern zahlen, und ihren Ärger still­schweigend runter­schlucken, um dann möglichst pünktlich zum Renten­eintritt zu versterben und die Wohnung frei­zu­machen?

Das wäre kein demokratischer und verfassungs­konformer Zustand.


Wo aber zwischen Schweigen-Arbeiten-Steuern­zahlen-Ableben und Mord ist das verfassungs­konforme und akzeptierte Wohl­verhalten angesiedelt? Was wäre dazwischen, was man als angemessen betrachtet?

Ich will hier nicht die Tat verteidigen oder gutheißen. Ich will den Umgang damit und die Umstände, die dazu geführt haben, kritisieren.

Und ich will aufzeigen, wie verlogen öffentlich-rechtliches Fernsehen ist.

Hadmut Danisch[1]
Eine Anmerkung vom Informatiker zum Großraum Post- und Fernmelde­geheimnis. [...]

[Es] umfasst nicht etwa, wie man aus Laiensicht und mit deutsch­historischem Hintergrund glauben würde, nur den Schutz davor, dass Tele­kommunikation nicht mitgelesen wird. Es sind eigentlich drei Rechte, und das ist nur eines davon.

Die anderen beiden Komponenten betreffen die Zuverlässigkeit des Dienstes, also dass die Nachricht nicht abgefangen, zurückgehalten, vernichtet oder verändert wird, nicht mal verzögert, und dass sie auch an den richtigen Empfänger zugestellt wird. "Geheimnis" ist als Begriff historisch entstanden, fasst das aber viel zu eng. Es geht um das generelle Vertrauen in die Integrität und Zuverlässigkeit solcher Dienste, das verfassungsrechtlich geschützt ist. Äußert sich zum Beispiel in §­206 StGB[ext] (die erste Gerichts­entscheidung zu § 206 hatte ich damals per Klage­erzwingungs­verfahren durchgesetzt).

Wenn Leute sich über Messenger-Dienste "radikalisieren", dann dürfen sie das zunächst mal, solange darin nicht im Einzelfall bereits eine Straftat liegt.

Was ist das überhaupt, "Radikalisierungen"?

Feminismus ist auch eine Radikalisierung, die man aber nicht verhindert, sondern im Gegenteil mit Professuren, Beauftragten, Quoten und Posten gefördert hat.

– Hadmut Danisch[2]

Einzelnachweise

  1. Hadmut Danisch: ...radikalisiert..., Ansichten eines Informatikers am 29. Juli 2020
  2. Hadmut Danisch: Das Telekommunikationsgeheimnis, Ansichten eines Informatikers am 4. Januar 2021