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Hyperfemininity

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Hauptseite » Mensch » Weib » Weiblichkeit » Hyperfemininity

Das Schlagwort Hyperfeminity (deutsch: Hyperfeminität oder Hyper­weiblichkeit im Sinne von Überbetonung der Weiblichkeit bzw. des Weiblichen) bezeichnet einen aktuellen gesellschaftlichen Trend bei Maiden und Weibern, der darin besteht, spezifisch weibliche Eigenschaften ostentativ durch einschlägige Verhaltens- und Kommunikations­weisen, Gesten und Kleidungsstile im privaten wie öffentlichen Raum bei zwischen­menschlichen Interaktionen, insbesondere mit anders­geschlechtlichen Personen, zum Ausdruck zu bringen.

Hintergrund

Kommt gerade im Fernsehen: Der Barbie-Film[anm 1] und TikTok[wp] haben einen neuen Boom ausgelöst, junge Frauen sind jetzt "hyperfeminin", machen auf pink, überbetonen feminine Merkmale und pfeifen auf die bisherige feministische Doktrin, Geschlechterstereotype zu vermeiden, und baden geradezu in Stereotypen. Stichwort: "Hyperfemininity"
Hadmut Danisch[1]
Unter dem Namen "Hyperfemininity" feiern insbesondere junge Frauen jetzt ein Bild von Weiblichkeit, das lange als gestrig galt. Über eine Bewegung, die sich von alten Glaubens­sätzen und Misogynie unter Frauen löst.

Warum feiern junge Frauen einen Look, der lange als unfeministisch galt?

Auf den ersten Blick mag es sich skurril anhören, dass ausgerechnet das Bild von Weiblichkeit, das so lange von Feministinnen bekämpft wurde, jetzt von jungen Frauen, die sich selbst nicht als minder feministisch als ihre Vorkämpferinnen betrachten, zelebriert wird. Denn noch vor wenigen Jahren war es ein unter Feministinnen weit verbreiteter Glaubenssatz, dass es eine Art Aktionismus für Geschlechtergerechtigkeit wäre, Frauen, die sich betont weiblich kleideten und gaben, als dumm und nicht ernstzunehmend hinzustellen. Damit bestärkten sie ein Narrativ, das im Patriarchat lange Bestand hatte: Weiblichkeit wurde mit Schwäche gleichgesetzt und alles, was stereotyp für Weiblichkeit stand, wurde abgewertet. Wer sich als Frau von diesen vermeintlich nicht ernstzunehmenden Frauen abwandte und sie herabsetzte, hatte bessere Chancen, respektiert zu werden. Auf Kosten der Würde anderer.

Das hat sich geändert. Jetzt wird es vielmehr als unfeministisch und misogyn betrachtet, andere Frauen zu degradieren, als blond gefärbte Haare und gemachte Nägel zu haben und die Farbe Pink gerne zu tragen. Und weil die Gen Z[wp] für alles einen eingängigen Namen braucht, wurde diese Haltung kurzerhand auf "Hyperfemininity" getauft - der dazugehörige, betont mädchenhafte Look trägt den Namen "Barbiecore". Was nach einem kurzlebigen Internet-Trend klingt, hat aber durchaus das Potenzial, zu einem feministischen Credo der jungen Generation zu werden.

Hyperfemininity empowert nicht nur Pink-Trägerinnen

Denn der Hyperfeminity-Bewegung liegt der Gedanke zugrunde, dass alle Frauen gleich viel wert sind - und dass ihr Charakter, ihre Intelligenz und ihre Werte nicht automatisch deckungsgleich mit ihrem Aussehen und ihrem Kleidungsstil sind. Es geht nicht darum, Frauen, die sich als besonders feminin im klassischen Sinne präsentieren, auf ein Podest zu stellen - sondern lediglich um die Forderung, dass jede so aussehen kann, wie sie möchte, ohne deswegen von anderen (Frauen) belächelt oder verurteilt zu werden. Das ist ein Wert, dessen Etablierung der Großteil der feministischen Bewegung der letzten Jahrzehnte versäumt hat. Dabei ist es eine der Grundforderungen des Feminismus, dass Frauen so leben können, wie sie wollen.

Genau diesen Anspruch erfüllt Hyperfemininity. Und zwar ohne sich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, sowieso wieder nur ein weiteres Schönheitsideal zu sein - also das Letzte, was die Welt jetzt noch braucht. Denn es gibt keine Erwartungs­haltung, optischen und gesellschaftlich propagierten Normen zu entsprechen, um an dieser Bewegung teilhaben zu können. Sie ist inklusiv, wie die US-Journalistin Caroline Reilly feststellt. Sie berichtet, dass die Frauen, die heute für Hyperfemininity stehen, nicht zwingend so aussehen wie die Frauen, die sie als junges Mädchen bewundert hat: "Nicht alle sind weiß oder dünn; sie sind nicht alle blond und blauäugig. Sie sind mehrgewichtig, Schwarz, behindert, queer, trans oder nonbinär". Und wenn man diesen Gedanken, dass Frauen ohne Bewertung so aussehen dürfen wie sie aussehen wollen, weiterspinnt, empowert das nicht nur jene, die gern viel Make-Up oder Kleider tragen - sondern auch Frauen, die sich für ein Kopftuch entscheiden, oder solche, die am liebsten in Leggings und Baseball-Cap herumlaufen.

Demontierung von Klischees in Bubblegum-Optik

Der Gedanke, diesen bestimmten Frauentyp von seinen Stereotypen zu befreien, ist keine Erfindung des Jahres 2022. Bereits Anfang der 2000er, als das Schönheitsideal noch vom düster-grungigen (und durchaus fragwürdigen) "Heroin Chic"[wp], für das Supermodels wie Kate Moss[wp] Vorbilder waren, bestimmt war, erschien der Film "Legally Blonde", zu Deutsch "Natürlich Blond"[wp]. Und schon damals war er eine Hommage an alle Frauen, die sich nicht von Klischees definieren lassen. Die Protagonistin Elle Woods, eine erfolgreiche Harvard-Studentin und spätere Anwältin, trägt im ganzen Film kaum ein Outfit, das nicht pink ist. Und räumte schon damals mit dem Vorurteil auf, dass die Art, wie Frauen aussehen, irgendetwas über ihren Charakter und ihre Intelligenz aussagt. Vielleicht wäre ja genau jetzt, zur Blütezeit der Hyperfemininity-Bewegung, ein guter Zeitpunkt für ein Reboot. Zumindest die feministische Bubble scheint endlich bereit dafür zu sein.

– Emotion[2]
"Wer glaubt, Orange sei das neue Pink, der hat echt ein Problem", das sagte Elle Wood im Film "Natürlich Blond"[wp] - einem echten Klassiker in Sachen "Hyperfemininity". In der Komödie kämpft sie sich in pinken Kostümchen und High Heels durch eine Männerwelt, wird zur erfolgreichen Harvard-Studentin und späteren Anwältin. Dabei versucht sie ihre Weiblichkeit gar nicht erst zu verstecken, sondern setzt sie gezielt ein.

Der Film erschien in den 2000ern, dem goldenen Zeitalter von allem, was Rosa ist und glitzert. Frauen zelebrierten den Girlie-Stil, der lange als uncool und rückständig galt. Auf T-Shirts stand "Tussi" in Pailettenschrift als trotziges Statement: Ich stehe über der Abwertung von Weiblichkeit. Ich bin eine Frau im stereotypischsten Sinn. Und stolz darauf. Feiert Hyperfemininity mit der großen Wiedergeburt der Nullerjahre jetzt ebenfalls ein Comeback?

TikTok-Trend: "Hyperfemininity" ist heute inklusiv

Mit dem Y2K-Trend[ext] erinnern sich gerade viele an die Zeit nach der Jahrtausendwende. Vor allem junge Frauen, die sich selbst als Feministinnen bezeichnen, feiern die "Hyperfemininity" mit sexy Outfits in Pink, viel Lidschatten und ordentlich Bling-Bling. Die Inspiration dazu kommt aus der Popkultur, etwa der Serie "Bridgerton"[wp] und Filmen wie dem neuen Barbie-Film[wp], der schon jetzt einen Hype auslöst.

Das Ergebnis sind Mode-Trends wie "Princesscore" und "Barbiecore". Aber es ist noch mehr als Kleidung: Viele sehen "Hyperfemininity" sogar als feministische Bewegung, als Gegentrend zu den "Pick-Me Girls", also Frauen, die sich bewusst von allem typisch Weiblichen distanzieren, um von Männern mehr respektiert zu werden - damit allerdings andere Frauen herabsetzen.

Im Prinzip geht es auch heute um das alte Versprechen aus "Natürlich Blond"[wp]: Du kannst Mode, Make-up und alles, was funkelt, lieben und trotzdem klug und selbstbestimmt sein. Kurz gesagt: Alle Frauen sind gleich viel Wert, egal wie sie aussehen oder sich kleiden. Weiblichkeit und Stärke schließen sich dabei nicht aus - im Gegenteil. Doch die "Hyperfemininity" der Gen Z[wp] sieht anders aus, als es die Millennials[wp] es aus den 2000ern gewohnt sind.

"Hyperfemininity" ist mittlerweile inklusiv. Ihre Anhängerinnen sind nicht mehr nur weiß, dünn und "natürlich blond". Sie sind auch kurvig, Schwarz, trans und nicht-binär. Sie erweitern das, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Ein Girlygirl zu sein. Weiblich zu sein. Das wirkt fast radikal, vielleicht sogar ein bisschen feministisch, denn war es nicht immer die Grundforderung des Feminismus, dass jede Frau so leben und aussehen darf, wie sie will?

Fördert "Hyperfemininity" Konsum im Namen des Feminismus?

Mit klassischer Feminität gegen Frauenfeindlichkeit, das wäre ein schöner Gedanke - wenn dieses Bild von Weiblichkeit nicht so eindimensional wäre. Was hier als Empowerment gefeiert wird, sieht doch ziemlich nach Männerfantasie aus. Warum sollte es also feministisch sein, "hot" auszusehen, wenn das doch genau dem entspricht, was die allermeisten Hetero-Männer im Patriarchat von Frauen erwarten?

So sagt TikTok-Star Kate Muir im "Rolling Stone" über die Anhängerinnen dieser neuen Weiblichkeit: "Sie werden alles, was Männer visuell wollen, während sie auch alles sind, was sie hassen (selbstbewusst, sexuell gestärkt, politisch bewusst usw.)."

Es ist nichts falsch daran, dass Frauen Pink und künstliche Wimpern tragen. Doch man muss sich dabei auch fragen, warum man sich genau so kleiden will und welche kapitalistischen und patriarchischen Kräfte hinter diesem Wunsch stecken. Denn was mich an "Hyperfemininity" stört, ist, dass uns mal wieder etwas als Feminismus verkauft wird, bei dem es in Wahrheit ganz klar um Konsum geht.

Diese Strategie haben Firmen seit #MeToo für sich entdeckt und nutzen seitdem Empowerment, um überteuerte T-Shirts und Lippenstift zu verkaufen. Außerdem: Sind Barbies und Prinzessinnen wirklich die passenden Galions­figuren, mit denen wir für sexuelle Freiheit kämpfen wollen? Bräuchten wir nicht modernere Vorbilder für ein neues Verständnis von Weiblichkeit, das frei von Stereotypen ist? Fraglich, ob für diese Wünsche ein bisschen Pink ausreichen kann ...

– Elle[3]

Verwendungsbeispiele

Zitat: «Unter dem Namen "Hyperfemininity" feiern insbesondere junge Frauen jetzt ein Bild von Weiblichkeit, das lange als gestrig galt.» - Emotion[4]
Zitat: «Vor allem junge Frauen, die sich selbst als Feministinnen bezeichnen, feiern die "Hyperfemininity" mit sexy Outfits in Pink, viel Lidschatten und ordentlich Bling-Bling.» - Elle[3]

Anmerkungen

  1. Der erste Realfilm über die Puppe nach einer Vielzahl von Trickfilmen und Fernsehserien, basierend auf der gleichnamigen Spielzeugreihe von Mattel[wp]. Für die Hauptrollen in dem Ensemblefilm wurden Margot Robbie[wp] als Titelheldin sowie Ryan Gosling[wp] als ihr Gefährte Ken ausgewählt.

Einzelnachweise

  1. Hadmut Danisch: "Hyperfemininity", Ansichten eines Informatikers am 20. Juli 2023
  2. Anna Dunst: Hyperfemininity: Warum Barbie und Pink jetzt als Feminismus-Symbole gefeiert werden, Emotion am 15. September 2022
    Anreißer: Unter dem Namen "Hyperfemininity" feiern insbesondere junge Frauen jetzt ein Bild von Weiblichkeit, das lange als gestrig galt. Über eine Bewegung, die sich von alten Glaubenssätzen und Misogynie unter Frauen löst.
  3. 3,0 3,1 Judith Fischer: "Hyperfemininity": Sind Pink und Prinzesssinnen-Style wirklich Empowerment?, Elle am 24. Dezember 2022
  4. Anna Dunst: Hyperfemininity: Warum Barbie und Pink jetzt als Feminismus-Symbole gefeiert werden, Emotion am 15. September 2022

Netzverweise