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Beschuldigungskultur

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Hauptseite » Kultur » Opferkultur » Beschuldigungskultur
Es ist seltsam. Ich stoße im linken feministischen Umfeld immer wieder auf anonyme und getarnte Diffamierungs­webserver (auch MünklerWatch und diverse feministische Blogs), und die Politik redet zum Thema Internet und Anomymität immer von "Hate Speech" und "rechter Gewalt". Würde mich mal interessieren, was Heiko Maas dazu sagt, denn in dessen Weltbild kommt sowas ja gar nicht erst vor. [...]

Mal abgesehen davon, dass feministische Vergewaltigungs­vorwürfe nicht mal mehr den Wahrheits­gehalt einer geworfenen Münze und eine Glaub­würdigkeit unter Null haben, sowas wäre nicht mal ein Grunzen wert, wenn es so stimmen würde. Ich könnte mir vorstellen, dass der Beschuldigte die Situation gänzlich anders darstellen würde.

(Ich überlege gerade. Hatte ich hier im Blog nicht mal eine Geschichte, in der eine Frau auf einer anonymen Webseite beschuldigt wurde, ihren Typen zu verprügeln, und man das in der Presse komplett ignoriert und totgeschwiegen hat?)

Es gibt keine Gerichtsverhandlung.

Es gibt keine Untersuchung.

Es gibt kein rechtliches Gehör.

Es gibt keine greifbaren Zeugen.

Man weiß nicht mal, ob das überhaupt mehrere Autoren sind oder hinter allem ein einziger steckt.

Es gibt nichts als anonyme Beschuldigung und öffentliche Diffamierung ohne Möglichkeit der Gegenwehr. [...]

Heißt: Wenn Beschuldigungen nur oft genug wiederholt werden, müssen sie ja wohl wahr sein. Oder es reicht schon, dass sie wahr sein könnten. [...]

Das heißt: Unabhängig davon, ob sie in diesem Einzelfall stimmen oder nicht, reicht es dort schon, jemanden einfach nur subversiv genug zu beschuldigen. Dann ist der schon erledigt, noch bevor er sich wehren konnte.

Und das heißt auch: Diese ganze Beschuldigungskultur ist in extremem Maße anfällig für geheimdienstliche Agitation. Ich sage nicht, dass das hier so war. Aber - und die gleiche Logik zu verwenden - es wäre möglich. Nein, im Ernst, abstrahiert mal vom Einzelfall und denkt darüber nach, was aus diesem Muster an Möglichkeiten hervorgeht. Ein paar Gerüchte streuen, eine anonyme Webseite mit genau­genommen gar nichts, ein paar heulende Tussies, das bekommt jeder Geheimdienst, jede politische Organisation hin.

So werden heute Leute abgesägt. Ich hatte das ja früher mal beschrieben, dass Linus Torvalds[wp] in ständiger Gefahr ist, in irgendwelche Vergewaltigungs­vorwurfs­szenen gezogen zu werden und auf Konferenzen darauf achten muss, niemals mit irgendwem, schon gar nicht Frauen, alleine zu sein, weil man nur darauf lauert, ihn irgendwie erledigen zu können. Dementsprechend stellt sich auch die Frage (auf die mich ein Leser hinwies), warum ausgerechnet jemand wie Appelbaum[wp], der mit Assange und Snowden zu tun hat und weiß wie das läuft, noch so doof sein sollte, sich in solche Gefahr zu begeben. Das ist nämlich der Punkt, der mir da auch nicht einleuchtet. Der Typ muss doch wissen, dass er auf der kleinen Abschussliste der Geheimdienste steht, und wie das so läuft. Und wer an Tor[wp] mitschreibt, der hat doch genug Gefühl für Bedrohung durch Geheimdienste.

Hadmut Danisch[1][2]

Einzelnachweise

  1. Hadmut Danisch: Die neueste Vergewaltigungskampagne, Ansichten eines Informatikers am 5. Juni 2016
  2. Achim Barczok: Jacob Appelbaum verlässt Tor nach Missbrauchsvorwürfen, Heise/Telepolis am 5. Juni 2016 (Das Tor[wp]-Projekt hat bestätigt, dass Internet-Aktivist Jacob Appelbaum[wp] seine Arbeit für das Anonymisierungs-Netzwerk aufgrund von Vorwürfen sexueller Nötigung am 25. Mai beendet hat.)

Querverweise