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Wütender weißer Mann

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"Wütender weißer Mann" ist eine abwertende Bezeichnung für weiße Männer mit konservativen oder rechts­gerichteten Ansichten im Kontext der US-Politik, die gewöhnlich durch "Widerstand gegen liberale Anti­diskriminierungs­politik" und Überzeugungen gekennzeichnet sind.[1]

Hintergrund

Alter weißer Mann ist ein Idiom, das in den Debatten der Gegenwart häufig als politisches Schlagwort auch in Form der Abkürzung AWM[2] benutzt wird.

Alter weißer Mann wird von Feministinnen als politisches Schlagwort gegen ihre Gegner verwendet.[3]

Auch Harald Martenstein wurde 2014 in einem taz-Artikel als alter weißer Mann bezeichnet.[4]

Im August 2012 nutzte die damalige Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen den Begriff, um die deutsche Wirtschaft als unattraktiv zu qualifizieren: "Corporate Germany is an old white man".[5] 2003 wurde für die im weltweiten Vergleich schwächelnde deutsche Wirtschaft der synonyme Begriff Kranker Mann[wp] Europas verwendet, eine Bezeichnung, die 1977 Großbritannien innegehabt hatte.[6]

In jüngster Zeit wird dieses politische Schlagwort bevorzugt als Kampfbegriff gegen die gesellschaftliche Hegemonie der Alten weißen Männer gebraucht.

Im April 2016 attackierte die 23-jährige Jamila Schäfer[wp], Sprecherin der Grünen Jugend, den 67-jährigen amtierenden Minister­präsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), als Alten weißen Mann: "Danke, Winfried. Wir haben ja alle nur darauf gewartet, dass uns ein alter weißer Mann erklärt, dass die Doppelspitze überholt ist."[7]

In der Wirtschaft wird ebenfalls gegen den Alten weißen Mann polemisiert und dessen Dominanz und Homogenität als schädlich dargestellt: "Das Problem ist ein anderes: Die alten Bestimmer bleiben unter sich. Die Eintönigkeit lässt sich gerade wieder gut beobachten, weil Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Unternehmen auf Haupt­versammlungen ein Bild abgeben: alt, weiß, männlich."[8]

Auch in der Geschichtswissenschaft wird der Begriff zu einer Kampfansage gegen das wissenschaftliche Establishment gebraucht. Die 37-jährige Historikerin Anna Hájková[wp] formulierte angesichts des Todes des Historikers Fritz Stern[wp]: "Die alten weißen straighten Männer sterben. Jetzt können wir die Geschichte revolutionieren."[9]

Im Juni 2014 fühlte sich der deutsche Publizist Henryk M. Broder veranlasst, als Meinungs­äußerung zum Thema Diskriminierung in der Presse öffentlich die Frage zu stellen: "Wer schützt eigentlich uns alte weiße Männer?" Anlass hierzu gab ihm die Äußerung der Politikerin Terry Reintke[wp] (Bündnis 90/Die Grünen): "Wenn ich morgens beim Frühstück die Zeitung aufschlage, dann sehe ich ein Europa der alten weißen Männer in dunklen Anzügen, die in irgendwelchen Hinterzimmern Verträge unterschreiben. Aber das ist nicht mein Europa."[10]

Im August 2015 stellte die Neue Presse im Zusammenhang mit einer Kandidatur des ehemaligen parlamentarischen Staats­sekretärs Gerd Andres[wp] (SPD) die Frage: "Alter weißer Mann rettet die SPD?"[11]

Auf Grund dieses Negativimages erklärten im gleichen Monat der General­sekretär der CDU, Peter Tauber, und der parlamentarische Staatssekretär beim Bundes­minister der Finanzen, Jens Spahn, dass die CDU nicht länger als die Partei der "alten weißen Männer" wahrgenommen werden wolle.[12]

Im September 2016 kritisierte die Berliner CDU-Abgeordnete Jenna Behrends[wp] das System der alten weißen Männer der Berliner CDU in ihrem offenen Brief Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will.[13][14]

Bei der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016[wp] waren die Alten Weißen Männer offenbar ausschlaggebend für den Sieg von Donald Trump: "Nun ist es sicher wahr, dass vor allem die alten, weißen, männlichen und ungebildeten US-Bürger Trump den Sieg gesichert haben."[15][16]

– Deutschsprachige Wikipedia[17]

Verwendung

Zitat: «Unser Mittagsprogramm für Kopf-Hörer enthält heute: Ein wütender weißer Mann - Der Blogger Hadmut Danisch verdient seine Brötchen als Informatiker und gibt abends seinen Senf zu Geschehnissen, die ihm auffallen und ihn ärgern. Im Interview mit Burkhard Müller-Ullrich spricht er über seinen ersten Webserver, wissen­schaftliches Denken und politische Korruption - Burkhard Müller-Ullrich[wp][18]
Zitat: «Etliche User bemängeln, dass es sich bei Nuhrs konservativ und verbittert wirkender Aussagen um keine intelligente Satire mehr handele. "So viel Stimmung wie Sie gegen Fridays for Future machen, ist aus meiner Sicht keine Satire mehr", kritisiert ein Nutzer. An anderer Stelle ist zu lesen: "Ich bin so alt, mich noch an Zeiten zu erinnern, wo Dieter Nuhr[wp] in der Tat mal witzig war. Seit damals wurde er einfach ein alter, wütender weißer Mann." "An die Wissenschaftler traut er sich nicht ran. Das ist keine Comedy, das ist pure Feigheit", erklärt jemand anders.

Allerdings betrachten nicht alle die Aussagen von Nuhr derart kritisch. An einer Stelle heißt es sinngemäß: Wer Jan Böhmermanns Schmähgedicht gegen Erdogan[wp] als Satire betrachte, dürfe sich nun auch nicht an Nuhrs Aussagen gegenüber Greta Thunberg stören. "Diese Doppelmoral ist schon richtig erbärmlich", heißt es dort. Nuhr selbst hat sich bislang noch nicht zur Kontroverse geäußert.» - Microsoft News[19]

Zitat: «Die wütende, weiße, männliche, minder­gebildete, ältere Mittelschicht, auch "angry white men" genannt, die die Zeit zurückdrehen will, gibt es auch hier, und oft ist sie gar nicht so ungebildet, manchmal auch nicht alt, gelegentlich ist sie sogar weiblich. Sie sind Rentner in Meerbusch am Niederrhein oder Architekt in Hamburg, sie studieren Business Management oder tragen Adelstitel im Namen, sie fahren Taxi in Bochum oder arbeiten als Arzt in Berlin. Manche von ihnen wollen ihren Namen nicht nennen, aber sagen, dass sie die Schnauze voll haben, das wollen sie. In den USA hat die anonyme und schweigende Mehrheit erst an der Urne gesprochen, weil zuvor niemand hinhören wollte, vor allem die Medien nicht. Wenn eines klar ist nach dieser hässlichen Weltwahl, dann, dass man die wütenden weißen Männer nicht mehr schweigen lassen darf, auch in Deutschland nicht. Dass man zu ihnen hingehen, ihnen zuhören muss, auch wenn es oft ziemlich scheußlich ist, was man zu hören kriegt; auch wenn es sehr oft schlicht falsch ist, Zerrbilder der Wirklichkeit. Aber so sehen sie nun einmal die Welt.» - Relotius[20]

Einzelnachweise

  1. Englischsprachige Wikipedia: Angry white male
  2. Thomas J. Peters[wp]: Re-imagine!: Spitzenleistungen in chaotischen Zeiten., DK-Verlag Dorling Kindersley, 1. Auflage, 2004, ISBN 3-8310-0579-6; GABAL-Verlag 2012, S. 248f:
    "Ich beabsichtige, den AWMs dieser Welt so kräftig und schmerzhaft wie möglich auf die Zehen zu treten. Und ich werde mit Freuden sehen, wie sie sich winden. (Und wie einige von ihnen - besonders die hohen Tiere - rot anlaufen vor Zorn.)"
  3. Harald Martenstein: Über zornige alte Männer und den Umgang mit Kritik., Die Zeit (Zeitmagazin) 41/2014 vom 21. Oktober 2014: "Sie schimpfen über "alte weiße Männer", die sich feminismus­kritisch äußern. Diese schlössen sich "wütend" in "Horden" zusammen, was mich ein wenig an Affen erinnert, und schürten Ressentiments. Erlauben Sie dem alten weißen Mann eine Frage..."
  4. Peter Unfried: Kolumne Die eine Frage: Der alte, weise Mann, taz am 28. Juni 2014
    Anreißer: Sind sie linksliberal, Harald Martenstein? Ein politischer Gesinnungs­test für den berühmten und gefährlichen "Zeit"-Kolumnisten.
  5. Hans Monath, Antje Sirleschtov: Ursula von der Leyen: Die Frauenquote trägt dazu bei, unseren Wohlstand zu sichern, Der Tagesspiegel am 5. August 2012
    Anreißer: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen spricht im Tagesspiegel-Interview über die Zukunft deutscher Unternehmen und unterschiedliche Auffassungen der Koalition zur Euro-Rettung und zum Mindestlohn.
    Auszug: Ein Amerikaner brachte das auf die Formel: "Corporate Germany is an old white man" (Die deutsche Wirtschaft ist ein alter weißer Mann, Anmerkung der Red.). Das ist keine attraktive Visitenkarte für dieses Land. Wir sind aber angewiesen auf einen guten internationalen Ruf, wir sind angewiesen darauf, dass wir exzellente Fach- und Führungs­kräfte aus dem Ausland anziehen.
  6. Erwin Grandinger: Deutschland ist inzwischen der kranke Mann Europas, Die Welt am 6. Januar 2003
  7. Markus Decker: Kretschmann rüttelt an der Doppelspitze, Frankfurter Rundschau am 20. April 2016
    Anreißer: In einem Interview wirbt der Grüne aus Baden-Württemberg für mehr Realismus und Pragmatismus - und provoziert mit der Forderung, die Doppelspitze abzuschaffen. Linke und Frauen in der Partei sind nicht begeistert.
  8. Nakissa Salavati: Weiß, männlich, gefährlich, Süddeutsche Zeitung am 15. Mai 2015
  9. Lorenz Jäger[wp]: Die Greisenfresser kommen, Frankfurter Allgemeine Zeitung am 30. Juni 2016
  10. Henryk M. Broder: Wer schützt eigentlich uns alte weiße Männer?, Die Welt am 5. Juni 2014
  11. Bodo Krüger: Gerd Andres: Wir müssen die Wahrheit sagen, Neue Presse am 18. August 2015
    Anreißer: Er will in den Rat der Stadt Hannover: NP-Chefredakteur Bodo Krüger sprach mit Ex-Staats­sekretär Gerd Andres[wp]. Der fordert: Die SPD soll sich beim Flüchtlingsthema "mal positionieren". Und: Er hat kein Verständnis dafür, dass die sechs West-Balkan­länder nicht zu sicheren Herkunfts­ländern erklärt werden.
  12. Claudius Seidl: CDU mit Modernisierungsabsicht: Das Problem mit den alten weißen Männern, Frankfurter Allgemeine Zeitung am 23. August 2015
  13. Jenna Behrends: Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will, Artikel auf der feministischen Internetplattform editionf
  14. Luca Deutschländer: CDU-Politikerin wirft ihrer Partei Sexismus vor, Süddeutsche Zeitung am 23. September 2016
  15. Daniele Raffaele Gambone: Zwischen Realitätsverweigerung und bodenlosem Starrsinn, Welt Online am 10. November 2016, Stand: 05:24 Uhr
  16. [ENCYCLOPÆDIA]: Alter weißer Mann
  17. Wikipedia: Alter weißer Mann (Stand: 24. November 2016, 21:27 Uhr) (Hinweis: Der Wikipedia-Artikel wurde am 8. Juli und 18. Dezember 2016 gelöscht.)
  18. Burkhard Müller-Ullrich[wp]: indubio - Ein wütender weißer Mann, AchGut-Blog am 6. Mai 2020 (Podcast: 47:41 Min.)
  19. "Ein alter, wütender, weißer Mann" - Dieter Nuhr erntet Kritik für Greta-Thunberg-Lästereien, Microsoft News am 1. Oktober 2019
  20. Pdf-icon-extern.svg Wütender weißer Mann[ext] - Der Spiegel 46/2016, 12. November 2016
    Anreißer: Nach der Wahl. Gibt es den frustrierten Bürger, der Trump zum Sieg verholfen hat, auch in Deutschland? Sicher. Man muss nur auf die Straße gehen und hinhören.

Querverweise

  • Stupid White Men[wp] (Buch)

Netzverweise


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Alter weißer Mann (24. November 2016) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Wikipedia-Artikel steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0). Das Original wurde am 18. Dezember 2016 in Wikipedia gelöscht.