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Selbstverwirklichung

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Hauptseite » Gesellschaft » Selbstverwirklichung


Selbstverwirklichung bedeutet in der Alltagssprache die möglichst weitgehende Realisierung der eigenen Ziele, Sehnsüchte und Wünsche mit dem übergeordneten Ziel, "das eigene Wesen völlig zur Entfaltung zu bringen" (Oscar Wilde[wp]), sowie - damit verbunden - die möglichst umfassende Ausschöpfung der individuell gegebenen Möglichkeiten und Talente.

Der Begriff hat für seine konservativen Kritiker einen negativen Beiklang von Egoismus (Christian Erle) und mangelndem Familiensinn. Andererseits wird in der Maslowschen Bedürfnis­pyramide[wp] Selbstverwirklichung gerade mit Altruismus[wp] in Verbindung gebracht. Auch der Humanismus, der als erste Philosophie der Selbst­verwirklichung des Menschen betrachtet werden kann, legt eher diese Verbindung nahe.

Philosophie und Religion

In Philosophie, Religion und Wissenschaft gibt es viele weitere Auffassungen, was Selbstverwirklichung, meist ohne den Ausdruck explizit zu verwenden, ausmache. Sie ergeben sich aus dem Menschenbild, das zugrundegelegt oder entwickelt wird, und der daraus entwickelten Theorie oder Lehre vom Selbst[wp] oder dem Selbstkonzept[wp]. Oft wird Individualismus[wp] als Voraussetzung für Selbst­verwirklichung angesehen, wobei aber die Selbst­verwirklichung letztlich nur gemeinsam mit anderen Menschen gelinge, insofern der Mensch ein soziales Wesen sei und eine soziale Identität habe, die der Bestätigung und Anerkennung durch die Mitmenschen bedürfe. Religiöse Lehren erachten die Verbindung mit einem Göttlichen als notwendig für Selbst­verwirklichung, die ansonsten misslinge.

Feminismus

Der Feminismus hat sich des Begriffs Selbstverwirklichung bemächtigt. Allerdings wird die Selbst­verwirklichung im Sinne der Frauenbevorzugung nur für Frauen reklamiert. Männer, welche die schweren und auch gefährlichen Arbeiten erledigen, bleibt diese Art der Selbst­verwirklichung verwehrt (siehe auch Zahlesel).

Verwendung

Max Stirner[wp]
Der Philosoph Max Stirner trat für die völlige und grenzenlose Selbst­verwirklichung des Individuums ein, ohne den Begriff selbst zu gebrauchen.
Kurt Goldstein[wp]
Der Neurologe Kurt Goldstein befasste sich 1934 in seinem Hauptwerk Der Aufbau des Organismus ebenfalls ausführlich mit dem Konzept der Selbstverwirklichung. Er stellt fest, dass der Organismus bestrebt sei, eine bestimmte Form der Auseinander­setzung mit der Umwelt aufrecht­zuerhalten, in der er sich seinem Wesen gemäß am adäquatesten verwirklichen kann.[1] Diese Tendenz zur Verwirklichung seines Wesens nennt er später Selbst­verwirklichung.[2] Unter "Wesen" versteht Goldstein die dem Organismus zugehörigen Eigen­tümlich­keiten seiner Individualität und die "Aufrecht­erhaltung der relativen Konstanz des Organismus".[3]
Abraham Maslow[wp]
In der Psychologie hat Abraham Maslow den Begriff prominent gemacht. Innerhalb einer Hierarchie der Bedürfnisse setzte er ihn an die oberste Stelle bzw. die letzte Stelle in der Reihung Körper/Sicherheit/Liebe/Anerkennung/Selbstverwirklichung.
Carl Gustav Jung[wp]
In der Psychoanalyse zeigte Carl Gustav Jung, dass der Mensch in der zweiten Lebenshälfte um die Integration abgespaltener Persönlichkeits­anteile bemüht ist.
Karl Marx[wp]
Nach Marx sollte die Selbstverwirklichung vor allem durch die menschliche Arbeit[wp] geschehen. Er unterschied dabei die Selbst­verwirklichung als Gattung in der Natur und die Selbstverwirklichung als Individuum in der Gesellschaft[wp].
Strömungen innerhalb der kommunistischen Bewegung sehen in der Selbstverwirklichung eines jeden das Ziel einer zukünftigen Gesellschaft.
Carl Rogers[wp]
Carl Rogers sieht Selbstverwirklichung als grundlegendes Motiv menschlichen Handelns und gebraucht den Begriff Aktualisierungs­tendenz für sein spezifisches Konzept.
Johan Galtung[wp]
Nach Johan Galtung wird Gewalt über Selbstverwirklichung definiert: Gewalt liege dann vor, wenn die aktuelle Selbst­verwirklichung geringer sei, als sie aufgrund der gesellschaftlichen Ressourcen sein könnte.
Hegel[wp]
...
Zitat:

«Selbstverwirklichung ist ein Begriff der Alltagssprache, der schon auf unterschiedliche Arten und Weisen interpretiert und definiert wurde, sowohl von Philosophen, als auch von Schrift­stellern und Gesundheits­experten. Auch in der Psychologie spielt Selbst­verwirklichung eine große Rolle. Grundlegend versteht man unter Selbst­verwirklichung die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und Realisierung der eigenen Potentiale, Ziele und Bedürfnisse, das heißt auch den eigenen Weg zu gehen und individuelle Entscheidungen zu treffen. Der Begriff ist dabei nicht mit Egoismus zu verwechseln, sondern steht mit Begriffen wie Individualismus[wp] und Eigenverantwortung in Verbindung.»[4]

Einzelnachweise

  1. Kurt Goldstein: Der Aufbau des Organismus. Einführung in die Biologie unter besonderer Berücksichtigung der Erfahrungen am kranken Menschen. Nijhoff, Den Haag 1934 (fotomechanischer Nachdruck: Nijhoff, Den Haag 1963), S. 235
  2. Kurt Goldstein: Selected Papers / Ausgewählte Schriften. The Hague 1971, S. 420
  3. Kurt Goldstein: Der Aufbau des Organismus. Einführung in die Biologie unter besonderer Berücksichtigung der Erfahrungen am kranken Menschen. Nijhoff, Den Haag 1934 (fotomechanischer Nachdruck: Nijhoff), Den Haag 1963, S. 220
  4. Wie Selbstverwirklichung funktioniert - Was ist Selbstverwirklichung?, diePsyche.de

Querverweise

Dieser Artikel basiert (unter Verwendung von Textpassagen) auf dem Artikel Selbstverwirklichung (26. Mai 2012) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Wikipedia-Artikel steht unter der Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-NC-SA 3.0). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar, die vor Übernahme in WikiMANNia am Text mitgearbeitet haben.