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Misandrie

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Misandrie (griech. μισανδρεία misandreia (Männerhass), aus μισεῖν misein (hassen) und ἀνήρ anēr (Mann), Genitiv: ἀνδρός andrós) ist eine extrem feindselige Haltung gegenüber Männern aufgrund ihres Geschlechts. Sie wird als eine Form von Sexismus betrachtet. Misandrie ist nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern anzutreffen.

Misanthropie bezeichnet den Menschenhass, Misogynie den Hass auf Frauen.

Misandrist Beyonce.jpg

Erscheinungsformen der Misandrie

Misandrie erscheint in verschiedenen Formen. In der auffälligsten hassen Misandristen und Misandristinnen offen alle Männer und verletzen sie verbal, manchmal auch tätlich, nur aufgrund ihrer Männlichkeit. In Kultur, Gesellschaft, Politik und Medien wie Büchern, Zeitschriften, Film, Fernsehen, Bühnenstücken usw. ist Misandrie dagegen oftmals nur in subtilen Formen anzutreffen: Männer werden als Bedrohung oder Hindernis wahrgenommen oder als Tölpel karikiert, soweit sie sich nicht dieser ständigen "Herrschaft des Verdachts" (Hegel) fügen. In Spielfilmen, Krimiserien usw. gehört es seit ungefähr 1980 zum zunehmend üblich gewordenen Ritual, die weiblichen Rollen als solche von makellosen Heldinnen und die männlichen Pendants als geistig und moralisch minderwertig zu inszenieren. Ähnliches gilt für TV-Talkshows, TV-Gerichts­verhandlungen usw. Zudem ist in den 1990er Jahren ein offener und latenter Männerhass mit Buchtiteln wie "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann" und Rocksongs wie "Männer sind Schweine" (Die Ärzte), die dieses Thema in ihrem Lied ironisieren, in die Massenkultur eingegangen.

Eine aus seiner Sicht zunehmend verbreitete Männerfeindlichkeit dokumentierte der maskulistische Medien­wissen­schaftler Arne Hoffmann mit einem Buch, das bereits im Titel die Frage aufwirft, ob Frauen die besseren Menschen seien.[1] Männerfeindliche Äußerungen sind darin auf fast 600 Seiten zusammengetragen und analysiert. Eine ähnliche Analyse gibt es in dem Buch "Heterophobia" der US-amerikanischen Professorin für Frauenstudien Daphne Patai.

Die Journalistinnen Angela und Juliana von Gatterburg problematisieren in ihrem Buch "Liebe Drama Wahnsinn - Wie Frauen endlich glücklich werden" (Goldmann Verlag, 2005) einen Männer abwertenden Biologismus in der populären Sachbuch­literatur: "Liest man die verschiedenen modernen Theorien über Männer, wundert man sich, dass sie nicht regelmäßig gemeinsam in die Wälder verschwinden, um dort wie eine Horde Wildschweine zu jagen, im Erdreich zu buddeln und zu grunzen. Warum einige Männer aus der Art schlagen und keineswegs damit beschäftigt sind, ihren Samen immerzu an die Frau zu bringen, sondern lieber Autos bauen, dem Nobelpreis entgegen­forschen und wunderbare Romane schreiben, erklären uns die Anthropologen leider nicht."

Frauen hingegen würden als das "von Natur aus friedliche, freundliche, sozial überlegene Geschlecht" beschrieben. Bei einer weltweiten Studie sollten den beiden Geschlechtern positive und negative Eigenschaften zugeordnet werden. Das Ergebnis war, dass Frauen kultur­über­greifend als die "besseren Menschen" galten, liebevoll, freundlich und gut, während Männer eher mit Negativem in Verbindung gebracht wurden. Schließlich erschienen sie ja auch in der populären Darstellung als "soziale und sexuelle Idioten, die man einer gründlichen Dressur unterziehen muss".

Während dieser Volksglaube nicht mit tatsächlichen wissen­schaft­lichen Erkenntnissen in Deckung zu bringen sei (hier führen die Gatterburgs verschiedene Studien an), beeinträchtige dies das männerfeindliche Weltbild vieler Frauen und Männer keineswegs: "Das Beharren darüber, wie Männer so sind, kippte irgendwann ins bornierte Vorurteil und offenbarte eine erstaunliche Intoleranz" befinden die Autorinnen. Sie beklagen "Frauen (...), die sich für Superfrauen halten und in ständiger Empörungs­bereit­schaft sind, wenn es um Fehler der Männer geht." Diplompsychologen des Kölner Markt­forschungs­instituts Rheingold zufolge verursacht diese enorme Erwartungshaltung des weiblichen Geschlechts aktuell eine handfeste Krise für Männer. Während diese "politisch korrekt auf die Bedürfnisse der Frauen eingehen müssten", kämen ihnen die Frauen dabei nicht etwa hilfreich entgegen, sondern meldeten zurück, dass, egal wie die Männer sich verhielten, es immer "falsch" war.

Oft fest etabliert und staatlich vielfältig gefördert sei Misandrie dabei nicht nur, aber vor allem, im englischen Sprachraum (USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland), im deutschen Sprachraum (BRD, Österreich, Schweiz), in Japan und zunehmend in Südkorea sowie in den skandinavischen Staaten. In den betroffenen Ländern, allen voran im englischen Sprachraum, mache sich zunehmende Kritik sowohl an Misandrie wie Feminismus bemerkbar. Im romanischen Sprachraum (Italien, Frankreich, Spanien) hat die Misandrie bisher kaum Fuß fassen können. In den östlichen Staaten (Russland, Ukraine, Polen, Ungarn usw.), in sozialistischen Staaten (Kuba, Nordkorea, China) und allgemein in den ärmeren Ländern Asiens, Afrikas, Mittel- und Südamerikas spiele die Misandrie eine ebenso geringe Rolle wie Feminismus.

Der Militärhistoriker Martin van Creveld (Das bevorzugte Geschlecht), der die seiner Ansicht nach bevorzugte Position von Frauen in der Gesellschaft historisch untersucht hat, mutmaßt, dass der Grund für die unter­schiedlichen Situationen in der Entwicklung bzw. dem Vorhandensein eines "Frauen­über­schusses" und vor allem des allgemeinen Wohlstands in den einzelnen Ländern liegen könnte.

Ursprung der Misandrie

Feministinnen gelten landläufig als Hauptschuldige am verbreiteten Männerhass. Der Feminismus hat aber die Ideologie der bösen Männlichkeit nicht erfunden. Das Stereotyp vom unmoralischen, gewalttätigen, sexuell unersättlichen Mann ist weit vor dem Feminismus entstanden, an einer historischen Schlüssel­stelle: zu Beginn der Moderne, um 1800. Die Geburt des maskulinen Zerrbildes ist also unmittelbar mit der Geburt der modernen Gesellschaft verbunden, seither schreiten beide, Moderne und verteufelte Männlichkeit, gemeinsam und untrennbar durch die Historie. Das Unbehagen an der Moderne wurde zum Unbehagen am Mann. Und umgekehrt.[2]

Diese Analyse beantwortet die Frage, warum das "Unbehagen am Mann" gerade heute, in Zeiten der Globalisierung, die ein Prekariat und Abstiegs­ängste der Mittelschicht wachsen läßt und der Bevölkerung die Hilflosigkeit von Politikern vor Augen führt, seinen schrillen Karriere-Höhepunkt erreicht. Der eigentliche Gegner ist gesichtslos und nicht zu fassen: sind es die Rating-Agenturen, die Banken, die Hedgefonds, die Börsen, die Märkte, der Kapitalismus an sich? Sie allesamt agieren logisch, und der Verbraucher, der sein Erspartes vermehrt wissen will, ist freiwillig-unfreiwilliger Mitakteur. Das Alles ist viel zu komplex für einfache Rezepte. Der Mann dagegen ist dingfest zu machen, und ein Sündenbock muß nun einmal her.[3]

Nichts anderes gilt im privaten Verhältnis zwischen Mann und Frau. Kommt es zu Krisen, Trennungen, Streitigkeiten: das Feindbild "Mann" steht. Und Gesetzgebung und Justiz stehen ihm zur Seite.

"Männlichkeit muss gar nicht erst durch nachprüfbare Kausal­ketten mit dem Unerwünschten verknüpft werden. Sie erfüllt eine viel schlichtere Aufgabe: Sie ist die Kurzformel für Missstände aller Art. So wie wir gelernt haben, schneller Reize wegen Bildschirme und Plakatwände mit nackten Frauen zu füllen, so haben wir uns antrainiert, jedem Problem einen männlichen Defekt beizugesellen, der es irgendwie verursacht haben soll." [2]

Vor der Befreiung von diesem Missverständnis erhebt sich eine hohe Hürde; sie besteht in einem Irrtum der Geschlechter­wissen­schaften. Die gehen mehrheitlich davon aus, zu Beginn der Moderne habe der Mann sich selbst zum Inbegriff des Menschlichen erklärt, als überlegenes Geschlecht, rational, moralisch und fehlerlos. Im Unterschied zur emotionalen, häuslichen und einfältigen Schwundform des Menschen namens Frau. Als "Mann plus, Frau minus" wurde dieses vermeintliche Denkmodell bezeichnet - um es als patriarchal und anmaßend zu bekämpfen.

Nur leider: Es ist bloß ein Mythos. Um 1800 kam als eigentliche historische Neuerung vielmehr ein Diskurs auf, der Männer als naturhaft unmoralisch, gewalttätig, egoistisch, asozial, hypersexuell, gefühlskalt, kommunikations­unfähig und verantwortungslos charakterisierte. Die Vorwürfe begannen etwa um 1765. Im Jahre 1779[4] wusste der schottische Aufklärer William Alexander bereits: "Der Mann ohne weibliche Begleitung ist ein gefährliches Tier der Gesellschaft."[2]

Kurz darauf sieht der deutsche Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt in naturaler Männlichkeit nichts als "Härte und Gewalt­thätigkeit", nur "Einseitigkeit" und "Mangel", was ihn zur Schlussfolgerung verleitet: dass "sich der Mann von seinem Geschlecht lossagen und sich dem Weiblichen nähern müsse, um wahrer Mensch zu werden". Die SPD hat von ihm gelernt.[2]

Andere bürgerliche Denker, die heute keiner mehr kennt, finden in Männern nichts als "Egoismus der gröbsten Art, instinkt­mäßigen Eigennutz" und eine "grausame und gleichgültige Natur". Kein Wunder, dass von diesem bloßen "Stück kalter Vernunft" nur das Übelste zu erwarten ist: "die Gefühllosigkeit der Männer vernichtet die Menschlichkeit".

Vieles von dem, was um 1800 zum Standard von Männlichkeits­beschreibungen wird, lässt heutige Radikal­feminismen zu Poesiealben-Prosa verblassen. Alle Männer sind Vergewaltiger? Klar, schreibt John Millar 1787, nennt es allerdings "universale Prostitution", die Männern den Frauen aufzwängen. Diese wiederum verfolgten unbeirrt ihren Weg, denn wo "es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn gebrochen zu haben ...". So schreibt es 1793 Theodor Gottlieb von Hippel, ein enger Freund von Immanuel Kant.

Solche Einlassungen sind nicht als Randdiskurs misszuverstehen, denn in Aberhunderten Quellen der Zeit, in Büchern, Aufsätzen, Traktaten, finden sich die Spuren dieser aufkeimenden Überzeugung, die bedeutendsten Philosophen von Adam Smith über Kant zu Hegel wirken an ihr mit, bis dieses "Wissen" vom Mann um 1850 schließlich Eingang in die Lexika findet und kanonisch wird. (Erst dann kommt auch der Gedanke auf, die Guten und die Schlechten zu sortieren: Das Kommando "Frauen und Kinder zuerst" fällt erstmals 1852 auf einem Schiff Ihrer Majestät, Königin Viktoria.)

An vorderster Front agitiert Johann Gottlieb Fichte, der Philosophenstar nach Kant. Die Beschäftigung mit ihm ist besonders aufschlussreich, weil er das Geschlechter­denken der Moderne wie kein anderer auf den Punkt bringt. Gemeinhin wird er als übelster Frauenfeind geführt, denn in der Tat: Er spricht verheirateten Frauen jegliches Recht ab und verlangt, sie hätten alle Individualität aufzugeben, um sich ganz dem Manne zu unterwerfen.

Aber warum? Weil der Mann derart überlegen ist und von solch höherer Beschaffenheit, dass sie vor ihm zu kriechen habe? Keineswegs! Der Grund klingt weitaus hässlicher für den Mann, von dem Fichte vermutlich das abfälligste, das heimtückischste Bild zeichnet, das je entworfen wurde.

Männer sind für ihn pure Triebtiere, allein der "niedern Sinnlichkeit" nachjagend, der "Geschlechtslust" - worin das "Wesen der Unmoralität" besteht. Sie sind restlos unfähig zu lieben, auch können sie keinerlei menschlich-warmen Kontakt zu ihren Kindern aufnehmen, allein die Vermittlung durch die Ehefrau kann das Gröbste lindern. So autistisch sind Männer in sich verpuppt, so sehr dem primitivsten Egoismus verhaftet - philosophisch feinsinnig formuliert: der Verabsolutierung ihrer Subjektivität -, dass Fichte sie als Prototyp des "absoluten Bösen" brandmarkt. In der säkularen Moderne ersetzt der Mann den Teufel als Eichmaß des Abscheulichen.

Und wo ist Rettung aus dieser Kältekammer des Männlichen? Man ahnt es: bei der Frau natürlich. Nur sie, und nur sie allein, ist zur Liebe und damit zur Ehe fähig - dem Ort, darin ist Fichte kategorisch, "aller Moralität". So kann allein sie den Mann zivilisieren und die bürgerliche Gesellschaft zu einer leidlich anständigen machen: indem die Frau sich unter Aufgabe aller Individualität und aller Rechte unterwirft, um durch die Übergröße ihres Opfers im Manne wenigstens ein paar moralische Anwandlungen zu wecken. Und diese dann im Laufe der Ehe so weit zu nähren, dass der Mann wider seine Natur zum brauchbaren Mitglied der Gemeinschaft emporsteigt.

So gewalttätig, so furchterregend für beide Geschlechter präsentiert sich der Ur-Gedanke der modernen Männerskepsis.

Er ist auch eine Revolution: Als erste Epoche erzählt die Moderne keine Heldengeschichte der Männer, sondern eine Problemgeschichte. Das schließt nicht aus, zivilisierte Männer, die ihre Natur hinreichend überwunden haben (Neue Männer), als Vorbild zu verherrlichen - es gibt um 1800 stets auch die Perspektive auf eine taugliche, weil reformierte Männlichkeit. Ebenso finden sich Übertreibungen in die Gegenrichtung, die das Bestialische des Männlichen zur Weltenkraft hochschreiben - und dem Manne alle kalten Talente zuschreiben, die Moderne zu bewältigen: Wissenschaft, Technik, Krieg. Aber im Zentrum des Geschlechterverhältnisses steht nicht der überlegene Mann., sondern der unmoralische.

Dieser Einsicht folgt eine verhängnisvolle Geschlechterlogik. Die Verworfenheit der Männer bedeutet nämlich auch für die Frauen nichts Gutes: Die haben jetzt ganz anders zu sein! Wenn Männer das Problem der Gesellschaft sind, müssen Frauen die Lösung darstellen. Das geht nur, wenn sie von grundlegend anderem Charakter sind: einfühlsam, passiv, friedlich - der ganze Kanon der Beleidigungen einer reduzierten Weiblichkeit. Das Spiegelbild eben zu den Beleidigungen einer reduzierten Männlichkeit.

Und wenn die Zivilisierung qua guter Weiblichkeit misslingt? Dann gnade Gott den Menschen. Die Erde wandelt sich zur Hölle des Maskulinen. "Der natürliche Egoismus unseres Seyens würde die ganze Schöpfung zerstören", schreibt ein lange vergessener Autor im Jahre 1800, und ein anderer malt 1798 unter dem Titel "Das andere Geschlecht, das bessere Geschlecht" folgendes Schreckbild seiner selbst: "Man kann gewiss seyn, dass die Welt längst zur großen, menschenleeren Wüste geworden wäre, wenn bloss Männer darauf gesetzt worden wären. Sie würden unfehlbar in Kurzem sich alle einander gemordet haben. Die Welt weiss nicht wie viel sie in dieser Hinsicht dem andern Geschlechte zu danken hat."

Die beklemmenden Imaginationen von Männlichkeit und Weiblichkeit sind zeitgleich entstanden. Und bedingen einander. Doch während wir das Frauenbild inzwischen einer gründlichen Renovierung unterzogen und mit überfälligen Ergänzungen angereichert haben, sind uns ähnliche Aufhellungen des Männerbildes misslungen. Stattdessen macht unsere Gesellschaft es sich in einem Murmeltiertag der Männerressentiments behaglich und glaubt auch noch, durch deren unablässige Wiederholung die Geschlechterverhältnisse zu verbessern.[2]

Zitat:

«Die Abwertung der Geschlechter

Christoph Kucklick untersucht, wie sich die Geschlechterrollen in der Sattelzeit[5] verändern. Auch wenn sein Augenmerk dabei den Männern gilt, die in dieser Zeit zum "unmoralischen Geschlecht"[6] stilisiert werden, sind die Erkenntnisse für Frauen und Männer gleichermaßen von Bedeutung. Am Anfang von Kucklicks Überlegungen steht die Beobachtung, dass "die drängenden gesell­schaft­lichen Probleme heute männlich konnotiert [sind]: Gewalt, Kriminalität, ökologische Katastrophen, Terrorismus, Profitgier, Versachlichung, Gefühl­losig­keit, Liebes­un­fähigkeit, soziale Kälte - sie gelten eher als Folgeschäden einer fehlgesteuerten Männlichkeit denn als Ausdruck von Weiblichkeit" (Kucklick 2008, 9). Diese Einschätzung wurde nicht immer geteilt. Auch wenn über Männer wie über Frauen nie ambivalenzfrei geschrieben wurde, fällt auf, dass es vor der Sattelzeit immer gesellschaftlich relevante Stränge gegeben hat, die den Mann als Stütze der gesellschaftlichen Ordnung gesehen haben (Kucklick 2008, 12). Ein Ausdruck dieser prinzipiellen Wertschätzung ist die etymologische Verwandtschaft der lateinischen Worte vir (Mann) und virtus (Tugend). Die Abweichung von der vorbildlichen Männlichkeit wurde immer schon kritisiert, ab 1800 galt Männlichkeit aber an sich als gefährlich, bedrohlich und verroht (Kucklick 2008, 60). Was passiert im 18. Jahrhundert, an dessen Ende eine bis dahin unbekannte "maskuline Defektologie" innerhalb weniger Jahrzehnte konsensfähig wird und nicht mehr vom Ideal des "Königs, Kriegers, Hausvaters oder Erlösers", sondern stattdessen eine männliche Problem­geschichte erzählt wird (Kucklick 2008, 12)?»[7]

Zitat:

«Der Mann wird suspekt

Überraschend ist die Beobachtung, dass es "ausgerechnet die bürgerlichen Meisterdenker" der Aufklärung und des Deutschen Idealismus - Fichte, Humboldt, Kant und Hegel - waren, die den "Männlichkeits­zweifel mit großen Lettern ins Stammbuch der Moderne geschrieben" haben (Kucklick 2008, 11). Schon der schottische Aufklärer William Alexander (1567-1640)[4] schrieb: "Der Mann ohne weibliche Begleitung ist ein gefährliches Tier." (zit. in: Kucklick 2012, 16). Wilhelm von Humboldt rät dem Mann, sich "von seinem Geschlecht loszusagen" und sich dem Weiblichen zu nähern "um wahrer Mensch zu werden" (zit. in: Kucklick 2012, 16; 2008, 75). Theodor Gottlieb von Hippel, ein Freund Immanuel Kants, weiß zu berichten, dass die Frau "kognitiv, moralisch, ästhetisch und technologisch" den Weg in die Zivilisation wies: "wo es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn gebrochen zu haben" (zit in: Kucklick 2008, 54).

Diese Einschätzung von Männlichkeit hat natürlich weitreichende Konsequenzen für das Zusammenspiel der Geschlechter. Der auf sich selbst zurück­geworfene Mann ist unfähig, den Ausgang aus dem "Zirkel der Tyrannei" zu finden. Retten kann ihn daraus allein die Liebe der Frau. Sie ist das Gegengift zur männlichen Natur und die "Ehe die Institutionalisierung dieser Gefahren­abwehr" (Kucklick 2008, 85). So lesen wir bei Johann Gottlieb Fichte in seiner 1796 im Anhang zu den "Grundlagen des Naturrechts" veröffentlichten "Deduktion der Ehe": "Liebe also ist die Gestalt, unter welcher der Geschlechtstrieb im Weibe sich zeigt [...] Im Manne ist ursprünglich nicht Liebe, sondern Geschlechtstrieb; sie ist überhaupt in ihm kein ursprünglicher, sondern nur ein mitgeteilter, abgeleiteter, erst durch Verbindung mit dem liebenden Weibe entwickelter Trieb." (Fichte 1796, 314) Überraschend ist, dass diese Abwertung des Männlichen, die Kucklick "negative Andrologie" nennt, kontrafaktisch Raum greift. Empirisch gesehen steht an der Schwelle zum 19. Jahrhundert nicht der böse Mann. "Um 1800 macht der empfindsame Mann Karriere, der sich vom Macho-Gehabe lossagt", Gewaltkriminalität geht deutlich zurück und der "warmherzige, sensible" und gefühlvolle Mann avanciert vielleicht erstmals "zum Ideal der Zeit" (Kucklick 2012, 16; 2008, 62). Warum also diese stereotype Entwürdigung des Männlichen?»[8]

Zitat:

«Die kritische Reflexion der Moderne und die kritische Reflexion der Genderrollen - eine fatale Koppelung

Kucklicks wichtigster Beitrag ist, dass er darauf hinweist, dass es auf dem Weg in die Moderne zu einer Verflechtung kommt, die keinesfalls zwingend und aus heutiger Sicht nicht einmal sinnvoll ist, die den Genderdiskurs aber nichts­desto­weniger nachhaltig prägt. Es kommt in dieser Zeit zu einer Verschmelzung, die die Bestimmung konstruktiver Geschlechterrollen bis heute massiv irritiert: "Der Mann erschien als Geschlecht, das bis ins Innerste von den Modernisierungs- und Differenzierungs­prozessen der Gesellschaft geprägt war" (Kucklick 2008, 137). Als die alte verlässliche und geordnete Welt in Brüche ging und das Individuum einer fortschritts­verliebten, industrialisierten Welt unterworfen wurde, riss ein Graben zwischen "modernistischen Machern" und "verlässlichen Bewahrern" auf. Gleichzeitig bürgerte sich eine Lesart ein, die Männer und Frauen auf unterschiedlichen Seiten dieses Grabens stehen sah. "Mit Männern wagte man sich an die Probleme, was sie als problematisch stigmatisierte. Mit Frauen blieb man auf sicherem Grund, was sie zu Hüterinnen reduzierte" (Kucklick 2012, 16). So wurden Fragen, Ängste und Beklommenheit, die verständlicherweise am Anfang der Moderne standen, so wurde die Ungewissheit, wohin die unmöglich abschätzbaren Prozesse, deren Wucht man zu ahnen begann, noch führen sollten, in den Kategorien von Männlichkeit und Weiblichkeit codiert und begannen mehr und mehr mit diesen zu verschmelzen. "Das Unbehagen an der Moderne wurde zum Unbehagen am Mann. Und umgekehrt" (Kucklick 2012, 15).»[9]

Zitat:

«Die doppelte Abwertung

Dieser Codierungsprozess betrifft beide Geschlechter, die immer schon zutiefst aufeinander verwiesen sind: Entweder sie blühen beide und machen sich gegenseitig lebendiger oder sie vegetieren beide dahin, beengen und beschneiden sich und werten sich schlimmstenfalls gegenseitig ab. Wenn ein Geschlecht als Problemfall denunziert wird, wenn es diffamiert wird und verkürzt, dann wird auch das andere Geschlecht seine Rollen nicht entfalten können. Aus der Theorie der kollusiven Wechselwirkung der Geschlechterrollen (Jürg Willi) wissen wir für den Einzelfall, was auch allgemein gilt: Es gibt keine plumpe Dichotomie, bei der die Abwertung des einen Geschlechts die Aufwertung des anderen bedeuten würde. "Die moderne Geschlechter­ideologie arbeitet im Kern mit parallelen Abwertungen von Männlichkeit und Weiblichkeit [...]; die Moderne kann sich in keinem der Geschlechter mehr vollständig spiegeln, beide erscheinen als je spezifisch einseitig und defekt. Und nur über die Negation des jeweiligen anderen Negativen entsteht so etwas wie eine zerbrechliche Einheit der Geschlechter" (Kucklick 2008, 18). Die Frau wird dabei zur Retterin der Welt, der Familie, der Harmonie und nicht zuletzt des Mannes stilisiert und prompt entfaltet sich "der ganze Kanon der Beleidigungen einer reduzierten Weiblichkeit" (Kucklick 2012, 16). "Eva ohne Adam ist eine Klosterjungfer" formuliert Theodor Gottlieb von Hippel diese fatale Logik (zit in: Kucklick 2008, 54). "Die Frau lebt, ganz buchstäblich, in anderen und für andere. Das ist ihre Natur. Wo der Mann nur an sich selbst denkt, richtet sich die Frau außerhalb ihrer selbst ein, meist in ihrem Gatten und in ihren Kindern (und in Gott). Ihr paradoxes Wesen besteht darin, sie selbst zu sein, indem sie ihr Selbst auslagert. Sie ist geborener Fremdbezug" (Kucklick 2008, 88f).

Der Mann dagegen - so formuliert ebenfalls von Hippel einen Konsens des Deutschen Idealismus - ist ohne seine Frau ein Tier: unbegrenzt, unbeherrscht, gefährlich, gefühllos und kalt. Er ersetzt in der "säkularen Moderne [...] den Teufel als Eichmaß des Abscheulichen" (Kucklick 2012, 16). Und ebenso wie die Ressentiments gegen die Vital- und Selbst­behauptungs­kräfte der Frauen haben die Männer­ressentiments bis heute ihre Gültigkeit behalten. Es ist erlaubt über Männer "so pauschal und abfällig zu sprechen wie über keine andere Gruppe" (Kucklick 2012, 15). Sie sind "irgendwie" unheimlich, "irgendwie" korrekturbedürftig, "irgendwie" verkehrt. Aus der Fundierung dieser Gedanken in den Anfängen der Moderne wird verstehbar, warum das Unbehagen an der Männlichkeit, so massiv es auch ist, dennoch oft im Diffusen verbleibt: "Männlichkeit muss gar nicht erst durch nachprüfbare Kausalketten mit dem Unerwünschten verknüpft werden. Sie erfüllt eine viele schlichtere Aufgabe: Sie ist die Kurzformel für Missstände aller Art" (Kucklick 2012, 15). Diese Melange aus Nichtbeachtung, Abwertung und latenter Verachtung ist heute so selbstverständlich, dass die Schriftstellerin und Literatur­nobel­preis­trägerin Doris Lessing, die mit ihrem Roman "Das goldene Notizbuch" (1962) einen Klassiker feministischer Literatur geschaffen hat, am Ende ihres Lebens in einem Interview mit "The Guardian" gesagt hat, sie sei "zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird" (www.vaeter-aktuell.de 2001).»[10]

Einzelbeispiele aus der Literatur

Explizite Äußerungen der Misandrie können zeitgeschichtlich mindestens bis an den Beginn des letzten Jahrhunderts zurückverfolgt werden. So vertrat Helene von Druskowitz, Doktorin der Philosophie an der Universität Zürich in einer 1905 erschienen Schrift die Auffassung, dass "in der Niederkritisierung des Mannes (...) die einzig wahre Weltbeleuchtung" gipfele. Druskowitz, die ihre letzten 27 Lebensjahre in einer Nervenheilanstalt vebrachte, erblickte in dem "groben, verlogenen, hässlichen" Mann eine Art "Zwischenglied zwischen Mensch und Tier". Die Schrift, die sich als Antwort auf die Arbeit des Mediziners Paul Julius Möbius "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes" verstand, wurde 1988 unter dem Titel "Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt" wieder aufgelegt.

In den 1970er Jahren publizierte der Verleger Maurice Girodias Valerie Solanas' "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer" (ursprüngliche Auflage 200 Stück, später mehrfach neuaufgelegt). Auf gut 50 Seiten gab sie darin den Männern die Schuld an allen Übeln der Welt und rief zum "totalen Krieg gegen die Männer und ihre Kollaborateurinnen" auf. Die Vernichtung der Männer bezeichnete sie als die einzige Möglichkeit, eine menschliche Gesellschaft aufzubauen. Das Buch wurde in den Jahren 1996 und 2010 neu aufgelegt, trotz des Verdachts der Volksverhetzung seitens einiger Männerrechtsgruppen.

Als umstritten gilt auch die 2005 verstorbene US-amerikanische Feministin Andrea Dworkin. Kritiker bemängeln bei ihr Äußerungen wie "Terror strahlt aus vom Mann, Terror erleuchtet sein Wesen, Terror ist sein Lebenszweck" (aus ihrer Streitschrift "Pornographie. Männer beherrschen Frauen.") oder ihre Darstellung von Sexualität, Gewalt und Tod als "erotische Dreifaltigkeit des Mannes". Dworkin zufolge seien Männer "von ihrer Biologie her aggressiv, von Natur aus kämpferisch, immer und ewig antagonistisch, genetisch grausam, hormonell konfliktfreudig, unverrückbar feindselig und kriegerisch", weshalb sie fordert: "Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh in seinen Mund gerammt wie ein Apfel in dem Maul eines Schweins." In einem Nachruf im Boston Globe vom 18. April 2005 auf die kurz zuvor verstorbene Dworkin skizziert die Publizistin Cathy Young (Autorin von "Ceasefire! Why Women And Men Must Join Forces To Achieve True Equality") Dworkin als "eine Predigerin des Hasses" und führt viele vergleichbare Zitate an. Dworkin argumentierte, dass jede Art sexuellen Eindringens in eine Frau eine Form von Vergewaltigung darstelle, selbst wenn diese von der "besetzten Person" genossen werde, und dass Kaiserschnitte bei Geburten aufgrund des sexuellen Sadismus der Ärzte erfolgten. Dworkins Schriften wurden in den USA unter anderem von Gloria Steinem und Catharine MacKinnon, in Deutschland von Alice Schwarzer propagiert.

Die Feministin Catharine MacKinnon ist ebenfalls für sehr scharfe Äußerungen bekannt. So hielt sie im April 2005 eine Vorlesung an der Universität Stanford, in der sie den "Krieg der Männer gegen die Frauen" mit den terroristischen Massenmorden des 11. September gleichsetzte. So wie die Terrorattacken seien die "Angriffe der Männer gegen Frauen" (etwa Massenvergewaltigung und Pornographie) sorgfältig geplant, gegen Zivilisten gerichtet und so ideologiegetrieben wie der islamische Fundamentalismus. MacKinnon führte aus: "Die Hauptbegründung für den Krieg im Irak war die Vorsorge gegen Bedrohungen durch Saddam Husseins Regime - weil wir Angst vor dir haben, können wir dich töten. Stellt euch vor, wie es wäre, wenn Frauen eines Tages dasselbe mit Männern täten."

Dworkin und MacKinnon stehen mit dem Anstacheln von Hass gegen Männer in Verbindung mit Aufrufen zu (vorbeugender) Gegenwehr nicht allein. Beispielsweise formulierte die UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie, die selbst durch traditionelle Beschneidung in Form der Infibulation verstümmelt wurde, in ihrer Lebensgeschichte, dem Bestseller "Wüstenblume": "Vielleicht sollten die Frauen den Männern die Eier abschneiden, damit auf der Erde wieder ein Paradies entstehen kann. Die Männer würden ruhiger werden und sensibler mit ihrer Umwelt umgehen. Ohne diesen ständigen Ausstoß von Testosteron gäbe es keinen Krieg, kein Töten, kein Rauben, keine Vergewaltigungen." Und Alice Schwarzer bekundete in dem EMMA-Beitrag "Beyond Bitch" (1994/2), nachdem Lorena Bobbitt ihrem schlafenden Mann, der sie jahrelang misshandelt und vergewaltigt haben soll, den Penis abgetrennt hatte: "Sie hat ihren Mann entwaffnet. (...) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (...) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich." [11][12]

In Deutschland bis jetzt weitgehend unbekannt geblieben ist die US-amerikanische Feministin Sally Miller Gearhart. In ihrem 1982 veröffentlichten Essay "The Future - if there is one - is Female" stellte die Professorin und Pionierin der Gender Studies folgende (ernstgemeinte) Forderungen auf:

  1. "Jede Kultur muss jetzt Schritte unternehmen, damit die Zukunft weiblich wird.
  2. Die Verantwortung für den Fortbestand der menschlichen Gattung muss in allen Kulturen wieder in die Hände der Frauen gelegt werden.
  3. Der Anteil der Männer muss auf etwa 10 % der menschlichen Rasse reduziert und festgeschrieben werden."

In ihren Romanen "The Kanshou" (2002) und "The Magister" (2003) ist diese Forderung bereits verwirklicht und überboten: Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen beträgt jetzt 1:12 - womit das Problem männlicher Gewalt, welche die Menschheit auszulöschen droht, allerdings immer noch nicht gelöst ist. Als Lösung werden chirurgische Eingriffe in das sogenannte "Gewaltzentrum des Mannes", welches in seinem Gehirn lokalisiert ist, diskutiert.

Für eine gleichformulierte Lösung erwärmt sich auch der deutsche Prof. Dr. Dr. Rolf-Dieter Hesch auf seiner Homepage. Er schreibt dort:

"Parallel dazu entwickelt die Forschung Konzepte, wie man durch Eingriffe in die Biologie des Mannes das Gewaltzentrum neutralisieren kann, bevor es zu spät ist, bevor ein Megagenozid einen größeren Teil der Menschheit auslöscht."

Elizabeth Gould Davis schrieb in "The First Sex" (deutsch: "Am Anfang war die Frau"):

"Die ersten Männer waren Mutanten, Mißgeburten, hervorgerufen durch einen Genschaden, der vielleicht durch eine Krankheit oder ein Strahlenbombardement von der Sonne verursacht wurde. (S. 27) Denn der Mann ist nur ein unvollkommenes Weib. Genetiker und Physiologen sagen uns, daß das Y-Chromosom, das das männliche Geschlecht bewirkt, ein verformtes weibliches X-Chromosom ist. (...) Es erscheint sehr logisch, daß dieses kleine und verdrehte Y-Chromosom ein genetischer Irrtum ist, ein Unfall der Natur, und daß es ursprünglich nur ein Geschlecht gegeben hat, nämlich das weibliche. (S. 27) Der Mann ist ein Feind der Natur: Das Töten, das Roden, das Einebnen, die Verunreinigung und die Zerstörung sind seine instinktiven Reaktionen auf die ursprünglichen Erscheinungen der Natur, die er im Grunde fürchtet und denen er mißtraut. (...)"
"Die Frau dagegen ist eine Verbündete der Natur, ihre Instinkte umfassen das Umsorgen, das Nähren, die Unterstützung gesunden Wachstums und die Einhaltung des ökologischen Gleichgewichts. Sie hat die natürliche Begabung, die Führung der Gesellschaft und der Kultur innezuhaben, und dass der Mann sich ihre ureigene Autorität angeeignet hat, ist die Ursache für das außer Kontrolle geratene Chaos, das die Menschheit unaufhaltsam in die Barbarei zurückführt. (S. 347)"[13]

In "A Feminist Dictionary":

"Männlichkeit: (...) repräsentiert eine Variante oder Abweichung von der Kategorie des Weiblichen. Die ersten Männer waren Mutanten (...) der männliche Sex repräsentiert eine Degeneration und Deformation des weiblichen (...)"
"Mann: (...) eine veraltete Lebensform (...) eine primitive Kreatur, die man unter Beobachtung stellen muss (...) ein widersprüchlicher Baby-Mann (...)"
"Testosteron-Vergiftung: Bis heute dachte man, der Level an Testosteron in Männern existiert einfach deshalb, weil sie ihn haben. Aber wenn man betrachtet, wie abnormal ihr Verhalten ist, dann gelangt man zu der Überzeugung, dass fast alle Männer an einer 'Testosteron-Vergiftung' leiden."[14]

Brief an die Redaktion:

"Kehrtwende zur weiblichen Dominanz (...) Wen kümmert es, wie Männer fühlen oder was sie tun oder ob sie leiden? Sie hatten über 2000 Jahre, zu dominieren und sie haben einen kompletten Pfusch daraus gemacht. Jetzt sind wir an der Reihe. Mein einziger Kommentar in Richtung Männer ist: Wenn ihr ein Problem damit habt, euer Pech - und wenn ihr mir in die Quere kommt, werde ich euch überrennen."[15]

Ein Leserinnenbrief ("Der Spiegel" 32/1993):

  • "... das debile Mannsgewimmel mit soviel Einfalt schlagen. Ich gehe davon aus, daß Mutter Natur genau weiß, was sie tut, wenn sie das ganze Gekröse demnächst mit Schmackes in den Orkus befördert."[16]

EMMA Jan./Feb. 1996:

  • "Die 'Streß-Anfälligkeit' (...) ist dabei, das starke Geschlecht auszurotten, und zwar seuchenartig. (...) Bald sind sie ausgestorben. Hat da jemand 'schade' gesagt?"[17]

Zur verbalen Vergiftung der Gesellschaft gehörte die Bezeichnung des männlichen Organs als "Giftspritze".[18]

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) schreibt in der Parteizeitung in die Sprechblase einer Zeichnung einer gestiefelt und gespornten und peitschenbewehrten Frau: "Zuschlagen, Mädels!"[19]

"Es gibt heute fast allerorten Kriegsschulen für Frauen. Sie heißen nur anders. Sie nennen sich Selbsterfahrungs- und Therapiegruppen, esoterische Zirkel. Oder schlicht Frauengruppen ... und entwickeln sich so zu Militärakademien im Kampf gegen den Mann."[20]

"(...) der Niedergang der Männer in eine domestizierte Existenz. (...) Man könne die heutigen Männer grob in drei Gruppen einteilen, (...), ein Drittel ist mehr oder weniger schwul, ein Drittel ist impotent und ein Drittel hat keine Lust mehr, sich mit Frauen einzulassen, (...) Früher gab es Männer, heute nur noch Schlappschwänze (...) Jeder Mann, der sich an seine letzte Erektion kaum noch erinnern kann, weiß genau, dass die militanten Weiber an seinem weichen Elend schuld sind, (...) Warum geben sich Frauen mit Männern ab?"[21]

"Männer sind wie Hunde: Wenn wir sie nicht an die Leine nehmen, verwildern sie und werden zu einer Gefahr für die Gesellschaft."[22]

"Selbst als Säuglinge sind bekanntermaßen die Männer schon aggressiver. Und bereits beim Geschlechtsakt ist der Mann ganz natürlich der aktivere und mitunter auch zerstörerische, wenn er die Frau entjungfert. Schon das männliche Sperma zeigt das Grundmuster, indem es sich aktiv auf das weibliche Ei zu bewegt und, die Hülle verletzend, in dieses eindringt."[23]

Wissenschaftliche Erforschung der Misandrie

Anders als zum Thema Misogynie gibt es zur Misandrie noch kaum explorative Studien. Bisher gibt es eine Studie von Paul Nathanson und Katherine K. Young ("Spreading Misandry: Teaching Contempt for Men in Popular Culture", 2001), die sich explizit mit dem Thema auseinandersetzt. Den Autoren wird von dem Feminismus nahestehenden Soziologen vorgeworfen, aufgrund ihrer betont antifeministischen Grundhaltung wesentliche Erkenntnisse der Genderforschung ignoriert zu haben. Andere Studien wie Judith Levines My Enemy, My Love. Men-Hating and Ambivalence in Women's Lives (Doubleday 1992) befassen sich mit Männerhass bei Frauen. Levine wiederum wird von den Rezensenten dafür kritisiert, dass sie diesen Männerhass teilweise als verständliche Reaktion auf Misshandlungen durch Männer rechtfertige.

Die Existenz von Misandrie als gesellschaftliches Phänomen als Äquivalent zur "Misogynie" ist wissenschaftlich umstritten, da man strukturelle Misogynie in der Gesellschaft auf der Grundlage patriarchaler Strukturen betrachtet hat. Inwieweit diese auch zu einer strukturellen Misandrie führen, ist noch nicht erforscht. Die Autoren, die Misandrie als kollektives Problem in der Gesellschaft betrachten, sehen vor allem den Feminismus als Ursache. So wird er hier als "kollektives kulturelles Phänomen" (Levine) bezeichnet, das die Kulturen so selbstverständlich und erfolgreich durchdringt, dass viele sie kaum wahrnehmen, verdrängen oder jedenfalls nicht kritisch reflektieren (Nathanson/Young).

Levine kommt auf der Grundlage von 80 Tiefeninterviews zu dem Ergebnis, dass Männerfeindlichkeit keine individuelle Neurose darstelle, sondern ein "kollektives kulturelles Phänomen" sei. Fast alle Frauen hätten ein ambivalentes Verhältnis zu Männern. Männern würden von fast allen Frauen abwertende Stereotype zugeschrieben; so würden sie unter anderem als kindisch, Nichtskönner, Ausbeuter oder Betrüger dargestellt. Levine arbeitete als Ursache solcher Einstellungen die Beziehungen der Frauen zu ihren Vätern sowie zur feministischen Bewegung ab den sechziger Jahren heraus. Zu einem analogen Ergebnis gelangt fast zeitgleich, aber unabhängig von Levine 1991 Marion Rave in ihrer Analyse "Befreiungsstrategien. Der Mann als Feindbild in der feministischen Literatur".

Nathanson und Young untersuchen in ihrer Studie, inwiefern Männerhass ein Kernkonstituens zeitgenössischer Kultur darstellt. Danach sei unsere Gesellschaft von dem Gedanken beherrscht, wirkliche oder vermeintliche Frauenfeindlichkeit auszumerzen, wohingegen fast keinerlei Gespür dafür bestehe, dass etwas wie Männerfeindlichkeit überhaupt existiere. Tatsächlich zeige sich Männerfeindlichkeit aber sehr massiv und in durchgehenden Mustern. Misandrie durchdringe unsere Kultur derart, dass die meisten sie kaum wahrnähmen. Das gelte auch für viele Männer. Insgesamt sei unsere Gesellschaft durch ein gleichermaßen gynozentrisches (frauenzentriertes) wie männerfeindliches Weltbild geprägt. Gerade die Männerfeindlichkeit in bestimmten Medienprodukten, die beim besten Willen nicht mehr zu übersehen sei, werde von den Verantwortlichen entweder heruntergespielt oder gar gerechtfertigt: Männer seien nun einmal so, und das müsse man auch entsprechend darstellen. Dadurch werde aber Hass geschürt.

  • Nathanson und Young vergleichen diese Haltung mit der Judenfeindlichkeit des Christentums: christliche Führer hätten demnach nie zur Ermordung der Juden aufgerufen, hätten aber ein Klima der Ablehnung geschaffen, das für andere Menschen solche Taten möglich gemacht habe. In vergleichbarer Weise gebe es heute den Autoren zufolge eine kulturelle Elite, die den Hass gegen Männer schüre, und Frauen, die daraufhin tatsächlich zur Gewalt, beispielsweise gegen ihren Partner, griffen. Einige ganz radikale Feministinnen wie Andrea Dworkin forderten allerdings tatsächlich Frauen auf, sich an ihren "Unterdrückern" gewaltsam zu rächen.
  • Nathanson und Young sehen die Hauptursache der diese Männerverachtung lehrenden allgemeinen Kultur ("Teaching Contempt for Men") im Feminismus. Sie ziehen insoweit auch Parallelen zum Marxismus. Der Feminismus habe lediglich das Feindbild ausgetauscht: Statt der "Bourgeoisie" müsse jetzt das "Patriarchat" umgestürzt und eine neue Utopie errichtet werden. Bis es soweit ist, dürften sich Arbeiter bzw. Frauen immerhin moralisch überlegen fühlen.
  • Auch die Verteufelung der Sexualität spielt nach Nathanson und Young eine Rolle, nur dass sie jetzt nicht mehr wie im Christentum für "Sünde", sondern für männliche Verdorbenheit stehe. Immer neue Orte würden gefordert und durchgesetzt, wo Frauen vor diesen männlichen Minderwesen "geschützt" seien. Es fehle die Anerkennung, dass Männer vollwertige Mitmenschen sind, die individuell oder kollektiv ebenfalls verletzt werden können.
  • Eine weitere Wurzel der Misandrie sehen die Forscher im Weltbild der nationalistischen Romantik, die schon vor weit über 100 Jahren eine Gruppe der anderen als von Geburt an moralisch, spirituell, intellektuell oder biologisch überlegen präsentierte. Längst als überwunden angesehener Essentialismus und Dualismus kehrten heute auf diese Weise zurück. Schon im 19. Jahrhundert habe ein Geschlechterbild kursiert, in dem Frauen moralischer, sorgender, hegender, erdverbundener, gutmütiger und lebensbejahender erschienen als Männer. Im 21. Jahrhundert würden Frauen zusätzlich als umweltbewusster, ganzhirniger, "emotional intelligenter" und in vielerlei anderer Hinsicht überlegen dargestellt.

Nach Nathanson und Young geben die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse Grund zur Sorge. So sei nicht zu vernachlässigen, dass der männliche Teil der Bevölkerung durch Misandrie geschürte Vorurteile unter Umständen übernehmen könnte. Männer könnten das Bild, sie seien beispielsweise emotionskalt und gewalttätig, verinnerlichen, und somit tatsächlich derartige Persönlichkeitsmerkmale annehmen.

Die Autoren konstatieren, dass das Problem bei vielen Frauen gerade aus dem feministisch geprägten Spektrum sei, dass sie von Männern Liebe einforderten, aber selbst nur Hass und Verachtung zu geben hätten. Das Empfangen und Geben von Liebe bedingten einander jedoch. Im Augenblick züchte unsere männerfeindliche Gesellschaft genau jenes klischeehafte Feindbild, das sie so gern beklage.

Wie die Schweizer Wochenzeitung am 17. Februar 2002 berichtete, beschäftigen sich die Sozialarbeiterin Sarah Meinrad und die Psychologin Meike Baumann in einer der Misandrie gewidmeten Studie mit der abschätzigen Reduktion von Männern auf ihre Körper, ihre Diskriminierung am Arbeitsplatz, Mobbing, von Frauen ausgehender Gewalt oder sexuellen Anzüglichkeiten am Telefon. Zahlen über die Häufigkeit weiblicher Misandrie gebe es noch nicht.

Anhand des großen Interesses in der Öffentlichkeit ließe sich feststellen, wie groß der Forschungsbedarf zu diesem Thema noch sei. In einem von den Forscherinnen geschalteten Internet-Diskussionsforum fanden sich Äußerungen wie "Männer sind nichts als Probleme, Schweine, verkrüppelte Chromosomen, danebengegangene Abtreibungen, Parasiten, die wir zu Leichen oder Wirtstieren machen müssen."

Wiedemann betont, dass Sexistinnen keineswegs zwangsläufig Feministinnen oder "Opfer eines Männerregimes" seien, sondern eher einem aktuellen Trend entsprächen, "den Mann" für gewerbliche Zwecke als Trottel zu stilisieren - so etwa in der Reklame für eine Salbe, die gestaltet wird, indem eine nette Frau einen netten Mann in seine empfindlichen Bereiche schlägt. Meinrad und Baumann bekunden auf ihrer Website: "Häufig handelt es sich bei den Täterinnen gerade nicht um Verliererinnen oder Opfer des Patriarchats. Als Motive für ihre Handlungsweise betrachten sie vielmehr einfach 'Spaß' oder eine mit Konkurrenzlust verbundene hohe Aggressionsbereitschaft. Dieser Sexismus von Frauen gegen Männer wird von der breiteren Öffentlichkeit völlig ignoriert."

Misandrie aus feministischer Sicht

Männerverachtung wird von Feministinnen als individuelles oder Gruppenphänomen betrachtet, aber als strukturelles gesellschaftliches Phänomen analog zur Misogynie verneint. Eine Ausnahme bildet der von Wendy McElroy begründete libertäre "Individualfeminismus". Dieser sieht Misogynie und Misandrie als gleichwertige Phänomene und wendet sich unter Berufung auf Gleichberechtigung und Menschenrechte mit derselben Entschiedenheit gegen beide.

Den oft geäußerten Vorwürfen, männerfeindlich zu sein und männerfeindliche Forderungen zu stellen, haben feministische Autorinnen bereits im 19. Jahrhundert widersprochen.

Einige feministische Autoren, so beispielsweise im arte-Themenabend "Maskulismus" [24], sehen Männerverachtung als Klischee, das der Lobbyarbeit extremistischer Teile der Männerbewegung diene, die sich zum Teil als Männerrechtler, Maskulisten oder auch Maskulinisten bezeichneten.

Misandrie aus soziologischer Sicht

Die Diskriminierung von Männern auf Grund ihrer Geschlechterrolle wird kontrovers diskutiert. Einige Wissenschaftler verneinen eine strukturelle Diskriminierung. Zwar würden Männer genau so durch ihre Geschlechterrolle in ihren Verhaltensmöglichkeiten eingeengt wie Frauen, und bestimmte Klassen der Gesellschaft würden diskriminiert, wovon auch Männer betroffen seien, jedoch "erfahren Männer keine systematische Diskriminierung allein aufgrund der Tatsache, dass sie Männer sind", so der kanadische Soziologe Jean-Claud St Amant. Er kritisierte damit den seiner Meinung nach simplen Umkehrschluss einiger Männerrechtsgruppen, dass, wenn Frauen in der Gesellschaft systematisch benachteiligt würden, dies auch automatisch auf Männer zutreffen müsse.

Der Soziologe Rainer Paris jedoch vertritt in seinem Essay Doing Gender eine alles durchdringende Kultur des Misstrauens, die das Verhältnis zwischen Männern und Frauen nachhaltig vergiftet habe. Als Ursache dafür sieht Paris die ideologisierende Macht eines pervertierten Feminismus. Nach dem Motto, Frauen seien grundsätzlich die besseren Menschen, sei aus dem berechtigten Anspruch nach gleichen Chancen schlicht Rassismus geworden. Behindert durch die feministischen Scheuklappen würden die unterschiedlichsten männlichen Verhaltensformen (Höflichkeit, Flirt etc.) als Angriff und Zurücksetzung uminterpretiert, was eine emotionale Verwüstung im Privat- und Intimleben erzeuge. Die Zeche dafür zahlten letztlich auch die Frauen, da sie sich statt mit der angestrebten Autonomie in einem Gefängnis emotionaler Einsamkeit wiederfänden. Die Lösung des Problems sieht Paris in der Rückkehr zu tradierten "asymmetrischen" Beziehungsmustern, in der trotz männlicher Dominanz erst wahre erotische Erfüllung und spielerische "Gleichberechtigung" möglich wäre.

Misandrie aus feminismuskritischer und aus antifeministischer Sicht

Die Autorin Doris Lessing kritisierte im August 2001 in der britischen Zeitung "Guardian" eine denkfaule und heimtückische Kultur, die sich im Feminismus breit gemacht habe und darauf hinauslaufe, auf Männer einzudreschen: "Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird. Es ist Zeit, dass wir uns fragen, wer eigentlich diese Frauen sind, die ständig die Männer abwerten. Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren, und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun." [25]

Maskulisten und Antifeministen sehen Misandrie als Konstante in den meisten Kulturen der Menschen, im Wirken des heutigen Feminismus allerdings die am deutlichsten ausgeprägten Formen bewusst gepflegter und politisch instrumentalisierter Menschenverachtung. Heute werde eine Diskriminierung von Männern durch deren offene Herabsetzung in intellektueller und moralischer Hinsicht angestrebt.

Zur Zeit Simone de Beauvoirs habe sich der Feminismus die Männer noch quasi zum Vorbild genommen und das Ziel verfolgt, mit ihnen auf möglichst allen auch wissenschaftlichen, philosophischen, kulturellen und technischen Gebieten mit dem Ziele gleichzuziehen, die in Jahrhunderten errungenen Erkenntnisse und in ihrer Bedeutung ausdrücklich anerkannten Werte der europäischen Kultur und Zivilisation im Sinne eines kooperativen Modells auf der Grundlage der Gleichberechtigung gemeinschaftlich zu pflegen. Heute überwiege die konfrontative Tendenz: Für "männlich" gehaltene Tugenden und Fähigkeiten wie Objektivität, Rationalität, Wissenschaft und Logik werden als "patriarchale Konstrukte" verworfen und durch eine vermeintlich "überlegene", vermeintlich "weibliche" Sicht der Dinge substituiert (Subjektivität, emotionale Intelligenz, "Feministische Wissenschaft").

Feminismus und feministische "Wissenschaft" zeichneten heute ein sorgsam gepflegtes Bild von einem bloß libidogesteuerten, gewalttätigen Mann, während Frauen grundsätzlich als die besseren Menschen gelten. Beispiel der pauschalen Dämonisierung der anderen Bevölkerungshälfte sei eine faktenwidrige Herabwürdigung "der Männer" als potentielle Vergewaltiger, Kindesvergewaltiger, Schläger ihrer Ehefrauen, Kriegstreiber o. Ä..

Antifeministen sehen Misandrie von jeher in der westlichen Kultur verankert. Phrasen wie Frauen und Kinder zuerst umschrieben bereits, dass männliches Leben als weniger schützenswert gelte als weibliches Leben, was sich auch in der Tatsache äußere, dass weltweit überwiegend Männer in den Krieg ziehen müssen. Männern werde die Fähigkeit zur offenen und aufrichtigen Emotionalität abgesprochen - für einen Mann gezieme es sich bis heute nicht, in der Öffentlichkeit zu weinen. Misandrie wird ganzen Kulturen zugeschrieben, wenn diese Gesellschaften Männer abwerten oder diskriminieren.

Aus menschlicher Sicht schürten die führenden Feministinnen der 1970er und 1980er Jahre wie Germaine Greer oder Andrea Dworkin Männerfeindlichkeit. Männerfeindliche feministische Schriften werden verharmlost.

Im Jahr 2003 legte die französische Philosophin Élisabeth Badinter eine Analyse der feministischen Bewegung in Frankreich vor (Fausse Route, dt. "Die Wiederentdeckung der Gleichheit. Schwache Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer", Ullstein 2004). Badinter kommt zu dem Schluss, dass während für Frauen die Gleichheit inzwischen errungen sei, ein radikaler Feminismus die Frauen zum Opfer erklärt und das männliche Geschlecht unter Generalanklage gestellt habe. Dabei würde beispielsweise die Definition männlicher Gewalt so sehr manipulativ erweitert, bis man epidemische Ausmaße suggerieren könne und die Frauen im Kontrast dazu als die besseren Menschen, das Gute schlechthin, erschienen. Die Täterschaft des weiblichen Geschlechts werde dabei unter den Teppich gekehrt. Zugleich konstatiert Badinter einen weiblichen Machtmissbrauch, etwa wenn Frauen sich des Spermas von Männern bedienten, die gar kein Kind haben wollten. Badinter zählt damit neben Astrid von Friesen und Wendy McElroy und anderen zu jenen Autorinnen, die den Ansichten vieler Maskulisten nahe stehen.

Ursachen für Misandrie bei Frauen

Der Misandrie der Frauen ist kein Wunder, wenn 70 % der Frauen aus purem selbstüberhöhenden Anspruchsdenken heraus sich auf 30 % der Männer (die sexuell einzig akzeptierten, also Alphas) konzentrieren, und der Rest der Männer (70 %) für sie unsichtbar werden. Da wirds eng, und wenn man sich dann in eine Schlange einreihen sieht (mit statistisch drei Frauen vor ihr) und die Schlange nur langsam aufrückt, demontiert es natürlich immer wieder das Ego.[26]

Den Frauen wurde der Lebensbereich Kinder&Familie streitig gemacht, die "Emanzipation" hat sie in die Konkurrenz zu Männern gestoßen. Für Konkurrenz zu Männern ist die Frau nicht gemacht, sie spürt, dass sie chancenlos ist und entwickelt Hass auf Männer.[27]

Zitate

Warum sich die schweizerische Gleichstellungspolitik keinen Millimeter bewegt:

Zitat:

«Trotz demokratischem Etikett macht sie einseitig Frauenpolitik; sie braucht das Feindbild Mann, um ihre Ressourcen zu legitimieren. (...) Die feministische Bewegung betrachtet man (Anmerkung der Redaktion: die traditionelle Männer­bewegung) als potenziellen Bündnis­partner und merkt nicht, dass die Gegenseite an einem Ausgleich nicht interessiert ist.»[28]

Zitat:

«Ich finde, Männerhass ist eine mögliche und ehrenwerte politische Handlung.» - Robin Morgan (Ms. Magazine)[29][30]

Zitat:

«Feminismus ist zur Ideologie geronnener Männerhass.» - Alexander Roslin[31]

Zitat:

«MisandrikerInnen suchen sich die Ideologie, die zu ihrer verzerrten Welt­wahr­nehmung, zu ihrem negativen Männer-/Männlichkeits­bild, zu ihrem Weltgefühl passt, das dann durch die Ideologie rationalisiert, legitimiert, bestärkt wird.
Eine positive Rück­kopplungs­schleife, aus der auszubrechen sehr schwer ist.» - Alexander Roslin[32]

Ein schwuler Blogbetreiber über Männerfeindlichkeit in Deutschland:

Zitat:

«Wer immer noch bestreitet, unsere Kultur sei männerfeindlich, kann sich ja mal den Text von Silke Burmester zur Gemüte führen, der vor Arroganz, Häme, Sexismus und Rassismus nur so strotzt.
Wäre ich religiös, würde ich nach der Lektüre derartigen Blödsinns auf die Knie sinken und meinem Schöpfer dafür danken, dass ich nicht als heterosexueller Mann zur Welt gekommen bin. Es muss für diese nämlich mittlerweile eine Tortur sein, an jeder Ecke auf Frauen wie Burmester zu treffen. Auf Frauen, die in ihnen nur Trottel sehen, während sie sich selbst in Ihrer Großartigkeit suhlen, die darin besteht, eine Vagina zwischen den Beinen zu haben.» - Adrian[33]

Feministische Männerfeindlichkeit hat Tradition, der Schutz eines geschönten feministischen Selbstbildes aber auch. Das äußert sich beispielsweise in den beliebten treuherzigen Versicherungen, dass Feminismus nichts mit Männer­feind­schaft zu tun habe. Schon Alice Schwarzer schreibt am Ende ihres Klassikers "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen":

"Frauen und Männer sind nicht auf verschiedenen Terrains lebende Rassen oder Völker, sondern ineinander verkettete Geschlechter. (…) Das nur zur Richtigstellung, weil dieses alberne Geschwätz von der 'Emanzipation ohne Männer' kein Ende nehmen will..." (S. 236)

Das schreibt Schwarzer, nachdem sie zuvor auf etwa 230 Seiten lang versichert hat, dass eine Gleich­berechtigung in einer Beziehung mit Männern unmöglich sei, dass Männer und Frauen auf verschiedenen Sternen lebten, dass Männer Frauen unablässig Gewalt antäten, sie vergewaltigten, usw. usw. Wenn ihr aber schwant, dass das dadurch entstehende Bild ihres Feminismus hässlich ausschauen könnte, kann das selbst­verständlich nur am missgünstigen Blick ihrer Kritiker liegen, deren Geschwätz nicht ernst zu nehmen sei. Wie andere Schwarzer und ihren Feminismus sehen, hat sie selbst zu bestimmen und niemand sonst.[34]

Über konservative Männerfeindlichkeit:

"Das Misstrauen gegenüber den Menschen, ihrer Rationalität und ihrer modernen Technik, das seit jeher den ureigensten Kern des Konservatismus ausmachte, fand in der feministischen "Anti-Mann"-Haltung unverhofft einen neuen Bündnispartner." [35]

Alice Schwarzer verteidigt und rechtfertigt Männerhass:

Zitat:

«Hass ist nur da mies, wo er grundlos oder fehlgeleitet ist. Da, wo es Anlass gibt zu hassen, kann Hass auch ein durchaus positives, weil antreibendes und veränderndes Moment sein. [...] Und eine von Männern - einzeln oder/und gesamt­gesellschaftlich - unterdrückte Frau hat recht, etwas gegen Männer und/oder die Männer­gesellschaft zu haben. Das Gegenteil wäre beunruhigend. Wer den Hass abschaffen will, muss die Gründe zum Hass abschaffen! Wer etwas gegen Männerhass hat, muss gegen die Frauen­unter­drückung kämpfen!» - Alice Schwarzer[36]

Literatur

  • Paul Nathanson und Katherine K. Young: Spreading Misandry: Teaching Contempt for Men in Popular Culture., McGill-Queen's University Press 2001
  • Paul Nathanson und Katherine K. Young: Legalizing Misandry: From Public Shame to Systemic Discrimination Against Men., McGill-Queen's University Press 2006, ISBN 0-7735-2862-8
  • Judith Levine: My Enemy, My Love. Men-Hating and Ambivalence in Women's Lives. Doubleday 1992
  • Christoph Kucklick: Das unmoralische Geschlecht. Zur Geburt der Negativen Andrologie., Suhrkamp Taschenbuch Verlag 2008, ISBN 3-518-12538-9[37]
  • Warren Farrell: Mythos Männermacht. Zweitausendeins, 1995, ISBN 3-86150-108-2 (Im Originaltitel: The Myth of Male Power. Why Men are The Disposable Sex)
  • Warren Farrell: Women Can't Hear What Men Don't Say. Destroying Myths, Creating Love. Jeremy P. Tarcher 2000
  • Marion Rave: Befreiungsstrategien. Der Mann als Feindbild in der feministischen Literatur. Kleine 1991
  • Karin Jäckel: Der gebrauchte Mann, abgeliebt und abgezockt. Dtv, 2000, ISBN 3-423-36200-6
  • Paul-Hermann Gruner: Frauen und Kinder zuerst. Denkblockade Feminismus. Rowohlt Tb. 2000, ISBN 3-499-60946-0
  • Martin van Creveld: Das bevorzugte Geschlecht. Gerling Akademie Verlag, 2003, ISBN 3-932425-52-9
  • R. Howard Bloch and Frances Ferguson (editors): Misogyny, Misandry, and Misanthropy. University of California Press, 1989
  • Richard T. Hise: The War Against Men. Why Women are Winning and What Men Must Do if America is to Survive. Elderberry Press, 2004, ISBN 1-930859-61-9
  • Jay Carter: Nasty Women. How to Stop Being Hurt by Them Without Stooping to Their Level. McGraw-Hill, 2003, ISBN 0-07141023-6
  • Thomas P. James: Domestic Violence: The 12 Things You Aren't Supposed to Know, Aventine Press, 2003, ISBN 1-59330-122-7
  • Lionel Tiger: The Decline of Males: The First Look at an Unexpected New World for Men and Women, Golden Guides from St. Martin's Press, 2000, ISBN 0-312-26311-2
  • Astrid von Friesen: Schuld sind immer die anderen! Die Nachwehen des Feminismus. Frustierte Frauen und schweigende Männer, Verlag Ellert & Richter, 2006, ISBN 3-8319-0256-9

Einzelnachweise

  1. Arne Hoffmann: Sind Frauen bessere Menschen? Plädoyer für einen selbst­bewussten Mann. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2001, ISBN 3-896-023-829
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Christoph Kucklick: Geschlechterverhältnis: Das verteufelte Geschlecht, Die Zeit am 8. Mai 2012
  3. Gabriele Wolff: "Das verteufelte Geschlecht" Mann - und die Erosion der Unschuldsvermutung (II), 29. April 2012
  4. 4,0 4,1 Eine der beiden Angaben muss falsch sein: 1779 oder 1567-1640.
  5. Sattelzeit: 1750 bis 1850
  6. Christoph Kucklick: Das unmoralische Geschlecht. Zur Geburt der Negativen Andrologie., Edition Suhrkamp 2008
  7. Pdf-icon-intern.png "Missing link" oder "Zwischen allen Stühlen" - Eine Standortbestimmung - 4. Die Abwertung der Geschlechter - Christoph Hutter, Vortrag im Rahmen der Jahrestagung des Bundesverbands Katholischer Ehe-, Familien- und Lebensberater e.V. am 24.04.2013 in Suhl (16 Seiten)
  8. Pdf-icon-intern.png "Missing link" oder "Zwischen allen Stühlen" - Eine Standortbestimmung - 4.1. Der Mann wird suspekt - Christoph Hutter
  9. Pdf-icon-intern.png "Missing link" oder "Zwischen allen Stühlen" - Eine Standortbestimmung - 4.2. Die kritische Reflexion der Moderne und die kritische Reflexion der Genderrollen - eine fatale Koppelung - Christoph Hutter
  10. Pdf-icon-intern.png "Missing link" oder "Zwischen allen Stühlen" - Eine Standortbestimmung - 4.3. Die doppelte Abwertung - Christoph Hutter
  11. EMMA-Beitrag "Beyond Bitch" (1994/2, S. 34f)
  12. Penis-Prozeß: Heldin in der Klapse, Focus am 31. Januar 1994
  13. Quelle: Elizabeth Gould Davis: "The First Sex". Penguin Books, London, 1971. Gefunden auf Sexistinnen-Pranger: Elizabeth Gould Davis
  14. Quelle: From "A feminist Dictionary"; ed. Cheris Kramarae and Paula A. Treichler, Pandora Press, 1985. Gefunden auf Conservapedia: Feminism (Übersetzung Kurt)
  15. Quelle: "Liberated Women". Boronia Herald-Sun, Melbourne, Australien, 9. Februar 1996. Gefunden auf Conservapedia: Feminism (Übersetzung Kurt)
  16. Quelle: Leserinnenbrief, "Der Spiegel" 32/1993, gefunden auf gabnet.com: Leseprobe aus zensiertem Buch: Feministische Männervermiesung - Feministische Sprache, Gewalt und Hetze, Excerpts from censored books: The feminist propagation of hate against men - They even advocate violence, including murder, Jan Deichmohle
  17. Quelle: EMMA Jan./Feb. 1996, S. 10
  18. Quelle: EMMA, Hrsg. Alice Schwarzer
  19. Quelle: [G1], S. 63/64
  20. Quelle: Joan Bitterman, S. 13
  21. Henryk M. Broder zitiert einen Therapeuten, der damals aktiv dabei war und eine gereifte 50jährige, die vor vielen Jahren im Frankfurter Weiberrat aktiv war, in: Endstation: Apartheid, Der Spiegel" 9/1998
  22. Quelle: Zitat aus "Strike - Mädchen an die Macht!". Amerikanischer Spielfilm von 1998
  23. Humanistische Aktion: Mann-Frau-Problem, wahrscheinlich im Mai 2000
  24. arte-Themenabend "Maskulismus" Wenn Väter sich rächen/Die Männerbewegung
  25. Lay off men, Lessing tells feminists: Novelist condemns female culture that revels in humiliating other sex, The Guardian, 14. August 2001; Feminismus heißt nicht, auf Männer einzudreschen, 14. August 2001
  26. WGvdL-Forum (Archiv 2): "Ich bin wie alle Anderen" am 31. März 2012 - 10:26 Uhr
  27. WGvdL-Forum (Archiv 2): Eine normale deutsche Frau - Parallele zu Ausländerhass am 31. März 2012 - 08:21 Uhr
  28. Walter Hollstein: Der Mann in der Schweiz - wer bestimmt, wie er ist und wie er sein soll?, Basler Zeitung am 5. November 2010; WGvdL-Forum (Archiv 2): Kompletter Hohlstein-Artikel mit Zitierschwäche, Manifold am 6. November 2010
  29. FEMizin: Zitat der Woche, 26. Februar 2012
  30. Die sexistische Diffamierung des heterosexuellen Mannes
  31. MANNdat-ForumRoslin am 3. Juni 2014 - 17:03 Uhr
  32. Kommentar von Alexander Roslin am 25. April 2012 um 22:28 Uhr, zu: Der emanzipierte Mann, 24. April 2012
  33. Adrian: Gott sei dank schwul, Gay West am 18. November 2012
  34. Lucas Schoppe: Aber die Kaiserin hat ja gar nichts an! - Psssssst....., Man Tau am 20. Juli 2013
  35. Eva Balzer und Matthias Heitmann: Von der Frauenbewegung zur "feminisierten Gesellschaft", Novo-Magain 45
  36. Alice Schwarzer: Gründe zum Männerhass?, EMMA am 1. März 1977
  37. Rolf Löchel: Schweinehund und Lichtgestalt, literaturkritik.de (Christoph Kucklick provoziert in seinem Buch Das unmoralische Geschlecht mit einer Genealogie der "Herrschaft des antimaskulinen Ressentiments".)

Netzverweise

englisch
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