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Victor Schiering

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Hauptseite » Personen-Portal » Victor Schiering

Victor Schiering
Victor Schiering.jpg
Beruf Künstler
URL victorschiering.de

Victor Schiering ist deutscher Musiker und engagiert sich als Gegner von Genitalverstümmelung bei MOGiS e.V.. Seit 2004 ist Victor Schiering freischaffend tätig.[1]

Schiering ist Mitunterzeichner der "Stellungnahme zur Vorhautbeschneidung" von 2014.[2]

Reden

Auf seiner Facebook-Seite nach 15-jähriger Mitgliedschaft seinen Austritt bei Bündnis 90/Die Grünen verkündet. In seiner ebenfalls auf Facebook veröffentlichten Austritts­erklärung an die Partei heißt es:

Zitat:

«Der Umgang der Bundestagsfraktion und Parteiführung mit der Causa Volker Beck ist schon lange untragbar. Ich erinnere an Becks unrichtige Aussagen zu den Zitaten, in denen er sich für eine Entkriminalisierung der Pädosexualität ausgesprochen hatte, mit denen er uns Grünen im letzten Bundes­tags­wahl­kampf massiv geschadet hat. Dies zog nach der Wahl keine grund­sätzlichen Konsequenzen nach sich, stattdessen galt wohl eine "Schwamm-drüber-Taktik". Unerträglich, besonders für viele Betroffene von Eingriffen in die sexuelle Selbstbestimmung im Kindes- und Jugend­alter, blieb auch sein permanentes Eintreten für die Entrechtung von Jungen gegen nicht­therapeutische Vorhaut­amputationen und ein Verhalten, das oft mit aggressiver Diffamierung von Menschen verbunden war, die diesbezüglich eine andere Meinung vertraten als er.

Nun, nachdem Volker Beck nach einem erneuten Skandal (aus dem ja gerade auch aus der Partei heraus Sorgen um seinen Gesundheits­zustand geäußert wurden) von sich aus Konsequenzen gezogen hatte und von seinen Ämtern zurück­getreten war, hievt ihn die Fraktion ohne jede Not nach nur acht Wochen (!) zurück in Fraktions­ämter.

Ich kann das nur als Signal deuten, dass unteilbare Kinderrechte und Geschlechtergerechtigkeit in der Parteispitze auch weiterhin als zweitrangig angesehen werden. Die Fraktion bzw. diejenigen, die sich dort durchgesetzt haben, trafen mit dieser personellen Entscheidung auch eine Richtungs­entscheidung.

Ich nehme das zur Kenntnis und ziehe daraus die Konsequenz, nach 15 Jahren unsere Partei zu verlassen.

Auch in meiner Funktion als Vorstands­mitglied einer Organisation von Betroffenen von Eingriffen in die sexuelle Selbstbestimmung im Kindes- und Jugend­alter ist der Umgang der Grünen mit diesem Themen­komplex, der faktisch und für die Öffentlichkeit wahrnehmbar stark im Zusammenhang mit und am Festhalten an der Person Volker Beck steht, für mich nicht mehr tragbar.»[3]

Zitat:

«Mein Name ist Victor Schiering, ich bin 39 alt, von Beruf Musiker.

Im Alter von sechs Jahren wurde mir meine, wie ich heute weiss und es auch von der jetzigen Sicht der Schulmedizin bestätigt wird, altersgerecht völlig gesunde Vorhaut amputiert. Zu der Zeit wurden massenhaft eigentlich nicht der Behandlung bedürftige Vorhaut­verengungen diagnostiziert und die Jungen in der Regel bis zum Schuleintritt "beschnitten". Nach allen Regeln der ärztlichen Kunst, wie es in dem heute vom Kabinett verabschiedeten Gesetz heißt.

Was davon bleibt sind Narben. Am Penis und im Herzen.

Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn Erwachsenenhände einem am Penis zerren und einem Schmerzen bereiten. Wenn Erwachsene ständig dem eigenen Penis Aufmerksamkeit "schenken" in einer Form, die ich als übergriffig bezeichne.

Jeder, der eine Vorhaut­amputation über sich hat ergehen lassen müssen, hat seine ganz individuelle Geschichte. Jeder lebt anders mit den Folgen.

Eine der Folgen ist die Desensibilisierung der Eichel, die bei jedem "Beschnittenen" in unterschiedlichem Rahmen stattfindet, z. T. auch als Vorteil empfunden - bei manchen "Beschnittenen" aber auch zur Orgasmus­unfähigkeit führt.

Während ein "Unbeschnittener" schon das Reiben seiner entblößten Eichel am weichen Stoff seiner Unterhose als unangenehm empfindet, konnte man bis vor kurzem in meine Eichel mit den Finger­nägeln kneifen, ohne dass ich Schmerz verspürte.

Also ist Vorhautamputation IMMER ein Eingriff in die sexuelle Integrität eines Menschen und verletzt dessen Recht sexueller Selbstbestimmung - wozu ein intaktes Sexualorgan gehört.

Mit Dingen, die man nicht ändern kann, muss man sich in einem gewissen Rahmen abfinden. Dabei können das Sich-Einbilden eventueller Vorteile helfen, die Bestätigung im sozialen Umfeld durch andere Zwangs­beschnittene, auch das Weitergeben der Zwangs­beschneidung zur Bestätigung des selbst Erlebten.

Mir hilft die offensive Auseinandersetzung mit meiner erfolgten Vorhaut­amputation, das Zugeben der spürbaren Folgen, das Sich-auf-die-Suche-machen nach den mir genommen Empfindungen, das Dehnen einer Ersatzvorhaut mit in den USA dafür handels­üblichen Apparaturen, die zunehmend zu einer Resensibilisierung meiner Eichel führen. Der Effekt ist unglaublich. Ich beginne zu ahnen, was Vorhaut­amputationen einem Mann nehmen - denn ich bekomme es jetzt wenigstens teilweise durch einen riesigen Aufwand ermöglicht zurück. Wichtig ist freilich auch, die optischen Spuren meiner Vorhaut­amputation zu minimieren.

Jeder Versuch, Vorhaut­amputationen an Jungen zu rechtfertigen, zu verharmlosen oder gar zu verherrlichen, basiert auf einer Lüge, die in jeder Rede, in jedem Artikel, in jeder Forderung, die diese Intentionen verfolgt, irgendwann genannt wird: dass männliche "Beschneidung", wie man verharmlosend Vorhaut­amputationen nennt, harm- und folgenlos sei.

Ohne diese Lüge gibt es keine Verteidigung, kein Einfordern angeblicher Eltern- oder religiösen Rechte, und auch nicht dieses Gesetz der schwarz-gelben Regierung. Dieses Gesetz leugnet Männer wie uns.

Dieses Gesetz erfindet eine umgekehrte Beweislast: wir, die fordern, dass jeder Mensch im Sinne des Grundgesetzes frei und ausschließlich selbstbestimmt über seinen naturgegebenen Körper verfügen können soll, werden aufgefordert zu beweisen, was längst, schon allein durch unsere Existenz und auch durch zahlreiche Fachverbände bewiesen ist, dass "Beschneidung" elementares Menschenrecht verletzt.

Dabei müssten diejenigen, die in den menschlichen Körper anderer irreversibel ohne Einverständnis des Betroffenen zur Zufrieden­stellung ihrer eigenen Vorstellungen eingreifen, beweisen, dass dies keine Folgen hat.

Da dies unmöglich ist, wird "Beschneidung" einfach ins Erziehungsrecht der Eltern eingegliedert. Auch dies ist eine Pervertierung von Recht.

Jedes Kind hat ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Das Erziehungsrecht beinhaltet nicht, Kindern ohne medizinische Indikation Schmerzen und irreversible Veränderungen an ihrem Körper mit unabsehbaren Spät­folgen vorzunehmen. Dabei spielt die Absicht rechtlich und auch für die Folgen für das Kind/Mann keine Rolle!

Eltern, die ihre Kinder zwangs­verheiraten, tun dies stets in bester Absicht und einer Tradition folgend. Mit welchem Recht kann man behaupten, diese Eltern liebten ihre Kinder nicht? Trotzdem ist Zwangs­verheiratung Verletzung von Menschenrecht und bei uns verboten.

Beschneiderinnen in z. B. Afrika verstümmeln Mädchen aus ihrer Sicht nicht, um sie zu erniedrigen - sie verteidigen ihr Tun mit genau denselben Argumenten, die auch jetzt im Gesetzentwurf genannt werden und denen ein geradezu unterwürfiger Respekt entgegen­gebracht wird: Tradition, Integration und Akzeptanz in der Gemeinschaft. Es ist für das Kind besonders schwierig, wenn es in den Konflikt gerät, Schmerzen durch seine es liebenden Eltern zugefügt zu bekommen.

Mir hat man ja damals immerhin nicht eingeredet, ich würde durch das blutige Ergebnis des Eingriffes zum Mann oder in meine Tradition integriert - trotzdem brauchte ich über 30 Jahre und die durch das Kölner Urteil zum Ausdruck gebrachte Empathie­bereitschaft, um offen mein Verletztsein zuzugeben und Empathie einzufordern.

Der Nährboden, auf dem die Verharmlosung von "Beschneidung" wächst, ist eine zutiefst sexistische Abwertung männlicher Genitalien.

Es ist allgemein akzeptiert und fällt nicht weiter auf, über die männliche Vorhaut im Zusammenhang mit Schmutz, Krankheiten und angeblicher unvorteilhafter Optik zu sprechen.

Man stelle sich dies einmal umgekehrt mit weiblichen Geschlechts­organen vor! Was für ein Aufschrei ginge (zu Recht!) durchs Land, man würde eine mit der männlichen "Beschneidung" im Ausmaß vergleichbare Form weiblicher "Beschneidung" aus z. B. angeblich hygienischen oder ästhetischen Gründen propagieren, weil sich in dortigen Hautfalten Urin- und Menstruations­blutreste ansammeln könnten!

Auch dieses Gesetz bewertetet die Verletzung von männlichen und weiblichen Geschlechts­organen grundsätzlich unterschiedlich. Das ist nach Artikel 3 klar grund­gesetz­widrig und entbehrt jeder wissen­schaftlichen Grundlage.

Wir Männer müssen gegen diese Diskriminierung protestieren.

Wir müssen weiterhin unser Intimstes offen legen, um diese Lügen und Halb­wahrheiten vor aller Welt als das zu entlarven, was sie sind - ein Angriff auf Menschenwürde jedes Kindes, das in Zukunft nicht mehr in seiner körperlichen Integrität und Ganzheit geschützt sein soll.»[4]

Einzelnachweise

  1. Victor Schiering - Tenor, victorschiering.de
  2. IntactiWiki: Stellungnahme zur Vorhautbeschneidung (Veröffentlicht am 15. August 2014)
  3. Genderama: Vermischtes vom 28. April 2016
  4. Beschneidungsbetroffene im MOGiS e.V.: Victor Schiering

Netzverweise

Dieser Artikel basiert teilweise auf dem Artikel Victor Schiering (13. Mai 2015) aus der freien Enzyklopädie IntactiWiki. Der IntactiWiki-Artikel steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der IntactiWiki ist eine Liste der Autoren verfügbar, die vor Übernahme in WikiMANNia am Text mitgearbeitet haben.