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Nie wieder Deutschland!

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Deutschfeindliche Allianz mit Spruchband: "Nie wieder Deutschland!"

"Nie wieder Deutschland!" war ein politischer Slogan des Kommunistischen Bundes[wp]. Unter dem Banner des Hasses auf Deutschland wurde eine Allianz gebildet mit Antifaschisten, Autonomen, Mitgliedern anderer kommunistischer und linksextremer Gruppierungen, der Zeitschrift konkret[wp] und Grünen.

Der Slogan knüpfte an vergleichbare Parolen wie Nie wieder Faschismus und Nie wieder Krieg an. Gewarnt wurde dabei vor einem "Vierten Reich"[wp]. Anti-Imperialisten[wp] befürchteten, dass dem US-Imperialismus durch die Wiedervereinigung Deutschlands[wp] ein neuer mächtiger Vasall zulaufen würde. Unter dem Slogan "Nie wieder Deutschland!" veranstaltete die Radikale Linke (RL) zwei Demonstrationen und einen Kongress. Während des Golfkrieges 1991[wp] zerfiel das antinational ausgerichtete Bündnis Radikale Linke und im April 1991 löste sich der KB endgültig auf. In der Folge entwickelte sich die politische Strömung der "Antideutschen" aus Teilen der Radikalen Linken. Die Parole "Nie wieder Deutschland!" ist bis heute Bestandteil von Demonstrationen gegen Neonazis[wp].[1]

Antideutsche in Frankfurt 2006 unter dem Slogan "Nieder mit Deutschland"

Ursprung

Eines der populärsten Stücke der Hamburger Punk-Band Slime[wp] enthielt den Refrain "Deutschland muss sterben, damit wir leben können", das seit den frühen 1980-Jahren auf autonomen, anarchistischen, antifaschistischen Demonstrationen gespielt wurde: "Die zentrale Botschaft dieses Liedes war von Slime auch als eine frontale Entgegensetzung zu der Inschrift auf dem Kriegerdenkmal am Hamburger Dammtorbahnhof[wp] "Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen" entworfen worden."[2]

Als Schlagwort der Radikale Linke-Kampagne entstand der Slogan in Analogie zu einem kolportierten Zitat der Schauspielerin Marlene Dietrich[wp].[3] Danach soll sie auf die Frage eines Reporters geantwortet haben: "Deutschland? Nie wieder!" Daraus entwickelte sich später der politische Slogan, der der Ablehnung von deutschem Nationalismus[wp] und Patriotismus[wp] Ausdruck verleihen soll. Der Spruch ist besonders dem linksextremen politischen Spektrum und Deutschland feindlich gesinnten Gruppen zuzuordnen.

Zu den Initiatoren der Kampagne gehörten unter anderen Hermann L. Gremliza[wp][4], Jürgen Elsässer[5], Theresia Degener[wp], Rainer Trampert[wp], Winfried Wolf[wp], Jutta Ditfurth[6], Karl Heinz Roth[wp], Thomas Ebermann[wp], Angelika Beer[wp][6], Jens Scheer[wp], Bettina Hoeltje[wp] und Regina Michalik[wp].[7] Die Erklärung Deutschland? Nie wieder! wurde von ca. 100 Personen und Aktiven aus dem politisch linksextremen Spektrum unterzeichnet.

Jürgen Elsässer reklamiert für sich:

Zitat:

«Von mir kam 1990 die Idee, das "Nie wieder Deutschland"-Plakat für die zentrale Demonstration gegen die Wiedervereinigung mit Marlene Dietrich aufzumachen - die hatte ja tatsächlich mit den Alliierten gegen Nazi-Deutschland gekämpft und wollte hinterher "nie wieder" zu den Krauts zurück.»[8]

Demonstrationen und Kongress

Die erste Nie wieder Deutschland-Demonstration fand am 12. Mai 1990 in Frankfurt am Main mit 20.000 Teilnehmern und die letzte am 3. November 1990 in Berlin[9] statt. Die Berliner Demonstration wurde unter dem Motto "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland[wp]" - einem Zitat aus der Todesfuge[wp] von Paul Celan[wp] - veranstaltet. Ursprünglich war geplant, diese Demonstration unter dem Motto "Nie wieder Deutschland" in Leipzig stattfinden zu lassen. Da die Organisatoren jedoch nicht mit der Leipziger Montags­demonstration[wp] konkurrieren wollten, wurde die Demonstration mit dem neuen Motto nach Berlin verlegt. An ihr nahmen 8.000 Menschen teil. Vor der Berliner Demonstration wurden von autonomen Gruppen vom 30. September 1990 bis zum 3. Oktober 1990 unter dem Motto "Halt’s Maul, Deutschland. Es reicht". Aktionstage für den Wieder­zusammen­bruch organisiert, an denen 15.000 Menschen teilnahmen.[9] An dem Pfingstkongreß 1990 in Köln der RL unter dem Motto Nie wieder Deutschland nahmen 1.500 Menschen teil.

Ein Beispiel, wie sich die Kampagne sowohl gegen Deutschland als auch gegen die bürgerliche Gesellschaft richtet:

Den Volkstod vorantreiben. Nie wieder Deutschland! Unter dem Motto "Volkstod stoppen" planen Thüringer Neonazis am 9. Juni 2012 in Meiningen ihren "11. Thüringentag der nationalen Jugend". Diesen Aufmarsch von Neonazis wollen wir nicht ohne Weiteres hinnehmen. Aber: Sich gegen Nazis zur Wehr zu setzen, ohne auf die gesellschaftlichen Ursachen von Naziideologie hinzuweisen, halten wir für höchst problematisch. Deswegen lehnen wir jegliche "Meiningen gegen Nazis" und "Bunt statt braun"-Rhetorik ab. Wir wollen nicht Meiningens guten Ruf gegen die Nazis verteidigen, sondern vielmehr darauf verweisen, dass Naziideologie in Deutschland etwas ist, was notwendig seine Ursachen in der bürgerlichen Gesellschaft hat und dass in diesem Land das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie potentiell bedrohlicher ist, als das Nachleben des Nationalsozialismus gegen die Demokratie. Die größte Gefahr eines faschistischen Wiedererstarkens geht nicht von den marginalisierten Nazis aus, sondern von der bürgerlichen Ideologie des "geläuterten" Deutschlands selber, in welcher die Ursachen für die faschistische Barbarei fortwesen und in der Kategorien wie Volk und Nation Ausdruck anti-emanzipatorischen Denkens sind. Deswegen wollen wir am 9. Juni nicht nur gegen die Naziplage auf die Straße gehen, sondern gegen die Ursache für diese Plage überhaupt: Deutschland.
- Anarchistisches Forum Wiesbaden - Auszug aus einem Aufruf der Anti. Entnommen aus: Antifaschistische Demonstration gegen Nazifeste und deutsche Zustände am 9. Juni 2012 in Meiningen
Zitat:

«Deutschland einig Vaterland - das bedeutet kleingeistiger Nationalismus, Rassismus in langer Tradition. Festschreibung der Frauenrolle auf die des Heimchens am Herde und der Gebärerin arischer Mannen.»[10]

Kritik

Der ehemalige Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes[wp] Peter Gingold[wp] lehnte sie als realitätsverweigernd und unproduktiv ab:

Zitat:

«Wir dürfen uns jetzt nicht in unserer Reaktion in die Ecke der "Antideutschen" drängen lassen. Diese Losung "Nie wieder Deutschland", das kann nicht die unsere sein. Deutschland ist eine Realität. Wir gehören zu diesem Land, wir haben in ihm Verantwortung zu tragen. [Aber auch,] dass ich für die jungen Leute viel Verständnis habe, wenn sie damit meinen, nie wieder ein Deutschland, das soviel Schrecken über die Welt brachte, zuzulassen.»[11]

Der alleinige Verweis auf die "deutsche Vergangenheit" und die Gefahr eines "Großdeutschland" sei wenig überzeugend, so die Marxistische Streit- und Zeitschrift[wp]:

Zitat:

«Fast möchte man diese Kritiker fragen ob sie ohne die allseits verdammte "deutsche Vergangenheit" als Berufungsinstanz überhaupt noch eine Kritik an der Wiedervereinigung wüßten. [...] Demgegenüber vor einer "Gefahr" zu warnen, die von Großdeutschland ausgehen "könnte", ist - gelinde gesagt - ausgesprochen matt. Noch dazu, wenn diese "Gefahr" aus einem "Größen- und Eroberungswahn" und einer von ihm ausgelösten ominösen "Dynamik" stammen soll.»[12]

Joachim Bruhn[wp] weist auf die Widersprüchlichkeit der Parole zum geforderten Selbstbestimmungsrecht der Völker[wp] hin:

Zitat:

«Denn was waren die Ereignisse des Oktober 1989 anderes als ein leibhaftiger Volksaufstand, eine spontane Erhebung und veritable Revolution für ganz genau das "Recht auf nationale Selbstbestimmung", das Deutschlands Linke jahrzehntelang, wenn auch für die Basken und die Palästinenser, eingeklagt hatte? Und was bewiesen die Leipziger Montagsdemonstrationen[wp] anderes als die Existenz jenes geheimnisvollen Zusammenhanges von "nationaler und sozialer Befreiung", den Deutschlands Linke immer nur für Irland und die Westsahara gelten lassen wollte? Und was beweist es schon gegen die Richtigkeit dieser Diagnose, daß Deutschlands Linke, weil sie den irgendwie verdächtigen Völkern, den Tirolern, Schlesiern und so weiter, dies "Recht auf nationale Selbstbestimmung" kurzerhand absprach, vom drohenden Untergang der Sowjetunion und ihrer bevorstehenden Auflösung in die souveränen Staaten der Georgier und Aserbaidschaner, der Litauer und bald auch der Ukrainer, gänzlich überrascht wurde und noch immer wie bewußtlos ist?»[13]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Siehe den Demonstrationsbericht mit Fotos auf mut-gegen-rechte-gewalt.de, 7. Oktober 2007. Vgl. Anti-Nazi-Demo. "Verratet eure Namen nicht, wenn ihr verhaftet werdet", Der Spiegel am 14. Februar 2007
  2. Markus Mohr/Sebastian Haunss: Die Autonomen und die anti-deutsche Frage oder: "Deutschland muss ...", in: Gerhard Hanloser (Hrsg.): Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken. Zu Geschichte, Kritik und Zukunft antideutscher Politik. Münster 2004, S. 65-86, ISBN 3-89771-432-9 Pdf-icon-extern.png PDF[ext]
  3. Vgl. auch KB-Veranstaltungsreihe "Von Marlene Dietrich und anderen Deutschland-Hassern". In analyse & kritik Nr. 316 vom 5. März 1990, S. 35.
  4. Hermann L. Gremliza: Deutschland, Euro Gnaden
  5. VonKonkret. konkret, Heft 07/2002
  6. 6,0 6,1 Vgl. u. a. Jutta Ditfurth: Zahltag, Junker Joschka!
  7. Radikale Linke: Kongreß der Radikalen Linken: Reden und Diskussionsbeiträge zum Kongress an Pfingsten 1990 und auf der Demo Nie wieder Deutschland am 12.5.1990 in Frankfurt am Main. ISP Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-88332-179-6.
  8. "Alles Antisemiten außer Mutti", Wahrschauer, Dezember 2005
  9. 9,0 9,1 Autonome L.U.P.U.S. Gruppe R/M: Doitsch-Stunde. Original­fassung mit autonomen Untertiteln. ID Verlag. In: Ingrid Strobl, Klaus Viehmann und GenossInnen autonome l.u.p.u.s.-Gruppe: Drei zu Eins. Edition ID-Archiv 1991.
  10. Deutschland? Wir empfehlen Anarchie..., Redebeitrag der Gruppe "Anarchistisches Forum Wiesbaden" auf der Auftaktveranstaltung zur Demo "Nie wieder Deutschland" am 12. Mai 1990 in Frankfurt/Main. In: trend online zeitung 11/99
  11. Kein Schlussstrich per Schlusspfiff! - Interview mit Peter Gingold, Bundessprecher der VVN-BdA, zu Fragen von Patriotismus und Internationalismus nach der Fußball-WM. Auf: vvn-bda.de
  12. Einwände gegen den Aufruf zur Demonstration: "Nie wieder Deutschland". Die Eroberung der DDR durch die BRD - Kein deutscher Wahn, sondern erfolgreicher Imperialismus. In: Marxistische Streit- und Zeitschrift 1990, Ausgabe 3; online auf gegenstandpunkt.com.
  13. Joachim Bruhn: Pdf-icon-extern.png Was bedeutet: "Nie wieder Deutschland"? - Eine ungehaltene Rede[ext] (80 KB)

Querverweise

Netzverweise