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Infantilisierung

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Die Infantilisierung der Gesellschaft hat zwei Formen.

Die eine besteht in der hektischen Aufwertung der Kindheit seitens der Politiker angesichts der Erkenntnis, dass es mit der Bevölkerung abwärts geht; in der Folge der Umbau in eine "Gesellschaft in der sich alles und jeder um 'das Kind' zu drehen hat." Dabei wird angesichts des Bevölkerungs­schwundes zu unsinnigen Mitteln gegriffen. Dazu gehört auch die Zerstörung der "intrinsischen Motivation" durch falschen Anreiz, etwa durch: Bezahlung mit Geld.

Die andere besteht in der Absenkung des allgemeinen mentalen Niveaus auf eine kindliche Entwicklungs­stufe. Zählte bis hin zum Ende der Weimarer Zeit[wp] noch der junge Mann, die junge Frau auf der Höhe ihrer Vitalkräfte und ihrer Beitrags­fähigkeit zur Expansion des Volkes; und wurden diese Vitalkräfte durch Erziehungs­ideale der Abhärtung, Selbstzucht, Opfer­bereitschaft staatlich unterstützt, so zählt heute der Kindmensch auf prä-ödipalem Bedürfnis­niveau, der an der Versagung primitivster, auch ungeordnet sexueller Wünsche seelisch zerbricht; der therapiert statt bestraft wird, weil er den Reifegrad von Freiheit und Verantwortlichkeit gar nicht mehr erreicht.

Allerdings können beide Formen zusammen­kommen. Wer selber auf Kindheits­stufe stehenblieb, dem fehlt die Reife und der Wunsch, selber Kinder aufzuziehen. Aus fehlender Reife erfolgen auch die ganz unsinnigen Maßnahmen, dem demographischen Schiefstand abzuhelfen.

Was kann man dagegen tun? Möglicherweise nichts. Im Evangelium wird unterschieden der breite, bequeme Weg, den die meisten Menschen gehen (müssen?), von dem schmalen Weg, der nach oben führt (also die Evolution bezeichnet), den nur wenige gehen (können). Äußere Freiheit besteht insofern, als niemand gezwungen wird, den einen oder anderen Weg zu wählen. Aber es gibt ja auch noch die innere Freiheit, die wohl sehr viel begrenzter ist.

Infantilisierung statt Selbstverantwortung

Zitat:

«Egoismus hat etwas mit Infantilität zu tun, wobei der Egoismus von Kleinkindern ganz natürlich ist und daran auch überhaupt nichts auszusetzen ist. Bei der grassierenden Infantilität in der Gesellschaft sieht das aber anders aus - es ist eine Verkindlichung der Gesellschaft - das ist eine Gesellschaft in der keiner mehr Verantwortung übernehmen möchte - jeder hat nur Rechte und pocht darauf - aber niemand hat Pflichten. Jeder sieht nur seine "Bedürfnisse" und er fühlt sich legitimiert das Ziel der Befriedigung dieser Bedürfnisse über alles andere zu stellen. Diese Verkindlichung der Menschen wird von den Mächtigen gefördert.» - Karl Schmitt[1]

Den Menschen wird versprochen, dass sie jetzt keine Pflichten mehr hätten, aber jede Menge Rechte. Viele glauben das auch gerne und die Zahl der wachsenden Forderungen steht im umgekehrten Verhältnis zur sinkenden Neigung, Ver­antwortung für sich, die eigene Familie und für das eigene Umfeld zu übernehmen. Viele lassen sich gerne verführen und glauben den Ver­sprechungen von ständigem Urlaub, Konsum und Null-Ver­antwortung. Sie merken gar nicht, wie ihnen hierbei immer mehr selbst­ver­antwortliche Entscheidungen abgenommen werden. Andere bestimmen über:

  • die Erreichung von Lebenszielen, was nur mit eigenen Entscheidungen und persönlichen Risiken möglich ist,
  • die Erziehung der eigenen Kinder,
  • die Gestaltung des engeren und weiteren Umfeldes

durch Parteien, die längst die innerparteiliche Demokratie abgeschafft haben und sich so wenig unterscheiden, dass der Einzelne durch seine Wahl­entscheidung keine Änderung mehr herbeiführen kann.

Die scheinbare Voll-Versorgung durch den Staat nimmt den Bürgern in Wahrheit die Möglichkeit, ihr eigenes Leben frei und selbst­bestimmt zu führen. Die Menschen dürfen meckern und fordern. Sie dürfen sich aber nicht über die längst über ihre Köpfe hinweg gefallenen Entscheidungen wirksam zu Wehr setzen, geschweige denn sich in großen Gruppen organisieren, um sich gegen die Fremd­bestimmung ihres Lebens zur Wehr zu setzen. Sie finden sich in der Rolle des egoistischen kleinen Kindes wieder, das laut quaken darf, aber keinen Einfluss mehr zu den bereits von Anderen gefällten Entscheidungen über sein Leben hat.


Auch international setzt sich dieser Trend zur Fremd­bestimmung fort. Internationale Gremien sagen streitenden Nachbarn, dass sie eins auf den Popo bekommen, wenn sie ihren lokalen Streit nicht sofort beilegen. Für so etwas gibt es Blauhelme[wp] und wenn das nicht reicht, dann folgen eben Luftangriffe oder ein massives militärisches Eingreifen von außen. Es ist aber nicht so, dass es den betroffenen Menschen besser geht, wenn sie keine Möglichkeit erhalten, ihren Konflikt als "Ultima Ratio" gewaltsam zu lösen, bzw. damit dann auch zu beenden. In Wahrheit wird den Menschen die Möglichkeit genommen, ihre Interessen selbst wahr­zu­nehmen, was im Extremfall durch Krieg erfolgen kann. Was folgt sind dann oftmals sich über viele Jahre hinziehende quälende Aus­ein­ander­setzung mit verdeckter Gewalt, Morden und hinterhältigen Anschlägen. Am Ende ist weitaus mehr Schaden angerichtet, als wenn die beiden Kontrahenten ohne Störungen und Gängelungen von außen den Konflikt unter sich ausgemacht hätten.

Die Verteilung zum Interessens­ausgleich soll durch eine paternalistische, undemokratische Weltverwaltung erfolgen (und das wird zunächst europaweit realisiert). Im Ergebnis wird das dazu führen, dass den Wählern die Möglichkeit genommen wird, politische Fehl­entwicklungen durch die Wahl einer echten Opposition zu korrigieren - und auch das ist in Deutschland heute schon Realität. Hiermit kann wuchernden Verwaltungs­apparaten mit hochbezahlten Privilegierten kein Einhalt mehr geboten werden.

Die Entwicklungen hin zu über­nationalen - bzw. internationalen Organisationen, sowie auch der zunehmende Einfluss von vielen nicht staatlichen Organisation (NGOs), die als private Unternehmen nicht demokratisch legitimiert sind, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass zunehmende Internationalisierung in der Politik in gleichem Maße mit einem Verlust von Demokratie verbunden ist. Dazu gehört auch, dass die europäischen Nationen zunehmend wichtige Zuständigkeiten an Brüssel abgeben.[2]

Zitate

Zitat:

«Sie befinden sich länger in der Ausbildung als früher, ziehen immer später von Zuhause aus und denken erst mit 30 an eine eigene Familie: Junge Erwachsene sind zwar mit 18 volljährig - aber sind sie auch reif genug, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen? Wenn es nach zahlreichen Kinder- und Jugend­psychologen geht, noch lange nicht. "Meiner Erfahrung nach brauchen junge Leute weit über dieses Alter hinaus noch eine Menge an Unterstützung und Hilfe", sagt die Londoner Psychologin Laverne Antrobus, Expertin für psychoanalytische Therapie.» - Violetta Simon[3]

Zitat:

«Die Verwendung des Begriffs "dumm" als politisches Etikett spricht für eine Infantilisierung des öffentlichen Lebens. Beschimpfungen bringt man normalerweise eher mit kindischem Verhalten in Verbindung. Wenn man sich über jemandes Redewendungen, Verhaltens­weisen, Vokabular oder Herkommen lustig macht, ist das letztlich eine Politik der Beleidigung. Und eine Beleidigung ist weder ein Argument noch eine klare Vorstellung. Tatsächlich dient die Beleidigung auf der politischen Ebene oft als Ersatz für Argumentation und Debatte.» - Frank Furedi[4]

Zitat:

«Die Alterspyramide ist Kleinkram im Vergleich zur Verblödungslawine, die auf uns zurollt.» - Hadmut Danisch[5]

Einzelnachweise

  1. Pdf-icon-extern.png National - Freiheitlich[ext] - Karl Schmitt, 8. Oktober 2012 (8 Seiten, S. 1)
  2. Pdf-icon-extern.png National - Freiheitlich[ext] - Karl Schmitt, 8. Oktober 2012 (8 Seiten, S. 4-5)
  3. Violetta Simon: Erwachsen werden: Volljährig, aber unreif, Süddeutsche Zeitung am 10. Oktober 2013
  4. Frank Furedi: Diskussionskultur: Der dumme Konservative!, Novo-Argumente am 18. November 2013
  5. Hadmut Danisch: Verblödungsrepublik Deutschland, Ansichten eines Informatikers am 16. Mai 2014

Querverweise

Netzverweise