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Wechselmodell

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Der Begriff Wechselmodell steht im Familienrecht für verschiedene Möglichkeiten zur Regelung des Umgangs, mit denen Eltern das Prinzip der gemeinsamen Sorge für ihre Kinder auch nach einer Scheidung bzw. Trennung tatsächlich leben können.

Ein "echtes" Wechselmodell liegt vor, wenn die Betreuungszeiten (entweder durch freiwillige Vereinbarung der Eltern oder nach einem entsprechenden Entscheid des Familiengerichts in einem Umgangsverfahren) möglichst genau hälftig zwischen Mutter und Vater aufgeteilt werden.

Andere Bezeichnungen sind Paritätsmodell (von lat.: paritasGleichheit), "paritätische Doppelresidenz", "Doppelresidenzmodell", "abwechselnde Beherbergung", "alternierende Obhut", "Bilokationsprinzip", auf Englisch "Joint Custody" und "Shared Parenting". Außerdem wird zuweilen von "hälftiger Betreuung" gesprochen.

Für die konkrete Ausgestaltung der Umgangsregelung gibt es viele Möglichkeiten. Häufig wird ein wöchentlicher, mitunter ein zweiwöchentlicher Turnus praktiziert. Insbesondere bei jüngeren Kindern wählt man wegen des altersabhängigen kindlichen Zeitempfindens aber auch kürzere Intervalle bis hin zu halbtäglichen Wechseln.

Hauptartikel: Umgangsregelung

Während die Kinder bei Wechselmodellen zwischen den Haushalten von Mutter und Vater wechseln, gibt es als besondere Variante noch das "Nestmodell". Bei diesem wird der hauptsächliche Aufenthalt des Kindes in einer Wohnung belassen, aber die Eltern kommen wechselweise zur Betreuung. Empfohlen wird es für sehr kleine Kinder.

Inhaltsverzeichnis

Kritik des Begriffs

Auch wenn der Begriff "Wechselmodell" allgemein gebräuchlich ist, so ist er doch unpräzise und auch unglücklich gewählt. Kritiker des Begriffs wenden ein, Wechselmodelle gäbe es viele. Selbst der beim Residenzmodell richterlich verordnete, standardmäßige Kurzbesuch, der alle zwei Wochen von Freitag bis Sonntag stattzufinden hat, sei streng genommen ein Wechselmodell, weil die Kinder hier ebenfalls, wenn auch nur für zwei Übernachtungen, vom Haushalt des betreuenden Elternteils in den des umgangswahrnehmenden Elternteils wechseln. Weiter wäre die Bezeichnung gerade aus Sicht der Väter, die eine hälftige Betreuung anstreben, problematisch, weil das Wort negative Assoziationen wecken könne.

Tatsächlich bringt der Begriff "Wechselmodell" die paritätische Doppelresidenz unterschwellig in Misskredit, weil seine Verwendung genau die Vorurteile derjenigen bedient, die solche Modelle teils auf das heftigste bekämpfen. Ohne jeden wissenschaftlichen Nachweis behaupten Gegner, Kinder bräuchten einen "Lebensmittelpunkt" und sprechen von den "armen Kindern", die beim Wechselmodell "hin und her zigeunern" und "immer wieder ihre Köfferchen packen" müssten. Im Ausland werden deutlich positivere Ausdrücke verwendet, die das Element der Beherbergung und nicht den Wechsel betonen, und es gibt Mutmaßungen, dass der Begriff Wechselmodell bei uns von interessierten Kreisen bewusst eingeführt wurde, um diese Form der Umgangsgestaltung allein schon durch eine unvorteilhafte Bezeichnung in Misskredit zu bringen.

Gesellschaftliche Entwicklungen, Erkenntnisse der Sozialisationsforschung

Durch die gesellschaftlichen Leitmilieus wird seit längerem um die verstärkte und vermehrte Teilhabe von Männern am Familienleben bzw. an der Kindererziehung und Hausarbeit geworben und eine paritätische Verteilung der beruflichen und familialen Aufgaben zwischen den Geschlechtern gefordert. Und in der Tat ist in den letzten Jahrzehnten die Zahl der sogenannten "aktiven Väter" gewachsen, die sich, diesem Postulat entsprechend, stärker als früher üblich bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder sowie im Haushalt engagieren. Insofern entspricht es sowohl dem Engagement dieser Väter als auch dem heutigen Leitbild der gleichgestellten Teilhabe von Frauen und Männern an Beruf, Familie, Hausarbeit und gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme, wenn Kinder nach einer Trennung der Eltern in einer paritätischen Doppelresidenz betreut werden.

Im Übrigen hat sich in der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie und der Bindungsforschung in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass Vätern bei der gesunden Entwicklung und einer guten Sozialisation von Kindern genauso viel Bedeutung zukommt wie Müttern.

Hauptartikel: Väter sind wichtig
Umgekehrt hat das weitgehende Verschwinden von Vätern aus der Erziehung ihrer Kinder für jene oft gravierende Folgen, die im
Hauptartikel: Vaterlosigkeit

aufgezeigt werden.

Der "Deutsche Kinderärztekongress" hat im Jahr 2007 festgestellt, dass in Deutschland mittlerweile jedes dritte bis fünfte Kind psychisch gestört ist.[1] Diese gesellschaftliche Katastrophe wird nicht selten durch Trennungskriege und untaugliche Umgangsmodelle provoziert. Weiters weisen auch die inzwischen von vielen Experten aufgezeigten negativen Folgen des Bildungsmatriarchats in Kindergärten und Schulen in die Richtung, dass gerade im Fall von Trennung/Scheidung der Eltern die Notwendigkeit besteht, den Kindern ihren Vater als männliche Identifikationsfigur zu erhalten. Das geht aber nur durch fortgesetzte gleichwertige Teilhabe an der Erziehung.

Weitere Argumente für die hälftige Betreuung

Ein mittlerweile unbestrittener Vorteil des paritätischen Wechselmodells liegt darin, dass Überforderungen vermieden werden, wie sie häufig bei überwiegend allein betreuenden Elternteilen auftreten.

Einen anderen Grund, der für eine hälftige Verteilung des Umgangs spricht, hat das OLG Köln[2] hervorgehoben. Dort heißt es, die Kinder würden das Gefühl brauchen, beide Elternteile seien für sie verantwortlich.

Hauptkriterium für einen hälftigen Umgang sollte der eindeutig feststellbare Wille der Kinder sein. Zeigen diese klar den Wunsch, von beiden Elternteilen zeitlich gleichwertig und gleichberechtigt betreut zu werden, geht von der Entscheidung, dem Willen der Kinder zu entsprechen, eine enorm wichtige Signalwirkung aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Wunsch dem Fairnessgedanken entspringt (vergl. OLG Brandenburg)[3] oder andere Gründe hat. Wichtig ist, dass der Kindeswille respektiert wird. Eine deutliche Aufwertung haben Willensbekundungen von Kindern auch durch jüngere Entscheidungen des BVerfG erfahren. Beispielhaft seien die Beschlüssse vom 18.05.2009[4] und vom 20.6.2009[5] genannt. Insbesondere die erstgenannte Entscheidung betont - ebenso wie das OLG Brandenburg - eindringlich die Berücksichtigung des Kindeswillens als elementare Voraussetzung für die Sozialisation des Kindes.

Klar geboten ist eine hälftige Betreuung durch den Vater, wenn jener deutlich mehr Zeit hat bzw. über seine Zeit freier verfügen kann. Das OLG Düsseldorf würdigt diesen Aspekt in einem Beschluss vom 14.3.2011[6], wo es heißt: zugunsten des Vaters falle ins Gewicht, dass er dem Kind geringfügig bessere Rahmenbedingungen bieten könne. So habe er bei seiner beruflichen Tätigkeit ein höheres Maß an Zeitautonomie und könne diese Flexibilität zugunsten des Kindes nutzen. Umgekehrt begründete das OLG Stuttgart[7] die Ablehnung eines vom Vater beantragten Wechselmodells damit, die Mutter sei nicht berufstätig und könne sich deshalb - anders als der erwerbstätige Vater - umfänglich den Kindern und ihrer Betreuung widmen.

Ist letzteres nicht der Fall, sollte die Betreuung durch den eigenen Vater Vorrang haben vor einer häufig von Müttern in Anspruch genommenen Fremdbetreuung. Hierzu sei die zentrale, vom Bundesfamilienministerium beauftragte Studie zur Erziehung erwähnt (Familiale Erziehungskompetenzen - Beziehungsklima und Erziehungsleistungen in der Familie als Problem und Aufgabe, Juventa-Verlag 2005, ISBN 3-7799-0321-0). Der Betreuung durch die Eltern gegenüber dem Besuch von Kindergarten oder Schule wird dort besondere Bedeutung beigemessen. Mit Blick auf sehr junge Kinder schreibt das OLG Köln in einem Beschluss, die Möglichkeit der tatsächlichen und persönlichen Betreuung sollte gerade bei Kleinkindern berücksichtigt werden.[8]

Im individuellen Fall können weitere Argumente für ein paritätisches Wechselmodell sprechen, z. B.:

  • in etwa paritätische Wahrnehmung der Betreuung bereits vor der Trennung (mit der Einrichtung einer paritätischen Doppelresidenz würde dann dem Kontinuitätsprinzip entsprochen)
  • nicht selten findet nach einer Trennung eine Erosion elterlicher Autorität statt, dem mit einem Wechselmodell entgegengewirkt werden kann
  • allein betreuende Mütter neigen oft dazu, diverse Entscheidungen, die laut § 1687 BGB an sich im gegenseitigen Einvernehmen erörtert werden müssten, ohne Rücksprache mit dem Vater zu treffen und enthalten ihm wichtige Informationen über Angelegenheiten vor, die sich überwiegend im Alltag bzw. in der Woche abspielen (z. B. zur Schule, zu Arztbesuchen bzw. Krankheiten und deren Behandlung, partiell auch zum Umgang mit Freunden). Dagegen bekommt bei einem Wechselmodell auch der Vater von diesen Dingen sehr viel mehr unmittelbar selber mit. Im Übrigen funktioniert die Weitergabe solcher Informationen bei gleichberechtigter Umgangswahrnehmung aus naheliegenden Gründen im Allgemeinen besser, da dann beide Elternteile zu einem angemessenen Austausch motiviert werden.

Je nach Alter des Kindes ist ein Wechselmodell auch geboten, um dem kindlichen Zeitempfinden gerecht zu werden. Die beim Residenzmodell übliche, alle zwei Wochen stattfindende Unterbrechung des Umgangs mit dem Vater für volle 12 Tage ist in den allermeisten Fällen altersbedingt entschieden zu lang.

Die besten Argumente für das paritätische Wechselmodell überhaupt liefert indessen die Negativbilanz des Residenzmodells. Während die Kinder alleinerziehender Mütter bei Schulabbrechern, Drogenkonsumenten und jugendlichen Straftätern deutlich überrepräsentiert sind - laut der Diplompsychologin Ursula Kodjoe haben 86 % der jugendlichen Insassen von Gefängnissen eine Kindheit ohne Vater erlebt[9]; im Übrigen sei auch hier wieder auf den Beitrag "Vaterlosigkeit" verwiesen - werden bei Kindern, die im Paritätsmodell aufwachsen konnten, sehr viel seltener Phänomene wie soziale Anpassungsschwierigkeiten, Gewaltttätigkeit oder fatalistische Selbstaufgabe verzeichnet.[10][11]

Räumliche Nähe der Wohnsitze

Auch Gerichte, die dem paritätischen Wechselmodell gegenüber aufgeschlossen sind, befürworten es, wenn das Kind durch den Wechsel nicht jedes Mal quasi von einem sozialen Umfeld in ein anderes wechseln muss. Von daher sollten die Eltern so nahe beieinander wohnen, dass die Kindern von beiden Elternteilen aus den gleichen Kindergarten oder dieselben Freunde und Vereine o. ä. erreichen können. Spätestens mit Eintritt der Schulpflicht wird dieses Kriterium essenziell (es sei denn, ein Wechsel wird in halbjährigem Rhythmus praktiziert, aber das sind in der Tat seltene Ausnahmen). Zumindest wenn Mütter ein Wechselmodell beantragen, wird dieser Sachverhalt von Gutachtern aber auch schon mal anders beurteilt (mehr dazu siehe im Abschnitt "Ein 'Residenzmodell-deluxe' für Mutti" im Beitrag Residenzmodell).

Studien und Meinungen von Befürwortern

In jüngerer Zeit haben sich folgende Forschungsprojekte mit den Auswirkungen des Wechselmodells auf das Kindeswohl befasst:

  1. Heute hier, morgen dort? - Das Wechselmodell im Familienrecht - Eine Pilotstudie, Diplomarbeit Michael Frigger, Universität Bielefeld März 2008 [12]
  2. Das Doppelresidenzmodell nach elterlicher Scheidung - Akzeptanz in Österreich, Diplomarbeit Angela Spies, Universität Wien Juli 2010 [13]
  3. Die Gestaltung von Familienleben bei räumlicher Trennung der Schumpeter-Nachwuchsgruppe [14]
  4. An mehreren Orten zuhause: Multilokales Familienleben nach Trennung und Scheidung; Projekt: Multilokalität von Familie der Schumpeter-Nachwuchsgruppe [15]
  5. Die Betreuung im 50/50-Wechselmodell und das Kindeswohl: Gesetzliche Regelungen, das Kind als sozialer Akteur und altersbedingte Schwierigkeiten; von Dr. Gry Mette D. Haugen, Norwegian University of Science and Technology, Social Research AS, Trondheim; [16]
  6. Alternative Betreuungsformen nach elterlicher Scheidung – das "Wechselmodell" von Ass.-Prof. Dr. Harald Werneck, Universität Wien [17]

Darüber hinaus

  • existiert keine einzige Studie, welche die Vorzüge des Residenzmodells belegt. Dafür gibt es unzählige Statistiken über die aktuellen Nöte von und die Spätfolgen bei Trennungskindern, die mutmaßlich fast ausnahmslos bei alleinerziehenden Müttern aufgewachsen sind. Viele dieser Kinder sind bzw. waren mit dieser Lösung so glücklich, dass sie später den Kontakt zu ihren Müttern abbrechen oder nur noch auf Sparflamme unterhalten, was gewiss kein Indiz für die Wahrung des Kindeswohls ist.[18]
  • ist das Abwehrverhalten von Richtern kurios, die behaupten, Ergebnisse ausländischer Studien seien nicht auf deutsche Verhältnisse übertragbar, wenn Väter in Umgangsverfahren ein Paritätsmodell erreichen wollen und hierzu auf ausländische Forschungen (z. B. aus Belgien, Großbritannien oder den USA) verweisen. Umgekehrt scheint es aber keine Probleme zu bereiten, dass sich Fichtner/Salzgeber bei einem aus ihrer Sicht wesentlichen Ablehnungsgrund auf eine Untersuchung berufen, die Mary Ainsworth 1967 in Uganda (sic!) durchgeführt hat. Die zuvor erwähnten Studien belegen aber inzwischen auch für Deutschland durchweg positive Ergebnisse.

Sehr lesenswert ist ein Interview mit Dr. Michaela Schier, Nina Bathmann, Diane Nimmo und Anna Proske, welche für die unter Nr. 3 und 4 genannten Forschungsvorhaben verantwortlich zeichnen.[19] Hinweise auf weitere Studien finden sich im Beitrag zum Thema "Wechselmodell" bei Wikipedia.

Erfreulicherweise zeigt sich auch eine wachsende Zahl von Anwälten paritätischen Wechselmodellen gegenüber aufgeschlossen. Beispielhaft sei "iScheidung - Lexikon A-Z Familienrecht" genannt.[20]

Skeptischen Familienrichtern, Sachverständigen, Verfahrensbeiständen, Anwälten und nicht zuletzt Müttern sei ganz dringend die Lektüre des aus dem Jahre 1997 stammenden Aufsatzes von Wera Fischer anempfohlen.[21]

Eine umfassende Darstellung von Studien aus den letzten dreißig Jahre enthält ein im September 2013 erschienenes Fachbuch von Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf[22]

Veranstaltungen und Initiativen zum Thema

Von Vereinen, in denen sich von ihren Kindern abgeschnittene bzw. bei der Teilhabe an der Erziehung diskriminierte Väter zusammengefunden haben, werden mittlerweile vermehrt Veranstaltungen zum Thema "paritätische Doppelresidenz" angeboten.

So organisiert der VAfK seit einigen Jahrem regelmäßig in verschiedenen Städten Fachtagungen, wo die Vorzüge des hälftigen Umgangs erläutert werden und über die Verbreitung im Ausland sowie die dort geltenden gesetzlichen Regelungen informiert wird. Erfreulicherweise ist bei diesen Anlässen auch ein steigendes Interesse von Familienrichtern und Vertretern der Jugendämter zu verzeichnen. Besonders bemerkenswert ist die zunehmende Zahl weiblicher Teilmehmer, wie zuletzt bei der Tagung am 14.09.2012 in Köln. Darunter dürften - neben Anwältinnen und anderen beteiligten Professionen - auch Mütter sein, die im Interesse ihrer Kinder auf gütlichem Wege ein Wechselmodell implementieren wollen sowie mutmaßlich solche, die von ihren Ex-Partnern auf ähnlich üble Weise entsorgt wurden, wie dies vielfach unter umgekehrter Rollenverteilung geschieht.

In seiner jüngsten Pressemitteilung vom 02.11.2012 macht der VAfK nochmals seine Auffassung deutlich, wonach die paritätische Doppelresidenz in Deutschland zur Regel bzw. vom Gesetzgeber jedenfalls als die ideale Betreuungsform anerkannt werden sollte, dies übrigens unabhängig davon, ob die Eltern verheiratet waren oder nicht. Dazu wird angemerkt, die derzeitige Praxis der Familiengerichte, Kindern einem Hauptaufenthalts-Elternteil (in der Regel der Mutter) zuzuweisen und dem anderen Elternteil beschränkte Umgangszeiten “zu gewähren", entspräche nicht den Vorgaben des Grundgesetzes und der UN-Kinderrechtskonvention.[23] Auf weitere Aspekte geht das Positionspapier "Paritätische Doppelresidenz" ein.[24]

Inzwischen - genau am 22. Februar 2014 - wurde in Bonn der "Internationale Rat für die Paritätische Doppelresidenz (ICSP)" gegründet. Der gemeinnützigen Organisation gehören führende VertreterInnen aus Wissenschaft, familialen Professionen und der Zivilgesellschaft an, wobei die Mitglieder aus 11 Ländern kommen. Vom 9. bis 11. Juli 2014 veranstaltet der ICSP die "Internationale Konferenz zur Paritätischen Doppelresidenz 2014" im Wissenschaftszentrum Bonn. Das etwas sperrige, aber programmatische Motto der Veranstaltung lautet: "Die Kluft zwischen empirischen Erkenntnissen und gesellschaftlicher und rechtlicher Praxis überwinden". Die Konferenzsprache ist Englisch, eine Simultanübersetzung wird in Französisch und Deutsch angeboten.[25]

Konsens und gute Kommunikation

Leider vertreten noch viele der sogenannten "Professionellen" unreflektiert die Auffassung, zur Durchführung eines Wechselmodells seien gegenseitiges Einvernehmen über die Umgangsregelung und ein reger Informationsaustausch essentielle Voraussetzungen. Diese Haltung ist im günstigsten Fall naiv, oft sogar schlicht und ergreifend verlogen, denn: Es ist allgemein bekannt, dass konservative Richter die Kinder regelmäßig den Müttern zusprechen, wenn keine Einigung der Eltern gelingt.

Und: Nur relativ wenige Mütter sind in der Lage, die objektiven Vorteile der paritätischen Betreuung für das Kind zu erkennen und selbst wenn sie es tun, überwiegen doch allzu oft egoistisches Besitzdenken und andere Motive, die sehr viel mit den Interessen und Befindlichkeiten der betreffenden Mütter zu tun haben. An den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Kinder orientieren sich solche Frauen nicht; sie sind ihnen genauso gleichgültig wie die Nöte und Belastungen der Kinder, die aus der Abwertung des Vaters zum Besuchselternteil resultieren. Insofern tun die Anhänger des einfältigen Glaubens, der Eierkuchen könne nur mit Frieden und Freude gelingen, nichts weniger, als Müttern die Macht zur Blockade zuzubilligen. Und: Auch wenn sie es nie zugeben würden, oft wollen sie das auch!

Neutrale Forschungen haben die schon früher von objektiven Jugendamtsmitarbeitern und Mediatoren geäußerte Ansicht bestätigt: Väter sind nach der Trennung genuin bindungstoleranter als Mütter.[26] [27]

Hauptartikel: Bindungstoleranz

Der belgische Kinder- u. Familienpsychologe Jan Piet H. de Man befürwortet das Wechselmodell gerade auch für hochstrittige Paare. Sein zentrales Argument ist, ein Machtgleichgewicht zwischen den Eltern würde am ehesten die Voraussetzungen für eine Eindämmung elterlicher Konflikte schaffen[28] Den gleichen Standpunkt vertritt der renommierte Sachverständige und führende Verfechter des Ansatzes der "lösungsorientierten Begutachtung" Uwe Jopt. Auch die Erfahrungen der Familienberatungsstelle "FamThera" aus Leipzig deuten auf eine deeskalierende Wirkung, wenn beide Elternteile das Gefühl haben, sie könnten eine verantwortungsvolle Rolle für ihr Kind einnehmen.[29] Und schließlich wird sogar in dem Beitrag von Fichtner/Salzgeber, aus dem ablehnend gesonnene Richter so gerne zitieren, ausdrücklich betont, ein Wechselmodell könne für hochkonflikthafte Eltern sinnvoll sein[30] (diese Feststellung wird indessen von konservativen Richtern regelmäßig unterschlagen, was sehr viel über ihre Redlichkeit aussagt).

Wie weiter unten zu lesen ist, wächst allerdings die Zahl der Familienrichter, die sich vom idiotischen Konsensdogma abwenden. Das ist sehr zu begrüßen. Noch begrüßenswerter wäre es allerdings, wenn auch in allen Jugendämtern und Beratungsstellen endlich die Scheuklappen fallen würden, denn jene werden von trennungswilligen Müttern häufig zuerst aufgesucht. Wäre hier mehr Aufgeschlossenheit und Bereitschaft zum Umdenken zu verzeichnen, könnte dies dazu beitragen, die Eskalation vieler Trennungskonflikte schon im Vorfeld zu verhindern. Hauptnutznießer wären die Kinder.

Das Bundesverfassungsgericht zur Weigerungshaltung von Müttern

Eine Umfrage des Bundesjustizministeriums[31], die auch im Beschluss 1 BvR 420/09 der 1. Kammer des Bundesverfassungsgerichts[32] erwähnt wurde, sowie ein im Anschluß daran in Auftrag gegebenes Forschungsvorhaben haben Folgendes ergeben: Befragt, warum sie in nichtehelichen Lebensgemeinschaften die Zustimmung zur gemeinsamen Sorge verweigern, wurden von Müttern am häufigsten kindeswohlferne Gründe genannt wie "Die Mutter möchte die Alleinsorge behalten, um allein entscheiden zu können" und "Die Mutter möchte nichts mehr mit dem Vater zu tun haben und lehnt daher jeden Kontakt auch in Angelegenheiten des Kindes ab".

Hierzu stellt das BVerfG fest, beide Motive würden sich vorrangig an den emotionalen Befindlichkeiten der Mutter orientieren und gibt zu bedenken, dass "in nicht unbeträchtlicher Zahl Mütter allein deshalb die gemeinsame Sorge ablehnen, weil sie ihr angestammtes Sorgerecht nicht mit dem Vater ihres Kindes teilen wollen".

Die Ergebnisse der Untersuchungen sind unschwer auf die Motive der Mütter übertragbar, welche sich dem paritätischen Wechselmodell verweigern. Sie geben Anlass zu der Vermutung, dass es exakt dieselben Motive sind, die Mütter auch zum Widerstand gegen einen vom Vater gewollten hälftigen Umgang bewegen.

Recht und Gesetz

Zuerst ein Blick über die Grenzen

In etlichen Ländern der westlichen Welt wurde das Paritätsmodell inzwischen gesetzlich verankert, so beispielsweise in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, Tschechien, Slowakei, Dänemark, Schweden, Norwegen, Spanien, Griechenland, USA, Kanada und Australien. Einzelheiten hierzu enthält das unten empfohlene Buch von Frau Sünderhauf.

Deutschland verharrt in tradierten Klischees

Hierzulande läßt dieser Schritt auf sich warten, Deutschland ist mal wieder Schlusslicht. Eine gesetzliche Regelung zum Paritätsmodell als mögliche Option wäre aber dringend geboten, denn auch wenn sich die Eltern zuvor die Erziehungsleistungen geteilt haben und selbst bei Vätern, die den Part des Hausmanns innehatten, scheitert eine gütliche Vereinbarung hälftigen Umgangs im Trennungsfall bislang noch häufig am Widerstand von Müttern. Neben den zuvor genannten Beweggründen mögen hierbei auch der Ärger über erlittene Kränkungen, Rachsucht und nicht zuletzt finanzielle Erwägungen eine Rolle spielen. Im Folgenden machen solche Männer dann die paradoxe Erfahrung, dass gerade die Funktionsträger der sozialen, beratenden, verwaltenden und juristischen Berufe bei der Gestaltung von familiären Nachtrennungsverhältnissen oft reflexhaft genau im Sinne jener vergangenen und tradierten Rollenklischees und Familienbilder reagieren, die im krassen Widerspruch zum geführten Geschlechtsrollendiskurs und zur gesellschaftlichen Wirklichkeit der heute gelebten Lebens- und Familienmodelle stehen. So sagt beispielsweise die oben erwähnte, auch als Gutachterin tätige Psychologin Ursula Kodjoe, trotz des mittlerweile vorhandenen Wissens, nach dem Väter für ihre Kinder nicht weniger wichtig seien als Mütter, würden Familienrichter und Mitarbeiter des Jugendamts oft immer noch starr den Grundsatz vertreten, Kinder gehörten zur Mutter.[9]

Dieses nicht hinterfragte Denken huldigt dem Familienbild der 1950iger Jahre, wobei seine Wurzeln noch einige Jahre weiter zurückreichen. So betonte schon Adolf Hitler, nicht die Sorge für das Wohl des Kindes sei in erster Linie ausschlaggebend, sondern die Mutter habe ein "ethisches Recht auf ihre Kinder".[33] Von löblichen Ausnahmen abgesehen lässt sich insbesondere die Richterschaft in weiten Teilen Deutschlands offenbar immer noch von diesem Glaubenssatz des Führers leiten. Anders ist die geradezu autistische geistige Starre nicht mehr zu erklären, mit der sich die Mehrzahl der deutschen Familienrichter bislang noch weigert, die aktuellen Forschungsergebnisse pro-Wechselmodell zur Kenntnis zu nehmen.

Mögliche Ursachen der Ablehnung

Die amerikanische Wissenschaftlerin Joan B. Kelly verweist auf unbewusste Widerstände gegen geteilte elterliche Sorge bei Jurist(inn)en und Psycholog(inn)en und zwar bei Frauen wie Männern gleichermaßen. Frauen könnten die Forderung nach gleichberechtigter Beteiligung der Väter am Leben ihrer Kinder als Angriff auf ihre eigene Mutterrolle ansehen. Dies insbesondere, wenn sie geschieden sind oder vom Vater der Kinder getrennt leben und ihre Kinder (überwiegend) allein betreuen wollen oder müssen. Auch Männer könnten sich indirekt kritisiert fühlen, mit Zweifeln an ihrem eigenen Engagement bezüglich der Kinder konfrontiert oder ihre Vaterrolle in Frage gestellt sehen. Ergänzend können bei Männern und Frauen unbewusste Abwehrmechanismen greifen, die daher rühren, dass sie als Kind selbst unter der Abwesenheit ihres Vaters gelitten haben (was beispielsweise für eine ganze Kriegskindergeneration gilt) - nach dem Motto: "Ich hatte auch keinen Vater, der sich um mich gekümmert hat und aus mir ist trotzdem etwas geworden."[34]

Blockadehaltung des Gesetzgebers

Zwischenzeitlich sind die Vorzüge des Paritätsmodells nun wirklich durch genügend Studien aufgezeigt worden, während es keinerlei wissenschaftliche Nachweise zu den Vorteilen des Residenzmodells gibt, dafür aber, wie oben gesagt, sehr deutliche Indizien, die auf seine schädlichen Auswirkungen auf die Kinder schließen lassen. Gerade mit Blick auf diesen Umstands ist es angesichts der alarmierenden Zahlen, die aus anderen Ländern - insbesondere den USA und Großbritannien - sowie auch hierzulande aus einzelnen Untersuchungen schon seit Jahren vorliegen, längst überfällig, dass seitens des Bundesfamilienministeriums in Verbindung mit dem Bundesjustizministerium im Rahmen einer Studie untersucht würde, wie oft Kinder, die im Residenzmodell aufgewachsen sind, im Kindesalter bzw. auch als Jugendliche oder junge Erwachsene gravierende Schulprobleme haben, mit dem Gesetz in Konflikt geraten oder therapeutischer Hilfe bedürfen.

Dessen ungeachtet ist es derzeit leider naiv, auf Hilfe des Gesetzgebers zu hoffen. Wie im entsprechenden Beitrag ausgeführt, hat das Wechselmodell bei allen im Bundestag vertretenen Parteien keine Chance. Entweder scheitert es am konservativen Heimchen-am-Herd-Denken oder an feministischer Ideologie, welche die in den letzten Jahrzehnten errungenen Besitzstände von Frauen verbissen verteidigen möchte, selbst wenn es nachgewiesenermaßen zu Lasten der Kinder geht. Im Übrigen verdient gerade die Anwaltschaft bestens an dem Irrsinn, der Jahr für Jahr zigtausendfach vor deutschen Familiengerichten stattfindet, und die Berufsgruppe der Juristen stellt nun mal die meisten Mitglieder des Parlaments.

Als Tribut an den feministischen Zeitgeist steht das Bundesjustizministerium seit Oktober 1998 ununterbrochen unter weiblicher Leitung (außerdem war Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bereits von Mai 1992 bis Januar 1996 Justizministerin) und vertritt unverhohlen eine Politik, die Frauen bevorzugt. Beim zweiten Ministerium, das an einer Gesetzesänderung in Richtung Wechselmodell mitwirken müsste, ist bereits die Bezeichnung - Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - verräterisch, lässt sie doch erkennen, dass Väter von ihm nicht repräsentiert werden (männliche Bundesbürger tauchen nur indirekt als Jugendliche oder Senioren auf, die für Familienväter in Betracht kommenden Altersgruppen sind nicht erwähnt).

Im Übrigen leben deutsche Väter in einem Land, das im internationalen Vergleich als eher reformunwillig gilt und wo die Justiz und sonstige Behörden sowie nicht zuletzt der Gesetzgeber durch ein ausgesprochenes Beharrungsvermögen gekennzeichnet sind. So erfolgte beispielsweise die rechtsverbindliche Aufhebung der Urteile des Volksgerichtshofs erst 1998. Wenn das deutsche Familienrecht in gleichem Tempo voranschreitet, dauert es mit dem gesetzlichen Anspruch auf paritätische Elternschaft nach Trennung/Scheidung noch wenigstens 30 Jahre.

Ein Vorschlag zur Güte

Damit Kindern auch nach einer Trennung bzw. Scheidung Mutter UND Vater nicht nur rechtlich, sondern auch praktisch als gleichwertige Bezugspersonen erhalten bleiben, wäre dringend eine entsprechende Gesetzesnovelle geboten. Dr. Hildegund Sünderhauf, Professorin für Familienrecht an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, plädiert für eine Reform des Bürgerlichen Gesetzbuches, mit dem Ziel, gerichtliche Möglichkeiten einer Anordnung der Betreuung im Wechselmodell gesetzlich vorzusehen. Dazu hat die Verfasserin des unten empfohlenen Fachbuchs einen konkreten Gesetzgebungsvorschlag entwickelt.[35]

Nord-Süd-Gefälle bei der Rechtsprechung

Im Gegensatz zur lähmenden Blockadehaltung aller politischen Parteien sind immerhin Teile der Rechtsprechung in Bewegung geraten und insbesondere auf Ebene der Amtsgerichte gibt es vermehrt Beschlüsse, durch die Paritätsmodelle auch gegen den Willen von Müttern implementiert werden. Die Erfolgschancen hängen bis dato allerdings noch stark vom Wohnort ab. Die Texte der Beschlüsse verschiedener Oberlandesgerichte werden in der Rubrik "Familienrecht (Urteile)" im Portal Familienrecht wiedergegeben. Eine Einführung bietet der

Üble Exzesse vor strukturkonservativen Familiengerichten

Südlich einer Linie, die etwa von Köln nach Dresden verläuft, ist es zumindest auf Ebene der Oberlandesgerichte bislang nicht möglich, eine hälftige Betreuung gegen den Willen der Mutter durchzusetzen. Hier urteilen im katholisch-konservativen Milieu verhaftete Gerichte (→ Strukturkonservative Familiengerichte) nach dem Schema, dass ein paritätisches Wechselmodell nur angezeigt sei, wenn das Konfliktniveau zwischen den Elternteilen niedrig ist und die Kommunikation sowie Kooperation besonders gut klappt. Weiter nördlich folgt zumindest das OLG Hamm allerdings leider auch noch dieser simplen Logik, wie der schlimme und zugleich abgrundtief dämliche Beschluss vom 16.02.2012 zeigt). Unter den Oberlandesgerichten bilden die härtesten Verfechter des Dogmas vom guten Einvernehmen eine "Achse des Blöden". Im Bereich der Achse haben Mütter praktisch ein Vetorecht, wenn sie den Lebensmittelpunkt für sich wollen. Sie müssen nur für eine Verschlechterung der Kommunikation sorgen - an sich reicht es schon, eine schlechte Kommunikation lediglich zu behaupten - um ihren Willen durchzusetzen.

Oft kommt es allerdings noch deutlich schlimmer. Wenn Väter vor solchen Gerichten ein Wechselmodell erreichen möchten, müssen sich insbesondere solche, die vor der Trennung einen hohen zeitlichen Anteil an der Betreuung und Versorgung ihrer Kinder hatten, darauf einstellen, dass ihre Ex-Partnerinnen und deren Anwälte kübelweise Jauche über ihnen auskippen und sie auf niveauloseste Art zu verleumden trachten, um ihre Erziehungsfähigkeit in Abrede zu stellen. Der Grund: bei sogenannten aktiven Vätern können die Gerichte hälftigen Umgang nicht mit den üblichen Standardargumenten "Bindungsprinzip" und Kontinuitätsgrundsatz verweigern. Also wird mit härteren Bandagen gekämpft, wobei gewissenlose FamilienrichterInnen beim widerwärtigen Treiben nicht selten wohlwollende Schützenhilfe leisten und Mütter durch Bestellung korrupter "Gutachter" oder Verfahrensbeistände unterstützen, die dann jede noch so niederträchtige Lüge der Mutter ungeprüft aufsaugen (→ Die Pervertierung des Cochemer Modells) und Väter skrupellos pathologisieren.

Da vor solchen Gerichten keiner der sogenannten "Professionellen" auf die Bremse tritt, fühlen sich rasende Mütter in ihrem Kurs bestätigt und ersinnen immer weitere Beschuldigungen. Dabei übersehen hirnlose Richter die schlimmen Folgen für die Kinder: Zum einen ist die Basis für eine im Sinne des Kindeswohls wünschenswerte gemeinsame Wahrnehmung der Elternschaft oft irreversibel beschädigt, wenn sich Mütter in Umgangsverfahren wie Furien gebärden dürfen. Zum anderen lassen sich Mütter, die niemand in ihrer Raserei gemäßigt hat, anschließend relativ häufig zu Misshandlungen der ihnen von den Richtern so gnädig ausgelieferten Kinder hinreißen.

Konfliktvermeidende Rechtsprechung

Eben weil diese Spruchpraxis für Mütter Anreize schafft, sich Gesprächen zu verweigern und stattdessen - um auf "Nummer-sicher" zu gehen - den Streit mit dem Vater zu schüren, haben etliche Familiengerichte (Amtsgerichte) und - zumindest nördlich der eben erwähnten Linie - auch bereits diverse Oberlandesgerichte sowie das Kammergericht Berlin Paritätsmodelle gegen den Willen von Müttern durchgesetzt:

Vom OLG Brandenburg wurde das Wechselmodell hochstrittigen Eltern ausdrücklich deshalb verordnet, um ihre Kommunikation zu verbessern.

Das KG Berlin betont hierzu, im Wechselmodell müssten die Eltern kommunizieren lernen und eine Übertragung der Alleinsorge würde wegen der Aufhebung des rechtlichen Gleichgewichts erhebliche negative Auswirkungen auf das Kindeswohl haben, weil sich der Vater dann vor dem Hintergrund, dass ein gleich gutes Verhältnis des Kindes zu beiden Elternteilen vorhanden und sein Alltag von häufigen Kontakten zu Mutter und Vater geprägt ist, als Verlierer fühlen und das Verhältnis der Eltern sich dadurch verschlechtern würde. Dieser entscheidende Aspekt wird von immer mehr Fachleuten gewürdigt. Beispielhaft sei hier auf den Artikel "Wenn ein Elternteil nicht will, kann man nichts machen!?" von Christine Knappert hingewiesen.[36]

Das OLG Düsseldorf äußert sinngemäß, Konflikte seien für die Entscheidungsfindung nur insoweit maßgeblich, als dass ihre Ursache in der Wechselbetreuung liege. Streitigkeiten der Eltern, die aus nicht aufgearbeiteten Konflikten auf der Paarebene herrührten, hätten außen vor zu bleiben. Weiter heißt es in dem Beschluss wörtlich: "Zwar beeinträchtige die hauptsächlich vom Kindesvater ausgehende Neigung beider Eltern, sich gegenseitig zu kontrollieren, die Kooperationsfähigkeit und führe zu einer relativen Gefährdung des Kindeswohls. Bei der Übertragung der elterlichen Sorge oder des Aufenthaltsbestimmungsrechts sei aber zu befürchten, dass die Machtkämpfe zwischen den Eltern weitergehen und die gegenwärtige Belastung des Kindes durch die Kooperationsdefizite sich noch verstärken werde. [...] Bei einer Übertragung des Sorgerechts oder des Aufenthaltsbestimmungsrechts auf einen Elternteil erwartet der Senat deshalb keine Verringerung des Streitpotentials und keine Entlastung des Kindes." Zu Gunsten des Antragsteller vermerkte das Gericht, er sei "bereit, die Wechselbetreuung fortzusetzen und auf eine Verbesserung der Kooperation und Kommunikation zwischen den Eltern hinzuwirken."

Zwei weitere Beschlüsse pro Wechselmodell vom OLG Celle und vom OLG Köln ergingen im Jahr 2008. Außerdem gibt es einen Beschluss des OLG Jena vom 22.08.2011 sowie noch einen zweiten, ganz aktuellen Beschluss vom KG Berlin.

Die Frage der Verfassungsmäßigkeit

Während in anderen Ländern der westlichen Welt inzwischen die Weichen per Gesetz in Richtung des paritätischen Wechselmodells gestellt wurden - dies oft unabhängig davon, wie sehr sich der Vater vor der Trennung an der Versorgung und Förderung seiner Kinder beteiligt hat - müssen Väter in Deutschland bei fehlendem Einverständnis der Mutter den Klageweg beschreiten, wenn sie hälftigen Umgang erreichen wollen. Dabei sagen ihnen ihre Anwälte, sie sollten stets nur mit dem Kindeswohl argumentieren, dürften aber auf keinen Fall eigene Ansprüche erkennen lassen oder den Eindruck erwecken, es ginge ihnen ja nur ums Prinzip bzw. darum, eigene Interessen durchzusetzen. Dieser Rat ist insoweit berechtigt, als dass Vätern, die sich nicht an diese Devise halten, zumindest von strukturkonservativen Richtern sofort genau diese Beweggründe unterstellt werden. Standardmäßig kommt dann der Generalvorwurf hinzu, sie wollten ja bloß der Mutter schaden. Andere Juristen sind da etwas ehrlicher. So fragt beispielsweise Dr. Mandla von der Uni Halle, ob es nicht den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG und das Elternrecht des Vaters nach Art. 6 Abs. 2 GG verletzt, wenn dem Recht von Vätern auf Familienleben regelmäßig ein geringeres Gewicht beigemessen wird als dem der Mutter.[37]

Natürlich haben auch Väter ein Recht auf Familienleben, und das sollte man(n) nicht schamhaft verschweigen. Entscheidend ist jedoch, dass sich die Wahrnehmung dieses Rechts oft mit dem Willen der Kinder deckt, wenn jene enge Bindungen an den Vater haben, weil sie beispielsweise vor der Trennung intensiv von ihm betreut und gefördert wurden. Insofern käme es den Kindern zu Gute, wenn man Vätern zugesehen würde, ihr Grundrecht auf Familienleben auch tatsächlich so auszuüben, wie es Müttern selbstverständlich gewährt wird. Dessen ungeachtet werden Väter allzu oft unter Verwendung des abstrakten Rechtsbegriffs "Kindeswohl" mit Hilfe fadenscheiniger, pseudowissenschaftlicher Gutachten weitgehend vom Umgang mit ihren Kindern abgeschnitten. Dabei berühren die Ausführungen der „Sachverständigen“, mit denen sie die Erwartungshaltung voreingenommener Richter bedienen, nicht selten ein weiteres Grundrecht. Bei Vätern, die sich mit der Mutter die Versorgung und Erziehung geteilt haben oder sie als Hausmann überwiegend geleistet haben, wird die Übernahme dieser Aufgaben bzw. der Rolle des Hausmanns negativ konnotiert und auf abgefeimte Weise dazu mißbraucht, um ihnen eine mangelnde berufliche und soziale Integration, Selbstbezogenheit und eine Abkehr von der äußeren Welt nachzusagen, um eine mangelnde Erziehungsfähigkeit zu begründen.

Hierin liegt jedoch eine klare Verletzung des Art. 2 Abs. 1 GG, der das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiert. Wenn die Inanspruchnahme dieses Grundrechts indessen dazu führt, dass der Rechtsausübende in der Folge hinsichtlich der Wahrnehmung bzw. des Schutzes eines anderen Grundrechts (Art. 6 Abs. 2 und 3 GG) beschnitten wird, ist die Ausübung des Grundrechts nach Art. 2 Abs. 1 beschränkt, weil jeder, der seine Lebensführung nicht einer willkürlich interpretierbaren gesellschaftlichen Normierung unterordnet, damit rechnen muss, des - zumindest für Mütter und Väter - vielleicht wichtigsten Grundrechts überhaupt verlustig zu werden. Außerdem ist gleichzeitig wieder Art. 3 Abs. 1 GG tangiert, weil es als sicher gelten kann, dass noch kein Sachverständiger einer nicht berufstätigen Mutter mit entsprechender Begründung die Erziehungsfähigkeit abgesprochen hätte.

Wie im Folgenden ausgeführt wird, hat das Bundesverfassungsgericht solchen Überlegungen zwischenzeitlich eine klare Absage erteilt. Sofern Mütter einen hälftigen Umgang ablehnen, ist es offenbar unerheblich, wenn Grundrechte von Vätern verletzt werden.

Drei Affen in Karlsruhe

Das Bundesverfassungsgericht hatte zwar in einem Beschluss vom 20.6.2009 [38] gesagt, zur gemeinsamen Ausübung der Elternverantwortung genüge ein Mindestmaß an Übereinstimmung. Weiter hieß es, das Sachverständigengutachten hätte gerade auf die negativen Folgen der Übertragung der Alleinsorge auf die Kindesmutter hingewiesen und im Interesse der Kinder empfohlen, der Mutter nicht das Instrument der Alleinsorge zur Lösung ihrer persönlichen Probleme in der Beziehung zum ehemaligen Partner und zur Befriedigung ihres Bedürfnisses nach Abgrenzung in die Hand zu geben. Es gebe für sie dann keinen Anlass mehr für Elterngespräche. Sie könnte sich dem Kindesvater dann vollständig entziehen, was nicht im Interesse der Kinder wäre.

Ob diese doch recht unverbindlichen Sätze im Folgenden bei der erneuten Verhandlung vor dem OLG praktische Wirkung entfaltet haben, ist allerdings nicht bekannt.

Mit Datum vom 29.06.2012 wurde eine Verfassungsbeschwerde zum Wechselmodell eingereicht, die auf die Einrichtung einer paritätischen Doppelresidenz gegen den Willen der Mutter abzielte. In ihrem Beschluss vom 12.11.2012 haben sich die Karlsruher Richter eindeutig positioniert: über die betreffende Beschwerde ist nicht einmal verhandelt worden, sondern ihre Annahme wurde ohne Angabe von Gründen abgelehnt, obgleich es in den vorangegangenen Verfahren vor dem AG Cochem und dem OLG Koblenz zu glasklaren, zum Teil haarsträubenden Missachtungen von Verfahrensrecht und Verstößen gegen die eigene Rechtsprechung des BVerfG gekommen war. So genügte die Begründung zum Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts nicht im Entferntesten den vom BVerfG in diversen Urteilen definierten Maßstäben. Des Weiteren war der Kindeswille entgegen verschiedener Urteile aus Karlsruhe auf grobe Weise missachtet worden. Darüber hinaus hatte der Sachverständige in seinem Gutachten etliche Aussagen des Vaters grob verfälscht widergegeben und ihm eigene, von ihm selbst getätigte Äußerungen untergeschoben. Letzteres wäre mit Hilfe der Bandaufzeichnung des Explorationsgespräches eindeutig nachweisbar gewesen. Der Koblenzer Senat lehnte es jedoch einfach ab, die Herausgabe des Tonträgers zu verlangen und deckte damit eine Straftat, nämlich die uneidliche Falschaussage eines Zeugen. Aber selbst dieser ungeheuerliche Vorgang rief die obersten Hüter des Rechtsstaats nicht auf den Plan.

Nicht nur angesichts der oben erwähnten, vom Bundesverfassungsgericht selbst festgestellten Motive von Müttern ist diese Entscheidung absolut unverständlich, zeigt aber einmal mehr, dass in Karlsruhe politische Richter sitzen, die niemals etwas entscheiden werden, das der in den Parteien vorherrschenden Meinung zuwiderläuft (und im Übrigen zumeist ungeniert Kollegenschutz betreiben, auch wenn sich Richter noch so weit von Recht und Gesetz entfernen). Das Gleiche passierte in mindestens einem weiteren Fall: Auch hier wurde die Verfassungsbeschwerde eines Vaters mit Beschluss vom 11.04.2013 ohne jegliche Begründung nicht zur Entscheidung zugelassen.[39]

Wechselmodelle auch gegen den Willen der Mutter werden von renommierten Familienrechtlern als eine der wichtigsten, noch offenen Fragen im deutschen Familienrecht betrachtet. Vor diesem Hintergrund und angesichts der erheblichen, in den beiden vorgenannten Beschwerden aufgezeigten Verletzungen von Grundrechten und Verfassungsrecht ist es ausgesprochen erbärmlich, wenn sich das höchste deutsche Gericht in Schweigen hüllt. Stattdessen verhalten sich seine Richter wie die sprichwörtlichen drei Affen, die vor offensichtlichem Unrecht Augen und Ohren verschließen und zu feige oder zu opportunistisch sind, um ihm entgegenzutreten.

Regelungsbedarf beim Kindergeld, Melde- und Unterhaltsrecht

Wenn Eltern ein paritätisches Wechselmodell praktizieren, darf bis dato für das Kind melderechtlich nur ein Hauptwohnsitz eingetragen werden, obwohl es faktisch zwei hat. Das Kindergeld ist ebenfalls unteilbar an einen Elternteil auszuzahlen, einen Anspruch auf anteiliges Kindergeld für beide Elternteile gibt es noch nicht. Auch die Fragen nach dem Bestehen und der Höhe von Kindesunterhalt sind bislang durch kein Gesetz geregelt.

Akzeptanz hälftiger Betreuung

Auch wenn in den oben erwähnten Ländern paritätische Wechselmodelle nicht verbindlich vorgeschrieben sind, sondern lediglich als eine mögliche bzw. die prinzipiell ideale und damit privilegierte Art der Umgangsgestaltung im Gesetz berücksichtigen, so entscheiden sich dennoch beispielsweise in den USA rund 25 % der Eltern für das Paritätsmodell. Dieser Prozentsatz entspricht in etwa der Zahl, die einschlägige Studien bei uns als besonders engagierte Väter ausgemacht haben. In Belgien wird die Doppelresidenz derzeit in 27 % der Nachtrennungsfamilien praktiziert. Bei uns sind es Schätzungen zufolge erst 10 bis höchstens 15 %. Den Kindern vieler, an sich bereitwilliger Väter wird also ein hälftiger Umgang mit dem Vater verwehrt, dies oft gegen den erklärten Willen der Kinder.

Die Argumente der Gegner

Zahlreiche Gegner des Wechselmodells behaupten unisono, Kinder würden unbedingt einen Aufenthaltsschwerpunkt bzw. ein einziges "Zuhause" benötigen, wo sie sich überwiegend aufhalten (natürlich denken sie dabei an das traute Heim bei der zur Ikone verklärten, sich für ihre Kinder aufopfernden und selbstlos ihre Liebe verströmenden "Mama"). Diese Ansicht war jedoch zu keiner Zeit wissenschaftlich evaluiert und gilt inzwischen durch jüngere pädagogische und kinderpsychologische Erkenntnisse sogar als widerlegt, wie aus den oben im Abschnitt "Studien und Meinungen von Befürwortern" erwähnten wissenschaftlichen Erhebungen und nicht zuletzt anhand der im

Hauptartikel: Lebensmittelpunkt

erwähnte Studie des Bundesfamilienministeriums zu ersehen ist.

Des Weiteren heißt es immer wieder, diese Form der Betreuung könne nur funktionieren, wenn beide Elternteile damit einverstanden seien. Auch diese Aussage muss intellektuell mehr als fragwürdig erscheinen, wie nicht zuletzt in diversen jüngeren Gerichtsbeschlüssen betont wird (siehe oben).

Beliebt ist außerdem das Argument, der Vater habe sich ja auch vor der Trennung nicht oder nur wenig um die Kinder gekümmert. Zum einen ist das behauptete Desinteresse jedoch oft erstunken und erlogen: Selbst Väter, die zuvor als Hausmänner ihre Kinder betreut haben, müssen im Trennungsfall zu ihrem Entsetzen erleben, wie die Mutter ihnen mit blödem Geschwätz und irgendwelchen Schauermärchen mangelnde Fürsorge unterstellt. Zum anderen wurden viele Väter von ihren Frauen in die Rolle des Versorgers und Ernährers gedrängt und haben Überstunden geschrubbt, um Ansprüche zu befriedigen, welche von ihren Partnerinnen für sich und die Kinder erhoben wurden. Wenn Vätern, die auf Verlangen jahrelang Kohle rangeschleppt haben, auf einmal vorgeworfen wird, sie hätten sich zu wenig gekümmert, dann ist das einfach nur schäbig.

Außerdem sprechen die InteressenvertreterInnen "alleinerziehender" Mütter regelmäßig davon, Väter, die ein Wechselmodell wünschten, wollten damit nur einer "doppelten Trennungsangst" begegnen. Wieso eigentlich doppelt? Die Partnerin haben sie doch mit der Trennung bereits verloren, davor brauchen sie also keine Angst mehr zu haben und die Sorge, dass im Residenzmodell auch die Beziehung zu den Kindern komplett abbricht oder aber zumindest massiv geschädigt wird, ist indessen nicht unbegründet (mehr dazu im betreffenden Beitrag). Die wenigen Frauen, denen die gleichen Umgangsregelungen zugemutet werden wie den meisten Männern, haben sicherlich ähnliche Ängste bezüglich des Erhalts der Beziehung zu ihren Kindern.

Der Verweis auf die Belastungen der Kinder durch die häufigen Wechsel ist dann, wenn ein Wechsel im wöchentlichen Rythmus praktiziert bzw. angestrebt wird, völlig irrational, denn die Anzahl der Wechsel beträgt hier genauso viele wie beim Residenzmodell, nämlich auf zwei Wochen gerechnet exakt zwei. Beim Wechsel im Zwei-Wochen-Turnus gibt es sogar nur halb so viele Wechsel wie bei der "klassischen" Umgangsregelung. Aber auch eine größere Zahl von Wechseln wird von vielen Kindern, die sich kürzere Intervalle ausdrücklich wünschen, keineswegs als negativ empfunden. Zumindest bei räumlicher Nähe der elterlichen Wohnsitze sind keine objektiven Probleme vorhanden und den diesbezüglichen Einwänden von Gegnern mangelt es regelmäßig an Logik und Stichhaltigkeit.

Schließlich ist immer wieder zu hören, Vätern ginge es nur darum, sich vor Unterhaltszahlungen zu drücken. Wünsche nach Einrichtung einer paritätischen Doppelresidenz werden aber überwiegend von Vätern geäußert, die sich bereits vor der Trennung überdurchschnittlich intensiv bei der Versorgung und Erziehung ihrer Kinder engagiert haben und gegenüber diesem Personenkreis ist ein solcher Generalverdacht schlichtweg abwegig und eigentlich sogar unanständig.

Ansonsten sei zu Gegenargumenten wiederum auf den Beitrag "Wechselmodell" bei Wikipedia verwiesen.

Der Deutsche Bundestag sorgt sich ums Spielzeug

Ausgerechnet der Deutsche Bundestag überrascht mit besonderen geistigen Höhenflügen. Die Stellungnahme des zuständigen Ausschusses auf eine Online-Petition an den deutschen Bundestag.[40] belegt, auf welch unterirdischen Niveau sich die Politik mit dem Thema auseinandersetzt. Die Ablehnungsgründe der Parlamentarier kreisten tatsächlich um so intellektuell gewichtige Erwägungen, dass beim Wechselmodell zu befürchten sei, das Lieblingsspielzeug des Kindes könnte möglicherweise nicht immer in der jeweiligen Wohnung verfügbar sein. Selbst dieses schwachsinnige „Argument“ ließe sich gleich mit mehreren Erwiderungen aus dem Weg räumen.

Im Übrigen beweisen solche Äußerungen deutlich die Blockadehaltung, mit der sich von feministischem Gedankengut durchdrungene Politiker und Ministerialbeamte gegen eindeutige Erkenntnisse der Forschung sperren, obgleich deren Umsetzung das Wohl der Kinder befördern würde. Stattdessen sollen die Besitzstände von Müttern um jeden Preis gewahrt werden. Dazu muss man wissen, dass ca. 10 Prozent - exakt 63[41] - der zur Zeit 620 Bundestagsabgeordneten Anwälte sind. Die überwiegende Mehrzahl von ihnen wird auch im Bereich Familienrecht tätig (gewesen) sein und nicht wenige dürften zu der Art von AnwältInnen gehören, die ihren Mandantinnen dabei behilflich sind, erziehungswillige Väter mit allen nur erdenklichen Mitteln (z. B. Gewaltvorwürfe, Umgangsboykott, Pathologisierung) zu entsorgen.

Das Bundesjustizministerium redet Klartext

Auf eine Anfrage des Verfassers antwortete das Bundesministerium der Justiz mit Datum vom 13.12.2012. In dem Schreiben heißt es:

Zitat: «Die früheren Partner suchen die Distanz voneinander und sind häufig auch in Angelegenheiten des Kindes nicht mehr bereit, miteinander zu kooperieren. Hier mit staatlichen Normen einzugreifen, ist ein schwieriges und hochsensibles Unterfangen, das niemals in vollem Umfang gelingen kann. Der Gesetzgeber hat jedoch jedoch in den letzten Jahren kontinuierlich daran gearbeitet, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gut und flexibel wie möglich auszugestalten.»

Bodenloser Blödsinn! Was bitte hat der Gesetzgeber denn seit 1998 getan, als die heuchlerische Hohlformel von der gemeinsamen Sorge ins Gesetz aufgenommen wurde? Gar nichts!

In der Realität entstehen Konflikte ausschließlich dadurch, dass Väter ihre Bindungen an die Kinder auch nach einer Trennung pflegen und ihre erzieherische Verantwortung weiter wahrnehmen möchten. Vätern braucht man - wie von Fachleuten überwiegend festgestellt wird - in der Regel nicht zu erklären, dass gute Kontakte zur Mutter für die Entwicklung von Kindern absolut notwendig sind. Deshalb begehren gerade aktive Väter ein Wechselmodell und beweisen allein dadurch ihre Bereitschaft zur Kooperation in Angelegenheiten des Kindes. Genauso regelmäßig sind es Mütter, die sich einem hälftigen Umgang verweigern. Die oben genannten Studien zeigen die positiven Effekte hälftigen Umgangs für Trennungskinder auf; die im Beitrag "Väter sind wichtig" erwähnten Forschungsergebnisse belegen die gleichrangige Bedeutung des Vaters bei der Erziehung, der Beitrag Vaterlosigkeit thematisiert die extrem negativen Auswirkungen für Kinder, wenn Väter - so wie es beim Residenzmodell der Fall ist - nicht mehr an der Erziehung mitwirken können. Vor diesem Hintergrund laufen die zitierten Sätze im Klartext darauf hinaus, dass man im Ministerium dem Bedürfnis von Müttern nach Abgrenzung - welches vom Bundesverfassungsgericht zu Recht als "kindeswohlfernes Motiv" bezeichnet wurde - einen höheren Stellenwert beimisst als dem Kindeswohl. Das schreit nun wirklich zum Himmel!

Väter, die ein Wechselmodell wollen, nehmen damit zwangsläufig eine Fortdauer der Kontakte mit ihren Ex-Partnerinnen auf sich. Letzteres ist für viele dieser Männer alles andere als erfreulich, sondern kostet sie häufig ein nicht geringes Maß an Überwindung. Um ihrer Kinder willen bemühen sie sich jedoch, traumatische Widerfahrnisse aus der Trennungsphase hintenan zu stellen und sind dazu bereit, trotz teilweise brutaler Entgleisungen im Scheidungskrieg - siehe dazu den Abschnitt "Krieg" im Beitrag "Umgangsverfahren" - weiter mit der Kindsmutter zu verkehren. Nach Aussage des Ministeriums (und den Erfahrungen der Praxis) ist diese Bereitschaft bei vielen Müttern ZUM SCHADEN IHRER KINDER offenbar nicht vorhanden. Mit seinen Ausführungen räumt das Ministerium den Animositäten von Frauen, die ihre eigenen Befindlichkeiten über die Bedürfnisse ihrer Kinder stellen, eindeutig Vorrang vor dem Kindeswohl ein. Eine solche Haltung ist rational nicht mehr vermittelbar.

Nach einigen Phrasen dazu, wie der § 1671 BGB durch deutsche Familienrichter gehandhabt wird - die würden sich bei ihren Entscheidungen selbstverständlich nur am Kindeswohl orientieren blabla.... - heißt es im Schreiben des Ministeriums weiter:

Zitat: «Ein Vorrang der Mutter bei einer etwaigen gerichtlichen Entscheidung über das Sorgerecht nach der Trennung ist im Gesetz weder vorgesehen noch angelegt»

Das ist richtig. Aber natürlich vertraut man im Ministerium darauf, dass die biederen Damen und Herren, die in deutschen Gerichtssäälen göttergleich über das Wohl und Wehe von Kindern entscheiden dürfen, in ihrer großen Mehrheit weiterhin am Mutterkult festhalten und der Gesetzgeber unterlässt es ganz bewusst, die Diskriminierung von Vätern durch die Spruchpraxis deutscher Gerichte zu unterbinden.

Nach dem nützlichen Hinweis, dass ein Wechselmodell ja freiwillig vereinbart werden könne, wird dann klar gesagt, es bestünden jedoch Bedenken, das Wechselmodell als Regelfall für den Fall der Nichteinigung von Eltern bei Trennung und Scheidung gesetzlich festzuschreiben. Es folgt der übliche Sermon von den Vorteilen, denen erhebliche Nachteile gegenüberstünden. Das Kind könne bei ständig wechselnden Aufenthalt dadurch belastet werden, dass Kleidung, Schulbücher oder Spielzeug nicht da wären, wo sie gebraucht würden. Letzteres sei nur bei Konsens und eines "gemeinsamen Kooperationswillens" hinsichtlich der Durchführung der wechselseitigen Betreuung sichergestellt. Abstimmungsmängel und Streit über die Einzelheiten der Durchführung würden vor allem das Kind treffen.

Was für ein Quatsch! Als ob es nicht leicht möglich wäre, diese Dinge zu regeln. Kleidung und Spielsachen können von beiden Elternteilen preiswert erworben werden ("Babybasar") und selbst Schulbücher kann man günstig gebraucht kaufen und so zur Not doppelt vorhalten, wenn eine kooperationsunwillige Mutter immer wieder Störungen provoziert. Der Rest des Schreibens verdient keine Erwähnung.

Fazit: Wenn ein Kind vielleicht mal einen Tag auf den Lieblingspullover verzichten muss, bedeutet das also ein größeres Risiko als die psychischen Schäden, der Kindern durch Väterentbehrung droht? Angesichts von solchem Geschwätz, dass immerhin aus einem Bundesministerium kommt, braucht man sich nicht mehr zu wundern, warum das Ansehen der Politik einen Tiefstand erreicht hat.

Es ist zum Weinen

Hier die sprachlich und intellektuell aufschlussreiche Meinungsäußerung der Verfahrensbeiständin Johanna W. aus dem Forum "Jurathek"[42]

Zitat: «nnnnneeeeeeeeeeeeeee ne ne ne

50/50 ist nach meinen Erfahrungen nichts halbes und nix ganzes und ist für so kleine Kinder massiv nachteilig, weil sie einen festen Lebensmittelpunkt brauchen, selbst ältere Kinder - nicht nur meine - fanden das irgendwie dann zum Ko*** weil sie immer alles zweimal erzählten, wobei die Lösungen immer zeit und personen versetzt waren. Dann fanden sie es alle ätzend und uncool, immer bestimmte Sachen von einem zum anderen zu schleppen - auch das unterschiedliche Erziehungsverhalten fanden sie ätzend. Meine Große meinte mal, gut dass sie hauptsächlich bei mir gelebt hat, der Papa würde ihr alles erlauben und sie würde dann nie wissen, was unten und oben ist und was links und rechts.

Ich war früher mal dafür, bis ich in meinem privaten Umfeld das erste Drama erlebte, das sich beruflich bei Gerichtsverfahren immer wiederholt.

Es muss einen festen Lebensmittelpunkt geben - soviele Absprachen und so eine intensive Kooperation der Eltern, die hier notwendig wäre, gibt es nicht - sonst hätten sie sich ja nicht getrennt.

Und dann eine zweijährige eine Woche da eine Woche da??

neeeeeeeeeeeee ne ne ne ne ne ne

nicht gut!!»

Und es geht noch blöder

Kurz nach dem Erscheinen des weiter unten empfohlenen Fachbuchs von Frau Prof. Sünderhauf wurden bei Amazon einige "Kundenrezensionen" veröffentlicht, die einen tiefen Einblick in die Befindlichkeit der Gegnerinnen des Wechselmodells geben.

Hauptartikel: Doofe Mamas

Die Folgen des status quo

Weil sich immer mehr Väter bereits vor einer Trennung aktiver als früher an der Versorgung und Förderung ihrer Kinder beteiligen, hat das Interesse an einer paritätischen Betreuung auch nach einer Trennung deutlich zugenommen und wird mutmaßlich angesichts der ungebrochen ansteigenden Scheidungszahlen weiter steigen. Wie oben gesagt, wächst erfreulicherweise auch die Zahl der Mütter, die um ihrer Kinder willen in eine zeitlich gleiche Verteilung des Umgangs einwilligen (bezeichnend ist, dass die beiden unten empfohlenen Bücher von Müttern geschrieben wurden).

Kinder als Hauptleidtragende

Dennoch bleibt vielen Vätern aufgrund des Fehlens einer klaren gesetzlichen Regelung pro-Wechselmodell nichts anderes übrig, als vor Gericht zu ziehen, um eine angesichts der Umstände bestmögliche Umgangsregelung zu erreichen. Unter den sich oft über Jahre hinziehenden Verfahren - das Phänomen der Prozessverschleppung ist in Familiensachen ziemlich häufig - leiden in erster Linie die Kinder. Wie im Beitrag Umgangsverfahren aufgezeigt, wächst die Zahl der Verfahren weiter an; das Placebo der Einführung des gemeinsamen Sorgerechts nur auf dem Papier ist wirkunglos verpufft.

Nach den Aussagen beteiligter Professionen (so z. B. der bereits erwähnten Frau Kodjoe) wird der Krieg um die Kinder zunehmend verbissener geführt. Hierbei kämpfen auch immer mehr Väter mit harten Bandagen, wie beispielsweise in einem Forum des neugegründeten Vereins "Mütterlobby" deutlich wird.[43] Mittlerweile dürfte die Zahl der Kinder, die durch eine aus üblen Schlammschlachten resultierende, erbitterte Feindschaft ihrer Eltern oder ein völliges Verschwinden der Väter aus ihrem Leben traumatisiert wurden, über eine Million betragen. Allein das Ziel, solche schlimmen Auseinandersetzungen zu beenden, unter denen alle Beteiligten leiden, müsste Grund genug sein, die paritätische Doppelresidenz als Option gesetzlich festzuschreiben. Diese Forderung findet immer mehr namhafte Unterstützer, so beispielsweise den bereits oben genannten, auch als Gerichtsgutachter tätigen Prof. Uwe Jopt.

Belastung der Volkswirtschaft

Das Fehlen einer gesetzlichen Regelung, wonach Väter das Recht haben, sich nach Trennung/Scheidung in einem paritätischen Wechselmodell weiter um ihre Kinder zu kümmern, verursacht durch mittlerweile ca. 100.000 sorge- bzw. umgangsrechtliche Verfahren pro Jahr einen nicht unerheblichen volkswirtschaftlichen Schaden.

Anwälte und Gerichtskosten werden häufig über die Prozesskostenhilfe finanziert. In beinahe jedem Verfahren fallen zumindest mal Anwaltshonorare von 700-1.000 € an (vielfach bleibt es jedoch nicht bei diesem Betrag, weil Väter in die zweite Instanz gehen und darüber hinaus oft weitere Honorare für nachfolgende Verfahren - z. B. wegen Streitigkeiten über Details der Umgangs- bzw. Ferienregelung oder ähnliches - zu zahlen sind). Hinzu kommen 350 bzw. 550 € pro Kind für den Verfahrensbeistand an. In wieviel Prozent der Fälle ein Gutachten - Kosten mindestens 5.000 €, oft noch deutlich mehr - beauftragt wird, ist zwar nicht bekannt. Entsprechend der zunehmenden Heftigkeit der Auseinandersetzungen um Sorge bzw. Umgang dürfte die Zahl dieser Beauftragungen aber recht hoch sein. Von daher lässt sich leicht ausrechnen, dass der Steuerzahler jährlich mit Millionenbeträgen in einem gehoben dreistelligen Bereich belastet wird. Freuen tuts allein Anwälte, Sachverständige und Verfahrensbeistände. Hinzu kommen Kosten für die psychologische Behandlung von Kindern und ausgegrenzten Elternteilen. Bei letzteren dürften außerdem die häufig infolge psychischer Probleme eintretende Erwerbslosigkeit und Frühverrentungen ganz erheblich zu Buche schlagen.

Der größte volkswirtschaftliche Schaden resultiert aber wohl aus den Leistungen, die der Staat für alleinerziehende Mütter bzw. deren Kinder aufbringen muss. Aus verschiedenen Gründen zahlt etwa die Hälfte der an sich zu Kinds- und oft auch Ehegattenunterhalt verpflichteten Väter überhaupt nicht, ein weiteres Viertel zahlt weniger als sie müssten. Nicht wenige tun dies aus Protest gegen ihre rechtliche Diskriminierung durch das deutsche Familienunrecht und Frustration über die unzureichenden Umgangskontakte. An ihrer Stelle muss ersatzweise der Staat in die Breche springen. Wäre hälftiger Umgang der Regelfall, würde ein größerer Teil der Lebenshaltungskosten für die Kinder mutmaßlich sehr gerne unmittelbar von den Vätern übernommen. Im Gegenzug wären Mütter nicht mehr auf staatliche Zahlungen angewiesen und hätten überdies sehr viel mehr Zeit, um sich durch Erwerbstätigkeit selbst zu unterhalten und zur materiellen Versorgung ihrer Kinder beizutragen.

Mögliche Konsequenzen bei Verweigerung hälftigen Umgangs

Abgeneigte Mütter verschaffen sich in puncto Umgangsfrequenz zwar kurzfristig einen zeitlichen Vorteil. Ab dem Alter, in dem der Wille des Kindes zu berücksichtigen ist, büßen sie dann aber ihren Umgang oft ganz ein, wenn das Verhältnis zum Kind wegen der Missachtung seines Willens tief zerrüttet ist. Das Zerwürfnis währt möglicherweise ein Leben lang. Viele alleinerziehende Mütter haben nach dem Auszug ihrer Kinder keinerlei Kontakt mehr mit ihnen.

Ein Beispiel aus dem wahren Leben: Die Mutter hat sich dem von allen drei Kindern gewollten paritätischen Umgang starrsinnig verweigert und wurde dabei von erkenntnisresistenten Richtern und sonstigen "Professionellen“ unterstützt. Nach dem endgültigen Scheitern auf dem "Rechts"weg schaffte der älteste Sohn Fakten und zog eigenmächtig zum Vater; die zuständige Richterin war so human, seinen Entschluss per Vergleich abzusegnen. Anfänglich besuchte er seine Mutter noch. Jene konnte seine Entscheidung indessen nicht akzeptieren und setzte ihn noch massiver unter Druck als schon zuvor. In der Folge lehnte der Junge jeglichen Kontakt zu seiner Mutter ab. Daraufhin manipulierte die Mutter ihre Tochter dahingehend, ihrerseits die Besuche beim Vater zu verweigern; die Geschwister sehen sich nun überhaupt nicht mehr. Bereits zuvor war das ehemals zu großen Hoffnungen berechtigende Mädchen nur noch ein Schatten ihrer selbst, hatte sich ihren Willen nehmen lassen und regelmäßig auf die Seite der Mutter geschlagen, wenn jene den ältesten Sohn fertigmachte. Letzterer haßt seine Schwester dafür nunmehr abgrundtief. Das dritte Kind - der jüngste Sohn - steht inmitten dieses Scherbenhaufens und rebelliert seit geraumer Zeit ebenfalls schon wütend gegen die Mutter. Gründlicher kann man Familienzerstörung wahrlich kaum noch betreiben. Hätten die Geistesgrößen der deutschen Familiengerichtsbarkeit paritätischen Umgang zugestanden, wäre die Situation heute wahrscheinlich weitaus besser.

Dagegen erfrischt die Intelligenz der Aussagen aus Österreich: "Klar zeigt sich, dass der gemeinsame Weg für das Kind langfristig auch der Mutter zugutekommt. Wenn die Väter mit ihren Kindern Freizeit wie Alltag teilen dürfen, entlastet das auch die Mütter und sie erleben eine spürbare Erleichterung. Oft gehe es nur darum, den Müttern die Ängste zu nehmen. Manche fürchten, dass ihr Kind sich von ihnen abwenden könnte, weil es vielleicht den Papa lieber mag. Das ist aber falsch. Je mehr man loslässt, desto eher bleiben die Kinder, und das sogar bis zum Erwachsenenalter", so die Landesleiterin von Rainbows Tirol, Barbara Baumgartner.[44]

Rechtsfolgen bei "unechten" Wechselmodellen

Häufig wird in gerichtlichen Umgangsregelungen die Betreuung etwa im Verhältnis 1/3 zu 2/3 oder auch 40 zu 60 aufgeteilt. Juristen und Sozialwissenschaftler sprechen dann von flexiblen oder "unechten" Wechselmodellen und die letztgenannte Bezeichnung deutet auf die für Betroffene erheblichen Rechtsfolgen hin, wenn die Betreuung nicht annähernd hälftig wahrgenommen wird.

Nach derzeitiger Rechtslage hat der weniger betreuende Elternteil schwerwiegende Nachteile. So kommt der Elternteil, welcher das Kind auch nur geringfügig mehr als 50 % der Zeit betreut, nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in den Genuss der vollen Unterhaltszahlungen, während beim "echten" Wechselmodell beide Eltern anteilig nach ihren Vermögens- und Einkommensverhältnissen Barunterhalt leisten müssen. In der Praxis heben sich die wechselseitigen Ansprüche in etwa auf oder der Besserverdiener hat nur noch einen sehr geringen Betrag zu zahlen. Außerdem erhält er die gerichtliche Vertretungsmacht und das Kindergeld, weil bei ihm der Wohnsitz der Kinder einzutragen ist.

Natürlich können, zumindest was den Kindesunterhalt angeht, auch bei "unechten" Wechselmodellen außergerichtliche Vereinbarungen getroffen werden, wonach beispielsweise der Elternteil, welcher das Kind zu 60 % betreut, das Kindergeld bekommt, dafür aber auf Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils verzichtet.

Geht's eigentlich noch?

Während weder SPD noch FDP irgendwelche Initiativen unternehmen, um Väter nach einer Trennung beim Sorge- und Umgangsrecht endlich mit Müttern gleichzustellen, setzen sich führende Politiker beider Parteien für die volle Gleichstellung homosexueller Paare beim Adoptionsrecht ein. Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, Ansgar Dittmar, sagte dazu, Frau Merkel würde sich bewusst gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes stellen.[45] Was die gleichberechtigte Wahrnehmung der Elternrolle nach Trennung/Scheidung angeht, gilt diese Einschätzung leider für alle im Bundestag vertretenen Parteien. Vor diesem Hintergrund muten die Vorstöße der Politiker schon ein wenig kurios an.

Literatur

  • Petra Wagner und Ina Kiesewetter: Eine Woche Mama, eine Woche Papa[46], Kreuz Verlag 2012, ISBN 978-3-451-61088-2[47]
  • Hildegund Sünderhauf: Wechselmodell. Rechtsfragen und psychologische Forschung in der Co-Elternschaft., Springer VS, Verlag für Sozialwissenschaften 2013, ISBN 3-531-18340-0[48]

Zitate

Zitat: «Das Paritätsmodell kann ja nicht funktionieren, weil es das fundamentale Prinzip "Geld ist wichtiger als ein Vater" untergräbt.»[49]
Wichtige Hinweise zum Familienrecht
  1. "Nur das Familienwohl verwirklicht das Kindeswohl."
  2. "Familie und staatliches Gesetz passen schlecht zueinander. Das verbindende Prinzip der Familie ist die Liebe, das des Staates die Gesetzlichkeit. Dem Staat ist es nie gelungen, ein Familienrecht zu schaffen, das der Familie gerecht wird."
  3. "Um häusliche Verhältnisse, also die Familienverhältnisse, konnte vor einem Gericht nicht gestritten werden. Haus und Familie waren somit ursprünglich autonom und gerade dadurch Grundlage des Gemeinwesens."
  4. "Die Verrechtlichung ist Verstaatlichung der Familienverhältnisse und Auflösung der Familie in einzelne Rechtsverhältnisse. Das hat der Familie und dem Staat mehr geschadet als genützt."
  5. "Es kennzeichnet den totalen Staat, dass er die Menschen auch in den Familien reglementiert und das Familienprinzip zurückdrängt."
  6. "Die Ordnungsmacht beansprucht heutzutage auch in der Familie allein der Staat. Damit hat der Staat das wohl wichtigste Element der Gewaltenteilung beseitigt und sich vollends zum totalen Staat entwickelt." [50]
WikiMANNia rät:
"Vermeiden Sie Richter, Rechtsanwälte und Helferindustrie, wenn Ihnen Ehe, Familie, Kinder und Privatsphäre etwas bedeuten."
"Gehen Sie den Familienzerstörern aus dem Weg, wann und wo immer es nur geht."

Einzelnachweise

  1. Befreiungsbewegung für Männer, S. 153
  2. Beschluss 4 UF 119/07 vom 11.03.2008
  3. Beschluss 13 UF 41/09 vom 31.03.2010
  4. Beschluss 1 BvR 142/09
  5. BVR 1868/08
  6. Pdfext.gif Beschluß II-8 UF 189/10 vom 14.3.2011
  7. Beschluß 16 UF 13/07 vom 14.3.2007
  8. Beschluss 12 UF 84/10 vom 08.12.2010
  9. 9,0 9,1 Referate in Ton vom 3. Antifeminismus-Treffen am 3. November 2012
  10. Ergebnisse Internationaler Tatsachenforschung zum Wohle des Trennungskindes: "Gemeinsames Sorgerecht" - Ja und Nein, Jan Piet H. de Man (Dipl. Kinder- und Familienpsychologe, anerkannter Scheidungs- und Familienmediator)
  11. Die Anpassung der Kinder bei gemeinsamen Sorgerecht, Jan Piet H. de Man am 25. Oktober 2005
  12. Pdfext.gif Heute hier, morgen dort? - Das Wechselmodell im Familienrecht, Diplomarbeit Michael Frigger
  13. Pdfext.gif Das Doppelresidenzmodell nach elterlicher Scheidung - Akzeptanz in Österreich, Diplomarbeit Angela Spies
  14. Die Gestaltung von Familienleben bei räumlicher Trennung - Schumpeter-Nachwuchsgruppe
  15. An mehreren Orten zuhause: Multilokales Familienleben nach Trennung und Scheidung; Projekt: Multilokalität von Familie - Schumpeter-Nachwuchsgruppe
  16. Deutsches Jugendinstitut: Die Betreuung im 50/50-Wechselmodell und das Kindeswohl: Gesetzliche Regelungen, das Kind als sozialer Akteur und altersbedingte Schwierigkeiten, Dr. Gry Mette D. Haugen (Norwegian University of Science and Technology, Social Research AS, Trondheim)
  17. Deutsches Jugendinstitut: Alternative Betreuungsformen nach elterlicher Scheidung - das "Wechselmodell", Ass.-Prof. Dr. Harald Werneck (Universität Wien)
  18. WikiMANNia: Entfremdung der Kinder
  19. Deutsches Jugendinstitut: Interview: "Kinder mit mehr als einem Zuhause"
  20. iScheidung: Wechselmodell (Lexikon A-Z Familienrecht)
  21. Wera Fischer: Kindeswohl
  22. Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis, Springer VS
  23. VAfK-Pressemitteilung vom 02.11.2012
  24. Position "Paritätische Doppelresidenz" vom 27.10.2012
  25. Internationale Konferenz zur Paritätischen Doppelresidenz 2014
  26. Psychologische Begutachtung im Familienrecht: Effekte entscheidungsorientierter vs. lösungsorientierter Begutachtung auf die Trennungsfamilie - Erfahrungen und Ansichten aus Elternsicht“ (Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades „Dr.phil.“ der Fakultät Psychologie und Sportwissenschaft der Universität Bielefeld, Julia Zütphen, 2010, Seite 237+238
  27. Christine Knappert: Wenn ein Elternteil nicht will, kann man nichts machen!?
  28. Jan Piet H. de Man, Dipl. Kinder- u. Familienpsychologe, anerkannter Scheidungs- u. Familienmediator: Ergebnisse internationaler Tatsachenforschung zum Wohl des Trennungskindes - "Gemeinsames Sorgerecht": Ja und nein
  29. [Das integrierte Wechselmodell - ein Weg zur tragfähigen Kinderbetreuung durch getrennte Eltern FamThera - Institut für Familientherapie und systemische Beratung, Leipzig]
  30. Elternforum: Veröffentlichungen, Studien usw. zum Thema Doppelresidenz- bzw. Wechselmodell gesucht, Biene am 28. September 2006
  31. WGvdL-Forum (Archiv 2): Umfrage des Bundesministeriums der Justiz bei Jugendämtern und Rechtsanwälten zur gemeinsamen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern
  32. Beschluss 1 BvR 420/09 vom 21.7.2010
  33. Werner Schubert: Das Familien- und Erbrecht unter dem Nationalsozialismus, 1993, 703-704
  34. Pdfext.gif Vorurteile gegen das Wechselmodell: Was stimmt, was nicht? – Argumente in der Rechtsprechung und Erkenntnisse aus der psychologischen Forschung - Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf
  35. 1 Woche Mama, 1 Woche Papa: Aktuelle Forschung zur Kinderbetreuung nach Trennung und Scheidung -05.08.2013 - Evangelische Hochschule Nürnberg
  36. Christine Knappert: "Wenn ein Elternteil nicht will, kann man nichts machen!?"
  37. beck-online (kostenpflichtiger Download) Das Wechselmodell im Umgangsrecht und die Beliebigkeit der Argumentation - Schwierigkeiten mit Methodik und Gleichberechtigung, Aufsatz von Dr. Christoph Mandla, erschienen in NJ [Zeitschrift Neue Justiz] 7/2011, Seiten 278 ff.
  38. Beschluss 1 BvR 1868/08
  39. Kuhn gegen Deutschland
  40. Petition 6933: Sorgerecht der Eltern - Einführung des Wechselmodells bei der Kinderbetreuung vom 27.08.2009
  41. Deutscher Bundestag - 3.11 Berufsstruktur
  42. [ http://archiv.jurathek.de/showthread.php?t=114063 Jurathek: Gutachten wieviel Wert legt ein Richter darauf und was wiegt der Verfahrenspfleger]
  43. Mütterlobby e.V. (in Gründung) - Kommentare von Müttern
  44. Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.09.2013 Fast Hälfte der Trennungskinder hat keinen Kontakt zum Vater
  45. Focus-online: "Unsicher über das Kindeswohl" - Adoptionsrecht: Merkel löst Empörung bei Homo-Paaren aus, Focus am 10. September 2013
  46. Ina Kiesewetter & Petra Wagner Eine Woche Mama, eine Woche Papa - Wie Kinder getrennter Eltern gut leben
  47. eine-woche-mama-eine-woche-papa.com
  48. Pressemittelung der Springer VS vom 29. August 2013 - Kinderbetreuung: Das Wechselmodell boomt
  49. TrennungsFAQ-ForumClint Eastwood am 14. November 2011 - 04:48 Uhr
  50. Karl Albrecht Schachtschneider: "Rechtsproblem Familie", S. 23, S. 28-31
    Pdf-icon-extern.png Rechtsproblem Familie in Deutschland (41 Seiten)

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Dieser Artikel wurde am 27. August 2012 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
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